The Void

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Atari
Erscheinungsjahr
2009.05
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Eigenwilliges Spiel für reife Spieler auf der Suche nach Innovationen
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit der Verleihung des Deutschen Computerspielepreises im Frühjahr 2009 in München traten Bildschirmspiele vielleicht erstmals aus ihrem Schattendasein in der Öffentlichkeit heraus. Waren bisherige Hauptthemen in den Medien und der Politik Computerspielsucht oder so genannte "Killerspiele", erkennt der vom Deutschen Bundestag, der Bundesregierung und der Computerspielebranche getragene Preis nun höchstoffiziell Computer- und Konsolenspiele als Kulturgut und Leitmedium an. Besonders künstlerisch hochwertige Spiele wurden geehrt und gefördert, Preisträger waren unter anderem "Drakensang", "Little Big Planet" oder auch "Wii Fit". Ob "The Void", das Zweitwerk des russischen Entwicklers Ice-pick Lodge, ebenfalls ein Anwärter auf einen der Preise gewesen wäre, lässt sich nur schwer sagen. Das Moskauer Museum of Modern Arts zumindest scheint "The Void" durchaus für einen würdigen Vertreter zu halten und stellt die russische Originalversion des Spiels neben großen Namen wie Kandinsky, Chagall oder Picasso in ihren Hallen aus. Und genau da fängt auch schon die Schwierigkeit einer konventionellen Spielbeschreibung und -bewertung an. "The Void" ist mehr Kunstwerk denn Spiel. Genres ignoriert es flissentlich, die Bezeichnung "Action-Adventure" dient mehr der Vermarktung als der Beschreibung. Tradierte Spielmechaniken sind nur in rudimentärer Form zu finden. Aber Kunst will ja schließlich nicht zwangsläufig nur unterhalten, nur schön sein. Kunst will genauso zum Umdenken, zur Reflexion anregen und oft existiert Kunst auch nur um der Kunst willen. Aber der Spieleratgeber-NRW will nicht das du-Magazin sein und "The Void" nicht nur Kunst, sondern auch Spiel. Also schreiten wir fort, zu dem, was Spiel an "The Void" ist. 
Der Spieler findet sich zu Beginn von "The Void" an einem merkwürdig surrealen Ort wieder, der Leere (engl. Void). In dieser Leere befindet sich sein Körper, im Übergang zum Tod. Kurz darauf erhält man von einer wohlwollenden so genannten Fürstin den Auftrag, Farbe zu sammeln. Farbe ist hier der Grundstoff des Lebens und wird benötigt, um die eigene Spielfigur am Leben zu erhalten, neue Kammern, will heissen neue Spielabschnitte, zu besuchen, um zu kämpfen und sich zu verteidigen oder mit den Fürstinnen der Leere zu kommunizieren. In Ego-Perspektive durchwandert der Spieler also fortan die Leere, um Farbe zu erhalten, die er in pflanzenähnlicher Form auf dem Boden findet oder in Baumgärten anbauen kann. Im Herzen gesammelte Farbe versorgt die Spielfigur dabei ähnlich wie in einem Rollenspiel mit verschiedenen Attributs-Steigerungen oder Fähigkeiten. So verschafft Azur z.B. einen Geschwindigkeitsbonus oder Gold einen höhere Beliebtheit bei den Fürstinnen. Im Verlauf des Spiels lassen sich weitere Herzen finden, welche ebenfalls mit Farben gefüllt werden können und den Spieler sozusagen stärker machen. Ebenso wichtig wie Farben und Herzen sind die Glyphen. Mit ihnen interagiert der Spieler in und mit der Leere. Durch Zeichnen einer Glyphe - das heisst, dem Malen mittels entsprechender Mausbewegungen einer Glyphe mit gesammelter Farbe auf dem Bildschirm - lassen sich z.B. Schutzschilde erschaffen, Fürstinnen beeinflussen oder Widersacher bekämpfen. Die Widersacher existieren in erster Linie in Form der Wächter der Leere. Je nach Spielweise sind sie ihm freundlich oder feindlich gesinnt, geben ihm Aufträge oder wollen ihn vernichten. Findet der Spieler genügend Farbe, Herzen und Glyphen und kann die Wächter bezwingen, bzw. sie auf seine Seite bringen, so besteht für ihn die Möglichkeit am Leben zu bleiben oder in das ursprüngliche Leben zurückzukehren.

Pädagogische Beurteilung:
"Du bist tot. Finde dich in dieser neuen Welt ohne Farbe und Leben zurecht." Mit diesen Worten wird der Spieler ohne erklärendes Intro in die Welt von "The Void" katapultiert. In eine atmosphärisch dichte Welt, gleichermaßen düster und morbid wie geheimnisvoll und poetisch schön. Die Stimme der ersten Fürstin, die diese Zeilen dem Spieler zuflüstert, erklärt ihm damit zugleich die ersten Schritte in dieser eigentümlichen Welt. In Bezug auf etwas wie Spielmechanik könnte man fast sagen, sie stelle eine Art Tutorial dar. Dies jedoch in einer metaphorischen und elliptischen Weise, dass dem geneigten Besucher dieser Welt nach den ersten Erklärungen alles noch viel unklarer erscheint. Ego-Shooter Freunde wissen zumindest recht intuitiv, wie sie sich durch die Leere fortzubewegen haben. Nicht jedoch wieso, geschweige denn, was sie zu tun haben. "The Void" nimmt sich wörtlich. Nach ausgiebigem Studium des Handbuches scheint das Spielprinzip dann ein wenig klarer. Zumindest theoretisch, denn in der Spielpraxis sieht dann wiederum alles anders aus. Die erste Stunde rätselt der Spieler eigentlich nur, was er eigentlich machen soll. Nach einigen kryptischen Begegnungen mit der Fürstin erscheint dem Spieler zumindest etwas einer Handlungsabfolge Ähnelndes. Aber nicht nur das Warum oder Wohin kann dem Spieler zu schaffen machen, sondern - besonders in der ersten halben Stunde - vor allem auch das Wie. Die Bedienung wirkt antiquiert und unübersichtlich. Wie die einzelnen Menüs und Befehle funktionieren, erschließt sich erst nach ausgiebigem Ausprobieren. Dazu erscheinen Tastenkombinationen auf dem Bildschirm, die erst einmal entschlüsselt werden wollen. Darauf, dass die spartanische Anweisung "LMT" Linke Maustaste bedeuten könnte, kamen auch die spielerprobten Jugendlichen der Testgruppe nicht unmittelbar, sondern versuchten stattdessen die Tasten L, M und T gleichzeitig zu drücken. Oder auch "Strg L + Strg R", was schlicht heissen soll, dass man eine der beiden Strg-Tasten drücken muss. Im Vergleich zum Malen der Glyphen sind dies jedoch noch harmlose Probleme. Die Spieler waren teils schnell dazu geneigt, das Spiel vorzeitig zu beenden. "Über reine Steuerungsprobleme kann ich ja noch hinwegsehen, aber wenn ich noch nicht mal weiß, was ich überhaupt machen soll?" (Tester, 16)
Weiterhin kam es in den Tests z.B. mehrfach vor, dass man während des Spielens urplötzlich, ohne Hinweis oder Fehlermeldung, wieder ins Hauptmenü zurückgeworfen wurde. Beim zweiten Versuch nahm man dann noch eine Warnung aus dem Hintergrund wahr, dass man Acht geben solle, da man sich im Sterben befände. Eine Warnung, in solch poetischer Art und Weise vorgetragen, dass keiner der Tester sie für voll genommen hatte, bzw. eine ernste Bedrohung in ihr sah, schließlich spielt man ja schon einen sterbenden Charakter. Erst beim dritten Versuch wurde klar, dass es sich nicht um einen Spielfehler handelte, sondern tatsächlich um den regulären Tot der Spielfigur. Die Anzeigen tragen das ihrige zur Verwirrung bei. Ist man von anderen Action-Adventures gewohnt, einen Balken mit der restlichen Lebensenergie zu sehen oder andere klare Hinweise zu erhalten, die auf ein baldiges Ableben des Charakters hindeuten, lernt man in "The Void" erst durch die eigene Erfahrung. Auf Altbekanntes kann der Spieler sich nur in den seltensten Fällen verlassen. Konkret bedeutet dies für den Spieler in den allermeisten Fällen Frustration. Sei es ob des unerwarteten Ablebens der Spielfigur aufgrund von undurchsichtigen Zeitlimits, oder der Erkenntnis, dass man die letzten Spielstunden vollkommen falsch mit Farben gewirtschaftet hatte und so einen alten Spielstand laden muss. Das bemerkenswerte dabei ist, dass "The Void" den Anschein macht, als wolle es dem Spieler absichtlich diese Bürden auferlegen: Scheitern als Teil der Spielerfahrung. 
Die mitunter komplizierte Bedienung und die fehlende Klarheit über die Spielanforderungen sind wohl zwei der größten Probleme von "The Void", welche schnell zu Frustration und vor allem zu mangelnder Motivation führen können. Aber auch auf das Verständnis für die inhaltliche Ebene und die durchaus intelligent eingebetteten Denkansätze, die das Spiel bietet, soll diesbezüglich eingegangen werden. "The Void" hantiert mit einer Sprache, Symbolik und Metaphorik, die für die meisten Jugendlichen ohne Weiteres nicht fassbar sein dürfte. Ein Tester (15) antwortete z.B. auf die Frage nach dem Hintergrund und der Handlung des Spiels mit der Antwort: "Rumlaufen, Farbe sammeln und...joah...". Das dunkle und erwachsene Szenario - und hiermit sind nicht die leichtbekleideten Fürstinnen gemeint - richtet sich klar an ältere und reifere Spieler. Für diese kann das Entschlüsseln der Leere und der Spielmechanik durchaus reizvoll und motivierend sein.

Fazit:
"The Void" kann durchaus ein faszinierendes Erlebnis sein. Wohlgemerkt Erlebnis und nicht zwangsläufig Spiel. Dafür schneidet es in Punkten wie Bedienung, Komfort, Eingängigkeit sowie purem Spielspass nicht gut genug ab. Schaut man unter die Oberfläche entpuppt sich das Spielkonzept als eher abwechslungsarm und wenig verlockend. Andererseits entzieht es sich üblichen Kategorien und Bewertungsmustern und bietet eine Tiefe und Atmosphäre, die selten von Spielen erreicht wird. "The Void" ist ein Titel, der es verdient hat, ausprobiert zu werden und kann Spielern ab 16 Jahren, die über entsprechende Reife, Ruhe und Geduld verfügen, eine interessante Spielerfahrung bieten. Gerade in Zeiten, in denen Innovation in Spielen oftmals mit Schneller, Höher, Weiter gleichgesetzt wird.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass