Farmville

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Zynga
Erscheinungsjahr
2009.06
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Hübscher, digitaler Bauernhof für Zwischendurch, jedoch mit Zeit- & Kostenfallen
Redaktion
Markus Sindermann
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Farmville ist ein Browsergame, bei dem der Spieler eine eigene Farm aufbauen, vergrößern, Tiere hüten und mit Freunden kommunizieren kann. Mit rund 74 Millionen Nutzern weltweit ist Farmville momentan eines der beliebtesten Browsergames überhaupt.

Alles beginnt mit einer kleinen grünen Wiese auf der ein Männchen steht. Ziel des Spiels ist es, diese Grünfläche zu einer großen attraktiven Farm umzugestalten. Dabei stehen dem Nutzer verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Er kann Felder anlegen und im Marktplatz – dem zentralen Einkaufsplatz des Spiels – verschiedene Samen kaufen, Bäume pflanzen und ernten, Tieren ein zuhause geben oder einfach ein Haus bauen oder Dekorationen aufstellen. Mit jeder Aktion bekommt der Nutzer Experience-Points (Erfahrungspunkte) und steigt damit in höhere Level auf. Je höher der Level eines Spielers ist, desto mehr Möglichkeiten stehen ihm auf dem Marktplatz des Spiels zur Verfügung.
Für jeden Kauf muss der Spieler eine bestimmte Menge Farmcoins zahlen. Dafür bekommt er aber beispielweise für das Ernten seiner Felder mehr Geld ausbezahlt als die Samen kosteten. Einige Artikel werden im Marktplatz nur gegen sogenanntes Farmcash verkauft. Pro aufgestiegenen Level bekommt der Nutzer einen Farmcash auf sein Konto gutgeschrieben. Wenn er mehr Farmcash haben möchte, muss er diese Spielwährung für echtes Geld kaufen (mehr dazu s.u.).

Weiterhin kann man bei Farmville Freunde zum Spiel einladen und als Nachbarn markieren. Das ermöglicht einem Präsente zu verschenken und seinen Freunden zum Beispiel beim Füttern seiner Hühner zu helfen. Für das Helfen seiner Freunde bekommt man zusätzliche Erfahrungspunkte und Farmcoins. Um seine Farm im Laufe des Spiels konstant zu erweitern und zu vergrößern, braucht man eine jeweils bestimmte Anzahl an Freunden oder eine bestimmte Menge an Farmcash.
Durch die Plattform Facebook wird die Möglichkeit gegeben, sich untereinander über das Spiel auszutauschen und zum Beispiel neue Errungenschaften auf der eigenen Profilseite zu veröffentlichen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, seine Farm mit den Farmen seiner Freunde zu vergleichen und ihnen eine persönliche Nachricht zu hinterlassen.

Pädagogische Beurteilung:
Um Farmville spielen zu können muss man sich bei der Social Community Facebook anmelden. Eine Anmeldung bei Facebook ist erst ab 13 Jahren möglich. Ob jemand aber wirklich sein richtiges Alter angibt wird hierbei nicht durch ein Altersverifikationssystem überprüft. Ohne eine Anmeldung ist das Spiel jedoch nicht spielbar. Hat man diese Hürde überwunden und das Spiel als Applikation zum eigenen Facebook-Account hinzugefügt, ist die Spielsteuerung durchaus einfach gehalten. Sie erfolgt ausnahmslos über die Computermaus und ist dabei selbsterklärend und intuitiv. Die Menüs sind übersichtlich gehalten und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Farmville spricht durch diesen einfachen Zugang und sein Thema sicherlich nicht in erster Linie den klassischen Computerspieler an, sondern auch viele Nutzer, die außerhalb der Social Community keine Berührungen mit digitalen Spielen haben.
Sollte es doch einmal Probleme geben, stehen dem Nutzer verschiedene private Hilfe- und Fanseiten zur Verfügung, sowie ein offizielles Forum, das jedoch lediglich in englischer Sprache vorhanden ist. Die Bedeutung von Farmville wird auch an den enormen Mengen an Merchandising, vom Kaffebecher bis hin zur Lösungshilfe, sichtbar, die mittlerweile für dieses Spiel erhältlich sind.

Durch die Ankoppelung an die Social Community Facebook sind vor allem in Hinblick auf jüngere Benutzer neue Problemfelder auszumachen. Während der Nutzer bei anderen, freien Browsergames bisher überwiegend anonym im Netz unterwegs war, steigt er über Facebook mit vielen persönlichen Daten wie zum Beispiel seinem Namen, seinem Profilbild, seinem Geburtstag und seinen Interessen und Hobbies in das Spiel ein. Dadurch legt Zynga, der Betreiber des Spiels, nicht nur eine virtuelle Akte über jeden Spieler an, sondern kann zusätzlich auch gezielt Werbung für den jeweiligen Nutzer schalten. "Die Datenschutzerklärung ist teilweise sehr vage und der Anbieter behält sich vor, so gut wie alles abzurufen", sagt dazu Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig- Holstein.
Außerdem entsteht durch die Anbindung an die Social Community ein Leistungsdruck innerhalb der Spielergemeinschaft. Man steht hier ohne einen eigentlich im Spiel vorhandenen Wettkampf im direkten Vergleich mit seinen Kontakten und Freunden und kann immer sehen, wer gerade die meisten Erfahrungspunkte hat und wer der Schlechteste innerhalb der Gruppe ist. Dadurch wird der Spieler angetrieben mehr Zeit in seine Farm zu investieren um schneller in höhere Level aufzusteigen und mit seinen Freunden mithalten zu können. Ebenso kann man Errungenschaften, Neuigkeiten oder Hilferufe von seiner Farm auf seinem Facebook Profil veröffentlichen und für alle Facebook-Freunde sichtbar machen. Dadurch ist das Spiel immer präsent für Freunde. Durch diese Verknüpfung von Profil und Statusmeldung verleitet das Spiel auch Nichtspieler dazu einfach einmal ausprobiert zu werden. Zudem werden Spieler permanent dazu angehalten werden, neue Mitspieler zu werben. 75 Millionen gewonnene Nutzer innerhalb von einem Dreivierteljahr zeugen von der Wirksamkeit dieser Methode.

Hat man erst einmal eine große Farm, muss man viel Zeit in das Spiel investieren. Obwohl die Zeit vom Säen bis zum Ernten bis zu vier Tage dauern kann, muss jedes einzelne Feld und jeder Baum einzeln zum Ernten angeklickt werden. Außerdem ist das Ernten der Felder zeitlich begrenzt. Wenn man nicht schnell genug erntet, veröden die Felder und bringen dadurch beim Ernten keine Punkte mehr. Hierdurch, doch auch durch das Sammeln von sogenannten Kollektionen, besonderen Zusammenstellungen von Gegenständen, wird der Spieler angehalten, viel Zeit auf seiner Farm zu verbringen, denn mit zunehmender Spielzeit erhöht sich auch die Chance Kollektionsgegenstände zu finden.

Desweiteren gibt es im Spiel immer wieder limitierte Tiere, Häuser, Saaten und Dekorationen. Diese limitierten Editionen können fast ausschließlich gegen Farmcash erworben werden. Damit wird der Nutzer gezwungen Farmcash zu kaufen, wenn er diese limitierten Editionen besitzen möchte. Vor allem ein schneller Aufstieg im Spiel in einen höheren Level ist nur mit dem Kauf von Farmcash möglich, da besonders wertvolle Gegenstände, die viele Erfahrungspunkte einbringen, an hohe Summen an Farmcash gebunden sind. Auch besondere Gegenstände wie eine Skisprungschanze oder die "Verbotene Stadt", deren Besitz ein besonders hohes Prestige versprechen, sind gegen hohe Summen der Spielwährung zu erstehen. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich erfahrungsgemäß besonders nach Anerkennung in ihrem Freundeskreis sehnen, sind gefährdet diese hohen realen Kosten in Kauf zu nehmen, um die größte und schönste Farm in ihrer Clique zu haben. Durch den einfachen Kauf von Farmcash über das Handy können die Eltern dabei zudem relativ leicht übergangen werden und es ist letztlich nicht wirklich transparent, wie viel Geld bereits bei Farmville ausgegeben wurde.

Das Risiko für jüngere Spieler, sich in dieser Welt zu verlieren, um der Größte und Beste zu werden, ist bei Browsergames enorm. Ein schlichtes Verbot wird hier aber weniger die Lösung des Problems sein, da das Internet heutzutage fast überall zur Verfügung steht und somit das Spiel gerade für Jugendliche fast immer erreichbar ist, was Gespräche mit unseren Spieletestern letztlich bestätigen. Als Alternative würde sich zum Beispiel ein Wochenkonto mit einer vorher gemeinsam festgelegten Internetzeit anbieten, die sich die Kinder und Jugendlichen frei einteilen können. Nur im Gespräch lassen sich die Bedenken und Ängste der Erwachsenen den Kindern und Jugendlichen letztlich so vermitteln, dass man gemeinsam zu einer Art Spielvertrag kommt, ohne dass das Spiel zum Dauerstressthema wird.

Doch nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene hat der Vertreiber Zynga eine spezielle Überraschung parat. Medienberichten zufolge soll es vermehrt unerlaubte Abbuchungen bei Nutzern gegeben haben, die ihre Handynummer bei Facebook hinterlegt haben oder bereits einmal mit ihrer Kontonummer Farmcash kauften. Der Anbieter Zynga selbst äußerte sich bisher noch nicht zu diesen Abbuchungen. Eine erhöhte Wachsamkeit scheint jedoch mehr als geboten.

Fazit:
Farmville ist ein ansehnliches Spiel für zwischendurch und glänzt durch seine schöne animierte Welt und den einfachen Zugang. Je weiter man in dem Spiel kommt, desto zeitaufwändiger wird es jedoch, die eigene Farm zu pflegen. Die Faszination im Spiel ist, dass man seine Farm immer wieder grundlegend verändern kann und einem mit jedem höheren Level mehr Möglichkeiten der Gestaltung zur Verfügung stehen. Durch neue Funktionen und limitierte Editionen die immer wieder ins Spiel gebracht werden, wird der Nutzer dauerhaft am Spielen gehalten. Durch den entstehenden Leistungsdruck innerhalb des Freundeskreises sollte man aber die entstehenden Spielzeiten nicht unterschätzen. Daher sollte das Spiel erst von Jugendlichen ab 14 Jahren gespielt werden, die in der Lage sind reflektiert mit den eigenen Spielzeiten umzugehen. Eine pädagogische Auseinandersetzung über das Thema exzessives Spielen erscheint auch für diese Altersgruppe trotzdem von Nöten.