Mount & Blade

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Paradox Interactive
Erscheinungsjahr
2008.09
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Dungeons ohne Dragons-Rollenspiel mit vielfältigen Möglichkeiten
Gruppenleiter
Daniel Debray
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mount and Blade (im Folgenden MB genannt) ist ein Mittelalter-Rollenspiel, das in einer riesigen, fast frei zugänglichen Welt spielt. Zu Pferd durchreitet der Spieler Weiden, Wiesen, Hügel und Felder. Zu Fuß durchstreift er Burgen, Städte und Kerker und kann dabei Handel betreiben, entdecken oder kämpfen. MB führt den Spieler in das Reich Calradia, welches durch die Kriege mächtiger Könige und Fürsten dem Untergang geweiht ist. Ob die Gegner Truppen der königlichen Garde, oder Banditen und Diebesbanden sind, kämpfen kann man fast überall. Eine Besonderheit an MB ist die Möglichkeit den Spielcharakter bis ins letzte Detail selbst zu gestalten, von der Nasenlänge hin bis zum Abstand der Augen - von Eigenschaften wie Stärke und Geschicklichkeit ganz abgesehen.  

Pädagogische Beurteilung:
"Mount & Blade ist ein Spiel für Mittelalter-Fans und Rollenspieler" (Tester 14). Entsprechend genretypisch gestaltet sich der Einstieg ins Spiel. Anfangs hat der Spieler die Aufgabe über Teile des Lebenslaufs seines Spielcharakters zu entscheiden (Beruf der Mutter usw.), seine Stärken und Schwächen zu wählen und schließlich auch sein äußeres Erscheinungsbild zu gestalten. Allerdings wirken sich die verschiedenen Aspekte des Lebenslaufs nicht auf den Spielinhalt und – geschichte aus, sondern dienen ausschließlich zur Festlegung der Eigenschaften zu Beginn des Spiels. Die Gestaltung des Spielcharakters fand in unserer Testergruppe großen Anklang, da es sich in seiner Vielfalt von anderen Genrevertretern deutlich abhebt. Gerade das stufenlos einstellbare Alter, welches sich auf Gesichtsfalten und Haarfarbe auswirkt, gefiel unseren Testern.

Wie man an der Bewertung der Spieletester sehen kann, konnte die Spielgrafik nur in Teilen überzeugen. Sie kritisierten, dass die Landschaft zu detailarm dargestellt sei und die Animationen der Bewohner der Spielwelt zu "abgehackt" wirke. Die Soundkulisse fügte sich nach Meinung der Tester gut ins das Mittelalter-Szenario ein. Die musikalische Untermalung und die Hintergrundgeräusche passten sich der jeweiligen Spielsituation an. 

Die Spielsteuerung stellte manche unserer Tester vor Probleme, allerdings konnten diese nach einer kurzen Eingewöhnungszeit bewältigt werden. Grundsätzlich ist anzumerken, dass sich die Steuerung mit Tastatur und Maus wenig von vergleichbaren 3D-Spielen unterscheidet. Neu hinzugelernt werden muss das Kämpfen zu Pferd. Dieses spielt nämlich eine große Rolle und hebt MB von vielen anderen Rollenspielen ab – macht also einen Teil des Spielreizes aus. Auf der anderen Seite muss der Spieler ohne Fantasyelemente auskommen; auf Magie, Zaubertränke oder Monster und Dämonen haben die Spielmacher bewusst verzichtet. Statt dessen wurde versucht ein glaubwürdiges Mittelalter-Szenario mit feudalen Herrschaftsstrukturen zu integrieren. Unsere, eigentlich rollenspiel-begeisterten Tester bewerteten den Spielspaß von MB recht niedrig. Vermutlich ist das auf das oben beschriebene Fehlen von Fantasyelementen zurück zu führen, was dann doch noch mehr Faszination ausmacht als die bloße realistische Darstellung mittelalterlichem Geschehens.

"Es gibt kleinere Gegnergruppen die man besiegen kann. Man kann sich eine Armee kaufen und vieles vieles mehr. Die Welt ist riesengroß, wir sind nicht mal bis zum Ende gekommen." Dieses Zitat eines 14jährigen Testers beschreibt recht treffend welchen Handlungsspielraum MB dem Spieler bietet. So ist die Spielwelt weitestgehend frei zugänglich und es ist möglich als Räuber, Ritter oder Händler zu spielen. Wer sich auf den Handel mit Waren wie Wolle, Frisch-Fleisch (das nach einiger Zeit auch verdirbt) oder Werkzeugen und Waffen spezialisiert, kann somit dem Kämpfen oft aus dem Wege gehen. Diese Spielvariante wurde in unserer Testergruppe allerdings nicht gewählt, denn gerade die Kämpfe erfreuten sich bei ihnen großer Beliebtheit ("Mir haben mir die Schlachten am meisten Spaß gemacht", Tester 14). 
Die Nicht-Linearität von MB bietet also viele Möglichkeiten. Das Fehlen einer Storyline kann sich allerdings auch demotivierend auf den Spieler auswirken: es fehlt der Spannungsbogen. Doch im Gegensatz zu anderen Rollenspielen ohne fest definierte Hintergrundgeschichte (z.B. World of WarCraft), verfügt MB über keinen Mehrspielermodus.

Aus pädagogischer Sicht bietet MB wenig Anknüpfungspunkte. Da ein Mehrspielermodus nicht existiert, lädt MB nicht zum gemeinsamen Spiel ein. Wie bereits erwähnt, kann der Spieler auf unterschiedlichste Weise zur Erfüllung der Aufgaben gelangen. Ob er sich durch Gegnerscharen kämpft, oder seine Beziehungen durch Handel pflegt ist ihm überlassen. Das "Wie" tritt hierbei automatisch in den Hintergrund. Es werden also keine klar definierten Moralvorstellungen vermittelt. 
MB ist sicherlich keine Wirtschaftssimulation. Trotzdem werden wirtschaftliche Zusammenhänge (z.B. Angebot und Nachfrage) relativ realistisch dargestellt, was wir positiv bewerten.

Fazit:
"Mount and Blade" ist ein komplexes, nicht-lineares Mittelalter-Rollenspiel, welches auf phantastische Wesen und Waffen verzichtet. Im Vordergrund stehen Kampf, Handel und die Entwicklung des Charakters, dem der Spieler verschiedene Fähigkeiten zuordnen kann.
Auf eine Hintergrundgeschichte wird, zugunsten eines großen Handlungsspielraumes, weitestgehend verzichtet. Definitiv zeigt MB wirtschaftliche Zusammenhänge auf, die Vermittlung von Werten und Normen spielt jedoch keine große Rolle. Spieler ab 12 Jahren kann MB problemlos zugemutet werden.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass