Trauma Center - New Blood

Genre
Simulation
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2008.11
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Spannendes Operationsspiel, das dem Anspruch einer Simulation nicht gerecht wird
Gruppenleiter
Benjamin Liersch
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Spannung, Drama, Chirurgie" verspricht die Spielverpackung von "Trauma Center - New Blood" (im Folgenden TCNB genannt). Ein Spiel, das sich nur schwer einem den bekannten Genres zuordnen lässt. Aufgabe des Spielers ist es mit Skalpell, Ultraschall, Laser und einigen weiteren chirurgischen Werkzeugen Operationen durchzuführen. Diese virtuellen Werkzeuge bedient der Spieler mittels der Wii-Controller. Schon nach den ersten paar Missionen steigt der Schwierigkeitsgrad merklich an. Wii-Chirurgen die einzelnen "Handgriffe" nicht routiniert beherrschen (und dadurch wertvolle Zeit verlieren) werden ihren Patienten schon kurz darauf verlieren. Auf Realismus wird bei TCNB wenig Wert gelegt. Erfolgt beispielsweise ein Schnitt mit dem Skalpell nicht so wie vorgesehen, erscheint lediglich eine Fehlermeldung und die Aufforderung es erneut zu versuchen. Dennoch kann man die Atmosphäre in diesem Wii-Spiel als spannungsgeladen bezeichnen – und dies nicht nur wenn der Defibrillator zu Einsatz kommt.

Pädagogische Bewertung:
Die OP-Simulation TCNB erweckt beim Spieler gewisse Erwartungen: Ein Spiel, dass die Möglichkeiten der frei beweglichen Wii-Controller sinnvoll nutzt? Wo sich Skalpell, Pinzette etc. im dreidimensionalen Raum einsetzen lassen? Diesen Erwartungen wurde TCNB teilweise gerecht, allerdings sollte schon an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Aspekt einer realistischen Simulation in diesem Spiel eher in den Hintergrund rückt. Größeren Wert legten die Spielmacher auf Arcade-Aspekte (eher auf den reinen Spielspaß abzielend).

Dies zeigt sich schon deutlich an der Soundkulisse des Spiels, welche ein jugendlicher Tester (14) folgendermaßen beschrieb: "Der Sound klingt so, als würde man ein Jump&Run-Spiel spielen." Zerstört der Spieler beispielsweise einen Tumor mit dem medizinischen Laser, ertönen Töne die an das Einsammeln von Gegenständen im genannten Spielgenre erinnern. Auch grafisch präsentiert sich TCNB eher als Spiel für unkomplizierten Spielgenuss, anstatt als realistische Simulation: Die Ansicht auf den zu operierenden Bereich ist einfach gehalten und lässt sich weder eigenständig zoomen oder drehen. Bereiche werden automatisch vergrößert dargestellt, wenn gewisse Aufgaben zuvor erfolgreich erledigt wurden. Unsere Tester beurteilten die Spielgrafik als "eher comicmäßig und unecht" (Tester, 14).

Besonders in Hinblick auf die Bedienung der chirurgischen Instrumente zeigt sich, dass TCNB es mit der Realitätstreue nicht so ernst nimmt: jugendliche Tester, die mit dem Laser aus Bequemlichkeit nicht präzise auf Tumore zielten, sondern den Strahl quer über den Bildschirm zogen und die Tumore eher zufällig "trafen" kamen ebenso zum Ziel, wie ihre sorgsameren "Ärztekollegen". Dass durch ein solches Vorgehen auch gesundes Gewebe verletzt würde ließ das Spiel unberücksichtigt.

Unseren Spieletestern gelang der Einstieg in das Spiel relativ mühelos. Ermöglicht wurde dies durch verständliche Instruktionen der einzelnen Schritte. Im Anschluß mussten die wiederkehrenden Abläufe mehrmals geübt werden. Die einzelnen Handlungen bauen bei TCNB weitgehend logisch aufeinander auf, zum Beispiel muss aus einer offenen Wunde regelmäßig Blut abgeführt werden, um eine klare Sicht zu bekommen. Erst dann können weitere Eingriffe erfolgen.

Prinzipiell sind für das Spielen von TCNB zwei Dinge nötig: der Spieler muss sich die Funktion der einzelnen Instrumente einprägen und sie schnell auswählen können (dies geschieht über den Joystick am Nunchuk-Controller). Außerdem ist es bei einigen Instrumenten wichtig, die Bewegungen mit dem Controller präzise auszuführen – wird ein Schnitt mit dem Skalpell nicht genau entlang der vorgesehenen und entsprechend visualisierten Linie gemacht, muss er den Schnitt erneut versuchen. Sind die Missionen des Tutorials abgeschlossen, kommt ein weiterer Faktor hinzu: Zeitdruck. Dadurch, dass sich die Lebenszeichen der Patienten oftmals stetig verschlechtern, kommt es auf rasches Handeln an. Dies empfanden unsere jugendlichen Tester als spannend. Die Sprachausgabe im Spiel ist zwar grundsätzlich nur in englischer Sprache verfügbar, allerdings können deutsche Untertitel eingeblendet werden, was unsere Tester zufrieden stellte (" Wenn keine Untertitel da wären, wäre es schwierig geworden", Tester 14). 

In TCNB geht es jedoch nicht nur um das Operieren. Zwischen den Missionen wird eine Rahmenhandlung erzählt: Zwei junge, noch unerfahrene Ärzte finden sich in einer Notfallstation in Alaska wieder, wo (selbstverständlich) viele schlimme Unfälle geschehen und sie dementsprechend herausfordernde Operationen erwarten. Außerdem tritt das Krankenhauspersonal miteinander in Beziehung. Innerhalb der Testphase konnten die Jugendlichen allerdings keinen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte nehmen – sie wurde ausschließlich in Form von Zwischensequenzen im Manga-Stil erzählt, die unseren Testern allerdings als "zu lang" erschienen. Einer der Tester (14) kritisierte zudem, dass die Zwischensequenzen "billigen japanischen Fernsehsendungen" glichen. Trotz dieser Kritikpunkte empfanden die Tester die Zwischensequenzen insgesamt als spannend und unterhaltsam.

Insgesamt hinterlässt TCNB keinen schlechten Eindruck, auch wenn es keine direkten pädagogischen Mehrwert mit sich bringt. Kinder und Jugendliche werden in diesem Wii-Spiel mit der Aufgabe konfrontiert schnell und präzise zu handeln, womit im gewissen Rahmen auch die Hand-Auge-Koordination geschult wird. Ohne ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz wird es Jugendlichen nicht leicht fallen TCNB zu spielen, denn in Falle des Ablebens des Patienten muss eine Mission wiederholt werden. Dieser Fall trat in unserer Testergruppe recht häufig ein.

In der pädagogischen Arbeit kann die Spielthematik als Gesprächsanlass dienen: Manche Jugendliche haben schon selbst eine Operation erlebt und die meisten kamen schon durch Unfälle im Freundeskreis oder im familiären Rahmen mit dem Thema in Berührung. 

Fazit:
"Trauma Center - New Blood" ist ein Spiel für Jugendliche ab 12 Jahren, dass mehr Spielspaß und Spannung mit sich bringt, als das es einer Simulation entspricht. Wichtige Anforderungen dieses Spiels sind ein präziser Umgang mit den Controllern und die Fähigkeit trotz des Zeitdrucks konzentriert zu arbeiten. Zudem sollten der Spieler auch ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz mitbringen. Ohne diese wird er nach einigen fehlgeschlagenen Operationen resignieren.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass