Secret Agent Clank

Genre
Jump&Run
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2009.06
Systeme
Playstation 2, Playstation Portable
System im Test
Playstation Portable
Kurzbewertung
Solides Jump&Run mit kleinen Schwächen.
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die Abenteuer von "Ratchet & Clank" zählen zu den bekanntesten Spielserien für Sonys hauseigene Konsolen PlayStation 2, PlayStation 3 und die tragbare Version PlayStation Portable, kurz PSP. Bei solch einem Erfolgsdruck verwundert es nicht, dass die Entwickler von "Secret Agent Clank" selbst nach sechs Jahren und ebenso vielen Spielen immer noch auf die gleichen Elemente setzen. Dazu gehören klassische Hüpfeinlagen, einfallsreich-alberne Spezialwaffen und eine augenzwinkernde Hintergrundgeschichte in einer poppig-bunten SciFi-Welt. Doch wie der Titel des hier getesteten Ablegers bereits vermuten lässt, gibt es eine entscheidende Änderung. Der Spieler darf zum ersten Mal für ein komplettes Abenteuer in die Rolle des vorlauten Roboters Clank schlüpfen.

Ratchet ist auf einer Solomission in Gefangenschaft geraten und Clank bleibt natürlich nichts anderes übrig, als seinem Freund zu Hilfe zu eilen. Es gibt nur ein Problem. Im Gegensatz zu seinem eingekerkerten Kollegen ist Clank kein schießwütiger Draufgänger. Aus diesem Grund hat man sich in "Secret Agent Clank" für die Eleganz der alten James-Bond-Filme entschieden. Und so darf der titelgebende Roboter nun im Smoking durch die Gänge des feindlichen Hauptquartiers schleichen und seine Gegner im traditionellen Faustkampf oder mit Hilfe von absurd-komischen Gimmicks wie z.B. der Hypno-Uhr oder der so genannten "Schmeißfliege" ausschalten. Bei letztgenanntem ist übrigens nicht der Hautflügler, sondern tatsächlich das zum Wurfgeschoss umfunktionierte Kleidungsstück gemeint.

Im Verlauf des Spiels wird das bekannte Jump&Run-Gameplay um entscheidende Elemente erweitert. Zum einen gibt es immer wieder längere Undercover-Passagen, in denen Clank sich z.B. als Pflanze verkleiden muss, um unentdeckt an seinen Widersachern vorbei kommen muss. Zum anderen überzeugt das Spiel aber auch durch eine große Zahl von so genannten "Mini-Games". In diesen Spielen-im-Spiel bestreitet der Spieler nicht nur ein Pokerturnier, fährt Snowboard oder sorgt mit einem gepanzerten Truck für Unruhe, er darf auch die anderen Figuren des Ratchet & Clank Universums übernehmen. So führt man eine Gruppe Drohnen durch einen Puzzleparcour, lässt Ratchet in einer Arena kämpfen und tritt mit dem tollpatschigen Möchtegernsuperhelden Captain Qwark gegen übermächtige Endgegner an.

Bei allem Einfallsreichtum zeigt sich der siebte Teil der "Ratchet & Clank"-Saga im Bereich der Spielmodi aber eher traditionsbewusst schlicht. Es gibt weder eine Mehrspieleroption, noch die Möglichkeit sich in einem "Challenge Mode" zumindest punktetechnisch mit einem menschlichen Spielpartner zu messen.

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in die Welt von "Secret Agent Clank" bereitete unserer Testergruppe (12) keine Probleme. Über die Hälfte hatte bereits einen der vorherigen Teile der Serie gespielt. Aber auch die, denen "Ratchet & Clank" bislang fremd war, fanden sich dank der intuitiven Steuerung schnell im Spielsystem zurecht. Genretypisch wurden ihnen Geschicklichkeit und Reaktionsfähigkeit abverlangt, denn Clank beherrscht eine Vielzahl von Sprung- und Kampftechniken, die über eine Reihe von Tastenkombinationen gesteuert werden müssen. Die Anforderungen halten sich jedoch in einem überschaubaren Rahmen und sind z.B. nicht so komplex wie bei einem Beat em up. Auf ein ausuferndes Tutorial wurde wohl auch aus diesem Grund verzichtet. Gelegentliche Texteinblendungen, welche die Funktionsweise neuer Geheimwaffen erklären, haben unseren Testern zumindest ausgereicht, um den Ansprüchen des Agentendaseins gerecht werden zu können.

Was allerdings zu anfänglichen Irritationen führte, war die Konsequenz mit der das Spiel seinen 007-Ansatz verfolgt. Schleichen statt schießen, verstecken statt verfolgen. Damit hatten gerade die "Ratchet & Clank"-Veteranen in unserer Gruppe Probleme. Waren sie doch von den vorherigen Teilen gewöhnt, sich sofort ins Gefecht stürzen zu können. Doch mit einer brachialen Vorangehensweise ist in "Secret Agent Clank" nicht einmal der erste Level zu schaffen. Wo zuvor Chaos und Non-Stop-Comic-Action standen, sind nun Geduld  und einfache Problemlösungsstrategien gefragt. Dazu als Beispiel eine Standardsituation aus dem Spiel: Ein weitläufiges Areal ist gespickt mit übergroßen Roboterwächtern, die inklusive des genretypischen Lichtkegels in festen Routen patrouillieren. Blindes Voranstürmen wäre fatal. Stattdessen gilt es, ein Schlupfloch im Sicherheitsnetz zu finden und sich mit einem exakten Timing an den Suchscheinwerfern vorbei zu schleichen. Dabei sind z.B. Pflanzen und Zeitungen als Tarnung nutzbar. Aus solch einem Versteck heraus kann sich der Spieler dann von hinten an die Wachmänner heranschleichen und diese mit dem so genannten"Clank-Fu" überwältigen.

An der Namensgebung solcher Fähigkeiten lässt sich schon erahnen, dass der Agentenalltag längst nicht so ernst und angespannt daher kommt, wie der erwachsene Spieler es vielleicht von anderen "Schleichspielen" wie z.B. "Assassin’s Creed" oder "Metal Gear Solid" kennt. Doch die kindgerechte Atmosphäre ändert nichts daran, dass solche Geduldsproben gerade jüngere Spieler überfordern und schließlich frustrieren können. Hinzu kommt, dass "Secret Agent Clank" aufgrund einer unausgereiften Kameraführung manchmal sehr unübersichtlich sein kann. "Ich seh’ nichts, weil sein Kopf im Weg ist!" Die Beschwerde eines unserer Tester verdeutlicht, dass solche gelegentlichen Ausrutscher in einem Spiel, indem die Übersicht entscheidend ist, natürlich besonders störend auffallen.

Doch die Strapazen werden in "Secret Agent Clank" großzügig belohnt. Nicht nur durch Extra-Punkte, die es z.B. für besonders cleveres oder gewaltfreies Vorgehen gibt, sondern vor allen Dingen auf anderer Ebene, nämlich durch die einzigartige Atmosphäre, die unsere Tester mit immer neuen skurrilen Einfällen zu unterhalten wusste. Ob man nun seine Gegner mit einer Spezialkamera fotografiert, um kurz darauf in deren Rolle zu schlüpfen, oder die weiblichen Kontrahenten beim Tanz besiegt. Unsere Spieler hatten keinerlei Probleme, die parodistischen Elemente zu erkennen und ihren Spaß daran zu haben. Die Stimmung und der Humor von "Secret Agent Clank" erinnern dabei am ehesten an die Zeichentrickserie "Futurama" oder den Pixar Animationsfilm "Wall-E". Dieser Eindruck wird durch die hochqualitative Präsentation unterstützt. Der comichafte Grafikstil, die episch-ironische Hintergrundmusik und die hervorragenden deutschen Synchronsprecher machen "Secret Agent Clank" durchaus zu einem spielbaren Cartoon.

Allerdings hat die allgegenwärtige Selbstironie von "Secret Agent Clank" auch ihre Schattenseiten. So werden z.B. einige Endgegnersequenzen als Lügengeschichten präsentiert, die der angeberische Superheld Qwark seinem Biografen erzählt. Dass unsere Tester nun Abenteuer nachspielen mussten, die eindeutig als Seemannsgarn zu erkennen sind, wurde zwar als "coole, witzige Idee" erkannt, macht aber auch eines der Hauptprobleme des Spiels deutlich: Der durchgängig parodistische Ansatz verhindert eine emotionale Anbindung an die Handlung. Bei all den überbordend kreativen Ideen verloren die Spieldesigner irgendwann die Geschichte, ihre Figuren und die Spielwelt aus den Augen. Und wenn dann nicht alle Passagen spielerisch fesseln können, weil sie unter Steuerungsproblemen leiden oder zu kompliziert sind, verwundert es nicht, dass der ungeduldige Spieler nach einer gewissen Zeit einfach aufgibt. "Die Roboterlevel sind immer viel schwerer", bemerkte ein Tester (13) genervt bevor er die PSP an einen Mitstreiter übergab. Damit weist er auf eine weitere Schwachstelle in einem Spiel hin, dass auch und vor allen Dingen für Kinder geeignet sein soll. In "Secret Agent Clank" ist der Schwierigkeitsgrad nicht einstellbar. Eine Tatsache, die bei unseren Testern zu zahlreichen Frusterlebnissen führte, da der Anspruch nicht konsequent ansteigt, sondern starken Schwankungen unterworfen ist. Das wiegt besonders schwer, da die Speicherpunkte relativ weit auseinander liegen und die Spieler deshalb längere Abschnitte unnötig oft wiederholen mussten.

"Wie würde sich der kleine Bruder/die kleine Schwester schlagen?" Aus pädagogischer Sicht greift "Secret Agent Clank" ein interessantes Konzept auf, das auch in anderen "Spin-Off Games" - also Spielen in denen eine ehemalige Nebenfigur die Hauptrolle übernimmt - zum Tragen kommt. Durch die Abwesenheit des Helden wird ein Mitglied der Gemeinschaft, das in der Hierarchie eindeutig unter ihm steht, in die Situation gebracht, zum ersten Mal Verantwortung übernehmen zu müssen. Eine solche Anordnung hat natürlich sehr viel mit der Lebensrealität der testenden Jugendlichen gemein. Ob es nun die Eltern oder ältere Geschwister sind, die einem das Ruder überlassen. Jeder Spieler kann sich sofort mit dem Dilemma des kleinen Roboters identifizieren, der ohne "seinen großen Bruder" auskommen muss bzw. in dessen Fußstapfen treten soll. In dieser Hinsicht hätte das Spiel großes Potential gehabt, den jugendlichen Spieler emotional zu packen, um ihn schließlich an der Herausforderung wachsen zu lassen, zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen zu müssen. Leider wurden diese Möglichkeiten nur ansatzweise ausgespielt. Clanks Zwangslage dient im Endeffekt doch nur als Vorlage für eine Agentenparodie. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum das Spiel unsere Tester trotz seiner vielen guten Ideen letztendlich kalt ließ.

Fazit:
"Secret Agent Clank" ist ein technisch grundsolides Jump&Run-Abenteuer, dessen Darstellung von Action und Gewalt aufgrund der humorvollen Cartoon-Ästhetik auch für Kinder ab 12 Jahren geeignet ist. Probleme in der Steuerung, und der mitunter hohe Schwierigkeitsgrad könnten ungeduldige Spieler frustrieren. Zudem zieht das Spiel einen Großteil seiner Motivation nicht aus einer spannenden Geschichte, sondern eher der Zurschaustellung von selbstreflexiven, parodistischen Elementen. Unter Umständen könnten jüngere Spieler dadurch überfordert werden.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass