GRID

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Codemasters
Erscheinungsjahr
2008.04
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
PC
Kurzbewertung
Rasantes und forderndes Autorennen mit fantastischer Grafik
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
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Spielbeschreibung:
Es vergeht fast kein Monat, in dem nicht ein Rennspiel auf den Markt kommt. Um die Spielergunst tummeln sich inzwischen sehr viele Titel. Die Genreprimusse sind auf der Playstation 3 natürlich die "Gran Turismo"-Reihe. Die XBOX 360 schickt "Projekt Gotham" sowie "Forza Motorsport" ins Rennen. Auf dem PC gibt es ebenfalls etliche Vertreter wie die "Need For Speed"-Reihe, die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und Rallye-Spiele von Codemasters. Auf der Wii hält sich der halbwegs realistische Rennspaß in Grenzen. Spaß-Rennspiele wie "Mario Kart Wii" stehen im Vordergrund.
Das ist auch eins der großen Unterscheidungen in dem Rennspiel-Genre. Die Fun-Racer, wie der Name schon vermuten lässt, vermitteln unrealistischen, aber unkomplizierten Rennspaß. Die sogenannten Arcade-Rennspiele werden zwar mit realistischen Gefährten gespielt, allerdings ist auch hier der Realitätsanspruch wie Fahrphysik, Luftwiderstand und Schadensmodell gering gehalten. Die Autos fahren wie auf Schienen, vollführen waghalsige Rennen und Stunts wie im Film "Gone in 60 Seconds". Die Burnout-Serie ist dafür das beste Beispiel. Daneben gibt es die sogenannten Simulations-Vertreter, die versuchen das Renngeschehen, die physikalischen Gesetzesmäßigkeiten sowie die individuellen Fahreigenschaften der Autos in das Spiel so real wie möglich abzubilden. Ein weiteres Merkmal von Simulationen ist die Möglichkeit, die Fahrzeuge mit gewonnen Prämien nach und nach durch Modifikationen zu verbessern. Da kann auch schon mal aus einem Mittelklassewagen ein Rennauto werden.

Beim getesteten Spiel "Race Driver: GRID" geht es ohne Umschweife zur Rennpiste auf einer Dodge Viper. Eine atemberaubende Kamerafahrt vom allgemeinen zum speziellen aus der Satellitenperspektive bis runter zur Rennstrecke an der Fahrergruppe vorbei, bereitet den Spieler auf das Rennen vor und saugt ihn förmlich ins Renngeschehen rein. Hier erkennt der Nutzer den ersten Unterschied zu den meisten anderen Rennspielen. Es sind keinerlei Vorüberlegungen bei Fahrzeug- und Streckenauswahl notwendig. Der Spieler steigt direkt ins Geschehen ein. Und sofort merkt man auch, dass "Race Driver: GRID" sehr fordernd ist. Die Boliden fahren nämlich alles andere als auf Schienen.

Kernstück fast aller Rennspiele ist der sogenannte Karriere-Modus. Hier fängt der Spieler meist mit einem kleinen Fuhrpark und wenigen Strecken an. Nach einigen Siegen werden weitere Autos und Strecken freigeschaltet oder man kauft sich diese durch gewonnene Prämien dazu. Bei "Race Driver: GRID" heißt der Karriere-Modus GRID World. Anders als bei den übrigen Rennspielen verdingt sich der Spieler hier zunächst als Fahrer für fremde Rennteams, mit dem Ziel später durch gewonnene Prämien einen eigenen Rennstall zu gründen. Nachdem die ersten Siege eingefahren sind, beginnt das eigentliche Spiel mit dem eigenen Team (daher der Name Race Driver: GRID – Rennfahrer-Netzwerk). In Asien, Europa und den USA nimmt der Spieler an zahlreichen Veranstaltungen teil, sofern das nötige Kleingeld für das Ereignis vorhanden ist. Neben der Raserei auf zahlreichen Strecken organisiert der Spieler das eigene Team, kauft Autos oder ersteigert sie im spieleigenen eBay und kann sogar weitere virtuelle Fahrer einstellen, die für das Team Siege einfahren können. Die Management-Funktion fallen jedoch gering aus.

Fast alle Renn-Veranstaltungen sind fiktiv, nur die 24 Stunden von Le Mans sind einem realen Rennen nachempfunden. Die Veranstaltungen selber untergliedern sich in normale Positionskämpfe, Drift-Rennen, wo es darum geht so oft und so spektakulär wie möglich um die Kurven zu gleiten. Den amerikanischen Stock-Car Rennen nachempfundene Crash-Derbys gewinnt derjenige, der heil alle Runden übersteht. Eine weitere Veranstaltung sind auf einem Bergkurs und oft nachts stattfindende rasante Kopf-an-Kopf Rennen gegen einen Kontrahenten, sogenannte Touge-Rennen. Alles in allem ist "Race Driver: GRID" eine Mischung aus Arcade und Simulation. Für eine reine Simulation fehlt dem Spiel die Möglichkeit seine Fahrzeuge aufzumotzen. Auch sind im Spiel Klein- und Mittelklassewagen nicht vorhanden.
Neben dem Karriere-Modus bietet "Race Driver: GRID" noch den einfachen Renntag an, in dem man schnell eine Runde im Einzelspielermodus absolvieren kann. Im Mehrspielerpart des Rennspiels kann sich der Spieler im lokalen Netzwerk oder über das Internet gegen bis zu 11 Gegnern in diversen Veranstaltungen messen.

Die grafische Umsetzung des Spiels ist hervorragend. Die Autos sind extrem detailreich und sehen sehr echt aus. Die Rennstrecken sind ebenfalls realistisch modelliert. Leider hält das schöne Bild der Autos nicht lange an. Die Entwickler haben ein Schadensmodell eingebaut. Bei den zahlreichen Unfällen verformt sich die Karosserie oder der Frontspoiler verabschiedet sich und liegt dann zudem auf der Rennstrecke als Hindernis für einen selbst oder eben die anderen Teilnehmer. Zu viele Crashs wirken sich auf das Fahrverhalten der Autos aus und lassen diese nur noch schwer beherrschen, bis hin zu einem Totalschaden.

Von den vielen Rennstrecken wissen die Stadtkurse wie San Francisco, Washington, Mailland usw. besonders zu gefallen. Viele Sehenswürdigkeiten fallen dem Betrachter sofort auf. Auch das drumherum wurde eindrucksvoll umgesetzt. Die Rennstrecken werden von zahlreichen Zuschauer umsäumt, die Jubeln, wenn der Fahrer an ihnen vorbeifährt.

Der Spieler kann das Renngeschehen aus fünf verschiedenen Perspektiven betrachten. Zwei Kameraeinstellungen sehen das Fahrzeug aus der 3. Person. Eine 1st Person-, eine Motorhauben- und eine Cockpit-Perspektive versetzen den Spieler noch tiefer ins geschehen und lassen das Rennen aus den Augen des Fahrers betrachten. Besonders die Fahrt aus der Cockpit-Perspektive vermittelt den Eindruck eines realen Rennens.

Die Steuerung von "Race Driver: GRID" ist einfach, was nicht bedeutet, dass das Spiel einfach zu meistern ist. Mit dem linken Analogstick wird das Fahrzeug gesteuert. Die linke analoge Trigger-Taste dient zum Bremsen, die Rechte steht für das Gaspedal. Mit dem rechten Analogstick schaut sich der Fahrer um. Alternativ kann die Tastatur bei der PC-Version als Steuergerät verwendet werden. Selbstverständlich kann auch ein Force-Feedback-Lenkrad angeschlossen werden, wo Fahrbahnunebenheiten und Lenkkräfte an dem Steuergerät zu spüren sind.


Pädagogische Beurteilung:
"Race Driver: GRID" wurde bei uns in der Stadtbücherei Neukirchen, obwohl seit Juni im Angebot, kaum beachtet. Nur wenige Jugendliche spielten das Spiel und meistens auch nur oberflächlich. Das hat zum einen mit der starken Spiele-Konkurrenz in der Bücherei zu tun. Erst mit dem Auftrag des Test erfuhr das Spiel in der daddelBIB eine Wiedergeburt. Durch die intensivere Auseinandersetzung der Testgruppe wurden auch die anderen Jugendlichen auf die Vorzüge des Rennspiels aufmerksam, das im Anschluss lange Zeit sehr intensiv gespielt wurde (und nur von wenigen Mädchen). Insbesondere der Netzwerkmodus hat den Jugendlichen gefallen und lieferte langen Spielspaß. Der Einspieler-Modus wurde dagegen wenig gespielt. Die Entwickler haben es versäumt den Multiplayer-Modus besser auszuarbeiten. Es fehlt eine Art Netzwerkmeisterschaft mit eigenem Ranking, an dem die Spieler sich messen können. So hätten die Jugendlichen auch mal ein eigenes Rennturnier veranstalten können. Leider wurde auch auf die in vielen Rennspielen vorhandene Möglichkeit am geteilten Bildschirm zu zweit ein Rennen zu absolvieren verzichtet. Ebenfalls fehlt ein Voice-Chat im Spiel, mit dem im Netzwerk kommuniziert werden konnte. Wir haben uns in dem Fall mit der freien Software TeamSpeak geholfen. Mit der PC-Version kann aber über die Tastatur kommuniziert werden.

Die Jugendlichen kamen schnell darauf, das integrierte Schadensmodell und die Möglichkeit den Gegner zu rammen, zu missbrauchen. Besonders die langsameren Kinder haben aus Frust manchmal versucht, den Gegner zu rammen. Dagegen haben wir klare Regeln aufgestellt, bei normalen Rennen nicht absichtlich Unfälle zu provozieren. Da aber bemerkt wurde, dass die Möglichkeit des Rammens den Kindern viel Spaß gemacht hat, haben wir öfters die Crash Derbys gespielt, wo rammen ausdrücklich erlaubt sogar gefordert war. 

Natürlich taucht hier schnell die Frage auf, inwieweit Rennspiele das reale Fahrverhalten beeinflussen. Eine Studie des Bundesamtes für Straßenwesen gab im Jahr 2006 eine Entwarnung heraus. Siehe hierzu folgenden Link [Stand: 26. 10. 2008]. Wie weit die Kluft zwischen Wirklichkeit und Computerspiel liegt, zeigt die Sendung "Top Gear" vom BBC , wo der Reporter mehrere Rennen auf der Strecke Laguna Seca im Spiel Gran Turismo absolviert, anschließend die selbe echte Strecke in einer echten Honda NSX fährt:


Die Frage, wie real das Renngeschehen und das Fahrverhalten umgesetzt wurde, konnten die Kinder natürlich nicht beantworten, da noch keiner von ihnen Auto gefahren ist. Aber sie konnten Vergleiche zu anderen bereits gespielten Rennspielen stellen. Dabei fährt sich GRID schwerer und damit für die Tester realistischer. Die Grafik des Spiels ist beindruckend echt. Daneben ist die Inszenierung der Rennen und das drumherum mit den tollen Autos, den schönen Strecken, den jubelnden Zuschauern und den Sprüchen eines Kommentators besonders ansprechend umgesetzt. Am Anfang erstellt der Spieler ein Profil und kann aus einer großen Datenbank mit gängigen Namen einen herauspicken. Falls der Spieler das Glück hat seinen eigenen Namen zu finden wird er von dem Kommentator direkt angesprochen. Diese Möglichkeit mehr Nähe im Spiel zu vermitteln, wurde schon in Nintendos Zelda-Spielen verwendet. 

Interessant war, dass den jungen Testern auffiel und auch kritisiert wurde, dass die Rennstrecken mit Werbung übersät waren. Besonders die Kooperation mit eBay ist bei GRID überdeutlich. Natürlich ist der reale Rennsport schon lange eins mit der Werbeindustrie und man kann argumentieren, dass auch hier ein reales Renngeschehen (wie auch bei Sportspielen generell) vermittelt wird. Doch der Trend geht eindeutig Richtung Ingame-Werbung, die die Spieleindustrie als zusätzliche Einnahmequelle sieht. Spiele werden sogar inzwischen für die Wahlwerbung benutzt. Beim Präsidenten-Wahlkampf in den USA benutzte der Demokrat Barack Obama zum ersten mal Videospiele als Werbeplattform und buchte Werbefläche bei Spielen von Electronics Arts. Eine kritische Entwicklung.

Wie schon erwähnt ist die Steuerung des Spiels einfach umgesetzt. Im Prinzip benötigt der Spieler nur 3 Tasten (Bremse, Gas, Steuerung). Doch es vergeht einige Zeit, bis man die Autos halbwegs beherrscht. In Kurven muss der Spieler das Gas wegnehmen, sonst landet er schnell im Kiesbrett. Und aus diesem herauszukommen ist nicht einfach. Sobald die analoge Gastaste zu feste gedrückt wird, drehen die Autos sich schnell mal um die eigene Achse. Die dabei erzeugte Nebelwand durch Kies, Sand oder Gummiabrieb erschwert die Orientierung zum Teil erheblich. Besonders die jüngeren Kinder haben durch die schwierigere Kontrolle der Fahrzeuge sehr schnell frustriert das Spiel zur Seite gelegt. Daher sollten nur Kinder ab 8 Jahren das Spiel spielen, die stressresistent sind und schon über eine ausgeprägte senso-motorische Entwicklung verfügen.

Durch virtuelle Unfälle leidet natürlich nach einiger Zeit das Fahrverhalten. Die Autos ziehen nach links oder rechts und sind kaum noch zu beherrschen. Das Auto lässt sich sogar zu Schrott fahren. Die Entwickler haben in diesem Fall den Spielern eine Art Zeitmaschine an die Hand gegeben. Wie mit einem Videorecorder kann der Fahrer das Rennen ein bestimmtes Stück zurückspulen und wieder starten, um sein Fahrverhalten zu korrigieren. Leider gibt es so etwas nicht im echten Leben.

Fazit:
"Race Driver: GRID" ist ein überaus rasantes und grafisch spektakulär umgesetztes Rennspiel, dass besonders im Multiplayer-Modus Spaß macht. Dabei stellt das Spiel eine gelungene Mischung aus Arcade und Simulation dar. Um aber das Spiel zu meistern, müssen Spieler über eine schnelle Hand-Auge Koordination verfügen, die nur wenige Kinder ab 6 Jahren haben. Daher sprechen wir dem Spiel eine pädagogische Beurteilung ab 8 Jahren aus.