Indiana Jones und der Stab der Könige

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
LucasArts
Erscheinungsjahr
2009.06
Systeme
Playstation 2, Wii, Playstation Portable, Nintendo DS
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Stimmungsvolles Action-Adventure mit katastrophaler Steuerung
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Jedermanns liebster Grabräuber und Gelegenheitsprofessor der Archäologie Dr. Henry Jones Junior, genannt Indiana Jones, ist wieder da. Seit die Abenteuer mit "Jäger des verlorenen Schatzes" im Jahr 1981 begannen, sind vier Kinofilme und mittlerweile auch über ein Dutzend Computer und Videospiele erschienen, ohne dass sich an dem Grundkonzept (warum auch?) viel geändert hätte. Die Suche nach einem mächtigen mythischen Artefakt war stets der Kern der Geschichten um den Schlapphut tragenden und peitscheschwingenden Helden und auch diesmal verhält es sich nicht anders. "Der Stab der Könige", jener Stab also, den Moses laut altem Testament bei sich trug, als er das Volk der Israeliten ins Gelobte Land führte, ist das Objekt der Begierde. Und da es sich einmal mehr um eine echte biblische Wunderwaffe handelt, mit der nicht nur das Wasser des Meeres geteilt, sondern zudem Plagen hervorgerufen und die Säulen des Himmels zum Einsturz gebracht werden können, überrascht es wenig, dass sie auch die Mächte des Bösen (die Nazis) auf den Plan ruft. Entsprechend entwickelt sich für unseren Helden eine rasante Schatzjagd, die ihn von San Francisco bis Neapel, nach Zentralamerika und Istanbul führt und bei der einmal mehr das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht. Auf den Stationen der Reise müssen Unmengen Schurken bekämpft sowie verschiedene Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben gelöst werden, wodurch dem Spiel eine echte Nähe zum "Geist" der Filme bescheinigt werden kann.

Pädagogische Beurteilung:

Von David Reinecke

Leider ist "Indiana Jones und der Stab der Könige", um sich eines Filmtitels der Reihe zu bedienen, alles andere als "Der Heilige Gral". Als das größte Problem des Spiels wurde von der Testergruppe der Lise-Meitner-Schule schnell die Steuerung ausgemacht. Tatsächlich ist die Wii-Bewegungssteuerung äußerst mangelhaft ausgefallen. Mit etwas Glück funktioniert sie ungenau und mit Verzögerung. Oft jedoch, zumindest konnte dieser Eindruck im Zuge des Tests entstehen, funktioniert sie gar nicht. Es ist den Entwicklern nicht gelungen, das Spiel in angemessener Weise auf die technischen Möglichkeiten der Konsole abzustimmen. Das Nahkampfsystem etwa erfordert ein Maß an Präzision, welches im Rahmen der physikalischen Grenzen des Wii-Kontrollers schlicht nicht zu erreichen ist. Einige Levels, wie z.B. die Flugzeugsequenzen, deren Aufgabenstellung auf den ersten Blick leicht erscheinen, haben sich für die jungen Tester deswegen als fast unlösbar erwiesen. Da die Spieler im Zweispielermodus auf die Koordinierung ihrer Fähigkeiten angewiesen sind, verstärkt sich das Problem der unausgegorenen Steuerung sogar noch. Ein weiteres Problem sind kleine aber unfeine Mängel im Spieldesign. So ist es beispielsweise nicht möglich die anspruchslos animierten – aber charmanten – Zwischensequenzen abzukürzen, wodurch sich die Frustration angesichts des hohen Schwierigkeitsgrads besagter Levels, und der damit verbundenen Notwendigkeit der ständigen Wiederholung, sogar noch steigert. Anhand solcher Details lässt sich oft der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Spieldesign erkennen.

Es steht außer Frage, dass für den Einstieg in ein Spiel, gerade bei jüngeren Spielern, ein gutes Tutorial sinnvoll ist. Im Fall von "Indiana Jones und der Stab der Könige" wurde das Prinzip jedoch zu weit getrieben. Durch konsequente Kenntlichmachung der zur Lösung der Aufgaben jeweils notwendigen Tastenkombinationen werden die Levels dem Spieler nämlich in gewisser Weise vorgekaut, was das genaue Gegenteil des "Prinzip lustvollen Ausprobierens" darstellt, welches früheren Indiana Jones-Spielen, famosen Point & Click-Adventures wie "The Fate of Atlantis", zu eigen war. Ironischerweise lässt sich eben dieses 1992 erschienene "The Fate of Atlantis" im Rahmen von "Indiana Jones und der Stab der Könige" als Bonus-Spiel freischalten.

Obwohl die Levels in "Indiana Jones und der Stab der Könige" Abwechslung bieten und die Mischung aus Actionsequenzen (die an Tomb Raider erinnern) und Puzzles dem Geist der Filme entsprechen, ist der Schwierigkeitsgrad, abgesehen von den erwähnten, steuerungsbedingten Problemen, insgesamt zu niedrig. Und auch die Spielzeit von etwa 5-7 Stunden ist eher dürftig ausgefallen.
Viele der erwähnten Mängel sind deshalb besonders ärgerlich, weil sie zu vermeiden gewesen wären und man sich des Gefühls nicht erwehren kann, dass unter der problembehafteten Oberfläche von "Indiana Jones und der Stab der Könige" ein wirklich gutes Spiel schlummert. Dieses Potenzial scheint im Bereich von Handlung und Atmosphäre bereits durch. Wie immer findet sich der Spieler in einer Welt wieder, die von bösen Nazis, schönen und abenteuerlustigen Frauen und listigen aber hilfsbereiten Eingeborenen bevölkert ist und in der historische Fakten mit verschiedenen mythologischen Motiven und fantastischen Elementen zu einer spannenden Geschichte verwoben werden. Eine detaillierte Grafik, die im Rahmen der Wii-Möglichkeiten durchaus überzeugen kann (grundsätzlich reicht die grafische Leistungsfähigkeit der Wii nicht an die Konkurrenten Xbox und Playstation heran), sowie die bekannte Filmmusik von John Williams sorgen dafür, dass echte Fans der Serie auch mit "Indiana Jones und der Stab der Könige" auf ihre Kosten kommen. In Sachen Ton lässt sich weiterhin positiv vermerken, dass Wolfgang Pampel, die Synchronstimme von Indiana-Jones-Darsteller Harrison Ford, für die deutsche Ausgabe des Spiels gewonnen werden konnte.
Obwohl es mit der historischen Genauigkeit nicht allzu weit her ist, kann ein Spiel wie "Indiana Jones und der Stab der Könige" Interesse an Geschichte und Archäologie wecken. Dadurch ist es aus pädagogischer Sicht fraglos empfehlenswerter, als viele Konkurrenztitel, die über eine funktionalere Steuerung und ein durchdachteres Level-Design verfügen, dafür aber inhaltlich leer sind.

Fazit:
Die positiven Aspekte, die sich zugunsten von "Indiana Jones und der Stab der Könige" hervorheben ließen, verblassen angesichts der miserablen Steuerung und der ärgerlichen Mängel im Game-Design. Einmal mehr zeigt sich, dass ein gelungenes Video/Computerspiel nur als Gesamtkunstwerk funktioniert und der Ausfall eines so wichtigen Faktors wie der Steuerung kaum auszugleichen ist.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass