Igor - Das Spiel

Genre
Action-Adventure
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Deep Silver
Erscheinungsjahr
2009.03
Systeme
PC, Wii, Nintendo DS
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Kindgerechte Gruselkomödie
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
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Spielbeschreibung:
Gibt es bei Kindern einen Unterschied zwischen den Monstern, vor denen man sich gruselt, und denen, die man selbst steuern kann ? 
Weihnachten 2008 lief in den Kinos der Animationsfilm "Igor" an. Inspiriert von Frankenstein und verrückten Wissenschaftler/Monster-Filmen wollte die Exodus Film Group mit einer Komödie das Gruselgenre familientauglich auf die Leinwand bringen. Prominente Sprecher wie John Cusack, Steve Buscemi, John Cleese gaben den Leinwandhelden im Originalton ihre Stimmen. Der Film konnte an die großen Erfolge von Pixarstudios und Co. nicht anknüpfen. Keiner meiner Tester hatte den Film gesehen. 
Mit "Igor – Das Spiel" sollten sie das erste mal ein Monster-Genre testen. Das Spiel wurde von Deep Silver vertrieben und in Deutschland ab 6 Jahren von der USK freigegeben. Es zeichnet eine völlig überdrehte und dunkle Welt namens Malaria nach. Darin streben boshafte Wissenschaftler im Wettstreit untereinander danach, mit einer teuflischen Erfindung, die die ganze Welt bedrohen soll, auf einer Messe den ersten Preis zu gewinnen. Der bucklige Igor ist der Diener von einem dieser irren Wissenschaftler. Dr.Glinkenstein, sein Meister, kam allerdings bei der Explosion einer seiner Erfindungen ums Leben, so dass der Diener Igor endlich mit einer eigenen teuflischen Erfindung beweisen kann, das auch Igors Böses schaffen können. Seine bisherigen Erfindungen, ein verunglückter Hase namens Scamper Brain, ein Gehirn im Glas mit Armen und Beinen, waren für die Messe der Grausamkeiten eher ungeeignet. Mit seinem neuesten Monster, einer Riesen-Dame namens Eva, könnte das schon eher klappen. Und so macht sich Igor mit seinem Kreaturen auf den Weg durch die Level zur Monstermesse und stellt sich zahllosen Widersachern.

Pädagogische Beurteilung:
Ein Einstieg in das Spiel ist auch ohne das mitgelieferte Handbuch möglich. Die Tester können zwischen den o.g. Charakteren wählen, die mit unterschiedlichen Eigenschaften die gestellten Aufgaben lösen können. Die Nintendo-DS-Version ermöglicht dem Spieler, seine ganz eigenen Monster zu gestalten, indem er neue Körperteile hinzufügt. Das erstellte Monster kann sich dann über ein Puzzle-Kampf-System mit den Monsterkreationen anderer Wissenschaftler messen. Leider ist dieser Aspekt nicht in der Wii-Version vorhanden und wurde von meiner Testergruppe einhellig bedauert. 
Im Multiplayermodus ist es möglich mit bis zu vier Freunden zu spielen und dabei nicht gegeneinander, sondern nur gemeinsam. 

Ein schön animiertes Videointro erzählt die Geschichte, in die das Spiel eingebettet ist, und gibt klare Anweisungen über die Funktionen des Controllers und Nunchuks sowie die an den Spieler gestellten Aufgaben. Meine Tester hatten keine Mühe in das Spiel einzusteigen. Sie empfanden die Spielumgebung nicht als gruselig oder gar bedrohlich. "Für Sechsjährige kann das schon ein wenig gruselig sein, ich bin zehn, da ist das nicht mehr so." (Tester, 10) Im Vordergrund stehen die völlig überzeichneten Figuren und der Charakter einer Komödie. 
Die Tester steuern Igor und sein Team durch die nicht zu groß angelegten Level. Die Umgebung erinnert naturgemäß an verwitterte düstere Schlösser, zugemüllt mit Maschinenteilen und den Versatzstücken von Erfindungen der bösen Wissenschaftler. Um die Level zu bestehen, müssen Blumen, Münzen, Schädel und Muttern eingesammelt werden. Diese interagieren dann mit verschiedenen Objekten, öffnen weitere Türen oder setzen Maschinen in Gang. Dabei müssen unterschiedliche Eigenschaften der zu spielenden Figuren zum Einsatz gebracht werden. Liegen z.B. Schädel hoch auf einem Regal, kann der Hase Scamper sie dank seiner Sprungkraft besser einsammeln als die Riesen-Dame Eva, die dank ihres überkräftigen rechten Arms besser Bretterverschläge zertrümmert.
Jedes Objekt wird durch grüne Ausrufezeichen über den Köpfen der Figuren angezeigt und ein rotes Ausrufezeichen signalisiert, dass eine andere Spielfigur hier zum Einsatz kommen sollte. Damit das Einsammeln der Objekte nicht zu leicht wird, stören zahlreiche Gegner die Sammelleidenschaft der Spieler. Als Erstes macht man die Bekanntschaft mit den Roboterhühnern und den blinden Frauen, die unsere Spielfiguren angreifen. Später kommen Gehirnspinnen, Killersporen oder Pflanzenmonster hinzu. 
Ein etwas hektisches Kampfsystem forderte die Tester stark. Ein ernst gemeintes Zitat: "Die sind nicht leicht zu besiegen". Über eine Anzeige im unteren Bildrand sieht man, welche Schäden die Gegner bei Igor und seinem Team angerichtet haben und wenn die Lebensenergie verloschen ist, setzt man kurze Zeit aus. Besonders, wenn die Gegner in großen Massen angreifen ,empfanden die Tester die Kämpfe als fordernd, aber nicht unlösbar. Was ein wenig störte war, dass die Spielfiguren manchmal hinter Mauern, Vorsprüngen oder Ecken verschwanden und es Mühe machte, dieselben dort wieder rauszubekommen. 
Am Ende jedes Levels wartet dann der mächtige Endgegner. Figuren wie Dr. Schadenfreude, die menschenköpfige Fliege oder Dr. Blitzkrieg (der Name bezieht sich auf seine Elektrowaffen) sind schwere Gegner, bei denen die Entscheidung der Spieler für bestimmte Fähigkeiten ihrer Figuren und gezielte Interaktionen gefordert sind. Die Tester konnten aber den Gegner beobachten und dann logisch und strategisch vorgehen. Dabei kommen soziale Kompetenzen wie Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit zum Einsatz. Igor und die anderen Spielfiguren müssen hier zeigen, dass sie zusammen kämpfen.
Also sammeln und kämpfen sich die Tester durch die einzelnen Level. "So richtig spannend ist das nicht, macht zwar Spaß, ist aber immer das gleiche." Die Ansprüche sind allerdings bei diesen Zehnjährigen auch besonders hoch.

Was die Testergruppe am meisten nervte, war der Sound. Die Musik ist wenig abwechslungsreich, zieht sich durch alle Level, und dass ein penetranter Lalalalala-Song bei ihnen nicht gut ankam, war nachvollziehbar. Regelrecht erbost äußerten sich einige Tester: "Das ist doch was für Vierjährige." Als nicht besonders gelungen wurden auch die deutschen Sprecher der Spielfiguren empfunden. Prominente Sprecher wie John Cusack, Steve Buscemi, John Cleese gaben den Leinwandhelden im Film ihre Stimmen. Für das Spiel hat der Vertrieb, Koch Media GmbH, für den Deutschen Markt offensichtlich gespart. Etwas mehr Mühe in der Auswahl der Synchronsprecher hätte dem Spiel sicher gut getan.

Fazit:
Die Wissenschaft hat schon lange herausgefunden, wie wichtig Angst und die Auseinandersetzung damit für die Entwicklung des Kindes ist. Seit Jahrhunderten überliefern z.B. Märchen wie die der Brüder Grimm brutale Horrorgeschichten. Anfangs habe ich gefragt: "Gibt es bei Kindern einen Unterschied zwischen den Monstern, vor denen man sich gruselt, und denen, die man selbst steuern kann?" Bei "Igor- Das Spiel" stellt sich diese Frage nicht. Zu sehr ist das Spiel mit seinen völlig überdrehten Figuren, den seltsamen Witzen und dem trotzdem niedlichen Igor als humorvolles Spiel angelegt. Das Horror- und Gruselgenre ist hier nur der Aufhänger für ein Action-Adventure, das bedenkenlos jüngere Kinder gemeinsam spielen können. Das düstere Ambiente, vorhandene Lesekenntnisse beim Spieler und die "gruseligen" Endgegner haben in meiner Testergruppe zu einer Empfehlung ab acht Jahren geführt.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass