Monster Hunter Tri

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Capcom
Erscheinungsjahr
2010.04
Systeme
Wii, Wii U, Nintendo 3DS
System im Test
Wii
Hinweis(e)
via Nintendo eShop
Kurzbewertung
Jäger und Sammler Abenteuer in fiktiver Dinosaurierwelt
Redaktion, Gruppenleiterin
Linda Scholz
Spieleratgeber-NRW, OT St. Anna Ehrenfeld
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit "Monster Hunter Tri" findet die beliebte Spieleserie, die sich bisher durchweg in Japan großer Beliebtheit erfreute auch kommerziellen Einzug im europäischen Spielemarkt. Das Spiel ist durch und durch ein Jäger und Sammler Spiel. Man zieht mit seiner Spielfigur, die man sich frei gestalten kann, durch die fiktive Welt, erledigt Monster und sammelt Rohstoffe und Materialien, um sich hilfreiche Objekte und Rüstungen fertigen zu lassen. Zu Beginn des Spiels findet man sich in einem verschlafenen Küstendorf wieder und wird sogleich in die Rolle des neuen Jägers des Dorfes geworfen. Man erfährt, dass Lagiacrus ein sagenumwobenes Meeresmonster die Friedlichkeit des Dorfes bedroht und für ein großes Erdbeben sorgte. Durch dieses wurde das Dorf von der Außenwelt getrennt und die Handelswege unterbrochen. Man wird Schritt für Schritt in die Spielmechanismen eingeführt indem man nach und nach diverse Aufgaben für die Dörfler erledigen soll, um den Handel wieder möglich zu machen. So dauert es nach einigen Textpassagen auch nicht lange, bis man vor den ersten dinosaurierartigen Monstern steht. Diese ersten Gegner stellen sich als friedliche Pflanzenfresser heraus und man kann nach dem Sieg ihr Fleisch an sich nehmen, welches man sogleich dem Sohn des Dorfältesten bringen muss. Mit diesen ersten Schritten beginnt das Jägerleben und während man in den folgenden Aufgaben seine eigene Bleibe im Dorf bezieht, Rohstoffe wie Erz und Pilze abbauen und sammeln muss und ein Nest von Raubtieren aufsucht findet man sich nach und nach in die Spielumgebung ein. Die verschiedenen Fertigkeiten und Möglichkeiten im Spiel werden dem Spieler so häppchenweise vermittelt und in der komplexen Spielwelt finden sich dadurch auch unerfahrene Spieler nach kurzer Zeit schnell zurecht. So kann die eigene Spielfigur Schritt für Schritt weiterentwickelt werden, um letztlich ihre Hauptmission zu erfüllen und Lagiacrus zu besiegen.

Pädagogische Beurteilung:

Jeder Jäger ist individuell
Nachdem das Spiel gestartet wird führt ein Einführungsvideo kurz in die fiktive Spielwelt ein, in der Menschen, Dinosaurier und drachenartige Monster leben. Die Rendersequenz holt das Möglichste aus der Wii heraus und die Spieler waren schnell fasziniert und gewillt in das Spielgeschehen einzutauchen. Dies begann mit der Erstellung eines individuellen Charakters. Die Möglichkeiten hierbei reichten neben Name, Kleidung und Geschlecht hin zu Stimme, Haaren und Mimik. Dadurch konnten sich die Tester mit ihrem einzigartigen Charakter identifizieren und es wurde im Kollektiv beraten wie die Spielfigur gestaltet werden sollte. Nach der Fertigstellung fanden sich die Spieler mit ihrer Figur sogleich im Küstendorf wieder. Sie erfuhren, dass sie als der neue Jäger des Dorfes bereits erwartet wurden, allerdings nichts über den Hintergrund und die Vorgeschichte der Hauptfigur. Dieser Fakt führte zwar erst zu einigen Fragen, jedoch konnte sich so jeder Spieler von einem vorgeschriebenen Hintergrund lösen und sich eigene Gedanken über die Beweggründe des Helden machen. Nachdem man begrüßt wurde und sich mit seiner neuen Aufgabe vertraut gemacht hat, konnte man das Dorf und seine Bewohner kennenlernen und wurde in Form von Gesprächen mit der Steuerung vertraut gemacht. Das Fehlen von Einführungstutorials wurde zwar positiv aufgenommen, allerdings verging den Testern schnell die Lust an den langen Textpassagen. Die Spielmechanismen werden einem zwar Schritt für Schritt, allerdings aufgrund der hohen Komplexität in langen Gesprächen beigebracht, was bei den Testern schnell zu Unruhe und dem raschen Wegklicken des Textes führte: „Warum reden die so viel, ich will anfangen“ (Tester 12 Jahre).

Flora und Fauna
Sobald man seine ersten Erfahrungen im Dorf abgeschlossen hatte, konnte man sich in die Welt außerhalb des Dorfes stürzen. Schnell merkten die Tester hierbei, dass es viel mehr zu erkunden gab, als die in guter Grafik dargestellte Umgebung. Mit gutem Auge konnten die Spieler Pflanzen, Steine und Pilze entdecken und an diesen Stellen Kräuter, Insekten, Honig, diverse Schleifsteine und Pilze und andere Rohstoffe aufsammeln. Anfangs fragten sich die Tester ob alle Materialien wichtig seien und wofür diese gut sind, fanden jedoch schnell heraus, dass man durch Kombinieren auch Heiltränke und andere Werkstoffe herstellen konnte. Nachdem die ersten Aufgaben für die Dörfler erledigt wurden, wurden die Spieler auch schnell in die Waffenaufbesserung und –herstellung eingeführt. Auch hier fanden die gefunden Substanzen ihren Abnehmer und die fleißigen Sammler konnten ihre Waffen stärken. Dies schürte den Ehrgeiz unter den Testern, wodurch diese gewillt waren mehr zu sammeln, um die bestmöglichen Waffen und Rüstungen fertigen zu können, wodurch auch ihr taktisches Vorgehen gefördert wurde. Allerdings funktioniert auch in der Welt von "Monster Hunter Tri" nichts ohne Geld und dieses erhält man durch erledigte Aufgaben und dem Verkauf von gefunden Rohstoffen, wobei Stoffe, die man selber angefertigt hat den Geldbeutel um eine größere Menge aufbessern. Taktisches Überlegen vor den einzelnen Schritten war dadurch von großer Hilfe, um den bestmöglichen Gewinn zu erzielen.
Neben dem bloßem Einsammeln, Angeln und Abbauen mit der Spitzhacke ist auch die Monsterjagd ein unentbehrliches Mittel um sein Repertoire zu erweitern. So kann man den Kadavern der besiegten Monster noch Fleisch und Knochen entnehmen. Während man das Fleisch nach dem Braten verkaufen oder selber Verzehren kann, um seine Kondition zu verbessern, eignen sich die Knochen zur Herstellung von Waffen und Rüstungen. Allerdings müssen die Monster auch erst einmal erlegt werden, bevor man die wertvollen Rohstoffe an sich nehmen kann.

Taktische Schwerthiebe gegen Reptilien
Gespielt wird neben der Wiimote, mit der man das Menü aufruft, dieses bedient und kämpft zusätzlich mit dem Nunchuk, mit dem die Spielfigur steuert. Der Kampf gegen die Monster war für die Spieler im Vergleich zu anderen Spielen ein großer Unterschied. Der Spielverlauf wurde weder durch einen rundenbasierten Kampf unterbrochen noch konnte man einfach auf die Reptilien in guter Hack’n’Slay Manier einschlagen. Mit der Wiimote lässt sich die meist riesige Waffe zwar auch schwingen und auf die Gegner niederschlagen, allerdings macht sich das Gewicht eben jener Waffe in der Zeit bis zur Ausführung des Schlags bemerkbar. Durch geschickte Manöver lassen sich zwar auch Kombo-Angriffe durchführen, allerdings erfordert es immer eine gewisse Zeit, bis die Spielfigur den Schlag ausführt. Die Spieler stellten schnell fest, dass bloßes drauf prügeln nichts bringt, da flinke Monster lange beiseite gesprungen waren, als die Waffe niedersauste und man diese auch nicht anvisieren konnte: „Ich treffe ja gar nicht“ (Tester 12 Jahre). Für große träge Monster, die sich nicht wehrten war die anfängliche Taktik zwar noch ausreichend, aber spätestens bei den ersten flinken Fleischfressern musste taktisch überlegt werden. Neben der Art und Weise, wie auf die Monster zugegangen wird, war auch deren Verhalten von entscheidender Bedeutung. So mussten Monster beobachtet werden, um deren Bewegungen vorauszuahnen und dementsprechend zu agieren. Oftmals stellte sich das recht schwierig dar, besonders wenn einen die Monster einkreisten, allerdings trifft man erst später im Spiel auf die wirklich gefährlichen Monster und hat bis dahin genügend Zeit zum Üben. Ebenso wie die Taktik ist auch die Art der Waffe von Bedeutung, so eignen sich für große langsame Monster starke Schwerter, während es sich für flinke Gegner, die eventuell auch fliegen anbietet sie mit der Armbrust von Weitem zu erlegen.

Realismus statt spektakulärer Fantasyelemente
Allgemein setzt "Monster Hunter Tri" sehr auf Realität beim Spielen. Neben dem Fakt, dass die Spielfigur die schweren Waffen nicht federleicht durch die Luft sausen lässt, erscheinen auch rote Wölkchen sobald man ein Monster trifft. Diese Andeutung von Blut trägt zwar zum Realismus bei, allerdings stellte sich die Frage inwieweit die Darstellung von Blut in einem solchen Spiel vonnöten ist. „Das Blut sieht unrealistisch aus“ (Tester 12 Jahre) stellte ein Tester fest und es machte sich bemerkbar, dass die dargestellte Gewalt doch vom eigentlichen Jäger und Sammler Prinzip ablenkte.
Während des weiteren Voranschreitens im Spiel war es den Spielern nach und nach möglich neue Bereiche der Weltkarte zu erkunden. Diese sind durch kleinere Areale unterteilt und verlässt man einen gerät man nach kurzer Ladezeit in den nächsten. Die Tester kommentierten hierbei allerdings, ob ein oder mehrere größere Gebiete nicht sinniger gewesen wären, um die Größe der Welt zu veranschaulichen. Während der Spieler durch die Landschaften läuft, kann er auch schneller laufen, allerdings leert sich hierbei die Konditionsleiste, bis die Spielfigur außer Atem automatisch eine Pause einlegt. Auch hierbei machte sich für die Spieler erkennbar, dass sie keinen übermächtigen Superhelden steuern, sondern einen wenn auch animierten Menschen, der lediglich Teil des fiktiven Ökosystems darstellt. So sucht der Fantasyfreund übernatürliche Rollenspielelemente vergeblich.
Auch auf Musikuntermalung wird während der Jagd auf der Landkarte verzichtet. Während der Videos hört man zwar rollenspieltypische Klänge, allerdings wird das Geschehen auf der Weltkarte lediglich durch naturalistische Klänge hervorgehoben.

Online im Kollektiv die Welt erkunden
Besonders ausgearbeitet bei "Monster Hunter Tri" ist der Online Mehrspielermodus. Der einzelne Spieler kann zwar nicht mit Freunden bequem von dem Sofa aus gegeneinander spielen, jedoch über die Onlinefunktionen gemeinsam mit anderen Spielern die Welt erkunden und Missionen bestreiten. Hierbei ist kein Freundescode vonnöten, man kann einfach den Mehrspielermodus wählen und sogleich mit anderen Spielern interagieren. Hierbei ist jedoch fraglich inwieweit jüngere Kinder diesen Modus nutzen sollten, da in der Chatfunktion auch schnell private Daten weitergegeben werden können und man nicht weiß, mit wem man gerade online spielt.

Fazit:
"Monster Hunter Tri" setzt im Vergleich zu anderen Wii-Spielen auf hohe Komplexität innerhalb des Spielmechanismus. Zwar fiel es gerade den jüngeren Spielern schwer sich in die Welt hinein zu versetzen und die verschiedenen Spielmöglichkeiten zu beherrschen. War dieser Schritt allerdings gelungen, setzte sich das Spiel aus einem Mix aus Abenteuer, taktischem Überlegen und einer Simulation eines fiktiven Ökosystems zusammen. Die Spieler hatten Spaß die Welt zu erkunden neue Rohstoffe zu sammeln, diese zu kombinieren und neue Gegenstände anzufertigen, um immer stärkere Monster zu bezwingen. Die Hauptstory um den bevorstehenden Endkampf gegen Lagiacrus wird stets erwähnt, steht jedoch nie wirklich im Vordergrund des Geschehens. Aus pädagogischer Sicht war der einzige Kritikpunkt die Darstellung von Blut während des Kampfes, jedoch war diese insoweit verfremdet, dass die reine Gewalt nicht im Vordergrund stand. Dennoch ist "Monster Hunter Tri" unter anderem dadurch für Kinder unter 12 Jahren nicht zu empfehlen. Zusätzlich sind jüngere Kinder vermutlich auch durch die hohe Komplexität im Spielverlauf eher überfordert. Für Kinder ab 12 Jahren ist das Spiel jedoch, sofern sie die Geduld haben sich in die Spielmechanik einzuarbeiten mehr als nur ein Spiel in dem man Monster besiegt. "Monster Hunter Tri" stellt gerade durch die Möglichkeiten von Sammeln, Jagen, Kombinieren und Bauen eine Aufbausimulation dar, in der man taktisches Vorgehen trainieren kann, während man seine Spielfigur für den finalen Kampf aufrüstet. Allerdings sollte der Onlinemodus dennoch überwacht werden, damit die Kinder nicht einfach frei mit fremden Mitspielern interagieren können.

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Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass