Puzzle Quest Galactrix

Genre
Denken / Geschick
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Koch Media GmbH
Erscheinungsjahr
2009.02
Systeme
PC, Xbox 360, Nintendo DS
System im Test
Nintendo DS
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Anspruchsvoller Mix aus Denk- und Rollenspiel
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Genremix für Nintendo DS
"Puzzle Quest Galactrix" ist wie sein preisgekrönter Vorgänger "Puzzle Quest – Challenge of the Warlords" eine innovative Mischung aus Denk- und Rollenspiel. Dabei verlässt der Nachfolger das mittelalterliche Setting und setzt stattdessen auf ein futuristisches Science Fiction Szenario. Die komplexe Geschichte spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschheit sich nach und nach über die gesamte Galaxis ausgebreitet hat. Man schlüpft in die Rolle eines wahlweise männlichen oder weiblichen Raumpiloten, mit dem man fortan die unendlichen Weiten des Alls erkunden wird. Rollenspieltypisch muss man das Abenteuer allerdings nicht allein bestreiten, sondern wird von einer fünfköpfigen Crew begleitet. Diese setzt sich aus unterschiedlichen außerirdischen Rassen zusammen, von denen jede ihre eigenen speziellen Fähigkeiten mit sich bringt. Diese besonderen Eigenschaften spielen im eigentlichen Herzstück des Spiels, den titelgebenden Puzzleaufgaben, eine entscheidende Rolle. Ob Bergbau, Hyperraumsprung oder Gefechte mit Raumpiraten, sämtliche Konflikte und Herausforderungen werden im Spiel per Puzzle gelöst.

Tetris + Bejeweled + Quests
Freunden von Denkspielen werden die Regeln der "Puzzle Quest" Reihe vielleicht bekannt vorkommen. Ähneln sie doch stark denen, der beliebten "Bejeweled" Spiele. Auf einem bunten Spielbrett geht es darum, drei Steine gleicher Farbe in einer Reihe anzuordnen. Diese verschwinden daraufhin und machen Platz für neue Kombinationsmöglichkeiten. Ziel ist es jedoch nicht, das Spielbrett auf diese Art und Weise leer zu räumen, sondern über Kettenreaktionen bestimmte Farben und spezielle Sondersteine zu aktivieren. Im Falle der Raumkämpfe fügt man dem vom Computer gesteuerten Gegner durch geschicktes Arrangieren der Farben Schaden zu. Aber auch die anderen Aufgaben in "Puzzle Quest Galactrix" basieren auf dieser einfachen, dank ihres Variationsreichtums aber niemals anspruchslosen, Steuermechanik.

So reist man von System zu System, kämpft mit Raumpiraten, hackt sich in interstellare Raumhäfen oder feilscht mit Händlern um die besten Preise. Dabei nutzt man die gesammelten Erfahrungspunkte und das erwirtschaftete Geld, um die Fähigkeiten der Spielfigur zu verbessern und das Raumschiff aufzurüsten. Dies ist dringend nötig, da man ansonsten den steigenden Anforderungen in den späteren Spielstufen nicht gerecht werden kann. Im Verlauf der über 100 Missionen, die der Storymodus von "Puzzle Quest Galactrix" bereitstellt, wird neben der Puzzlekompetenz auch das diplomatische Geschick des Spielers gefordert. Je nachdem welcher so genannten "Korporation" das Sonnensystem angehört, in dem man sich gerade befindet, muss man genau abwägen, welche Schiffe man angreifen und mit welchen man lieber Handel treiben sollte. Wer hier die richtigen Entscheidungen trifft, kann sich viele unnötige Konflikte sparen. Im Gegenzug kann man sich natürlich auch für ein Piratendasein entscheiden - mit all den bekannten Vor- und Nachteilen.

Mehrspieleroption
Neben dem umfangreichen Story Modus bietet "Puzzle Quest Galactrix" auch die Option "Schnelles Gefecht". Hier kann man mit einem Schiff seiner Wahl oder dem seines gespeicherten Spielstands aus dem Story Modus gegen einen beliebigen Computergegner antreten. Auch das Drahtlos-Spiel gegen einen menschlichen Spieler ist möglich - vorausgesetzt natürlich dieser besitzt ebenfalls eine Spielkarte. Da unserer Gruppe allerdings nur ein einziges Testexemplar des Spiels zur Verfügung stand, konnte diese Spielvariante nicht getestet werden.

Pädagogische Beurteilung:
Simpel und doch anspruchsvoll
Die Einzelspielerkampagne von "Puzzle Quest Galactrix" beginnt mit einem recht spartanischen Tutorial. Mit Hilfe von einigen wenigen begleitenden Texteinblendungen werden die grundlegenden Steuerungsmöglichkeiten erklärt. Dass das im Falle eine komplexen Knobelspiels bei weitem nicht ausreicht, zeigte die Reaktion unserer Tester (12). Bis auf eine Ausnahme hätten unsere Spieler schon beim ersten Raumgefecht frustriert aufgegeben, wenn nicht ein Betreuer helfend eingeschritten wäre. Denn leider erklärt das Tutorial nur sehr unzureichend, wie die Farbkombinationen der Spielsteine die Schildenergie und die Feuerkraft des eigenen Raumschiffs beeinflussen. Der Spieler wird einfach ins kalte Wasser geworfen. Die Komplexität steigt nicht graduell an, sondern erreicht schon zu Beginn einen Grad, der Neueinsteigern den Zugang verwehren kann. "Puzzle Quest Galactrix" erwartet von seinem Spieler, dass er das "drei Steine – eine Reihe" - Prinzip auf ein hexagonales Spielfeld mit variabler Schwerkraft anwendet. Konkret bedeutet das, dass die Spielsteine nicht einfach von oben nachrücken, wenn sich eine Reihe auflöst, sondern sich in die Richtung bewegen, in die der auslösende Stein geschoben wurde. Wenn der Spieler also einen Stein in ein links oben angrenzendes Feld schiebt, kommen neue Steine von rechts unten nach. Unsere Spieler waren anfangs schon damit ausgelastet, sich auf dem Spielbrett zu orientieren und erste Farbkombinationen zu finden. Doch um aus den Puzzlekämpfen als Sieger hervorzugehen, wird vorausgesetzt, dass man schon zu Beginn ein bis drei Züge im Voraus plant. Oder einfach Glück hat. Diese Anforderungen an Logik und Abstraktionsvermögen scheinen unerwartet hoch für ein Spiel, dass von der USK (zum Lexikon) "ohne Altersbeschränkung" empfohlen wird und eine PEGI (Pegi Website) Einschätzung von "3+" bekommen hat.

Motivierende Rollenspielelemente
Nach einer Weile gelang es unserer Gruppe (12) schließlich, das Puzzlesystem zu durchschauen. Schildenergie, Waffenenergie, CPU-Energie, Motor-Energie, Psi- und Intel Punkte und dazu noch Minen. Alles hat seine eigene Spielsteinkategorie und beeinflusst den Ausgang des Matches auf unterschiedliche Art und Weise. Im Verlauf des Spiels lassen sich all diese Parameter verbessern. Den Testern war dieses Aufrüsten bzw. "Leveln" aus Rollenspielen bereits bekannt und wurde mit Begeisterung aufgenommen. Hinzu kommt, dass das umfangreiche SciFi-Szenario von "Puzzle Quest Galactrix" mit einer interessanten Hintergrundgeschichte aufwarten kann. Die Heldenreise eines aufstrebenden Raumpiloten bzw –pilotin konnte unsere Tester überzeugen und motivierte, mit ihm/ihr zusammen die fremden Weiten zu erkunden. Positiv fiel den Spielern auf, dass es neben den Aufträgen, die die Geschichte vorantreiben sollten, auch zahlreiche optionale Sekundärmissionen gab, in denen man weitere Erfahrung sammeln konnte. Bei all den Wahlmöglichkeiten verloren gerade die jüngeren Spieler oft die Übersicht. Das mag auch daran liegen, dass die Geschichte hauptsächlich über Texteinblendungen erzählt wird und deshalb die Gefahr droht, dass manch ein wichtiger Hinweis von nervösen Fingern einfach übersprungen wird. "Wo muss ich jetzt noch mal hin?", war deshalb nicht selten zu hören. Mitunter auch weil sich die zahlreichen Sonnensysteme oft zu sehr ähneln.

Navigationsprobleme
Nach längerer Spielzeit, die in unserer Gruppe nur diejenigen absolvierten, die sich wirklich für die Welt von "Puzzle Quest Galactrix" begeistern konnten, kamen weitere Schwächen im Spieldesign zu Tage. Je größer die Spielwelt wurde, desto länger und mühsamer gestaltete sich der interstellare Verkehr. Oft mussten die Spieler von einem zum anderen Ende der Galaxis reisen. Obwohl sie nur einen kleinen Auftrag zu erledigen hatten, kamen ihnen auf dem Weg dorthin unzählige Piraten in die Quere. Dass so etwas das eigentliche Spiel unnötig in die Länge zieht, ist unseren Testern natürlich sofort aufgefallen. Überraschend lange Ladepausen und die etwas ungenaue Steuerung mit dem Nintendo DS Stylus kamen noch hinzu und ließen für unsere Gruppe das Erforschen und Erkunden zu einer recht zähen Angelegenheit werden.

Schlichte Präsentation
Bei vielen Titeln kann das so genannte "Eyecandy" über manch spielerische Schwäche hinwegtrösten. Im Fall von "Puzzle Quest Galactrix" ist das nicht so. Bieder, betont ernst, aber auch etwas schlicht präsentieren sich die verschiedenen Galaxien. So zumindest das Urteil unserer Spieler (12), die sich eher vorsichtig äußerten. "Das ist jetzt aber nicht so eine gute Grafik, oder?" Das zaghafte Urteil spiegelt eine Unsicherheit wider, die in den beiden Genres begründet liegt, bei denen sich "Puzzle Quest Galactrix" bedient. In der Geschichte des Nintendo DS bestechen weder Denk- noch Rollenspiele durch eine besonders opulente optische Aufmachung. So scheint sich das Spiel lediglich in eine bewährte Tradition einzufügen. Dass das allerdings nicht so sein muss beweisen Perlen wie, "Soul Bubbles" oder "The World ends with you"). Ähnlich karg und eintönig präsentiert sich die Soundkulisse. Ein Teppich aus unscheinbaren sphärischen Klängen wird nur von gelegentlichen Geräuschklicks und dem monotonen Aufeinanderprallen der Spielsteine unterbrochen. Da es auch keine Sprachausgabe gibt, entschied sich einer unserer Tester dazu, die Soundkulisse schließlich vollends zu ignorieren und schloss seinen MP3-Player an.

Faszination Weltall
Von "Starflight" (Wikipedia) über "Elite" (Wikipedia) bis hin zu "Privateer" (Wikipedia), die Video- und Computerspielgeschichte hat eine große Tradition von Weltraumentdeckeropern. Dass dieses Genre in der heutigen Gaming-Welt kaum noch eine Rolle spielt, ändert nichts an der ungebrochenen Faszination der unendlichen Weiten. Aktuelle Spiele wie "Lost Planet", die Rollenspielserie "Mass Effect" (Test von Teil1 und Teil2)oder das kommende Onlinerollenspiel "Star Wars - The Old Republic" beweisen, dass sich jugendliche und erwachsene Spieler noch immer für Science Fiction Szenarien begeistern können. Während letztgenannte Serien eher auf Action und Abenteuer setzen und deshalb auch nur für erwachsene Spieler zugänglich sind, können auf der anderen Seite auch handelsorientierte SciFi-Browsergames à la "OGame" gerade bei jüngeren Spielern enormen Erfolg verzeichnen. Geheimnisvolle Außerirdische, riesige Raumschiffe und die nicht fassbare Endlosigkeit des Weltalls. Die gleiche Faszination, die frühere Generationen zur SciFi-Literatur gebracht hat, fesselte nun auch unsere Tester vor den Dual Screen von Nintendos Handheld Konsole. Auch wenn sie in realiter nur redundante Puzzlematches bestritten, schaffte es das Spiel, mit minimalen Mitteln etwas Größeres zu erzeugen. In der Spielwelt verteidigten sie nämlich gerade das mühselig abgebaute Erz gegen eine Horde außerirdischer Raumpiraten. Kann es etwas Aufregenderes geben? Kein Wunder also, dass ein trockenes, kopfbetontes Spiel wie "Puzzle Quest Galactrix" auch in unserer Testergruppe Anhänger finden konnte - zwar nicht viele, aber die dafür umso überzeugter. 

Fazit:
"Puzzle Quest Galactrix" ist ein umfangreicher Mix aus Denk- und Rollenspiel, der allerdings dank einiger spielerischer Schwächen nur für besonders geduldige SciFi-Fans geeignet ist. Auf Grund einer Hintergrundgeschichte, die eher ein älteres Publikum anspricht, und einer mangelhaften Einführung in die komplexen Spielregeln, sollten Kinder unter 12 Jahren vor dem Kauf zumindest Probe spielen. Für Einsteiger und Fans der Serie empfiehlt sich der spielerisch ausgereiftere erste Teil: "Puzzle Quest – Challenge of the Warlords"

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass