Prince of Persia: Die vergessene Zeit

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2010.05
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Playstation Portable, Nintendo DS
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Wii-Version ist abweichend
Kurzbewertung
Unterhaltsame, aber unausgewogene Jump&Run-Action in 1001 Nacht
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit über 20 Lenzen zählt der Prinz schon zu den Senioren der Videospielgeschichte. Seit 1989 rettet er nun bereits hilflose Prinzessinnen und besiegt machtgierige Könige. Und dank alljährlicher Frischzellenkur hüpft der meist namenlose Prinz heute sogar noch agiler umher, als in seinen jungen Jahren. Das ist auch bitter nötig, stellt sich doch diesmal gleich eine ganze Sandarmee in seinen Weg, heraufbeschwören durch des Prinzens Bruder, Malik. Eigentlich zum Schutz vor Feinden gedacht, entwickelt diese ihren eigenen Willen und greift alles und jeden an. Malik gerät derweil durch die Beschwörung in einen immer stärkeren Machtrausch und wendet sich gegen den Prinzen. Der Auftrag ist klar: Sandarmee stoppen, Bruder zur Vernunft bringen, Persien retten. Also kämpft, klettert und springt sich der Held durch Schlossruinen, opulente Paläste, orientalische Gärten und Badehäuser gen Rettung. Glücklicherweise steht der Hauptfigur hierzu die Dschinn-Königin Razia zur Seite. Von dieser lernt der Prinz nach und nach verschiedene Fähigkeiten, die ihm bei der Abwehr der Bedrohung helfen. So kann er etwa die Zeit zurückdrehen, Wasser gefrieren lassen, oder unsichtbare Plattformen sichtbar machen.
„Prince of Persia: Die vergessene Zeit“ ist der letzte Teil der „Sands of Time“-Trilogie. Parallel zum Spiel erschien auch der Film „Prince of Persia: The Sands of Time“; inhaltlich gibt es jedoch weder zum Film, noch zu den Vorgängern der Trilogie eine Verbindung. Der neueste Teil kann also problemlos auch ohne deren Kenntnis gespielt werden.

Pädagogische Beurteilung:

Ganz schön schwer
Die Geschichte von „Prince of Persia: Die vergessene Zeit“ ist wie so oft nur Beiwerk. Fesseln konnte die etwas uninspiriert und unlogisch erzählte Handlung die jugendlichen Spieler nicht. So übersprangen die Tester der Gruppe oftmals die Zwischensequenzen, um wieder schnell zum Kernstück des Spiels zu kommen: den Sprung und Kletterpassagen. Der Spieler muss tödlichen Fallen ausweichen und tiefe Gräben überwinden, auf schmalen Stegen balancieren und durch sich schließende Tore rollen. Anfangs auch von ungeübteren Spielern schnell beherrschbar, entwickeln sich die immer komplexer werdenden Passagen bald zu einer größeren Herausforderung, die auch erfahrenen Spielern den ein oder anderen Frustmoment bescheren kann.
Gerade in späteren Teilen verdichten sich diese. So muss der Prinz etwa während eines haargenauen Sprungs schnell die eingangs erwähnten Fahigkeiten wie Wasser einfrieren und Plattformen sichtbar machen kombinieren. Nur um einen Schritt später doch ins Bodenlose zu fallen. Zwar kann man die Hauptfigur auch durch das Zurückspulen der Zeit retten. Jeder Einsatz von Magie kostet jedoch Punkte. Ist die Zeit zurückgedreht, fehlt es also bspw. an Energie um die nächste Plattform erscheinen zu lassen. Der Spieler muss dann stets ab einer weiter entfernten Stelle neu beginnen, freies Speichern erlaubt das Spiel nicht. Im Test mussten so an einigen Stellen unzählige Versuche durchgeführt werden. Während dies in anderen Spielen noch motivierend sein kann, hat man hier das Gefühl, dass das Spiel unfair ist. Die Klimmzüge des Prinzen werden zu den eigenen.

Ganz schön einfach
Im absoluten Gegensatz zu den anspruchsvollen Klettereinlagen stehen die Kämpfe gegen die Sandgegner. Zwar sind die ersten Gefechte noch gut austariert, spätestens nach dem ersten Drittel des Spiels lässt sich jedoch jede Konfrontation durchweg problemlos bestreiten. Die gegnerischen Armeen stellen sich zwar in Masse in den Weg des Prinzen, Klasse scheint ihnen jedoch ein Fremdwort zu sein. Die oftmals an die dutzend Feinde stehen also meist unbekümmert um die Spielfigur herum und warten förmlich darauf, wieder ins Jenseits befördert zu werden. So wurde es im Test den Spielern zum Anreiz, die Kontrahenten auf möglichst lustige Weise zu besiegen und sie zum Narren zu halten. Die jugendlichen Tester sprangen wie zum Hohn auf die Köpfe der Sandskelette, von einem zum anderen. Sie schubsten die Gegner ohne Einsatz von Waffen in Abgründe, oder ließen sie irgendwann aufgrund fehlenden Ansporns einfach links liegen. Lediglich die etwas größer angelegten Kämpfe gegen Zwischen- oder Endgegner hielten die Tester auf Trab. Einmal die richtige Taktik gefunden, erwiesen sich jedoch auch diese als zu leicht für den Geschmack der Jugendlichen.
Zu der unausgereiften KI gesellt sich ein schier übermächtiger Prinz. Im Laufe des Spiels erhält dieser einerseits verschiedene Elementangriffe. So kann die Spielfigur durch einen Steinmantel geschützt werden, Gegner in die Luft wirbeln, oder eine Feuerspur hinter sich herziehen. Anfangs noch interessant zum Ausprobieren, verlieren diese Fähigkeiten schnell ihren Reiz. Fähigkeiten wie auch Statuswerte, also Lebens- und Zauberkraft, können durch das Sammeln von Erfahrungspunkten gesteigert werden. Rollenspielähnlich werden dann in einem Charakterbildschirm die Punkte auf die zu steigernden Fähigkeiten verteilt. Auch hier kritisierten die Tester einen zu leichten Fortschritt. Im normalen Spielverlauf verfügt der Prinz weit vor Ende über alle Fähigkeiten und höchste Lebenswerte. Selbst spätere Endgegner konnten von den Spielern somit innerhalb kürzester Zeit problemlos besiegt werden.

Ganz schön einfach oder doch eher schwer?
Diese mangelhafte Balance, das Missverhältnis zwischen frustierenden Kletter- und mühelosen Kampfpassagen, ist das wohl größte Manko von „Prince of Persia: Die vergessene Zeit“. Zwar können die unterfordernden Scharmützel noch als Luftholen, als Ausruhen vor den nächsten komplizierten Sprungsequenzen betrachtet werden. Nicht nur Einstieger, sondern gerade auch jüngere Spieler würden sich jedoch vielmehr ein faires, ein an ihrem Können ausgerichtetes Spielerlebnis wünschen. Eine Suche im Menü lässt dann auch die erhoffte Option erblicken: das Anpassen des Schwierigkeitsgrades. Oftmals in Leicht-Mittel-Schwer unterteilt, erlaubt das Programm nur eine Wahl: Leichter. Der Spieler kann also lediglich einmalig den Anspruch des Spiels herunterschrauben. Eine Erhöhung ist danach nicht mehr möglich. Den eigentlich schwierigen Teil des Spiels vereinfacht die Anpassung paradoxerweise nicht. Nur die für den wohl größten Teil der Spieler bereits schon zu einfachen Kämpfe werden nochmals simpler. Hier verpasst der Hersteller die wichtige Chance, das Spiel für unterschiedlich erfahrene Spieler motivierend zu gestalten. Insgesamt herausfordernd genug für die einen, frustrations-abfedernd genug für die anderen.

Ganz schön
Und doch macht „Prince of Persia: Die vergessene Zeit“ einiges richtig. Das Szenario ist - wenn auch schon gesehen - eine willkommene Abwechslung. Es macht Spass durch die hübsch gestalteten orientalischen Kulissen zu wandern - auch wenn die Grafik leicht veraltet wirkt. Und auch wenn manche Vertonungen wie z.B. ein sprechendes Schwert leicht penetrant wirken, weiß die Soundkulisse die Umgebung in der Regel stilgerecht zu untermalen. Hinzu kommt die gut animierte Akrobatik des Prinzen und der an sich abwechslungsreich gestaltete Mix aus Kämpfen, Klettern und Rätseln. Punkte, die das Negative nicht ungeschehen werden lassen. Aber auch solche, von denen der Spieler sich gerne in eine sich zwar im Krieg befindende, aber letztlich doch heile und märchenhafte Welt entführen lässt.

Fazit:
„Prince of Persia: Die vergessene Zeit“ kann mit seiner 1001-Nacht-Atmosphäre gefallen. Abwechslungsreich gestaltet, krankt es jedoch an seinem unausgegorenen Schwierigkeitsgrad. Die anspruchsvollen Klettereinlagen können auch geübten Spielern zum Verhängnis werden. Jüngere Spieler sind sicherlich oftmals hierdurch überfordert. Erprobte Spieler ab 14 Jahren, die idealerweise auch noch Freunde des Films oder den letzten Pince-of-Persia-Teilen sind, können dem Titel jedoch sicherlich ein paar unterhaltsame Stunden abgewinnen.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass