Mirrors Edge

Genre
Jump&Run
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2008.11
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Rennen und Springen mit innovativem Konzept
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Handlungsort des Spieles ist eine Stadt innerhalb eines totalitären Überwachungsstaates, die George Orwells Visionen aus dem Roman "1984" beschreibt. Sämtlicher Informationsfluss wird kontrolliert, die Freiheit des Einzelnen ist stark eingeschränkt.
Sensible, für den Staat unbequeme Daten unentdeckt von einem Ort zum anderen zu transportieren, haben sich die "Runner" zur Aufgabe gemacht. Dieses Netzwerk aus Kurieren agiert allerdings nicht auf offener Straße, denn dort ist die totalitäre Staatsmacht omnipräsent. Sie erledigen die Botengänge heimlich auf den Dächern der Großstadt, springen dabei spektakulär von Hochhaus zu Hochhaus - und dies in waghalsiger Geschwindigkeit, um nicht von Hubschraubern entdeckt zu werden.
Eine dieser Kuriere ist Faith, die Hauptprotagonistin des Spieles. Schon ihre Eltern gehörten einer Protestbewegung an, die gegen das totalitäre Regime demonstrierte. Doch während blutiger Unruhen kamen sie ums Leben. 
Eigentlich hatte Faith nie ernsthafte Probleme mit den Sicherheitskräften bei ihren Botenläufen, doch eines Tages kommt sie während eines Auftrages einer Verschwörung auf die Spur: Ein Anwärter auf die Stelle des Bürgermeisters wird ermordet aufgefunden und ihre eigene Schwester gilt als Hauptverdächtige.
Aufgabe des Spielers ist es, die Spielfigur aus der Ich-Perspektive durch das Abenteuer zu steuern, um so die die Verschwörung aufzuklären und Faith vor zahlreichen Gefahren zu bewahren, denn auch sie steht plötzlich im Visier der Staatsmacht.

Pädagogische Beurteilung:
Das Spiel präsentiert sich dank eines ausführlichen Trainings besonders einsteigerfreundlich. In einem ersten Parcours erhält der Spieler einen genauen Überblick über die Steuerungsbefehle und die vielseitigen Handlungsmöglichkeiten. Neben klassischen Sprüngen von einem Wolkenkratzer zum anderen kann der Spieler Faith dazu veranlassen, über Zäune zu klettern, an Abgründen entlang zu hangeln, über Stangen und Rohre zu balancieren und an Drahtseilen hinab zu gleiten. Die entsprechenden Anweisungen erhält man wie andere für die Spielgeschichte wichtige Informationen über Funk von einem Mitstreiter.
Sich auf dem Terrain genau umzusehen und den richtigen Weg zum Ziel zu finden ist eine der zentralen Spielforderungen. Hier erweist es sich als sehr hilfreich, dass sich der Spieler auf Wunsch vorhandene Sprungbretter oder Rohre anzeigen lassen kann. Dies ist bei den ersten Spielaufgaben besonders sinnvoll und erleichtert den Einstieg deutlich. Die Tester empfanden es allerdings als herausfordernder, auf diese Hilfe zu verzichten und sich eigenständig den richtigen Weg zu suchen. An besonders kniffligen Stellen des Spiels schafft man es oft nicht im ersten Anlauf, die Kletter- und Hüpfpassagen erfolgreich zu meistern. Hier ist die Geduld von Spielern gefordert, denn im "Trial & Error"-Verfahren gilt es herauszufinden, wie z. B. Zeitpunkt und Geschwindigkeit eines Absprungs gewählt werden müssen, um ihn optimal auszuführen. Stürzte Faith allerdings zum 10. Mal in die Tiefe, kam Frust bei den Testern auf. Doch umso größer war die Motivation, sich ehrgeizig mit dem Abenteuer zu beschäftigen, wurde diese anspruchsvolle Herausforderung erfolgreich gemeistert und der nächste Speicherpunkt erreicht. Erledigt der Spieler einen Abschnitt besonders schnell, erhält er als Bonus eine so genannte "reaction time". Nun kann er einen selbst gewählten Spielmoment in Zeitlupe ablaufen lassen, was kurzzeitig ein besonders präzises Handeln (z. B. bei einem kniffligen Absprung) ermöglicht. Diese Sequenzen erinnerten die Tester stark an den Action-Film "Matrix". Ein sicherlich nicht ungewollter Effekt.

Doch die tiefen Abgründe sind keinesfalls die einzige Gefahr, die Faiths Abenteuer erschweren, denn schon bald lassen sich auch die ersten Polizisten auf den Dächern blicken und beginnen Faith zu jagen. Um diese Bedrohungssituationen zu bewältigen stehen dem Spieler verschiedene Handlungswege offen: Konfliktlösungsmittel der ersten Wahl ist das, was Faith am besten kann: rennen, was das Zeug hält – und sich dabei möglichst nicht von den Schüssen oder Schlägen der Gegner treffen zu lassen. 
Einige Situationen erfordern es jedoch auch, dass sich Faith tatkräftig zur Wehr setzt. Dies ist auf zwei Arten möglich: 
Einerseits lassen sich die Gegner durch akrobatische Tritt- und Schlagattacken auf kurze Distanz besiegen – bei diesen Angriffen werden sie lediglich ohnmächtig.
Andererseits besteht die Möglichkeit, dem Gegner die Waffe zu entreißen. So armiert kann sich Faith zwar besonders effektiv und auf weite Distanz gegen ihre Kontrahenten wehren, allerdings verliert sie im Gegenzug ihren größten Vorteil, denn die Bewegungsgeschwindigkeit verringert sich. Während den Kampfmomenten wird weniger reflexartiges Abschießen gefordert, vielmehr muss der Spieler taktisch geschickt vorgehen. Im richtigen Moment gilt es die sichere Deckung zu verlassen und nach Möglichkeit den Kopf des Gegners anzuvisieren. Trifft man ihn, erleidet dieser besonders großen Schaden. Auf optisch sichtbare Auswirkungen solcher Treffer, wie z. B. Blut oder Wunden, wurde allerdings gänzlich verzichtet. Zwar wird das Ermorden von Kontrahenten nicht als moralisch zweifelhaftes Verhalten thematisiert, erwähnt sei allerdings die Möglichkeit, dass das Spielziel auch ohne den Einsatz von Waffen erreicht werden kann. Die Bewältigung dieser besonders kniffligen Herausforderung honoriert das Spiel mit dem Freischalten von Bonusmaterial. Eine gänzlich gewaltfreie Lösung steht allerdings nicht bereit.

Als besonders faszinierend beurteilten die Tester die schnellen Bewegungsabläufe und deren Erleben in diesem innovativen Genremix. Die heiklen Sprünge auf fahrende U-Bahnen und die gewagten Stunts in schwindelerregenden Höhen kennen Spieler zwar aus Action-Adventures, wie z. B. " Tomb Raider" oder "Assasins Creed". Doch anders wie bei den hier genannten Titeln steuert man die Spielfigur in "Mirro'rs Edge", ähnlich eines Ego-Shooters, aus der Ich-Perspektive. Dadurch wirke das Spiel ausgesprochen realitätsnah, und vermittle das Gefühl, sich "Mittendrin im Geschehen" zu befinden, so die Tester. Landet Faith z. B. auf hartem Beton, wackelt die Kamera, was zu einem besonders intensiven Spielerlebnis führt. Solche riskante Action allerdings im Alltag durchzuführen wäre halsbrecherisch und würde zu ernsten gesundheitlichen Folgen führen, dessen sind sich die jugendlichen Tester jederzeit bewusst. Außerdem können die Bewegungsabläufe, wie z. B. Absprünge an senkrechten Wänden in der Realität unmöglich erfolgreich durchgeführt werden. Das Spiel ermöglicht jedoch solche risikofreien Abenteuer und spannende Bewährungssituationen in einer fiktiven Erwachsenenwelt. Unschuldig verfolgt zur werden ist das Thema unzähliger Filme und Bücher vom "Grafen von Monte Christo" bis hin hin zu "Dr. Kimbel auf der Flucht". "Mirror's Edge" hebt dieses Thema durch seine interaktiven Möglichkeiten auf die nächste Stufe, der Spieler hat es selber in der Hand Faith erfolgreich vor dem Zugriff der faschistischen Schergen zu bewahren.

Den Grafikstil der futuristischen Stadt beurteilten die Tester als außergewöhnlich und sehr gelungen. Die Häuserdächer wirken zumeist steril, farbarm und kühl, die vorherrschende Farbe ist weiß. In Häusern blenden hingegen oft grelle Farben, was einen interessanten Kontrast zur sonstigen Spielwelt darstellt und die Atmosphäre des Spiels fördert. Die sterile Atmosphäre soll bewusst die von allen Widersprüchen geglättete Gesellschaft darstellen, ein schöner optischer Effekt. Auch die musikalische Untermalung gefiel den Testern. Langsame elektronische Klänge dominieren – in brenzligen Situationen wird auch die Soundkulisse hektischer und die Atemgeräusche der Verfolger in Faiths Nacken sorgen für gelungene Spannungsmomente.
Zwischen den insgesamt 10 Missionen erfährt der Spieler in kleinen Filmsequenzen mehr über die Rahmenhandlung. Diese werden, anders als die Spielszenen, im Comicstil präsentiert, was nicht allen gefiel. Thematisch wurde es allerdings von allen angenommen, nicht zuletzt, weil mediale Berichte z. B. über Bespitzelungen von Arbeitnehmern oder Kunden und Diskussionen über Online-Durchsuchungen schon längst keine Seltenheit mehr darstellen und Ängste vor einem Überwachungsstaat aktueller sind denn je. Das kritische "Was wäre wenn"-Szenario lieferte auch Anreiz für Diskussionen. Gerade Jugendliche, die oft nicht gerade zimperlich mit der Weitergabe persönlicher Daten auf Seiten wie Schüler-VZ oder MySpace sind, geraten oftmals ins Nachdenken, wenn man mit Ihnen über die Konsequenzen Ihres Tuns ins Gespräch kommt. Auch ein Actionspiel wie "Mirror's Edge" kann solche eine Gesprächsbrücke darstellen.
Sehr zum Leidwesen der Tester ist das Abenteuer allerdings schnell vorbei. Die Genreprofis benötigten nur 6 Stunden, um das Spiel erfolgreich zu meistern. Auch auf einen Multiplayer-Modus wurde verzichtet.
Um die Spieler nach der regulären Spielzeit weitere Male vor den Bildschirm zu locken, haben die Entwickler Zusatzherausforderungen geschaffen. So kann man z. B. die Story ein zweites Mal spielen und sich auf die Suche nach versteckten Koffern begeben. 
Besonders reizvoll war es für die Tester, sich in abwechselnder Reihenfolge den zahlreichen "Rennen" (Zeit-Herausforderungen) zu stellen. Einen festgelegten Parcours gilt es hier möglichst schnell zu absolvieren. Da hier Sekundenbruchteile über Sieg oder Niederlage entscheiden, muss jeder Bewegungsablauf gewissenhaft durchgeführt werden. Die erzielten Bestzeiten werden außerdem in einer weltweiten Highscoreliste gesammelt und aus dem Internet können neue Parcours heruntergeladen werden. Attraktiv ist es zudem sich im Internet die Weltrekorde auf bestimmten Strecken anzuschauen, die oftmals nur ungläubiges Staunen über die Fingerfertigkeit anderer Spieler hervorriefen.

Gesondert erwähnt sei auch der Kopierschutz "SecuRom" bei der PC-Version, der in Spielerkreisen sehr kritisch wahrgenommen wird.
Während der Installation ist eine Verbindung mit dem Internet zwingend erforderlich, ansonsten kann das Spiel nicht aktiviert werden. Wer allerdings bei der Installation im Internet ist, bekommt von der Tatsache nichts mit, dass das Spiel heimlich ohne jeden Hinweis Kontakt mit dem Server aufnimmt und den rechtmäßigen Erwerb kontrolliert. Sicherlich sind diese Maßnahmen zum Teil durch die hohe Zahl an Raubkopien verständlich, doch weißt lediglich ein kleiner Hinweis auf der Rückseite der Verpackung auf dieses Aktivierungsverfahren hin.
Auch die Anzahl der Installationen wurde limitiert. So ist es nur möglich, das Spiel auf fünf unterschiedlichen Rechnern zu installieren. Hier wird jedem ehrlichen Kunden grundsätzlich ein Misstrauen entgegengebracht.
Doch prangert die Spielgeschichte nicht eigentlich gerade solch ein System an, das heimlich und ungefragt Daten abgleicht?

Fazit:
Das Spiel sprach, dank des innovativen Spielkonzepts, den rasanten Bewegungsabläufen und den actionreichen Kämpfen, alle Teilnehmer aus der (rein männlichen) Testergruppe an. Schnell identifizierten sie sich mit der Titelheldin Faith und waren motiviert zu erfahren, wie ihr Abenteuer weitergeht. Doch trotz der scheinbaren Freiheit auf den Dächern der Stadt präsentiert sich das Spiel oft zu linear, hier fehlen alternative Laufwege. Besonders attraktiv ist das Spielkonzept für Einzelspieler. In den Gruppen bereitete es unseren Testern zwar kurzzeitig Freude, voller Ehrgeiz die Bestzeit der Anderen zu übertrumpfen, doch gerade in einem solchen Setting sind Spiele mit einem Multiplayer-Modus wesentlich attraktiver. Zwar ist Gewalt nicht die zentrale Spielhandlung, dennoch sollte das "Mirror's Edge" erst ab 16 Jahren gespielt werden. Gerade aufgrund des intensiven Spielerlebens durch die Steuerung aus der Ich-Perspektive kann die hier ausgeübte Gewalt sehr realitätsnah erscheinen.