ModNation Racers

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2010.05
Systeme
Playstation 3, Playstation Portable
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Bunte Kartrennen für Kreative
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die Videospielgeschichte ist zwar noch recht jung, hat aber trotzdem bemerkenswert viele Genres kommen und gehen sehen. Vom Textadventure über den Vertikalshooter bis zur Weltraumkampfsimulation. Viele Hypes von gestern, sind heute nur noch nostalgische Erinnerungen. Doch inmitten all dieser Kurzlebigkeit ist bislang kaum ein Genre so beständig geblieben wie das Rennspiel. Im Laufe der Jahre hat sich dabei allerdings nicht nur die grafische Präsentation verändert, sondern auch der spielerische Schwerpunkt. Die Maxime, als Erster über die Ziellinie zu fahren, ist zwar immer noch dieselbe. Doch was zwischen Start und Ziel passiert, kann sich je nach Spiel grundlegend unterscheiden. Mittlerweile haben sich drei Rennspiel-Gattungen etabliert: Die um Realismus bemühte Rennsimulation, das actionlastigere Arcade-Rennspiel und der unkomplizierte Fun-Racer, der bewusst sämtliche Regeln der Physik auf den Kopf stellt. Letzteres erlebte 1992 mit dem legendären "Super Mario Kart" (Mario Kart bei Wikipedia) einen fulminanten Einstand. Seitdem muss sich jedes Rennspiel, das auf bunte Comicgrafik und den Einsatz von unfairen Hilfsmitteln setzt, mit Nintendos Original messen. Knapp vier Jahre nach der Einführung der PlayStation 3 versucht Sony sich nun zum ersten Mal an einem eigenen Kartrennspiel.

Schon beim ersten Spielen von "ModNation Racers" zeigt sich die Ähnlichkeit zur "Mario Kart"-Serie (Test von Mario Kart) und ihren zahlreichen Nachahmern. Die Spielenden steuern comicartige Fahrzeuge über bunte Phantasiestrecken und greifen ihre Widersacher mit Projektilwaffen an, die es während der Fahrt aufzusammeln gilt. Gegenüber dem berühmten Vorgänger wird das grundlegende Spielprinzip lediglich um einige Nuancen erweitert. Dazu gehört die Möglichkeit, die eingesammelten Waffen aufzurüsten. So mausert sich z.B. eine einfache Rakete erst zur zielsuchenden Homing Missile und schließlich zum verheerenden Luftschlag. Daneben kann der Spieler durch geschickte Fahrmanöver (Rutschen, Windschattenfahren, Sprünge) eine Energieleiste auffüllen, die sowohl offensiv (kurzzeitige Beschleunigung), als auch defensiv (Verteidigungsschild) genutzt werden kann. In dieser Hinsicht gleicht "ModNation Racers" den gängigen Kartrennspielen. Nur wer sämtliche Aspekte der Spielmechanik beherrscht, wird sich gegen seine Widersacher durchsetzen können und am Ende als Erster über die Ziellinie rauschen.

Was jedoch für eine vollkommen neue Spielerfahrung sorgt, ist der umfassende Editor. Hier können Spieler nicht nur eigene Fahrer und Renngefährte kreieren, sondern auch gleich ganze Strecken. Im Figureneditor lassen sich mit einfachen Handgriffen Freunde, Familienmitglieder oder auch Berühmtheiten nachbauen. Das Prozedere erinnert dabei an die Charakter-Erstellung auf der Nintendo Wii, bietet aber wesentlich mehr Möglichkeiten im Bereich der Garderobe und Accessoires. In der Autowerkstatt kann man sich dann ein passendes Gefährt auf den Leib schneidern. Farbe, Karosserie oder die Art des Motors bilden dabei nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Auf den Millimeter genau können in "ModNation Racers" Sticker und andere Gimmicks platziert werden. Um das "Mod-Erlebnis" zu komplettieren, steht dann noch das Erstellen einer eigenen Strecke an. Auch hier fällt auf, dass man ohne Vorkenntnisse und großen Aufwand etwas Einzigartiges erschaffen kann, dass im Falle des Streckeneditors auch noch durchaus spielbar ist. Dazu fährt man zunächst einfach in einem leeren Raum herum, während die Rennbahn, den eigenen Fahrmanövern folgend, um einen herum entsteht. Hat man auf diese Weise eine Grundlage geschaffen, lassen sich sämtliche Parameter (Kurven, Steigung, etc) nachträglich verändern. Danach ist einem selbst überlassen, ob man Hindernisse und Sammelgegenstände selbst anlegen möchte oder die Detailarbeit lieber einem Zufallsgenerator überlässt.

Sämtliche Kreationen kann man schließlich online zum Download bereitstellen, um sie mit anderen Nutzern zu teilen und anschließend bewerten zu lassen. Auf diese Weise bietet "ModNation Racers" einen nahezu unendlichen Nachschub an Charakteren, Fahrzeugen und Strecken. Aber auch spielerisch ist für Abwechslung gesorgt. Zum einen die zahlreichen Mehrspielermodi: Onlinerennen für bis zu 12 Spieler, Rennen mit Splitscreen (Splitscreen auf Wikipedia) für bis zu 4 Spieler vor dem heimischen Bildschirm oder auch eine Kombination aus beidem. Zum anderen die so genannten "EP-Rennen", in denen Solisten Erfahrungspunkte sammeln können, oder auch ein Story-Modus, der nicht nur durch zahlreiche kindgerechte Zwischensequenzen unterhält, sondern auch langfristig motiviert, da dort neue Gegenstände für die Editoren frei geschaltet werden können.

Pädagogische Beurteilung:

Kinderleichter Einstieg und Frustration
Beim ersten Spielstart beginnt "ModNation Racers" direkt mit einem Rennen, in dem die grundlegenden Steuerungsfunktionen erklärt werden. Das Erlernen der übersichtlichen Bedienung (Gas, Bremse, Rutschen, Turbo, Schild, Hüpfen und Gegenstand verwenden) bereitete unseren Spieletestern (12) keine Probleme. Den meisten waren die Grundlagen bereits aus anderen Rennspielen bekannt, aber auch die Neulinge kamen nach einer kurzen Eingewöhnung sehr gut mit den Karts zu Recht. Nach einiger Spielzeit zeigte sich jedoch ein Phänomen, das häufiger bei geschicklichkeitsintensiven Sport- und Kampfspielen zu beobachten ist: Es gibt Naturtalente, aber auch Spieler, deren Reaktionsfähigkeit bei solchen Titeln an ihre Grenzen stößt. Viele Male als Letzter durchs Ziel zu fahren hatte natürlich Frustration zur Folge. Gerade in einer größeren Gruppe, in der die Wettbewerbssituation sehr hoch ist, verwundert es nicht, wenn einzelne Spieler vorzeitig aufgeben. Das war auch in unserer Gruppe zu beobachten. Auf der anderen Seite gab es allerdings auch Outsider, die sich nach und nach vorarbeiten konnten und später umso glücklicher die Ziellinie passierten.

Wettkampf im Mehrspielermodus
Um den Wettbewerb fair zu halten bietet "ModNation Racers" zwar einige Möglichkeiten der Schwierigkeitsanpassung, jedoch stellten die "Mario Kart"-Nutzer gerade in diesem Bereich einige Schwächen fest. "Es gibt ja gar kein Handicap", bemerkte ein Tester, der versuchen wollte, die Siegchancen der schwächeren Spieler zu erhöhen. Auf der Suche nach einer anderen Alternative dem stärksten Spieler, etwas mehr Herausforderung zu bieten, indem man die Schwierigkeit der Computergegner erhöht, stieß unsere Gruppe auf einen weiteren Mangel. Im Spiel mit geteiltem Bildschirm wird die Menge an computergesteuerten Fahrern mit steigender menschlicher Spielerzahl sukzessive verringert. Das bedeutet letztendlich, dass bei vier menschlichen Spielern an einer Konsole, überhaupt keine Computergegner mehr möglich sind. In unserer Gruppe stieß diese unverständliche Regelung auf wenig Gegenliebe, da der beste Fahrer konkurrenzlos blieb und die restlichen drei sich auf den teils recht großen Strecken so verteilen konnten, dass es schließlich kaum zu Action kam. Das hatte zur Folge, dass unsere Gruppe beschloss, sich lieber abzuwechseln und 2er bzw. 3er Rennen zu fahren, damit es dank stärkerer Computergegner zu einem ausgeglichenen Rennspaß für alle Beteiligten kommen konnte.

Onlinerennen und Jugendschutz
Die Beschränkung auf wenige Gegner stellte bei den Onlineduellen glücklicherweise kein Problem dar. Hier konnte man sich allein oder zu zweit auf Rennen mit bis zu zwölf menschlichen Teilnehmern aus aller Welt freuen. Dazu bietet das Spiel die Möglichkeit, gezielt nach Freunden aus dem PlayStation Network zu suchen und diese zu einem Duell einzuladen. Für Langzeitmotivation sorgten die Jagd nach Erfahrungspunkten in den "EP-Rennen" und die Aussicht, sich mit weitaus erfahreneren Spielern messen zu können. Auch hier war es für die vierköpfige Gruppe kein Problem, sich abzuwechseln und zusammen an der Karriere des gemeinsamen virtuellen Alter Egos zu arbeiten. Die internationale Spielerfahrung hat allerdings ihre Schattenseiten. Auch "ModNation Racers" bietet Voice Chat, was dazu führen kann, dass jüngere Spieler an Erwachsenenunterhaltungen teilnehmen. In diesem Fall bietet es sich jedoch an, den Voice Chat im Menü auszustellen oder die Altersfreigabe der PlayStation auf Stufe vier zu stellen, was die Funktion ebenfalls deaktiviert. Im Textbereich bietet die Kommunikation von "ModNation Racers" einen Filter für Schimpfwörter, der im Test solide Arbeit leistete und zumindest die gängigsten Problem-Phrasen beseitigen konnte.

Menüführung und Ladezeiten
Trotz seiner Vielzahl an Spielmodi und den verschiedenen Editoren bleibt "ModNation Racers" dank einer ausgeklügelten Menüführung übersichtlich. Hier haben sich die Entwickler auf ein duales System verlassen. Zum einen ist das Menü spielerisch erfahrbar, als so genannter "ModSpot". In dieser Mischung aus Marktplatz und Rennstall kann man mit seinem Kart die einzelnen Menüpunkte, dargestellt als Gebäude, gezielt anfahren. Wem das allerdings zu umständlich ist, kann per Tastendruck auch ein Quick Menü aufrufen, um mit wenigen Klicks ans Ziel zu gelangen. Trotz aller Einfachheit dürften Spieler unter acht Jahren allein auf Grund des Umfangs ihre Probleme bei der Navigation durch die Menüs von "ModNation Racers" haben. Ein weiterer Faktor, der unseren Testern im Rahmen der Rennvorbereitung aufgefallen ist, sind die enormen Ladezeiten. Vor jedem Level sind Wartezeiten von mindestens einer Minute zu verzeichnen, dazu kommen noch Ladepausen zwischen den Menüs. Das ist nicht mehr zeitgemäß und sorgte nicht selten für ungeduldige Kommentare seitens unserer Tester. Da dieses Manko auch in den Onlineforen für Unmut sorgte und "ModNation Racers" ein Spiel ist, das stark von einer lebendigen Community abhängt, ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass dieser Mangel durch einen Patch ausgebessert wird. 

Atmosphäre und Anforderungen
"ModNation Racers" besticht durch eine bunte Comicgrafik, die ihre Ähnlichkeit zum Sony-Vorzeigekinderspiel "Little Big Planet" (Test zu Little Big Planet) nicht verleugnen kann. Auch die funklastige, aber unseren Testern leider etwas zu monotone Musik, unterstützt diesen Eindruck. Aber obwohl der Titel eindeutig für jüngere Spieler ausgelegt ist, bietet er neben den mächtigen Editoren auch spielerisch genug Tiefgang, um ältere Kartveteranen zu unterhalten. Die fahrerischen und taktischen Fähigkeiten werden in einer fair ansteigenden Lernkurve geschult. Reichen zu Beginn eine solide Kurvenlage und gelegentlicher Turbo aus, um die Rennen zu gewinnen, müssen die Spielenden in den höheren Leveln alle Asse aus dem Ärmel zaubern, um erfolgreich zu sein. Dazu gehört nicht nur die Beherrschung des Waffensystems, sondern auch eine erweiterte Streckenkenntnis inklusive aller Fallen, Weichen und Abkürzungen. Lediglich in den letzten Rennen der Solospieler-Karriere reagierten die Computergegner überraschend unfair. Eine Tatsache, die den Frustfaktor zwar erhöht, das letztendliche Spielerlebnis aber nicht schmälern kann.

Das größte Rennspiel der Welt
Bereits in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Spiels übertrafen die von den Nutzern kreierten Spielinhalte alle Erwartungen. Ohne zusätzliche Kosten konnten sich unsere Spieler aus dem reichhaltigen Angebot an Figuren, Fahrzeugen und Strecken bedienen. Von Popkultur (Batman, Mario, Madonna) über Sport (Kobe Bryant, M. Schumacher, Dante) bis hin zu Politik (Merkel, Obama, Ghandi), die Auswahl an Fahrern ist schier unbegrenzt. Ähnliches gilt aber auch für die Fahrzeuge (der A-Team Bus, das Futurama Schiff) und besonders die Rennstrecken, welche oft originalen Vorbildern wie der Nordschleife nachempfunden wurden. Im Angesicht von so viel Kreativität, wollte unsere Gruppe natürlich nicht zurückstecken. Doch bevor sie sich in die virtuelle Bastelei stürzten konnte, stand zunächst die Arbeit mit echten Plastik-Figuren, Acrylfarben und diversen Stoffen an. (Fotos von unserer ModNation Bastelaktion finden sie hier – Link wird in den nächsten Tagen eingefügt!) Nach erfolgreicher Bewährung folgte dann der Umgang mit den programmeigenen Editoren. Diese waren überraschend einfach zu bedienen und lieferten schnell Erfolgserlebnisse. Doch so motivierend die Erstellung von eigenem Spielmaterial für unsere Tester war, so schnell stellte sich auch heraus, dass sich eine intensive Auseinandersetzung mit den Einstellungsmöglichkeiten, das echte Feintuning, nicht für eine größere Gruppe eignet. Zu lange gestalteten sich die Wartezeiten, in denen die anderen Spieler darauf harren mussten, dass z.B. das perfekte Rot für die Karosserie gemischt und die richtige Nasengröße für den eigenen Charakter gefunden wurde. Der kreative Prozess wird so schließlich zu einem Einsamen. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Entwickler einen Weg gefunden hätten, einen Teil der Editoren wie in "Little Big Planet" mehrspielertauglich zu gestalten. Abseits dieser Kinderkrankheiten ist der kreative Aspekt des Spiels als voller Erfolg zu werten. Sony hat einen weiteren würdigen Beitrag zu seiner "Play. Create. Share."-Serie (Spiele. Erschaffe. Tausche.) gefunden. Unsere Tester ließen zumindest keinen Zweifel daran, dass sie viele Stunden mit "ModNation Racers" verbringen würden. Einziger Wermutstropfen: Ohne Internetanschluss bleibt einem ein Großteil der reizvollen Spielinhalte verwehrt.

Fazit:
Bei "ModNation Racers" geht es darum, in übertriebenen Rennsituationen entweder gegen Cartoon-Gegner oder die eigenen Freunde anzutreten. Bei allem steht der freundschaftliche Wettbewerb im Vordergrund. Die Präsentation und der Humor richten sich dabei eindeutig an Kinder. Aber auch Erwachsene werden an den übertriebenen Spielsituationen ihre Freude haben.
Das Spiel bietet tolle Möglichkeiten, selbst kreativ zu werden und ist dank seines Mehrspielermodus auch für den Freundeskreis geeignet. Trotz einiger Mängel (die hoffentlich durch Patches und Add-Ons behoben werden) ist "ModNation Racers" eine klare Empfehlung für rennspielaffine Jungen und Mädchen ab 8 Jahren.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass