Emil und Pauline in Rabbit City

Genre
Edutainment
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
United Soft Media Verlag GmbH
Erscheinungsjahr
2009.04
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Kurzbewertung
Ein spaßig-buntes wie gelungenes Lernspiel für Erst- und Zweitklässler
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Spielbeschreibung:
„Emil und Pauline“ ist eine ganze Reihe von Lernspielen für Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter, in denen sie von den namensgebenden Akteuren, einem Bär und einem Pinguin mit lustiger Frisur, durch das Spiel geführt werden.
In „Emil und Pauline in Rabbit City“ besuchen die Spieler eine Hasenstadt, in der es insgesamt acht verschiedene Spiele zu entdecken gibt. Diese Spiele haben zum Ziel die Konzentration, Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und Logik der spielenden Kinder zu fördern, so zumindest die Produktinformation des Herstellers.
Jedes Spiel kann in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen gespielt werden. Schafft man den höchsten Schwierigkeitsgrad, erhält man einen Goldbarren als Belohnung in die eigene Schatzkiste. Mit sechs Barren ist die Kiste gefüllt und als Belohnung wird ein neuntes Spiel freigeschaltet. Zusätzlich gibt es in jedem Minispiel die Möglichkeit eine Aufgabe auszudrucken, die das aktuelle Lernziel des Spieles als Arbeitsblatt vertieft.

Spielt man zum ersten Mal, muss man sich mit seinem Namen anmelden. Der Fortschritt im Lernspiel wird so für jedes Kind separat gespeichert. Alle Funktionen des Programms und jedes Minispiels werden von Emil und Pauline liebevoll und verständlich erkärt. Zunächst werden die Spieler in die Grundfunktionen des Spieles eingeführt: Wie man den Schwierigkeitsgrad oder die Lautstärke verändert, wie man die Minispiele oder das Programm verlässt. Die unterschiedlichen Spiele kann man durch klicken auf der Karte frei auswählen, eine Reihenfolge ist dabei nicht vorgegeben. Versucht man sich an einer schon bekannten Aufgabe, kann man die Erklärung durch klicken abbrechen. Die Erklärungen von Emil und Pauline sind dabei kurz und verständlich. Wenn man die Schwierigkeit in einem Spiel wechselt oder das Spiel erneut aufruft, bekommt man das Spiel noch einmal erklärt.

Pädagogische Beurteilung:

Von Jochen Wilke

Kinder im Grundschulalter können das Spiel ohne Hilfe von Erwachsenen kennenlernen und spielen. Einzige Ausnahme ist die Anmeldung: Kinder, die ihren Namen noch nicht (auf der Tastatur) schreiben können, brauchen Unterstüzung. Die Erklärungen sind nicht nur gut und kurz, sondern auch sehr ruhig und liebevoll gesprochen. Allerdings gibt es keine leicht zugängliche Hilfefunktion, um sich eine Beschreibung noch einmal anzuhören, falls man einmal nicht alles verstanden hat.

Kinder sollten schon ein wenig im Umgang mit der Maus geübt sein. Die Bedienung des Spieles ist zwar sehr einfach und auch für Anfänger zu bewältigen, bei einigen Spielen ist aber ein schnelles Klicken an der richtigen Stelle gefragt, was Ungeübte überfordern kann. Bei dem Bonusspiel, das nach erfolgreichem Bestehen von sechs der acht Aufgaben freigeschaltet wird, ist die Steuerung eines Autos mittels Pfeiltasten nötig, was für viele Kinder eine zusätzliche Herausforderung ist. Das gesamte Lernspiel ist darauf ausgelegt, alleine gespielt zu werden. Bei vielen Aufgaben kann man aber auch gemeinsam vor dem Bildschirm sitzen und zusammen knobeln und einprägen. Die Spieletester unserer Gruppe haben „Emil und Pauline“ zu zweit gespielt, fanden das aber nicht sehr befriedigend. Bei Aufgaben, die nicht gemeinsam zu lösen waren, haben sie sich abgewechselt.

Da sich beliebig viele Kinder bei dem Spiel anmelden können und ihr Fortschritt jeweils gespeichert wird, lässt es sich auch in größeren Gruppen, z.B. Schulklassen einsetzen.

Die technische Umsetzung ist durchweg gelungen. Das Programm läuft im Vollbildmodus, also ohne schwarze Trauerränder. Die Stimmen sind altersgemäß sehr nett, manchmal auch lustig und dabei immer deutlich und mit guter Aussprache. Alle Aktionen der Spieler werden mit passenden und z.T. witzigen Geräuschen untermalt. Bei Erfolg loben Emil und Pauline den Spieler, bei Misserfolg, ermutigen sie, es noch einmal zu versuchen. Einzig die Musik, die zu Beginn läuft, passt nicht zu dem ruhigen Spiel. Sie ist zu laut und aufdringlich und lässt eine deutlich actionreichere Software erwarten. Die Bilder sind farbenfroh, ohne zu knallig zu sein. Auch läuft die Software ohne Hänger und Ruckler und auch auf älteren Systemen flüssig.

Die einzelnen Aufgaben dauern jeweils nur wenige Minuten. So hat man als Spieler keinen Druck, noch eine längere Zeit weiter zu spielen, damit bisherige Erfolge nicht verloren gehen. Beim Verlassen des Programmes wird der Spielstand gespeichert.

Ist ein Spiel zu leicht oder zu schwer kann man den Schwierigkeitsgrad selbst anpassen. So haben auch jügere Kinder Erfolgserlebnisse. Um ein Goldstück als Belohnung zu erhalten, muss man allerdings die höchste Stufe bewältigen. Sechsjährige sind dabei bei manchem Spiel noch überfordert, vor allem, wenn es um Inhalte geht, die sie eigentlich noch nicht beherrschen, wie z.B. auf dem Spielplatz, wo Hasenkinder nach ihrer Nummer sortiert werden sollen, und diese Nummern z.T. über 20 hinaus reichen.

Immerhin muss man nicht alle, sondern nur sechs der Spiele schaffen, um die Belohnung, das neunte Spiel, spielen zu dürfen. Gelungen ist die Idee, mit thematisch passenden Arbeitsbättern die Lernziele mit einem anderen Medium zu vertiefen.

Die neun- bzw. zehnjährigen Mädchen unserer Spieletester-AG waren mit „Emil und Pauline in Rabbit City“ unterfordert. Nach etwa einer Stunde hatten sie sämtliche Spiele in höchster Stufe geschafft, ohne das Spiel vorher zu kennen. Zu zweit vor dem Laptop waren manche Aufgaben noch leichter. Aber auch alleine hatte jedes der Mädchen nicht viel länger gebraucht. Kinder der Zielgruppe, also Erst- und Zweitklässler, werden sicher länger brauchen, aber die meisten werden in fünf bis sechs Stunden das Spiel durchgespielt haben.

Die Szenarien der Spiele (Supermarkt, Spielplatz, Sportstadion,) bieten nicht mehr und nicht weniger als einen netten Rahmen für die Konzentrations- und Merkspiele. Alle Aufgaben können auch ohne „Rabbit City“ gestellt werden, die Einbettung der Spiele ist aber ansprechend und gelungen, so dass die Spieler daran Spaß haben.

Die Hauptziele, die Aufmerksamkeit und die Merkfähigkeit zu trainieren werden gut umgesetzt. Für die Kinder ist es durchaus eine Herausforderung, sich Geräusche einzuprägen oder aufzupassen, wann ein unpassender Gegenstand über das Laufband führt und dann schnell zu klicken. Die hohe Konzentration, die immer wieder nötig ist, ist für die Kinder durchaus anstrengend. Daher ist sinnvoll, nicht zu lange zu spielen und anschließend für einen körperlichen Ausgleich zu sorgen.

Fazit:
„Emil und Pauline in Rabbit City“ macht Spaß, ist leicht zugänglich und kurzweilig. Die Aufgaben sind altersgemäß gestaltet und fordern durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade Sechs- bis Achtjährige durchaus heraus. Die Übungen, welche die Konzentration der Kinder fördern sollen, sind sehr schön dargestellt. Auch wenn die Spiele Konzentration fordern und fördern, sollte man nicht erwarten, dass die Software ein Allheilmittel für Kinder mit großen Defiziten in diesem Bereich ist.