Samurai Warriors 2

Genre
Action-Strategie
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
THQ
Erscheinungsjahr
2006.09
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
Zähes Action-Abenteuer im feudalen Japan
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit "Samurai Warriors 2" (hier getestet in der XBOX 360 Version) präsentiert sich ein weiterer Titel, der die Geschichte des feudalen Japans als Hintergrund für ein Abenteuerspiel benutzt. Doch während andere Veröffentlichungen die phantastischen Aspekte der japanischen Mythologie in den Vordergrund heben, wird hier versucht die Faszination historischer Schlachtengemälde aufleben zu lassen. Der Spieler schlüpft dabei nach und nach in die Rolle von 26 Charakteren und erlebt mit ihnen Schlüsselszenen der japanischen Kriegsgeschichte. Im "Story"-Modus ist jeder dieser Figuren eine bestimmte Zahl an Schlachten zugewiesen, was zu einem beachtlichen Spielumfang führt. Das Missionsziel ist in der Regel immer dasselbe: Man muss die weitläufigen Gebiete von feindlichen Einheiten säubern und die gegnerischen Offiziere ausschalten. Diese Spielvariante ließ sich zur Freude unserer Tester auch zu zweit im kooperativen Spiel bestreiten.
Der "Survival"-Modus führt den Spieler in den gleichnamigen Turm, in dem auf einhundert Stockwerken ums Überleben gekämpft wird. "Überleben" muss man hier tatsächlich wörtlich nehmen, da die Gegnerschar unendlich ist und es nur darum geht solange wie möglich durchzuhalten. Als Belohnung winken neue Waffen, welche dann für die restlichen Spielmodi freigeschaltet werden. Hier bietet sich der "Free Battle" an. Zusammen oder allein lässt sich überprüfen, wie sich die bereits bestandenen Abenteuer aus dem "Story"-Modus mit den neu erworbenen Gegenständen und Fähigkeiten spielen. 
Eine echte Überraschung verbirgt sich hinter dem Menüpunkt "Sugoroku". Hier haben die Entwickler ein Spiel im Spiel integriert. Das virtuelle Brettspiel "Sugoroku" erscheint dabei als eine Art Monopoly vor fernöstlicher Kulisse. Man kauft Grundstücke, kassiert Wegezoll, sammelt Bonus-Fähnchen ein, fordert Konkurrenten zu Minispiel-Duellen heraus. Der Spieler, der am Ende das meiste Geld verdient hat, gewinnt.

Pädagogische Beurteilung:
"Samurai Warriors 2" hat die Tester von der ersten Sekunde an fasziniert. Das liegt vor allen Dingen an dem kooperativen Spiel per Splitscreen. "Mann, komm jetzt endlich her. Ich brauch’ deine Hilfe.", rief ein Tester seinem Kompagnon zu, als er von einer Horde gegnerischer Krieger umzingelt wurde. Schon nach kurzer Zeit wurden hier wieder die kommunikativen und teambildenden Aspekte von Spielen deutlich, die über einen Mehrspielermodus verfügen. Die Zeiten, in denen die Kinder allein vor der Konsole gesessen haben, sind vorbei. Wenn sie Zugang zu mehrspielerfähigen Titeln haben, werden sie diese auch den Solospielen vorziehen. Dabei ist zu beobachten, dass neben dem "Teamplay" auch Konkurrenzsituationen motivationsfördernd und wichtig sind. Bei "Samurai Warriors 2" ist dies durch die verschiedenen Charaktere gegeben, die jeder Spieler individuell aus- bzw. aufrüstet. Wer wird sich als der tapferere Krieger herausstellen? 
Die gleichen Mechanismen, die Onlinerollenspiele so erfolgreich gemacht haben, greifen in reduzierter Form auch hier. Im Laufe des Spiels wird das virtuelle Alter Ego - eine noble Heldenfigur, die eine Identifikation leicht macht - zu immer neuen Höhenflügen gerüstet. Doch leider mussten unsere Tester feststellen, dass die Rollenspiel- und Actionelemente nicht ausreichend aufeinander abgestimmt waren. Für ein Rollenspiel waren weder die Geschichte noch das missionenbasierte Gameplay abwechslungsreich genug: Die Tester beklagten sich schon nach kurzer Zeit über die sich wiederholenden Spielabläufe. Als actionorientierte Schlachtensimulation konnte "Samurai Warriors 2" in der Gruppe ebensowenig überzeugen. "Die Steuerung ist viel zu leichtgängig und man muss immer sehr lange rumlaufen.", urteilte ein Tester (13) über Mängel in Kampfsystem und Leveldesign. Bei genauerer Nachfrage gaben die Spieler an, dass die Steuerung zwar einsteigerfreundlich sei, in ihrer Umsetzung jedoch durch eine unglückliche Kameraführung behindert werde. Es wurde bemängelt, dass die Kamera viel zu nah hinter den Charakteren positioniert sei. So fehle gerade in umfangreichen Schlachten der Überblick. "Ich muss hier voll lange rumdrehen, bis ich wieder was sehe.", bemerkte ein frustrierter Tester. Neben motorischem Geschick wird den Spielern aber auch durch die immer länger werdenden Level eine erhöhte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit abverlangt. Dabei erreicht "Samurai Warriors 2" mit Aufträgen, die 60 Minuten dauern können, sogar die Schmerzgrenze von erwachsenen Spielern. Zwar gibt es die Möglichkeit per komfortablem Quicksave zwischenzuspeichern, doch gerade jüngere Spieler haben in solchen Situationen oft nicht die Disziplin, sich in einer laufenden Mission vom Spiel zu lösen. 
Ein weiterer Kritikpunkt betraf die KI (künstliche Intelligenz) der Gegner. Die computergesteuerten Samuraihorden konnten unseren Spielern nämlich nur durch Masse und nicht nur Klasse gefährlich werden. Dieses Gefühl der Unterforderung verhinderte das Eintauchen in das Spieluniversum, da es sich doch nur um "unfähige Computergegner" handelte. Richtiges Samuraigefühl wollte sich deshalb trotz fernöstlicher Musikuntermalung und liebevoller Grafik nicht einstellen. 
Bei "Samurai Warriors 2" wäre eine intensivere Verschmelzung mit der Spielwelt aus Altersgründen auch bedenklich gewesen. Denn das Spielziel, sich schwerpunktmäßig in kämpferischen und martialisch dargestellten Auseinandersetzungen zu bewähren, lässt das Spiel eher für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet erscheinen. Dieser Eindruck wird verstärkt, da es sich nicht um ein phantastisches Szenario mit abstrakten Wesen wie z.B. Drachen handelt, sondern um Menschen. Menschen, die im Spielverlauf zu hunderten, ja sogar tausenden umgebracht werden. Dies wird hier zwar nicht blutig oder gewaltverherrlichend dargestellt, allerdings entsteht durch die extreme Nähe zum Kampfgeschehen auch keine Distanz, wie z.B. in einem Strategiespiel à la "Age of Empires". Dass die Spielillusion und somit die Intensität von "Samurai Warriors 2" durch vermehrte Grafikfehler gestört wird, ändert trotzdem nichts am bedenklichen Spielprinzip. Hinzu kommt, dass das Spiel nicht lokalisiert wurde, sondern nur in englischer Sprache erhältlich ist. Dabei wirkt die US-Synchronisation lieblos, wenn z.B. einem Samurai des 16. Jahrhunderts ein saloppes "See you around!" über die Lippen kommt. Das ist umso ärgerlicher, da die Videosequenzen, insgesamt 70, von sehr hoher Qualität sind und das Potential haben, die Geschichte atmosphärisch voranzutreiben. Die Tester wurden zumindest sofort in ihren Bann gezogen.
Dies galt leider nicht für den Spielmodus "Sugoroku". Das Bonusspiel wurde als langweiliges "Würfelspiel" abgetan und konnte mangels optischer Reize die jüngeren Spieler (12) trotz Vierspieleroption nicht fesseln.

Fazit:
"Samurai Warriors 2" ist ein umfangreiches Action-Abenteuer mit Rollenspielelementen. Es entspricht vom typischen Gameplay her den Erwartungen und erweist sich als durchaus gelungener und empfehlenswerter Titel für Genre-Fans. Mit unzähligen Schlachten, der Mehrspielerkompatibilität und den zusätzlichen Modi wird ein abwechslungsreiches Spielerlebnis geboten. Leider geht die Vielfalt auf Kosten der Qualität. Es mangelt an Abwechslungsreichtum und Sorgfalt beim Missionsdesign. Außerdem muss aufgrund bedenklicher Spielinhalte die ursprüngliche USK12-Freigabe revidiert werden, so dass "Samurai Warriors 2" von unserer Seite ab 14 Jahren empfohlen ist.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass