NBA Live 10

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2009.10
Systeme
Playstation 3, Xbox 360, Playstation Portable
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
Basketballsimulation mit viel Atmosphäre und Spielspaß
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Spielbeschreibung:
Eine halbe Ewigkeit nach ihrem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1994 war die "NBA Live-Reihe" des amerikanischen Programmierstudios Electronic Arts (EA) der unangefochtene König der Basketballspiele. Nach allgemeinen Dafürhalten wurde dieser Titel zuletzt aber an den konkurrierenden Titel "NBA 2K" verloren. Entsprechen groß war die Spannung vor Erscheinen der diesjährigen Ausgabe, ob es den Entwicklern gelingen könnte, den entstandenen Rückstand wieder gut zu machen. Zu großen Teilen ist es gelungen, soviel sei vorweggesagt.
An kaum einem anderen Beispiel lässt sich die technische Entwicklung des Computerspiels so lückenlos verfolgen wie an den jährlich erscheinenden Sportspielen von EA. Wo früher grobe Pixelfiguren über das Spielfeld ruckelten, die nur durch die Namen auf den Trikots an ihre realen Vorbilder aus der amerikanischen Profiliga NBA erinnerten, bedarf es heute nicht mehr viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass in einigen Jahren ein Maß an Realismus erreicht sein wird, durch das eine oberflächliche Unterscheidung zwischen Videospiel und Fernseh-Liveübertragung kaum noch möglich sein wird.

Pädagogische Beurteilung:

Von David Reinecke

Insgesamt hat die Grafik von "NBA Live 2010" im Vergleich zum Vorgängerspiel einmal mehr eine Verbesserung erfahren. Wer sich die Mühe macht genau hinzusehen, kann die Schweißperlen auf der Stirn und das Glänzen in den Augen der Spieler erkennen. Auch der Ton, womit besonders die Atmosphäre in den Hallen gemeint ist, wirkt realistischer und abwechslungsreicher (bestimmte Spieler werden zum Beispiel vom Publikum ihrer ehemaligen Vereine ausgebuht).
Während die Menüsprache in deutsch gehalten ist, wurde darauf verzichtet, die englischen Kommentare der Reporter Marv Albert und Steve Kerr zu übersetzten. Für jüngere Spieler ohne Englischkenntnisse mag dies auf den ersten Blick zwar nicht optimal sein, doch die Originalkommentare bringt eben auch gleichzeitig die Originalatmosphäre mit, die viele Tester aus Fernsehübertragungen kennen. Ein auf deutsch getrimmtes Äquivalent, wie es leider in anderen Kulturbereichen (z.B. im Film) üblich ist, kommt bei jungen Spielern nicht mehr an.
Überhaupt wird Realismus bei EA wie immer groß geschrieben. So werden nicht nur das Aussehen sowie die individuellen Stärken und Schwächen der Spieler in gewohnter Weise korrekt wiedergegeben, sondern zum ersten Mal auch die spezifischen Spielweisen der unterschiedlichen Mannschaften berücksichtigt. Bei Vorhandensein eines Internetzugangs bleiben Statistiken und Fähigkeiten zudem immer auf dem neuesten Stand der laufenden NBA-Saison (verletzt sich etwa ein Spieler in der Realität, fällt er auch im Spiel aus).
Die Wahl der unterschiedlichen Spielmodi reicht vom kurzen Freundschaftsspiel bis zum sogenannten Dynasty-Modus, der mehrere komplette Spielzeiten umfassen kann, und in dem sich Sportsimulation mit Managerspiel verbindet. Im Dynasty-Modus können zwischen Spielzeiten zum Beispiel Trainingslager durchgeführt oder neue Spieler verpflichtet werden, um die Mannschaft zu verbessern.

Wie bei den meisten Sportspielen üblich sind Spieldauer sowie Stärke der gegnerischen Mannschaft einstellbar, wodurch Frustration bei Anfängern und jüngeren Spielern vorgebeugt werden kann. Neben den dreißig NBA-Teams können vierundzwanzig verschiedenen Nationalmannschaften ausgewählt werden.
Die herausragendste Verbesserung im Vergleich zu den letzten Ausgaben der "NBA Live"-Reihe liegt jedoch im Bereich der Steuerung. Die Tester lobten die flüssigen Bewegungen der Spieler und auch die verbessterte künstliche Intelligenz der Computergegner. Positiv fällt zudem auf, was einen Mehrwert an Motivation mit sich brachte, dass nicht nur ein einzelner Spieler, sondern optional die ganze Mannschaft kontrolliert werden kann. Während der ballführende Spieler mit dem linken Analog-Stick gesteuert wird, können Mitspieler mit dem Rechten in die gewünschten Positionen gebracht werden.

Wenn es aus pädagogischer Sicht etwas an dem Spiel auszusetzen gibt, dann lediglich, dass atmosphärische Tiefe und Detailreichtum nur von Experten für Basketball und die amerikanische Profiliga NBA wirklich wahrgenommen werden können. Um etwa die Liebe zum Detail, mit der die individuellen Bewegungsabläufe eines Dirk Nowitzki oder Kobe Bryant durch das Motion-Capturing Verfahren eingefangen wurden, würdigen zu können, ist es notwendig, diese Spieler schon das eine oder andere Mal in Aktion gesehen zu haben. Ähnlich verhält es sich mit dem Spielgeschehen selbst. Stärker noch als bei aktuellen Fußball- oder Eishockeysimulationen ist nämlich die Kenntnis der individuellen Stärken und Schwächen der NBA-Spieler bedeutungsvoll. Das Wissen zum Beispiel, dass der 2.13-m-Mann Nowitzki ein deutlich besserer Dreipunkteschütze ist als einige seiner kleineren und wendigeren Mitspieler, widerspricht der Erwartung, kann in der entsprechenden Situation aber durchaus spielentscheidend sein. Das Gleiche gilt für den taktischen Bereich. Nur wer mit Begriffen wie Pick and Roll, Fastbreak oder Isolation Play etwas anfangen kann, wird sich diese Spielzüge auch zu nutzen machen können.
Dessen ungeachtet ist Expertenwissen aber keineswegs Voraussetzung dafür, Spaß an "NBA Live 2010" haben zu können. Trotz ihrer mangelnden Vertrautheit mit dem Regelwerk des Basketballsports war bei den elf und zwölf Jahre alten Testspielern der Lise Meitner Gesamtschule ein intuitives und schnelles Verstehen der grundsätzlichen Spielabläufe zu erkennen. Während des Mehrspielermodus, an dem vier Testspieler gleichzeitig teilnahmen, und der von den Kindern mit besonderer Begeisterung aufgenommen wurde, war zudem ein faires und harmonisches Miteinander zu beobachten.
Grundsätzlich können Spiele wie "NBA Live 2010", die nicht nur Wert auf den reinen Spielmechanismus legen, sondern sich außerdem bemühen die dazugehörige Kultur und das moderne Lebensgefühl der Sportart wiederzugeben, Lust machen, das Gamepad einmal zur Seite zu legen, und auf dem Freiplatz selbst ein paar Körbe zu werfen.

Fazit:
Obwohl die Tiefe und der beeindruckende Detailreichtum in den Bereichen Taktik, Grafik und Atmosphäre nur von Experten wirklich zu würdigen sein wird, ist "NBA Live 2010" ein rundum gelungenes Basketball-Spiel, das nicht nur für Fans der Sportart uneingeschränkt zu empfehlen ist. Viele Schwächen des Vorgängers konnten beseitigt oder abgeschwächt werden, wodurch der Rückstand auf die noch immer etwas bessere Konkurrenzreihe von "NBA 2K" deutlich verringert wurde.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass