Spore

Genre
Onlinespiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2008.09
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Kurzbewertung
Große Idee, die in der Umsetzung nicht den hohen Erwartungen entspricht
Gruppenleiter
Marius Eversmann
Ü12 Kinder und Jugendzentrum Leichlingen
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Nach "Die Sims" macht sich der Entwickler Will Wright daran eine großartige Spielidee in die Tat umzusetzen. Man begleitet die komplette Evolution einer selbst gestalteten und liebgewonnenen Kreatur von der ersten Zelle an bis hin zur Eroberung des Weltraums. Das alles möchte "Spore" einer weltweiten Community bieten. Die Testergruppe war also dementsprechend gespannt, wenn "Spore" tatsächlich das hält, was es verspricht, könnte ein wirkliches Top-Game dabei herauskommen.
Die Spielgeschichte erklärt sich wie folgt: Ein Meteorit schlägt auf dem vorher ausgesuchten Heimatplaneten des Spielers ein und bringt das Leben in Form einer Ursuppe mit. Hier schlägt sich der Spieler in Form eines niedlich animierten Kleinstlebewesens in dieser Ursuppe durch. Es heißt, fressen oder gefressen werden. Der Spieler verbessert und gestaltet seine Kreatur in einem wirklich guten Editor, der ihn auch das ganze Spiel über begleitet, mit immer besser werdende Teilen, z.B. Stacheln, Giftdrüsen oder Augen. Die Kreatur wächst und wächst entwickelt ein Bewusstsein und wagt schließlich den Sprung an Land. Hier endet die Zellenphase und die Kreaturenphase beginnt. Der Spieler bewegt seine Kreatur ähnlich einem Rollenspiel aus der Third-Person Perspektive durch die neue Umgebung und trifft auf andere fremdartige Wesen, hier gibt es im Wesentlichen zwei Handlungsmöglichkeiten, entweder verbünden oder ausrotten. Der Spieler hat auch hier mit Hilfe des Editors weiterhin die Möglichkeit, wie in der Zellenphase auch, seine Kreatur zu verbessern, er kann sogenannte DNA-Punkte gegen Verbesserungen tauschen. Die Punkte werden durch das Vernichten oder Befreunden mit anderen Spezies erreicht.
Sind allen anderen Spezies von der Oberfläche verschwunden oder der Spieler mit ihnen verbündet, schreitet er weiter in die Stammesphase. Hier wechselt das Spiel in die Vogelperspektive, ähnlich wie bei Echtzeitstrategiespielen, das Spielprinzip ähnelt auch sehr stark diesen Spielen, wie z.B. „Warcraft 3“. Es ist aber lange nicht so komplex oder interessant. Gebäude werden gebaut, Einheiten, in Form der in der Kreaturenphase entwickelten Kreatur, werden hergestellt und verbessert. Auch hier heißt die wesentliche Aufgabe ausrotten oder verbünden. Wenn das geschafft ist, geht es weiter in die Zivilisationsphase. Die Perspektive ändert sich nun nicht mehr, das Spielprinzip auch nicht. Hinzu kommen wieder neue Möglichkeiten der Kreaturengestaltung und z.B. die Fähigkeit Fahrzeuge herzustellen und zu gestalten und verbesserte Möglichkeiten der Diplomatie. Ist auch hier die Herrschaft erreicht, folgt der letzte Teil, die Weltraumphase. Der Spieler kann nun alle Planeten des Spore-Universums erkunden, sich mit anderen Spezies verbünden oder diese ausrotten. Außerdem bekommt er die finale Aufgabe zum Mittelpunkt der Galaxie vorzudringen, um zu erforschen, was ihn dort erwartet.
"Spore" bietet also insgesamt fünf mehr oder weniger unabhängige Spiele in denen unterschiedliche Anforderungen auf den Spieler zukommen. Im Wesentlichen bleibt das Ziel aber das gleiche. Die Spielfigur (oder später die eigenen Rasse) muss nach den Vorlieben des Spielers verbessert werden und alle anderen Rassen müssen ausgelöscht oder zu Verbündeten gemacht werden.  

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in das Spiel gestaltet sich als sehr einfach und durchaus interessant, denn in der Zellenphasen sind die Spielforderungen übersichtlich und der Editor lädt zum ausprobieren ein. Hat man sich mit der Steuerung und der Bedienung von Spore erst einmal angefreundet fallen dem Spieler auch die weiteren Phasen nicht besonders schwer. "Durch die Idee des Spiels und durch den guten Einstieg bekommt man Lust, alle Phasen kennen zu lernen" (Tester, 15)
Negativ fällt beim Start des Spiels auf, dass es ohne versteckte Online Aktivierung gar nicht spielbar ist, der Hinweis ist zwar auf der Packung vorhanden, es sollte bei einem Anschaffungspreis von heute noch 30 Euro nicht auch noch eine Internetverbindung zur Pflicht gemacht werden. Außerdem wird der Spieler nach Spielstart gedrängt sich ein Online-Konto zu erstellen. Dieses könnte dem ungeübten Nutzer schnell passieren auch, wenn er es gar nicht will.

Die Steuerung mit Maus und Tastatur ist sehr einfach und auch für den Laien gut zu meistern, lediglich in der Weltraumphase nimmt die Qualität der Steuerung nach Aussagen der Tester stark ab. "Man kommt nicht vom Planeten weg!" (Tester, 15) Die grafische Darstellung des Spielinhalts wurde von den Testern überwiegend als gut und passend bezeichnet. Ansprechend ist der Comicstil, in dem die Figuren und Hintergründe gezeichnet sind, auch die Zoomfunktion gefiel den Testern.
"Der Comicstyle ist gut, eine realistische Grafik würde nicht passen." (Tester,17) Ein wenig schlechter fällt die Beurteilung für den Sound aus, hier wird nur eine mittelmäßige Wertung vergeben. "Passt ganz gut, aber langfristig etwas nervig." (Tester, 13) Gemeint ist hier, dass die Kreaturen auf Dauer anstrengende piepsende, fiepende Geräusche machen.

Die gesamte Darstellung von Spore ist ansprechend und übersichtlich, die Figuren sind niedlich animiert und das Spiel belastet den Rechner nicht allzu stark. Hier liegt für viele Spieler aber auch ein Nachteil. Spore bleibt zwar auf vielen Rechnern spielbar, geizt jedoch etwas mit grafischen Raffinessen und Animationen. Gespielt wird in Real-Time, aber der Spieler gerät nicht wirklich unter Handlungsdruck sondern kann seine Aufgaben in Ruhe erledigen, sofern er im einfachen Modus spielt. Der Schwierigkeitsgrad ist gut anpassbar, auf leicht ist es auch wirklich leicht, das Spiel innerhalb weniger Stunden durchzuspielen. "Auf schwer ist es frustrierend, weil immer alle Gegner direkt angreifen." (Tester, 15 )

Spore hat im Grund eine Menge Motivationsgründe dabei zu bleiben. Zunächst eine im Grundsatz spannende Geschichte und einen guten Einstieg. "Die Zellenphase motiviert weiterzuspielen" (Tester, 13) Dann hat man im Figureneditor die absolute Freiheit in der Gestaltung des Lebewesens.
"Man kann alles frei entscheiden." (Tester, 13) Zudem bietet das sehr freie Spielprinzip von Spore gerade dem männlichen Spieler viele Möglichkeiten Gefühle von Macht auszuleben und sich als Herrscher der Welt zu fühlen, denn leider ist die militärische Lösung des Levels am leichtesten zu schaffen.  "Am Anfang fühlt man sich klein, und fühlt sich dann gut, wenn man größer wird und Andere besiegt." (Tester, 15)
Dieser Punkt deckt natürlich einiges an Motivationspotential ab, besonders am Anfang des Spiels, führt aber später eher zu Langeweile. "Mir hat nicht gefallen, dass man nur auf zwei Arten gewinnen kann, zur Not kann man den Gegner einfach platt machen." (Tester, 17) Außerdem bietet Spore für Menschen die sich gerne Online über Computerspiele in Communities treffen sehr viele Möglichkeiten, hat hier aber auch die gleichen spielerischen Grenzen.
Das größte Spannungsmoment im Spiel tritt immer dann ein, wenn eine neue Phase bevorsteht, der Spieler weiß nicht so ganz genau, was ihn erwartet. Und wie er sein Lebewesen weiter entwickeln kann und welche Spielmöglichkeiten auf ihn warten. Leider kann Spore in den meisten Teilen diese Erwartungen nicht ganz erfüllen und neigt jeweils dazu in den einzelnen Phasen halbherzig in der Umsetzung des jeweiligen Spielprinzips zu sein. Hier wäre es sicher besser gewesen durchgängig in einem Genre oder Spielprinzip zu bleiben und nicht fünf Bröckchen aus verschiedenen Genres zu kombinieren, die dann alle für sich genommen nur Mittelmaß sind.             
Wie schon zuvor gesagt, lebt Spore sehr stark davon, dass der Spieler sich machtvoll aufstellt, verbessert und diese machtvolle Position auch nutzt. Dieses ist für Jungen und Mädchen auf verschiedene Arten zu erreichen. Der männlich Spieler wählt eher einen Fleischfresser und setzt auf Kampf, um seine Ziele zu verfolgen. Weibliche Spielerinnen neigen im Allgemeinen eher dazu sich zum Pflanzenfresser zu entwickeln und viele Freundschaften zu knüpfen. Diese Möglichkeiten bietet Spore dem Spieler, die Aktionen bieten aber eher wenig Abwechselung. Spore hat hier jedenfalls Potenzial auch für Spielerinnen interessant zu sein.
Der Lerninhalt von Spore variiert meiner Meinung nach, je nach dem, wie der einzelne Spieler die Aufgaben meistert, d.h. entscheidet sich der Spieler, dass mal eben schnell durchzuspielen, so ist das möglich. Handelt er aber überlegt und nutzt alle Möglichkeiten, z.B. im Editor, die diplomatischen Möglichkeiten oder die Möglichkeit in Bündnissen zu bestehen, steigt der Gehalt der lernbaren Verhaltensweisen enorm an.

Fazit
"Spore" beinhaltet eine großartige Idee eines Spiels. Allein diese Idee motiviert zum Ausprobieren, leider bleibt die Umsetzung hinter diesen großen Erwartungen zurück. Das soll aber nicht heißen, dass "Spore" nicht empfehlenswert ist - es ist ein gutes Spiel mit großem Unterhaltungswert, guter Grafik und guter Online-Unterstützung. Vielleicht ist "Spore" in der wünschenswerten Tiefe auch einfach nicht oder noch nicht umsetzbar.   

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Spieletester
Ü12 Kinder und Jugendzentrum Leichlingen
Leichlingen
Bewertung Spielspass