Die Siedler - Aufbruch der Kulturen

Genre
Strategie
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2008.08
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Atmosphärisch stimmiges Strategiespiel mit kindlicher Optik
Gruppenleiter
Benjamin Liersch
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Wer "Siedler" hört, der denkt meist an das bekannte Brettspiel, das zahlreiche Wohnungen bevölkert. Die Siedler-Computerspiele haben mit dem Brettspiel nichts zu tun, außer, dass es auch hier um Rohstoffe und Kolonisation geht. 
Die Siedler-Reihe wurde 1993 ins Leben gerufen; bisher erschienen mehr als zehn Spiele unter diesem Titel. Seit dem Erscheinen des hier getesteten "Die Siedler – Aufbruch der Kulturen" (SAK) wird die Reihe in zwei Varianten unterteilt: Traditionsspiele (welche sich am Regelwerk der Vorgänger orientieren sollen) und Evolutionsspiele (bei denen auch "neue Wege" beschritten werden). SAK gehört zu den ersteren.

Der Spieler hat die Aufgabe die Siedler seines Volkes (Ägypter, Bajuwaren oder Schotten) dazu anzuleiten ein funktionierendes Wirtschaftssystem auszubauen und zu militärischer Stärke zu kommen. Jedes der drei Völker hat dabei seine besonderen Stärken und Schwächen. Im Gegensatz zu stärker kampfbetonten Echtzeit-Strategiespielen beschränkt sich SAK nicht auf einige wenige Ressourcen und lässt auch die Weiterverarbeitung von Ressourcen zu (aus Weizenkörnern wird Mehl; aus Mehl werden Brezeln). Dafür müssen natürlich entsprechende Bauwerke (z.B. Windmühle, Bäckerei etc.) errichtet werden. Doch in SAK regiert nicht nur der schiere Materialismus – auch durch Opfergaben an die Götter lassen sich verschiedene Aufgaben bewältigen. 

Die Götter nehmen übrigens in der Rahmenhandlung des Spiels eine wichtige Stellung ein. Olympus beispielsweise, ist mächtig enttäuscht von den Menschen: Die Olympischen Spiele sind von Dopingskandalen, Streit und Kommerz überschattet und am liebsten würde der namensgebende Gott die Rachegöttin Sachmet auf die Menschheit loslassen. Doch er gibt ihnen eine letzte Chance ihn noch einmal gnädig zu stimmen.

Pädagogische Beurteilung:
"Das Spiel ist eher für kleinere Bennis [Vorname der pädagogischen Leitung] gedacht" urteilte ein jugendlicher Tester (15) über "Die Siedler – Aufbruch der Kulturen" (SAK). Dieser Kommentar gibt einen Einblick in unsere Testergruppe: die männlichen Tester im Alter von 14-16 Jahren befinden sich in der Pubertät und wollen deutlich machen, dass sie sich nun eher als junge Erwachsene fühlen, die nicht mehr durch "Kinderbuch-Grafik" (Tester, 14) zu begeistern sind. Die Tatsache, dass sie derartige Spiele trotzdem testen sollen stellt demnach eine Provokation der pädagogischen Leitung dar. Die Urteile, die die Jugendlichen über SAK abgaben sind davon deutlich beeinflusst.

Mit der Steuerung des Strategiespiels SAK kamen unsere Tester gut zu recht. Hierbei kommt typischer Weise vorrangig die Maus zum Einsatz. Der Spieleinstieg gelang unseren Testern (von denen einige mit dem Spielkonzept bereits vertraut waren) verhältnismäßig gut. Solche Spieler, die mit den Vorgängern von SAK nicht vertraut sind können sich ein Hinweis-Fenster einblenden lassen, das sie bei ihren nächsten Schritten berät. Ein wirkliches Tutorial allerdings existiert nicht – weshalb Neulinge anfangs etwas überfordert sein könnten.

Wie schon oben beschrieben konnte die grafische Gestaltung unsere Tester nur wenig begeistern. Zwar waren sich die Tester weitgehend einig, dass die Grafik grundsätzlich gut sei und belebt wirke ("Bäume bewegen sich im Wind", Tester, 14), doch die Darstellung der menschlichen Charaktere trug viel zu der Überzeugung bei, es handle sich um ein Spiel für Jüngere. Doch nicht alle Tester waren dieser Meinung – unser ältester Tester (16) schien sich beispielsweise nicht daran zu stören. Auch die Reaktionen auf die Zwischensequenzen des Spiels fielen eher ablehnend aus: Man erfahre zwar einiges über die Rahmenhandlung, grundsätzlich sei das Geschehen jedoch langweilig und die dargestellten Götter und Menschen bewegten bei Sprechen nicht einmal den Mund.

Auch die Soundkulisse stieß auf unterschiedliche Reaktionen – während zwei Tester (14 und 15) die "kindischen Melodien" kritisierten, die "einem Strategiespiel nicht angemessen" seien, fand ein anderer Tester (14), dass die Musik zur "Atmosphäre und den lustigen Menschen" passe. Hierbei zeigt sich wieder, dass die Gesamtgestaltung von SAK Geschmackssache ist: In sich durchaus stimmig, einigen unserer Tester allerdings zu "knuffig".

Einstimmige Kritik äußerten die Tester an der "Langsamkeit" des Spiels. Es hätte zu lange gedauert bis der Spieler "Einheiten" (gemeint waren militärische Einheiten) bauen konnte ("Man hat sich gelangweilt da man immer mehr und mehr Gebäude bauen musste aber keine Einheiten erschaffen konnte.", Tester, 15). Aus diesem Grunde gab ein Tester (15) zu bedenken, dass das Spiel "für Leute die Action haben wollen […] langweilig" sei. Der Kritik der jugendlichen Tester muss jedoch einschränkend beigefügt werden, dass SAK über eine Zeitraffer-Funktion verfügt mit der sich das Spielgeschwindigkeit um den Faktor 3 erhöhen lässt – unseren Testern war diese Funktion anfangs unbekannt. Die Kritik der Tester zeigt, dass sie den nicht-kriegerischen Spielanforderungen von SAK nur geringe Motivationskraft zuschrieben ("Das Spiel ist für Leute die sich gerne ein funktionierendes Lager aufbauen, ich gehöre aber nicht zu diesen Leuten”, Tester 15). Beinahe alle Jugendlichen gaben an, in ihrer Freizeit nur selten oder nie Spiele in Stile von SAK zu spielen.

Der pädagogische Nutzen des Strategiespiels hält sich in Grenzen. Die drei konkurrierenden Völker sind bewusst überzeichnet, die Szenarien völlig fiktiv. Historische Bezüge lassen sich demnach nur schwer herstellen. Denkbar wäre möglicherweise das Spiel bei der Vorbereitung eines wirtschaftsbezogenen Planspiels in der pädagogischen Arbeit als Anregungsquelle zu nutzen.

Fazit:
Die Siedler – Aufbruch der Kulturen ist ein Spiel für Jugendliche ab 8 Jahren. Unser Test zeigte, dass einige (jedoch nicht alle) Jugendliche dieses Spiel aufgrund der grafischen Gestaltung und der musikalischen Untermalung als "kindisch" ablehnten - davon jedoch abgesehen wurde die Spielatmosphäre als stimmig und witzig empfunden. Das Spiel verfügt über kein wirkliches Tutorial, Neulinge könnten es deshalb anfangs schwer haben sich einen Überblick zu verschaffen.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass