Skate 3

Genre
Sport
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2010.05
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Anspruchsvolle Skateboardsimulation
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Wie bei den meisten Sportspielen wird in "Skate 3" keine große Geschichte erzählt. Ziel ist es, eine eigens gegründete Skate-Marke, durch den Verkauf von Boards, zum Erfolg zu führen. Wobei sich hinter der Idee der "verkauften Skateboards" letztlich nichts anderes verbirgt als das Sammeln von Punkten durch die Erledigung verschiedener "Herausforderungen" (Challenges im Englischen). Nach altbekanntem Prinzip können mit dem wachsenden Punktekonto dann neue Herausforderungen und Ausrüstungsgegenstände freigeschaltet werden. In dieser Hinsicht hat sich im Vergleich zu den beiden ersten Titeln der Reihe also nicht viel verändert. Überhaupt ist das Prinzip der Sportreihen der Spieleschmiede Electronic Arts (das gleiche gilt natürlich auch für andere Hersteller) Segen und Fluch zugleich. Einerseits können sich die Fans des Spiels über eine regelmäßige Frischzellenkur ihres Favoriten freuen. Andererseits verhält es sich so, dass die Herstellung eines hochwertigen Videospiels aufwendig ist und nicht selten mehrere Jahre intensiver Entwicklung beansprucht. Und weil diese Zeit im Fall der jährlichen EA-Sport-Reihen begreiflicherweise nicht zur Verfügung steht, kann auch niemand erwarten, bei jeder Veröffentlichung mit einer Neuerfindung der Skateboardräder begeistert zu werden.

Pädagogische Beurteilung:

Von David Reinecke

Gar nicht mal so einfach
Der Einstieg ins Spiel erfolgt durch die Skate-Schule, in welcher der Fahrernovize die grundlegenden Mechanismen aller Aspekte des Spiels erlernt. Dabei ist er nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommt Hilfe von Coach Frank, der von Jason Lee, einem bekannten Schauspieler ("My Name is Earl") und ehemaligen Profi-Skateboardfahrer, verkörpert wird.
Die Grundsteuerung lässt sich schnell und intuitiv erlernen. Sobald es jedoch daran geht, die ersten Tricks auszuführen gestaltet sich die Sache schon schwieriger. Die "Flick-it"-Steuerung ist das Anspruchsvollste, was aktuelle Skateboard-Simulationen zu bieten haben und sie wurde von den jugendlichen Testern als echte Herausforderung empfunden. Dies ist durchaus als kritischer Punkt zu werten. Denn obwohl eine anspruchsvolle Steuerung den Einstieg erschwert, ist sie gleichzeitig eine wichtige Voraussetzung für lang währenden Spielspaß. Dieser Umstand gilt besonders für eine Sportart wie Skateboardfahren, für die Kreativität und spektakuläre Tricks wesentlich sind.
Die Steuerung selbst hat sich im Vergleich zur Vorgängerversion zwar nicht verändert, dafür wurde sie durch eine verbesserte Abstimmung mit neuen Animationen aufgewertet. Ein vermasselter Trick ist zum Beispiel nicht mehr gleichbedeutend mit einem Sturz, stattdessen kann nach kurzem Straucheln die Balance zurückgewonnen werden, was ein deutlich flüssigeres Spiel mit weniger Unterbrechungen ermöglicht. Ebenfalls zum Spielfluss trägt bei, mit dem Skateboard in der Hand zu Fuß von Ort zu Ort laufen zu können. Im wahrsten Sinne des Wortes festgefahrene Situationen können so schnell aufgelöst werden.

Willkommen in Port Carverton
Port Carverton, der Handlungsort von "Skate 3", muss die wohl skateboard-freundlichste Stadt sein, die je von Entwicklerhirnen ersonnen wurde. In drei großen Stadtvierteln kann sich an zahlreichen Herausforderungen versucht, oder ganz einfach nur nach Herzenslust herumgefahren werden, um Möglichkeiten auszuprobieren, wie sich die öffentlichen Orte am besten mit "Ollies", "Flips", "Grinds", und anderen skateboardspezifischen Tricks zweckentfremden lassen. Dass die Grafik, entsprechend der eingangs geschilderten Problematik, kaum verändert und höchstens guter Durschnitt ist, wird durch den Detailreichtum und die Größe der Welt mehr als wettgemacht. Hier erinnert Port Carverton an die nach Realismus strebenden Spielwelten, wie sie aus Hits wie der GTA-Reihe bekannt sind. Einzig die mangelnde (künstliche) Intelligenz der Passanten muss bemängelt werden. Was zu Realismus und Atmosphäre beitragen sollte, ist dem praktischen Spielvergnügen eher abträglich, weil die Fußgänger oft so spontan vor der Nase des Fahrers auftauchen, dass es für ein Ausweichen zu spät ist.

Echt "krank"
Abgesehen von der eigentlichen sportlichen Aktivität lag der Reiz des Skatens schon immer darin, dass sich darum eine unangepasste (coole) Jugendkultur gebildet hat, zu deren wesentlichen Elementen neben Kleidung und Musik auch eine spezifische Sprache gehört. Jede Skatesimulation, die etwas auf sich hält, sollte also versuchen, diesen Aspekt herüberzuretten. In der englischen Version ist dies auch einigermaßen gelungen. Leider wurde die deutsche Synchronisierung eher stiefmütterlich behandelt. Die vermeintlich coole Jugendsprache der Fahrer wirkt etwas gezwungen und durch die allzu wörtliche Übersetzung amerikanischer Slang-Ausdrücke allerhöchstens unfreiwillig komisch. Der beruhigenderweise nicht synchronisierte Soundtrack bringt die Spieler dagegen in den Genuss eines wirklich bemerkenswerten musikalischen Spektrums, das von Canned Heat und Joy Division über die Beastie Boys, bis zu ODB reicht. Schön, dass die jungen Spieler auf diese Weise, nolens volens, auch noch ein wenig Musikgeschichte mitbekommen. Auch das Sound-Design des Spiels kann überzeugen. Das Board rattert, quietscht und kreischt, dass es eine helle Freude ist. Wer einmal ein bisschen Zeit in einem Skatepark verbracht hat, wird bestätigen können, dass hier alles richtig gemacht wurde.

Interskate
Auf die Förderung des Onlinespiels wurde vom Hersteller großen Wert gelegt. Wer also über einen Internetanschluss verfügt, kann die Herausforderungen zusammen mit Freunden in Angriff nehmen. Zudem ist es möglich, über ein facebook-artiges Modul, mit anderen Spielern zu interagieren. Hier können Fotos und Videos von Spielszenen getauscht, oder Zugang zu selbst entworfenen Skateparks gewährt werden. Für Abwechslung ist also gesorgt. Vor dem Hintergrund, dass ein Sportspiel immer auch Anregung dafür sein sollte, es einmal mit der analogen Variante zu versuchen, kann der Versuch des Herstellers, die Entstehung einer virtuellen Skateszene zu fördern, jedoch auch kritisch gesehen werden.

Fazit:
"Skate 3" ist nicht die Neuerfindung des Genres. Die Innovationen liegen im Detail, sind aber keineswegs so gravierend, dass sich das Spiel für diejenigen, die bereits den Vorgänger Skate 2 besitzen als unverzichtbare Neuanschaffung aufnötigt. Für alle anderen kann jedoch eine bedenkenlose Kaufempfehlung ausgesprochen werden, denn ungeachtet der Kritik ist "Skate 3" ein wirklich gutes Spiel, das durch Anspruch und Vielschichtigkeit lang währenden Spielspaß bietet und den Vergleich mit keinem seiner Konkurrenten scheuen muss.
Die Punktebewertung des Spiels resultiert aus der Einschätzung einer Testergruppe von zwölfjährigen Schülern. Die Diskrepanz zwischen dieser relativ moderaten Bewertung und der sehr viel positiveren Einschätzung andernorts muss neben Faktoren wie persönlichen Vorlieben vor allem auf die anspruchsvolle Steuerung und die Schwierigkeit zurückgeführt werden, einen schnellen Einstieg ins Spielgeschehen zu finden.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass