Metin 2

Genre
Onlinespiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Gameforge
Erscheinungsjahr
2006.12
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Ansprechendes Online-Rollenspiel
Gruppenleiter
Max Fischer
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Metin 2" gilt als einer der bekanntesten kostenlosen Online-Rollenspiele. Im Genre der MMORPGs, welches in den letzten Jahren vor allem von Blizzards Branchenprimus "World of Warcraft" mit mittlerweile circa 11 Millionen Spielern geprägt wurde, erfreut sich der 2007 veröffentlichte und von Ymir Entertainment vertriebene Titel besonders bei Jugendlichen an einem hohen Beliebtheitsgrad. Die Geschichte handelt von einem namenlosen Kontinent im fernen Osten. Das ehemals friedlich geeinte Königreich gerät nach mehreren Einschlägen von sog. Metin-Steinen völlig aus den Fugen. Die mit böser Energie geladenen Felsbrocken bewirken nicht nur einen abrupten Klimawandel, sondern führen auch zu einer Zerteilung des Reiches in drei Völkergruppen. Das spirituell orientierte Chunjoreich im Westen des Kontinents begründet seine rebellische Einstellung den anderen Völkern gegenüber vor allem auf dem Umstand, dass die Vorsehung der Metin-Katastrophe trotz eindringlichen Warnungen durch die geistigen Führer der Chunjos schlichtweg ignoriert wurde. Das sich durch seine militärische Ausrichtung auszeichnende Jinnoreich strebt nach der Wiederherstellung des alten Königreichs und ist im Zweifelsfall auch bereit, seine Maxime mit roher Gewalt durchzusetzen. Die Infrastruktur des Shinsooreichs wird in erster Linie von Handelsbeziehungen aufrecht erhalten. Die Bewohner des im Süden gelegenen Reichs möchten die abgebrochene Handelsstraße in den Westen wieder instand setzen. So unterschiedlich die Interessen der drei Parteien auch gelagert sind, Einigkeit herrscht vor allem im Kampf gegen die bösen Einflüsse der Metin-Steine. Um diesem auch auf längere Sicht gewachsen zu sein, steigt der Drachengott aus seinem Himmelsreich hinab, um der zunehmenden zerstörerischen Kraft Einhalt zu gebieten.
Die Aufgabe des Spielers besteht darin, im Kampf gegen die bösen Mächte mithilfe eines selbst erstellten Avatars zu bestehen. Zu Beginn des Abenteuers stehen vier Charakterklassen zur Auswahl, die sich in ihren spezifischen Stärken und Schwächen voneinander unterscheiden. Der Krieger ist beispielsweise im Nahkampf sehr effektiv, hat allerdings auf längere Distanzen Probleme dem Gegner Schaden zuzufügen. Dagegen verfügen Schamanen über die außergewöhnliche Fähigkeit, ihre Gefährten dank eines Zauberspruchs zu heilen. 
Das Ziel des Spiels besteht darin, seinen Charakter im Laufe des Spiels stärker zu machen (die Jugendlichen ziehen den Begriff "aufleveln" vor) um den im Schwierigkeitsgrad steigenden Herausforderungen Herr zu werden. Dies geschieht vor allem durch das Erledigen von Aufgaben. Die sog. Quests werden meistens durch den Computer vorgegeben, bei "Metin 2" in Form von Hauptmännern, und bewirken neben dem schon angesprochenen Aufleveln den Verdienst von Yang, welches die Währung von Metin 2 darstellt. Durch eine gewisse Menge an Yang können im Laufe des Spiels beispielsweise neue Waffen und Rüstungen erstanden werden. Bei den Quests handelt es sich größtenteils um das Töten von Monstern oder das Einsammeln von Gegenständen. Dabei kann sich der Spieler vollkommen frei in der virtuellen Welt bewegen, was zum ein oder anderen zeitaufwändigen Fußmarsch führen kann.

Pädagogische Beurteilung:
Bevor man in die orientalische Welt von "Metin 2" eintauchen kann, ist ein Download des Spiels von der offiziellen Homepage erforderlich. Nach einer kurzen Registrierung über die eigene Emailadresse steht dem Spielvergnügen nichts mehr im Wege. Auffällig ist hierbei, dass der Vertreiber Ymir Entertainment offensichtlich keinerlei Wert auf Alterskontrolle legt. Die Jugendlichen in der Spieletestergruppe berichteten, dass es auch für Kinder unter 12 Jahren mit den entsprechenden Computerkenntnissen keinerlei Problem darstellen dürfte, die Software herunterzuladen und eigenhändig zu starten. Dass die Alterskontrolle übers Internet bei kostenlos herunterladbaren Inhalten problematisch bis nahezu unmöglich ist, muss an dieser Stelle nicht mehr diskutiert werden. Allerdings wären offensichtliche Hinweise auf die Altersbeschränkung vor Download und Beginn des Spiels äußerst wünschenswert gewesen.
Nach erfolgreicher Installation wird der Spieler Hals über Kopf ins Abenteuer geworfen. Ein Tutorial zum Erlernen der Steuerung oder eine Einführung in die Spielgeschichte hält das Spiel selber nicht bereit. Wer sich am Anfang des Spiels überfordert fühlt, dem steht beides in kurzer, verständlicher Form auf der Homepage zur Verfügung. Diese Hilfen dürften allerdings in den meisten Fällen nicht vonnöten sein, da die Spieletester berichteten, dass das Spiel seine Verbreitung größtenteils einer Mund-zu-Mund-Propaganda verdankt und somit meistens ein Kumpel für offene Fragen zur Verfügung stehen sollte. 

Die Steuerung des Geschehens erfolgt unter Zuhilfenahme der Tastatur und Maus. Die Jugendlichen in der Spieletestergruppe sprachen der Steuerung eine schnelle Eingewöhnungszeit und eine relativ einfache Handhabung zu. Mit der Maus werden überwiegend die direkt ausgeführten Aktionen des Avatars wie das Laufen und die Verwendung von Waffen in Kämpfen ausgeführt. Die Tastatur dient größtenteils dazu, verschiedene Untermenüs, um beispielsweise den eigenen Charakter mit den richtigen Waffen für den bevorstehenden Kampf auszurüsten, aufzurufen. Dieses System funktionierte bei allen Spieletestern durchgehend problemlos. Allerdings verwies ein Tester (12) auf den Umstand, dass für einen problemlosen Umgang mit der Steuerung des Geschehens grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Computerspielen vorhanden sein sollten, um einen frustrationsfreien Umgang mit "Metin 2" zu gewährleisten. 

Die Grafik des Spiels orientiert sich sehr an der orientalischen Thematik der Handlung. Die Spielfiguren sind in fernöstliche Gewänder gehüllt und die Gebäude zeigen durch ihre Pagodenform, dass es sich bei "Metin 2" um kein Rollenspiel im Wilden Westen handelt. Die riesige Hügel- und Wiesenlandschaft hinterlässt einem Spieler (13) zufolge "einen sehr realistischen Eindruck". Die Grafikpracht des MArktführers "World of Warcraft" kann zwar nicht ganz erreicht werden. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, da es sich bei "Metin 2" ja bekanntermaßen um ein kostenloses Internetrollenspiel handelt. Allerdings sollte man einen PC besitzen, dessen Leistungsfähigkeit deutlich über den angegebenen Mindestanforderungen liegt, da der Spieler ansonsten neben einer gesunkenen Grafikleistung auch spielerische Nachteile gegenüber Gegnern mit deutlich schnelleren PCs in Kauf nehmen muss. So berichtete ein Spieler (12), dass eine höhere Performance gewisse Vorteile im direkten Kampf gegen andere menschliche Spieler mit sich bringt. Langsame PCs bewirken dagegen, da es in eben diesen Kämpfen in erster Linie um das schnellere Klicken mit der Maus geht, dass das Spiel ruckelt und damit ein oder andere Kampf mit einer eigentlich guten Prognose zu Ungunsten des Spielers endet.

Der Sound erklingt auf den ersten Blick ein wenig eintönig. Zur Untermalung des Spielgeschehens trägt nur einziger Song bei, der sich in einer nie endenden Schleife ständig wiederholt. Abgesehen von dem Umstand, dass dieses Stück bei den Testern schon Kultstatus besitzt, ist das Gedudel auf Dauer sehr nervig. Als positiv zu berwerten ist die Möglichkeit, eigene Mp3s in die Playlist aufzunehmen und während des Spiels abzuspielen. Dadurch kann die Hintergrundmusik nach eigenen Vorstellungen individualisiert werden.
 
Die größte Motivation zur Beschäftigung mit "Metin 2" ziehen die Jugendlichen in der Spieletestergruppe aus dem Umstand, in der virtuellen Parallelwelt eines Computerspiels mit Freunden zu spielen und mit diesen auch über den integrierten Chat zu kommunizieren. Der Spieler erhält mit fortlaufender Spieldauer und steigender Levelzahl die Möglichkeit, sich Gilden anzuschließen oder sogar andere Mitstreiter zu heiraten. Vor allem betonten die Tester allerdings die Wichtigkeit, sich mit Kumpels aus der Schule oder anonymen Bekanntschaften aus dem Internet zu messen. Diese Vergleiche erfolgen meistens durch eine Offenlegung der Levelzahl oder der erreichten Highscores, welche im Forum der offiziellen Homepage des Spiels in Form einer Rangliste offengelegt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Spieler, die einen Großteil ihrer Freizeit mit Computerspielen verbringen, einen uneinholbaren Vorteil gegenüber Wenigspielern genießen. Da wohl gerade bei männlichen Jugendlichen das Recht des Stärkeren wie in keiner anderen Altersgruppe gilt, dürfte das Spielprinzip und das Belohnungssystem von Internetrollenpielen geradezu prädestiniert dafür sein, gerade jüngere Spieler, welche in seltensten Fällen schon über die nötige Selbsteinschätzung für einen maßvollen Umgang mit Computerspielen verfügen sollten, zum Vielspielen zu verleiten. Um dem vorzubeugen, sollten Eltern immer ein wachsames Auge auf das Spielverhalten ihrer Kinder haben und sich erklären lassen, mit wem gespielt wird und warum vielleicht an einigen Tagen eine längere Spielzeit von Nöten ist. Um die Dauer des Spielens zu regulieren und die Jugendlichen gleichzeitig in einem selbstverantwortungsvollen Umgang mit Computerspielen zu schulen bietet es sich an, in Absprache mit den eigenen Kindern ein Wochenkonto anzulegen. Darauf kann beispielsweise eine feste Stundenzahl vermerkt sein, die die Jugendlichen sich innerhalb einer Woche frei einteilen können. Allerdings sollte bei jüngeren Spielern darauf geachtet werden das die Spielzeit das Maximum von zwei Stunden täglich nicht überschreitet. Diese Art der Regulation wird allerdings nur greifen, wenn das Konto auch konsequent kontrolliert wird und keine Aufweichung der gemeinsam festgelegten Regeln erfolgt.
Das junge Spieler dazu tendieren der Faszination von Computerspielen schnell zu erliegen berichtete ein Tester (13), in dessen Freundeskreis sich mehrere Jugendliche befinden, die sich täglich vier bis fünf Stunden mit "Metin 2" beschäftigen. Solch exzessive Spielgewohnheiten führen in der Regel neben einer Vernachlässigung der sozialen Kontakte zu abnehmenden Schulleistungen. Eltern sollten möglichst früh einschreiten und die Spielzeiten notfalls auch radikal begrenzen. Begleitend zu den Einschränkungen sollte jedoch immer ein Gespräch über die Motive für das dauerhafte Spielen stattfinden: Warum spielt das Kind so lange, wer sind die anderen Spieler mit denen es spielt, warum werden andere Hobbys möglicherweise nicht mehr ausgeübt, etc. Ein reines Verbot, ohne wirklich und attraktive Alternativen zu eröffnen, schafft ein Loch, dass von den Jugendlichen alleine nicht zu schließen ist.

Ergänzung von Marcus Lüpke (Lehrer aus Gifhorn):

Aus pädagogischer Sicht bedenklich ist das Entstehen von zusätzlichen Kosten im Spielablauf. Diese können in der Spielumgebung durch das Kaufen von zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen entstehen. Der Anbieter ermöglicht den Kauf besonderer oder zusätzlicher Spielitems (Gegenstände) durch einen in das Spiel integrierten Shop. Die Bezahlmöglichkeiten sind dabei auch auf die Möglichkeiten von Jugendlichen abgestimmt. Über das eigene Mobiltelefon können die für Rüstungen, Schwerter und ähnliches anfallenden Beträge bequem und unkompliziert abgebucht werden. Innerhalb der Testergruppe wurde dieser Umstand als sehr negativ gewertet, da man schnell in die Versuchung gerät derartige Zusätze zu bestellen. Besonders junge Spieler, die über wenig Erfahrung im Hinblick auf den verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Mitteln verfügen, würden in die „Kostenfalle“ gelockt. Ein ehemals intensiver Nutzer des Spiels erlag der Versuchung  und erarbeitete sich eine Telefonrechnung von mehreren Hundert Euro. Auch der Hinweis auf das Phänomen des inoffiziellen Handels von privaten Spielaccounts (Zugängen)  einzelner Spieler bei einschlägigen Versteigerungsseiten im Geldwert von bis zu 150 € sei hier angemerkt. Die mit den Spielaccounts verknüpften Spielecharaktere weisen in der Regel einen höheren Erfahrungslevel (Skill) auf, mit dem der Spieler dann im Spiel selbst mächtiger erscheint und höher wertige Spielgegenstände im Kampf nutzen kann. Dass dies für junge und vor allem ungeduldige Spieler einen starken Anreiz zum einfachen Abrechnen über das Handy , welches Jugendliche zu über 90 % ihr eigen nennen, bietet, liegt auf der Hand. So braucht man beispielsweise nicht hunderte von Stunden mit Kämpfen und Spielen nutzen, um seinen Spielcharakter zu entwickeln.

Fazit:
"Metin 2" besitzt gerade bei männlichen Jugendlichen einen hohen Kultstatus. Das dürfte der Titel vor allem dem Umstand zu verdanken haben, dass ein qualitativ gutes Produkt mit einer hohen Langzeitmotivation zum absoluten Nulltarif angeboten wird. Allerdings sollten Eltern die Spielgewohnheiten ihrer Kinder im Auge behalten, da gearde Onlinerollenspiele durch ihre Spielziele zu exsessivem Spielen motivieren können. Für Jugendliche, mit denen Spielzeiten und Regeln abgesprochen wurden, sollten die spielerischen Inhalte und Anforderungen von Metin 2 jedoch in der Regel ab 14 Jahren zu meistern sein.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass