Sacred 2: Fallen Angel

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Deep Silver
Erscheinungsjahr
2008.10
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Rollenspiel für Jäger und Sammler
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber NRW
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Spielbeschreibung:
Handlungsort des Spieles ist die fiktive Welt "Ancaria", durch die seit Anbeginn der Zeit eine gleichsam geheimnisvolle wie gefährliche Kraft, die "T-Energie", strömt. Lange vor der Spielgeschichte von "Sacred 1" entzweite sich die Kultur der Hochelfen im Streit über die Nutzung dieses mächtigen magischen Guts in konkurrierende Parteien. Nach dem Ausbruch eines Bürgerkrieges geriet auch die T-Energie außer Kontrolle. Aufgabe des Spielers ist es, wahlweise als guter oder böser Held die Fantasiewelt zu erkunden und einer drohenden Katastrophe auf die Spur zu kommen.

Vor dem Abenteuer gilt es eine Spielfigur (Charakter) auszuwählen. Hierzu stehen 6 Klassen zur Wahl, die sich in Aussehen, Spielweise, Kampf- und/oder Magiefähigkeiten stark voneinander unterscheiden. Außerdem muss sich der Spieler direkt entscheiden, ob er als guter Held oder egoistischer Bösewicht das Abenteuer zu bestreiten wünscht. Zudem kann das Spiel sowohl im Einzel- als auch Mehrspielermodus (gemeinsam mit oder gegen andere) genutzt werden. 
In der Spielwelt von "Arcaria" angekommen wird der Held aus der Vogelperspektive wahlweise mit der Maus oder der Tastatur durch die fiktive mittelalterlich gehaltene Abenteuerwelt gesteuert. 
Zentrale Spielforderung ist stetige die Verbesserung des Helden. Genretypisch geschieht dies durch Besiegen von Gegnern sowie durch das Erledigen von Aufgaben (Quests).
Hat man eine bestimmte Anzahl von Erfahrungspunkten gesammelt, steigt die Spielfigur eine
Stufe (Level) auf. Damit verbessern sich deren Grundfähigkeiten, außerdem bietet sich nun die Möglichkeit, Kampfkünste und/oder Zauber individuell an den Spielstil anzupassen. 
Eine weitere Option, den Charakter zu verbessern, besteht in dem Erwerb von Gegenständen (Items). Waffen, Rüstungen, Schmuck, Reliquien, magische Runen, die die Fähigkeiten aufwerten – es gibt viel zu finden und zu gewinnen in Ancaria. Je seltener ein Ausrüstungsteil ist, desto höher ist seine Qualitätsstufe, da es die Attribute des Charakters, der es trägt, dementsprechend mehr verbessert. Aus diesem Grund gelten besonders seltene Gegenstände (Setteile) als Prestigeobjekte innerhalb der Spielergemeinschaft. 

Pädagogische Beurteilung:
Die Jugendlichen (ausschließlich männlichen) Tester im Kölner Jugendpark mögen Rollenspiele und allen gefiel bereits der Vorgängerteil. Daher starteten sie sehr neugierig den Test. Für sie als Genre-Profis gestaltete sich der Spieleinstieg sehr leicht, dank verschiedener Hilfestellungen sowie des regelbaren Schwierigkeitsgrades dürften auch Anfänger schnell zu Spielerfolgen gelangen. Grafisch präsentiert sich das Spiel detailreich, was die Tester sichtlich faszinierte. Riesige Landstriche laden zu Erkundungstouren ein, überall gibt es Aufgaben (Quests) zu erledigen, Monster zu jagen, Räuber zu besiegen. Viele fantasiereich gestaltete Lebensformen lassen durch ihre individuelle Gestaltung den Eindruck eines eigenen fernen Universums entstehen. Auch die verschiedenen Klimazonen, wie Wüsten, Eislandschaften oder Wäldern sorgen für eine gelungene Abwechslung. Doch die detailreiche Darstellung der Spielwelt fordert für Besitzer der PC-Version auch seinen Tribut – ein aktuell ausgestatteter Rechner ist vonnöten, um die ganze Pracht genießen zu können. Auch akustisch überzeugte das Spiel die Tester durch einen interessanten Soundtrack. Allerdings sind die Dialoge abseits des Haupthandlungsstrangs nicht vertont (und davon gibt es zahlreiche), was auf Dauer eine enorme Lesefähigkeit und -bereitschaft vom Spieler voraussetzt. Viele Spieler werden leider aus diesem Grund die teils interessanten Hintergrundgeschichten der Aufgaben nicht mehr verfolgen.

Die Spielaufgaben gestalten sich überwiegend sehr traditionell. Genretypisch zählen suchen, sammeln besiegen und beschützen zu den primären Handlungen. Besonders auf Action wurde viel Wert gelegt, kämpferische Auseinandersetzungen warten an jeder Ecke von Arcaria. Sie stellen die einzige Möglichkeit dar, in der Geschichte voranzukommen, gewaltlos lässt sich "Sacred 2" nicht lösen. Rätselwillige Spieler dürften enttäuscht sein, denn während des Spielverlaufs gilt es im Grunde genommen stets eine Markierung auf der Karte zu erreichen, dort eine Aufgabe zu absolvieren, um im Anschluss wieder der nächsten Markierung zu folgen. Das einfache Spielprinzip störte unsere Tester allerdings herzlich wenig, bescherte es ihnen doch schnelle und einfach zu erreichende Spielerfolge: "Die Karte ist total sinnvoll, so weiß ich wenigstens, wo ich hin muss und verliere bei den ganzen Quests nicht den Überblick" (Junge, 16 Jahre).
Um schneller zwischen einzelnen Gebieten reisen zu können, kann sich der Spieler ein Reittier kaufen und hoch zu Ross die Spielwelt erkunden. Ein besonderer Spielanreiz stellte es für die Tester dar, ein ganz besonderes Reittier zu erhalten – denn jede Charakterklasse hat ihr eigenes. So kann z. B. der Inquisitor die Welt auf einer riesigen Spinne durchstreifen, die Seraphim reitet hingegen einen weißen Tiger. Um ein solches Reittier zu erhalten, muss allerdings eine besonders umfangreiche Aufgabe erfolgreich gemeistert werden.
Zwar hat der Spieler die Wahl, einen guten oder bösen Charakter zu wählen, moralische Entscheidungsfreiheit ist hierdurch allerdings eher nicht gegeben. Beide Wege unterscheiden sich lediglich anhand der Spielgeschichte und der zu lösenden Aufgaben. Hier präsentieren sich andere Rollenspiele, wie z. B. Mass Effect, wesentlich dynamischer und tiefgängiger. Dennoch war es für die Jugendlichen sichtlich reizvoll, verschiedene Rollen, wie z. B. ein mächtiges Roboterwesen, anzunehmen und diese in einer virtuellen Spielwelt auszuleben – und auch mal den bösen Inquisitor zu spielen. Gemeine Absichten zu verfolgen würde im Alltag sanktioniert werden und hätten evtl. ernsthafte Konsequenzen, das Spiel bietet hingegen einen geschützten Raum, solche Probehandlungen gefahrlos auszuführen.

Bei dem Austausch über das Spiel stellte ich den jugendlichen Testern die Frage, wie sie die Spielgeschichte beurteilen. Darauf ein verdutzter Jugendlicher: "Wie? Das Spiel hat auch ´ne Story?! Um was geht´s denn da?" Und bis dato wurde "Sacred 2" bereits (verteilt über mehrere Treffen) 6 Stunden lang intensiv getestet. Diese Antwort ist kaum verwunderlich, denn anstatt dem Handlungsstrang zu folgen, war es für die Jugendlichen wesentlich reizvoller, schnellst- und bestmöglich den Spielcharakter zu verbessern, wertvolle Rüstungsteile oder mächtige Waffen zu sammeln, sich immer wieder in noch schwereren Kämpfen zu beweisen und unbekannte Gebiete zu entdecken. Die Dialoge wurden größtenteils gar nicht erst gelesen. Schnell zur nächsten Markierung, Aufgabe erledigen und weiter. Der perfekt ausgestattete Held oder neu erlernte Zauberfähigkeiten wurden dann dem Sitznachbar voller Stolz präsentiert. 

Dank des Mehrspieler-Modus war es ihnen möglich, wahlweise gemeinsam oder gegeneinander ihr spielerisches Können unter Beweis zu stellen und die zahlreichen Gefahren zu meistern. Doch gerade hier mussten sie enttäuscht feststellen, dass nur derjenige Belohnungen, wie z. B. Gegenstände, virtuelles Gold oder Erfahrungspunkte gewinnt, der diese Aufgabe angenommen hat, die anderen Gruppenmitglieder gingen leider leer aus, obwohl sie auch bei der Lösung maßgeblich beteiligt waren – ein weiterer Grund für sie, die Spielgeschichte zu vernachlässigen und im "freien Modus" die Spielwelt zu erkunden. 

Das Spielprinzip kann verglichen werden mit dem bekannten "Wurst an einer Angel"-Prinzip. Das Spiel "ködert" die Aufmerksamkeit dadurch, dass es stets noch bessere Rüstungsteile, Waffen und Fähigkeiten für die Spielfigur verspricht.
Jugendliche wollen in der Spielwelt immer mächtiger werden, vor allem im Mehrspieler-Wettbewerb gegen oder mit anderen, und eifern diesen virtuellen Belohnungen entgegen
Hierdurch kann "Sacred 2" über einen gewissen Zeitraum derart faszinieren, dass Spieler einen starken Handlungsdruck verspüren, dem virtuellen Geschehen am Bildschirm länger als geplant folgen zu wollen. Verlässt man die virtuelle Welt, hat der Spielpartner die Möglichkeit, weiter an Erfahrung zu gewinnen, bessere Gegenstände zu finden und ist eventuell beim nächsten Spieleinstieg übermächtig. Daher ist es für Erziehungsberechtigte wichtig, Spielzeiten mit den Jugendlichen zu vereinbaren und diese auch einzufordern. Zwar ist der Faszinationsgrad nicht so hoch wie bei Online-Rollenspielen, wie z. B. "World of Warcraft", da die Geschichte in "Sacred 2" ein Ende hat, dennoch sollten Eltern feste Spielzeiten vereinbaren und diese auch einhalten.

Viele Produkte kommen heutzutage unfertig auf den Markt. Die Jugendlichen sind es mittlerweile schon gewohnt, sich vorab einen großen Patch herunterladen zu müssen, um eine (einigermaßen) fehlerfreie Version spielen zu können. Und genau so war es auch bei "Sacred 2". Gerade wenn man über keine schnelle Internetleitung verfügt, kann eine solche Prozedur allerdings sehr zeitintensiv und frustrierend sein. Viele Kunden berichten außerdem von Spielabstürzen. In unserem Test konnten wir dieses Problem nicht beobachten.

Fazit:
"Sacred 2 – Fallen Angel" bietet eine zwischen Fantasy und Science Fiction angesiedelte Geschichte und spricht primär den "Jäger-und-Sammler-Trieb" von Spielern an. Die große und detailreich dargestellte Spielwelt lädt zu Erkundungen ein und es gibt viele (vor allem kampfbetonte) Abenteuer zu erleben.

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Ü16 im Jugendpark
Bewertung Spielspass