Beyond Good and Evil HD

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2011.03
Systeme
PC, Playstation 2, Playstation 3, Xbox, Xbox 360, GameCube
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
via Xbox Live, Playstation Network
Kurzbewertung
Charmanter Genremix mit starker Heldin
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die junge Reporterin Jade führt ein friedliches Leben. Zusammen mit ihrem Onkel Pei'J, einem Schwein, bewohnt sie einen Leuchtturm auf dem Planeten Hillys und bietet dort Waisenkindern einen Platz zum Leben. Doch dieses Stück Heimat scheint gefährdet. Die Dom'Z , eine außerirdische Spezies, entführen Bewohner Hillys' auf den Mond, um sie dort ihrer Flüssigkeit zu berauben und sich von dieser zu ernähren. Unterstützung erfahren die Dom'Z von unterwanderten Regierungstruppen – der Alpha Abteilung. Durch einen Auftrag für eine Fotoserie gerät Jade mitten in diesen Konflikt. In einem abwechslungsreichen Spagat aus Jump`n`Run, Rennspiel und Action-Adventure erfährt die Heldin die Wahrheit über die außerirdische Bedrohung und zu guter Letzt über sich selbst.

"Beyond Good and Evil HD" (im folgenden: BGE) ist das Remake des gleichnamigen Spiels aus dem Jahr 2003, entwickelt vom Schöpfer der ersten Rayman Titel. Das Original war und ist ein Kritikerliebling - es sammelte durchweg hohe Wertungen seitens der Presse, konnte aber nur wenige Spieler begeistern. Mit verbesserter Grafik und neu abgemischtem Sound ist es nun als günstiger Downloadtitel für XBox Live (und demnächst Playstation Network) neu erschienen und ringt abermals um die Gunst der Spieler.

Pädagogische Beurteilung:

Probiers mal mit Gemütlichkeit
Würde man die Empfehlungen von Brettspielen auf "BGE" anwenden, so stünde wohl ein 12-99 auf der virtuellen Verpackung. Mit seiner Leichtigkeit bei gleichzeitig ernsthaftem Unterton schafft es "BGE" wie nur wenige Titel, Spieler aus verschiedensten Altersstufen anzusprechen. Die Geschichte um die charmante Hauptprotagonistin schneidet, ohne den Zeigefinger zu erheben, Themen wie Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein an und setzt ein Plädoyer für ein respektvolles und friedliches Miteinander - ohne in larmoyanter Gutmenschlichkeit zu versacken. Das Mittel der Wahl ist hierbei vor allem der Humor; in erwachsenen Spielen ein seltenes Gut. Oftmals beschränkt er sich heutzutage auf einzelne Adventures oder USK-Stufen; in Spielen ab 12 Jahren (ab diesem Alter wurde das Original freigegeben) muss er oft mit der Lupe gesucht werden. In "BGE" hingegen ist der Witz allgegenwärtig, mal subtil, mal mit dem Holzhammer, mal kindlich aber nie kindisch. Ebenso selten: alle Charaktere, denen Jade im Verlauf ihres Abenteuers begegnet, haben: Charakter. Seien es die eine Werkstatt betreibenden Rastafari-Nashörner, die Mitglieder der Widerstandsbewegung, die sich gegen die Regierung auflehnen, oder Jades Verbündete, wie Pei'J, oder der Agent Double-H. Jede Figur ist interessant und liebenswert herausgearbeitet und trägt zum Unterhaltungswert bei.

Jade - Lara Croft - Bayonetta
Allen voran aber steht natürlich Jade. Weibliche Hauptcharaktere in Videospielen sind rar gesät und meist eindimensional. Lara Croft beispielsweise, die Heldin aus Tomb Raider. Mit ihren sehr männliche Zügen steht sie für die autarke und selbstbewusste moderne Frau, erfüllt damit(und mit ihrem Brustumfang) aber gleichzeitig nur ein Klischeedenken von Männern. Andere Figuren wie Bayonetta sind noch viel unverhohlenere sexuell geprägte Phantasien, klar nach dem Motto: Sex sells. Zelda oder Samus aus den Metroid-Titeln wiederum sind so androgyn, dass dem Spieler meist gar nicht bewusst ist, eine Frau zu steuern. Anders Jade: Mit ihr steuert der Spieler eine Figur mit Vorbildfunktion, eine Figur, die Stärken und Schwächen hat. Eine, mit der er sich - ob männlich oder weiblich - identifizieren kann und deren ironisch süffisantes Schmunzeln in einer Zwischensequenz soviel Ausdruck hat, dass es fast in die Realität hineinreicht.

Das "Fast-Schon-Drumherum":
Ohne vernünftige Spielmechanik wären interessante Geschichte und Charaktere jedoch hinfällig. "BGE" schafft es jedoch auch in diesem Bereich dauerhaft zu motivieren und bettet Jades Abenteuer in einen abwechslungsreichen Genremix ein. Der Schwerpunkt liegt sicherlich auf den kunstvoll choreographierten Kämpfen gegen die Aliens, das Spiel wird jedoch stets zum richtigen Zeitpunkt durch Schleicheinlagen, Boot-Rennen und Jump'n'Run-Passagen aufgelockert. Der Planet Hillys bietet dabei eine halboffene Spielwelt. Der Spieler kann in einem bestimmten Rahmen selbst entscheiden, was er als nächstes tun möchte oder sich einfach führen lassen. Er kann also eine Mission nach der anderen erledigen, oder sich unter die Bewohner des Planeten mischen, verschiedene Minispiele absolvieren, die Gegend erkunden, Tiere fotografieren, usw..
Grafik und Sound untermalen dabei das Geschehen zwar nicht immer auf aktuellstem Niveau, aber stets stilsicher und originell. Vor allem die hauptsächlich aus Klavierstücken bestehende musikalische Begleitung weiß zu überzeugen. An technischen Mankos ist lediglich die manchmal hakende Kameraführung zu erwähnen. Dem Spielspass hat dies im Test jedoch keinen Abbruch getan.

Fazit:
Die in erster Linie grafische Aufwertung macht aus "BGE" einen der schöneren XBox-Live-Arcade-Titel. Mit der Grafikpracht aktueller Vollpreisspiele kann es jedoch nicht mithalten. Aber wie schon im Original sind es nicht eindrucksvolle Grafik oder bombastischer Sound, die den Titel aus der Menge heben. "BGE" punktet mit einer originellen Story, interessanten Charakteren und einem facettenreichen Spielgerüst. Und Spielern und Spielerinnen ab 12 Jahren sei diese Spielwelt hiermit uneingeschränkt empfohlen.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass