Alarm für Cobra 11 - Burning Wheels

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
RTL Games
Erscheinungsjahr
2008.11
Systeme
PC, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
Solides Rennspiel, nicht nur für Serienfans
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
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Spielbeschreibung:
Wenn im deutschen Fernsehen jeder noch so kleine Unfall sowohl eine riesige Explosion als auch einen hohlen Spruch in B-Movie Qualität nach sich zieht, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“. Mittlerweile steht der sechste Titel der Rennspielreihe zur RTL-Action-Serie in den Händlerregalen: „Alarm für Cobra 11 – Burning Wheels“ (im folgenden „Burning Wheels“ genannt). Als Teil einer fiktiven Einheit der Autobahnpolizei soll der Spieler mittels rasanter Verfolgungsjagden Delinquente – oder um im Serienjargon zu bleiben: Autoschieber, Mörder und Erpresser – fassen. „Die Fälle sind Kriminalfällen nachempfunden“ heißt es im Handbuch. So gilt es zum Beispiel einen geplanten Anschlag mit giftigem Bier zu vereiteln. Oder eine Banken überfallende Go-Kart-Bande zu unterwandern. Klingt etwas konstruiert, aber schließlich will sich das Spiel auch nicht ernst nehmen, ebenso wenig wie die Serie. „Burning Wheels“ ist ein pures Arcade-Spiel. Hier kommt es nicht auf Logik, Handlung oder Realismus an, es will schlicht unterhalten. Dies versucht das neue „Alarm für Cobra 11“-Spiel nun mit stärkerem Bezug zum TV-Vorbild. War bislang die einzige Verbindung zur Serie der Titel der Spiele, gibt es nun Originalschauplätze und Originalsprecher. Ein bis zwei Spieler können also als Ben und Semir durch den Ruhrpott kurven und auf Verbrecherjagd gehen. Und dies neben dem üblichen Fuhrpark auch mit Gabelstapler, Krankenwagen oder Biertransporter.


Pädagogische Beurteilung:
„Burning Wheels“ bringt dem Spieler gleich zu Beginn mittels eines mehrgliedrigen Tutorials die wichtigsten Spielanforderungen näher: über Rampen springen, Verfolger abschütteln oder Flüchtlinge zum Anhalten bringen. Nach dessen Absolvierung können nun einzelne Fälle oder Rennen oder der Karriere-Modus „Streife fahren“ gewählt werden. In diesem fährt der Spieler durch die Stadt, bis ein Ereignis bzw. ein Fall auftritt. An dieser Stelle kann nun bei jedem einzelnen Fall zwischen drei Schwierigkeitsgraden gewählt werden. Einfach ist hier auch wirklich einfach und Schwer ist schwer. Es existieren klare Abstufungen zwischen den Schwierigkeiten, was sowohl geübte Spieler, wie auch Einsteiger in das Genre anspricht. Gesprochene Anweisungen, eine Übersichtskarte und Richtungspfeile helfen dabei, das momentane Ziel im Auge zu behalten. Die Richtungsweiser werden jedoch teils sehr spät eingeblendet, was in den Tests schnell zu Verwirrungen und Missmut geführt hat. Hat man sich einmal während einer Verfolgungsjagd verfahren, ist es mitunter schwer, wieder rechtzeitig auf den richtigen Kurs zu kommen, da man meist einem Zeitlimit unterliegt, bzw. den oder die Flüchtigen nicht zu weit entkommen lassen darf.

Die an sich leicht zu erlernende Steuerung ist hierbei ein weiterer Punkt, der den Testern negativ auffiel. Zu ungenau und in schlechtem Sinne leichtgängig lassen sich die diversen Vehikel lenken. Dies betrifft sowohl die Steuerung per Controller an der Xbox 360 als auch per Tastatur am PC. An etlichen Stellen fuhren die durchaus rennspielerfahrenen Jugendlichen an Schranken, Wänden und anderen Autos auf. Hinzu kommt, dass die sogenannte Kollisionsabfrage nicht immer genau arbeitet. Während man einmal mühelos einen LKW von der Straße rammt (versehentlich versteht sich), bleibt man andernorts an einem Mülleimer hängen. Dies führte bei den Testern lediglich zu einem müden Lächeln und Infragestellungen der Logik. „Auch wenn das nur ein einfaches Rennspiel ist, ein bisschen Realismus sollte schon sein.“ (Tester, 15). 

Grafisch hat „Burning Wheels“ im Vergleich zu den Vorgängern stark aufgeholt. Gute Fahrzeugmodelle und Umgebungen geben wenig Anlass zur Kritik, wobei die PC-Version bei hohen Einstellungen nochmals besser aussieht als die ansonsten inhaltsgleiche Xbox-Fassung. Da die Engine keine Personen darstellen kann, wirken die Städte und Zwischensequenzen teils etwas leer und leblos. Szenen aus der TV-Serie erwartet man hier vergebens. Die Qualität des Tons liegt im Mittelfeld, der rockige Soundtrack kam bei den Jugendlichen gut an, die Originalsprecher wirken zum Teil aber etwas unmotiviert.

Das größte Manko von „Burning Wheels“ ist jedoch sicherlich dessen Eintönigkeit. Die Einzelrennen oder der Spielmodus in dem die Gegend frei erkundbar ist, wurden von den Jugendlichen kaum genutzt. Zu leer und ohne größeren Anreiz wirken die Strecken um dauerhaft motivieren zu können. Auch der Karrieremodus verliert sich nach kurzer Zeit in Wiederholungen. Das Spiel scheint dann schnell aus einer Endlosschleife aus Streife fahren und auf den nächsten Fall warten, Verdächtigen verfolgen, Verfolger abschütteln, Verdächtigen anhalten, Streife fahren usw. zu bestehen. Nach wenigen Missionen hatten die jugendlichen Tester das Gefühl, bereits alles gesehen zu haben. Abwechslung brachten dann nur noch unterschiedliche Fahrzeuge.
Ausgleich hätte hier ein entsprechender Mehrspielerpart bringen können. Die Möglichkeit sich mit gleichgesinnten Spielern im Netzwerk oder online messen zu können ist heutzutage ein wichtiger Bestandteil moderner Spiele. Diese Chance wurde bei „Burning Wheels“ fast komplett versäumt. Lediglich einzelne Rennen sind im Split-Screen Modus (d.h. zwei vertikal oder horizontal angeordnete Sichtfelder auf einem Bildschirm) für maximal zwei Spieler zugänglich. 

„Burning Wheels“ ist für Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben. Hintergrund hierfür dürfte trotz ironischer Darstellung vor allem das Szenario rund um Verbrechen sein, in dem sich das Spiel bewegt. Andere Spiele dieser Art warten mit ähnlichen Spielelementen wie einer zerstörbaren Umgebung oder fehlenden Sanktionen, bzw. Belohnungen für das Rammen anderer Fahrzeuge auf und haben oft eine Freigabe ab 6 Jahren. Für die Jugendlichen der Testergruppe erschien Burning Wheels jedoch wie jedes beliebige andere Rennspiel. Die eigentlichen Handlungen der Missionen treten im Spielverlauf in den Hintergrund, der Spieler konzentriert sich in erster Linie auf das Fahrgeschehen. Ziel und Zweck des Fahrens wird austauschbar, es zählt das Fahren, ob man nun einem Verbrecher oder einem Platz auf dem Treppchen hinterher jagt. Dennoch ist die Kennzeichnung „ab 12 Jahre“ gerechtfertigt, auch wenn ein Spieler meinte, Burning Wheels solle besser eine Freigabe für bis zu 12jährige erhalten (Tester, 14).

Fazit:
Hinter dem unpassenden und grenzwertigen Cover verbirgt sich ein durchaus solides Rennspiel, welches nicht nur zu dessen Vorgängern in Konkurrenz tritt. Männliche Jugendliche ab 12 Jahren - ob Fans der Serie oder nicht – mit einer gewissen Frustrationstoleranz bezüglich Steuerungsunzulänglichkeiten, können sich gut von „Burning Wheels“ unterhalten fühlen. Der fehlende Online-Modus, die Mehrspielermöglichkeit nur per Split-Screen sowie der auf Dauer zu monotone Spielablauf, verwehren jedoch die Motivation auf Dauer.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass