Final Fantasy XIII

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Square Enix
Erscheinungsjahr
2010.03
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Cineastisches Rollenspiel für Einsteiger
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Final Fantasy und Rollenspielfans
Sprache
Englisch mit deutschen Untertiteln
Grafik
Cineastische Grafik mit atemberaubenden Bildern
Sound
Epochaler und orchestraler Soundtrack

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Bunt gemischte Heldengruppe
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Taktisches Geschick, Ausdauer
Zusatzkosten
Zusatzkosten können kostenpflichtig erworben werden
Problematische Aspekte
evtl. lange Spielzeiten
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Final Fantasy XIII" (im folgenden "FF13" genannt) ist der jüngste Spross der beliebten Rollenspielserie aus Japan. Seit fast 25 Jahren begleiten Spieler_innen aus aller Welt kleine Grüppchen von jugendlichen Helden bei ihren aufregenden Abenteuern quer durch den japanischen Erzählkosmos. Der erste Teil erschien bereits 1987, damals noch für Nintendos Entertainment System (NES). Seitdem wurden über 30 Spiele und 2 Spielfilme unter dem Final Fantasy Label veröffentlicht. Neben den 13 Hauptspielen (erkennbar an den römischen Ziffern im Titel) gibt es eine unüberschaubare Zahl von sogenannte Spin-Offs, also Spiele, die an die Welt der Originale angelehnt sind, jedoch völlig andere Genres bedienen. Doch neben seinem überbordenden Umfang ist das Final Fantasy Universum vor allen Dingen für seine opulente Präsentation bekannt, die oftmals an die technischen Grenzen der jeweiligen Konsole geht. Spätestens seit dem wegweisenden siebten Teil auf der Playstation 1 zählt diese Serie zu den wichtigsten Blockbusterlieferanten der Videospielgeschichte. Dabei scheint es einige Grundregeln zu geben (welche womöglich auch für den Erfolg der Serie verantwortlich sind): 1. Die FF-Spiele erzählen keine durchgängige Geschichte. Jedes Mal erwarten die Spielenden neue Charaktere, Geschichten und Welten. 2. Es wird sehr großer Wert auf eine emotionale Hintergrundgeschichte und ein bunt gemischtes Ensemble an Figuren gelegt. 3. In spielerischer Hinsicht wird ebenfalls auf Abwechslung gesetzt. Obwohl jeder FF-Teil gewisse Ähnlichkeiten zu seinen Vorgängern aufweist und eindeutig als FF-Rollenspiel zu erkennen ist, gibt es immer wieder zahlreiche radikale Änderungen in der Spielmechanik. 4. Mit durchschnittlich 40 Stunden Spielzeit sind die FF-Abenteuer für Konsolenverhältnisse ziemlich umfangreich.
Inwiefern diese Aspekte auch auf den neuen Teil zutreffen, haben unsere Tester bei ihrem Besuch der phantastischen Welt „Pulse“, dem Schauplatz von "FF13", genauer untersucht. Die komplexe Geschichte von hier wiederzugeben würde ohne Zweifel den Rahmen dieses Artikels sprengen. Zusammenfassend erzählt "FF13" die Geschichte einer jungen Gruppe von Außenseitern, die nicht nur gegen ein diktatorisches System, sondern auch eine religiöse Vorbestimmung rebellieren muss, um ihren Lebensraum zu retten und schließlich Freiheit und Akzeptanz zu erlangen. Ein groß erzähltes Epos über den Kampf Gut-gegen-Böse, das allerdings in den zahlreichen Nebengeschichten ebenfalls Raum für Nuancen und Subtext lässt. Dabei erleben die Spielenden eine abenteuerliche Welt, die gekonnt Elemente von Fantasy (phantastische Monster, Naturpanoramen) und Science Fiction (Roboter, dystopische Megastädte) zu einem visuell und atmosphärisch beeindruckenden Gesamterlebnis verschmelzen lässt.
Spielerisch geht es vornehmlich darum, die Gruppe durch zahlreiche Kämpfe mit den unterschiedlichen Widersachern zu führen. Diese präsentieren sich als Mischung aus Action und rundenbasiertem Taktieren. Unter Zeitdruck muss der Spieler Angriffsziele auswählen und entscheiden, mit welcher Technik er attackieren bzw. verteidigen möchte. Dieses System wird im Laufe des Spiels mit steigender Zahl an Möglichkeiten immer komplexer. So muss man z.B. den anderen Mitgliedern der Gruppe bestimmte Rollen während des Gefechts zuweisen (Heilung, Verteidigung, Angriff) oder kann Wesen heraufbeschwören, die den Helden im Kampf beistehen. Wie im Rollenspielgenre üblich werden nach jedem Kampf Erfahrungspunkte verteilt, die genutzt werden können, um die bestehenden Fähigkeiten der Kämpfer zu verbessern oder neue Fertigkeiten zu erlangen. Auf diese Weise arbeiten sich die Spielenden von einem Abschnitt zum nächsten und erleben in zum Teil mehrminütigen Filmsequenzen den Fortlauf der Handlung. Das Wechselspiel von Kampfgeschehen, Ausrüstungsphase und Filmsequenz wird dabei nur selten von kleineren Action- oder Rätseleinlagen unterbrochen.
Eine Mehrspieleroption ist nicht vorhanden. Dafür erscheint zum Jahresende bereits Final Fantasy XIV, das -  wie schon der elfte Teil - ein reines Multiplayerspiel, ein MMORPG à la World of Warcraft sein wird.

Pädagogische Beurteilung:
Für Anfänger geeignet
Gerade Vertreter des Genres Rollenspiel gehören nicht immer zu den einsteigerfreundlichsten Spielen, da sie aufgrund der Komplexität und des erzählerischen Umfangs oftmals auf bestehende Vorkenntnisse bei den Spielenden setzen. Gelegenheitsspieler sind mit den Freiheiten und Anforderungen einer ausgewachsenen Fantasywelt deshalb oft überfordert. Die Entwickler von "FF13" scheinen sich dieses Problems bewusst gewesen zu sein und haben ein Spiel entwickelt, das auch Videospielneulingen die Chance gibt, sich ganz langsam in das Rollenspielgenre hineinzufinden. Gerade zu Beginn erinnert "FF13" in Sachen Anspruch deshalb eher an einen interaktiven Film wie z.B. Heavy Rain. Es gilt nur wenige Knöpfe und Aktionen zu beherrschen und die Handlung verläuft absolut linear. Wie auf Schienen wird der Spieler ganz sachte an die Finessen des Spielsystems herangeführt. Unsere Tester waren deshalb zunächst irritiert, da es aus ihrer Sicht erschreckend wenig zu tun gab. „Kann man den Schwierigkeitsgrad irgendwo höher stellen?“, fragte deshalb ein Gruppenmitglied, „Geht das Spiel irgendwann los?“ wunderte sich ein anderes. "FF13" ist mit Sicherheit nicht anspruchslos, doch taktisches Geschick und vorausschauendes Planen spielen erst relativ spät eine entscheidende Rolle.

Episches Erzähltempo im Spieleblockbuster
Es hat in unserer Gruppe eine Weile gedauert, bis die Tester sich auf den Rhythmus des Spiels einlassen konnten. Das Spiel ist zu Beginn sehr leicht und nimmt sich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Das erfordert Geduld und eine eher passive Form der Konzentration. Dass unsere Tester nicht frühzeitig aufgegeben haben, hat nur einen maßgeblichen Grund: "FF13" sieht einfach wunderschön aus. So banal es auch klingen mag: Es waren allein die atemberaubenden Bilder, die unsere Tester zum Weiterspielen animierten. Diese stellen selbst Hollywoodproduktionen wie Avatar mühelos in den Schatten. Damit gewinnt das Spiel die Zeit, die es braucht, um auf den anderen Ebenen zu motivieren. Denn zum einen wird erst nach einigen Stunden Spielzeit langsam klar, worum es in der Geschichte überhaupt geht. Zum anderen dauert es ebenfalls erstaunlich lange, bis zum ersten Mal ernstzunehmende Gegner auftauchen und damit eine spielerische Herausforderung einsetzt. Aber in dieser Zeit gelingt es dem Spiel auf vorbildliche Weise, eine Emotionalität zu den Charakteren aufzubauen. (Und das obwohl es nur englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln gibt!) Hier greifen ähnliche Langzeitmechanismen, wie in den bei Jugendlichen so beliebten japanischen Animeserien. Doch so verrückt die Welten und ihre Geschichten auch sein mögen, die Figuren, die sie bevölkern, wachsen ans Herz. Am Ende einer langen Reise, nach knapp 70 Stunden Spielzeit, berichtete ein Tester (13), dass er sich ein bisschen wie beim Abschied von einem richtig guten Freund gefühlt habe. (Hierzu ist zu bemerken, dass das Spiel aufgrund seines Umfangs nicht komplett in der Gruppensituation getestet wurde. Einige Tester spielten "FF13" auch zuhause und konnten deshalb von ihren persönlichen Erfahrungen berichten.)

Rollenspiel auf Sparflamme
"FF13" ist bezeichnenderweise in 13 Kapitel unterteilt. Die ersten beiden Episoden kann man am ehesten als Prolog bezeichnen. Erst ab Kapitel 3 werden dem Spieler Charakterentwicklung und Rollensystem nähergebracht. Allerdings sind die Möglichkeiten hier nur begrenzt, wie unsere Tester berichteten. Ihnen fiel störend auf, dass man erst in Kapitel 10, also gegen Ende des Spiels, richtig entscheiden kann, wie man seine Helden aufrüstet. Als Rollenspiel wirkt der Titel in dieser Hinsicht beschnitten. Unsere Tester, die natürlich viele Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Spielen hatten, bemerkten ständig die Limitierungen. „Es wäre so cool, wenn man jetzt selbst entscheiden könnte, wo man hinlaufen will“, äußerte ein rollenspielerfahrener Tester, der zwar von der Geschichte, den Figuren und ihrer Welt begeistert war, "FF13" aber trotzdem keine gute Wertung geben wollte. Er war aus anderen Spielen einfach mehr Freiheiten und Handlungsspielraum gewohnt. Gerade in der ersten Hälfte erwies sich der Titel deshalb als zwiespältiges Vergnügen. Das was es macht, macht das Spiel gut: Das Kampfsystem wurde sehr gelobt, die Präsentation sorgte immer wieder für Aha-Erlebnisse und mit den sympathischen Figuren wurde sowohl gelacht, als auch gelitten. Doch auf der anderen Seite fehlte zuviel. Die Spieler bemängelten, dass sie nichts entscheiden konnten, nicht auf Entdeckungsreise gehen durften, dass es keine Kommunikation mit den Bewohnern der Spielwelt gab, dass es weder Rätsel noch spannende Nebenaufgaben zu lösen galt… Alles Dinge, die in der Rollenspielwelt eigentlich gang und gäbe sind.

Verschiebung der Zielgruppe
In der Gruppe berichtete ein Tester (12 Jahre), als über Spielzeiten diskutiert wurde, dass er "FF13" immer mit seiner Mutter spielen würde. Vielleicht erschließt sich ja an dieser Stelle die Intention der Entwickler, wenn man das Spiel als Brückenschlag zwischen den Generationen versteht. Eine Spielmechanik, die eher an das Spiel für zwischendurch, das Casual Game, erinnert und dabei aber Interesse für das Rollenspielgenre und die großen Geschichten weckt. Das Beispiel des jungen Spielers und seiner Mutter zeigt zumindest, dass sich die gemeinsame, familiäre Nutzung der Konsole nicht auf Sport- und Partygames beschränken muss.

Fazit:
"Final Fantasy XIII" ist ein grafisch beeindruckendes Abenteuer, das durch seine epochale Geschichte lange Zeit vor den Bildschirm fesseln kann. Aufgrund der moderaten Gewaltdarstellung in den überzogenen Fantasyschlachten und der teilweise langatmigen Erzählweise ist das Spiel erst für geduldige und storyinteressierte Spielende ab 12 Jahren geeignet. Da der Schwierigkeitsgrad verhältnismäßig niedrig ist, kann der Titel auch problemlos von Videospielanfängern gespielt werden. Echte Rollenspielprofis sollten allerdings ein Probespiel wagen und prüfen, ob ihnen das begrenzte Spielsystem ausreicht.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass

„Kann man den Schwierigkeitsgrad irgendwo höher stellen?“

„Es wäre so cool, wenn man jetzt selbst entscheiden könnte, wo man hinlaufen will.“