Tales of Vesperia

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco Games
Erscheinungsjahr
2009.07
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Fantasievolles Rollenspiel im Anime-Stil
Gruppenleiter
Hendrik Schmitz
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Ein kleine Einführung....
Im Games-Markt gibt es sehr viele sehr erfolgreiche Entwickler, die Verkaufsrekorde überschlagen sich Jahr für Jahr, doch der Titel, den wir in dieser Kritik vorstellen möchten, hat bei seiner Veröffentlichung in Japan dann doch etwas Einmaliges geschafft. Nicht nur war die Erstauflage des Spiels innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, es gab auch in ganz Japan für einen geschlagenen Monat keine „X-Box“ mehr zu kaufen. Alle wollten dieses Spiel haben, und wenn sie sich die Konsole eben noch dazu holen mussten.
Das Spiel heißt „Tales of Vesperia“, es ist ein Rollenspiel im Anime-Stil, nach Meinung des Herstellers für Jung und Alt geeignet und hält im Land der aufgehenden Sonne inzwischen Platz Zwei der All-Time-Verkaufs-Charts. Beeindruckendes Resümee, aber warten wir erst einmal ab – jetzt kommen unsere Spiele-Tester.

...in eine andere Welt
Wir öffnen die Augen und schweben im freien Raum. Sternschnuppen zischen knapp an unseren Köpfen vorbei, eine uns unbekannte Sonne strahlt hell zu unserer Rechten. Wir drehen ein paar Pirouetten, verstecken uns zum Spaß in Asteroidenfeldern und sehen dann, genau vor uns, einen Planeten, der unserer Erde sehr ähnlich sieht. Neugierig nähern wir uns, schauen ein bisschen genauer hin, erkennen Kontinente, Meere und Länder.
Willkommen auf Terca Lumireis, der Welt von „Tales of Vesperia“, einer Welt der Abenteuer und der Gefahren. Lehnen Sie sich zurück. Das seltsame Prickeln, das Sie fühlen, wenn Sie jetzt Ihren X-Box-Controller zur Hand nehmen, wird Sie und Ihr Wohnzimmer in den nächsten 100+ Spielstunden nicht verlassen.
Zaphias - Hauptstadt des Kaiserreiches, Metropole von Terca Lumireis. Schön ist es hier. Alte Häuser im europäischen Renaissance-Stil säumen die Straßen, die Menschen gehen ihren Berufungen nach, handeln, flanieren, Kinder spielen in den vielen funkelnden Springbrunnen.
Yuri erwacht, wie er es eigentlich immer tut, irgendwann zur Mittagszeit. Der ehemalige Soldat der kaiserlichen Armee bewohnt ein kleines Zimmer im Armenviertel von Zaphias, sorgt für Ruhe unter den Bewohnern, übernimmt Gelegenheitsarbeiten, kommt irgendwie immer durch. Doch heute scheint etwas anders zu sein. Im Viertel herrscht Unruhe, Schreie dringen zu Yuris Fenster hoch, mühsam rappelt er sich auf, schnallt sein treues Schwert um und geht mit Repede, seinem treuen Hund, nach unten auf die Straße. Die Menschen sind in hellem Aufruhr, denn die Wasser-Blastia des Viertels wurde gestohlen.
Blastia ist eine wundersame, magische Energie, die die Einwohner der Städte nicht nur vor Monstern der Umgebung bewahrt, sondern ihnen auch Wasser und Rohstoffe zum Überleben garantiert. Diese Kraft, vor Urzeiten von einem mysteriösen, elfengleichen Volk geschaffen, ist die Grundlage ihrer jetzigen Zivilisation. Ohne Blastia würde, wie bei uns ohne Strom, die Welt der Menschen zusammenbrechen.
Yuri lässt sich nicht lange bitten und macht sich auf die Suche nach dem Räuber der Blastia. Mit dieser kleinen Entscheidung beginnt die abenteuerliche Reise, die ihn einmal quer über den Planeten und wieder zurück bringen, ihm treue Begleiter, Freunde aber auch unzählige Feinde und Kämpfe wird liefern wird.
„Tales of Vesperia“ ist ein Rollenspiel im klassischsten Sinne. Man schlüpft in die Haut von Yuri und seinen Freunden, steuert und begleitet sie auf ihrer langen Reise, kämpft, leidet und freut sich mit ihnen, baut ihre Fähigkeiten aus, zaubert und schlägt zu und dringt immer weiter in eine lineare, intelligente Geschichte vor, deren Wendungen und Höhepunkte einem den Atem verschlagen werden.

Pädagogische Beurteilung:
Der erste Eindruck...
Rollenspiele sind nicht jedermanns Sache. Die Gruppe unserer Spiele-Tester war am Anfang in zwei Fraktionen geteilt - die einen waren skeptisch, die anderen voll freudiger, gespannter Erwartung darauf, was „Tales of Vesperia“ ihnen zu bieten hat. Eine gewisse Voreingenommenheit war zu spüren, gerade bei den Jungs (zwischen 11 und 13), die nach eigener Aussage Rollenspiele generell „ziemlich blöd finden“. Beschwichtigende Kommentare des Gruppenleiters („Jetzt warten wir doch erst einmal ab wie das ist“) wurden mit süffisantem, freundlich bevormundendem Lächeln beantwortet. Leute über 18 haben ja sowieso keine Ahnung von richtigen Computerspielen.
Sobald das Intro des Spiels beginnt, muss man sich fragen, ob einem die sehr spezielle, Anime-artige Grafik von „Tales of Vesperia“ gefällt. Die Entwickler haben keinen Anspruch auf Realitätsnähe gelegt. Die Figuren sehen aus wie in einem Zeichentrickfilm, das wird sich auch nach dem Intro im Spiel selbst nicht mehr ändern. Hier gibt keine richtige oder falsche Antwort darauf, ob das gut ist oder nicht, nur unterschiedliche Geschmäcker. Nach Abstimmung ging der erste Punkt dann an die Skeptiker. Deutsche und japanische Kids unterscheiden sich dann wohl doch noch, trotz Globalisierung, in ihren Sehgewohnheiten und Vorlieben.
Anderthalb Stunden später: Die Exposition des Spiels, die Einführung der Hauptfigur, der Welt und der Grundgeschichte ist inzwischen abgehandelt, die ersten Kämpfe überstanden. Der Gruppenleiter wirft einen fragenden Blick in die Runde und siehe da: Die hochgezogenen Augenbrauen sind komplett verschwunden und haben offenen Mündern und große Augen Platz gemacht. Auf einmal ist die Grafik, die vorher in Grund und Boden kritisiert wurde auch „gar nicht mehr so schlecht“, „eigentlich ganz cool“ und „halt mal was anderes“. Das Spiel entfaltet seinen Zauber. „Geht doch“, denkt der Gruppenleiter. Jetzt kann die unvoreingenommene Testphase beginnen.

Idee und Ausführung
In „Tales of Vesperia“ gibt keine deutsche Synchronisation. Die Dialoge im Spiel werden über Texttafeln dargestellt und man muss sich teilweise richtig Zeit nehmen, die langen Passagen bis zum Ende konzentriert durch zu lesen. Einige Tester klickten daher die Texte ungelesen weiter, was schade ist, da die Übersetzungen sehr lebendig, witzig und gut gemacht sind.
Ein Minus-Punkt ist, dass man die Dialoge zwar „vorspulen“, aber nicht abbrechen kann. So muss man sich das Gespräch vor einem schwierigen Gegner, nachdem man bereits einmal an ihm gescheitert ist, beim zweiten Versuch noch einmal in seiner ganzen Länge anzeigen lassen. Das kann manchmal etwas nerven, bleibt aber neben den vielen Pluspunkten des Spiels in der Gesamtnote eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Umso weiter sich die Geschichte entwickelt, desto klarer wird, in welches gigantische Hornissennest Yuri und seine Freunde durch ihre Suche nach dem Blastia-Dieb gestochen haben. Irgendwann wird klar: Es geht hier um nichts weniger als die Rettung bzw. Neuerschaffung der Welt. So wird im Laufe des Spiels die komplette gesellschaftliche Struktur, in der die Menschen auf Terca Lumireis leben, in Frage gestellt. Ist Blastia wirklich ein Segen für die Menschen? Hat die totale Abhängigkeit und die bedenkenlose Nutzung dieser immer noch weitestgehend unerforschten Energie erst dazu geführt, dass sich Monster auf dem Planeten ansiedeln konnten? All diesen Fragen gehen Yuri und seine Freunde auf den Grund.
Ohne viel über die genauen Storylines von „Tales of Vesperia“ zu verraten kann gesagt werden, dass jeder der Spiele-Tester schnell in die liebevoll gestaltete Atmosphäre und die spannende Story hineingesaugt wurde. Yuri trifft schon nach kurzer Zeit die ersten neuen Mitglieder seiner Gruppe, die sich im Laufe des Spiels auf eine Anzahl von insgesamt sieben Figuren vergrößert. Dabei hat jeder der Freunde besondere Fähigkeiten, sei es direkter Nahkampf, Heilen oder Magie, die sich im Kampf und auch außerhalb als nützlich erweisen. Die Mitglieder unserer virtuellen Reisegruppe sind sehr sympathisch und zeigen im Umgang miteinander Humor, was an vielen Stellen für Kichern innerhalb der Tester-Gruppe gesorgt hat.

Monster, Monster und andere Bösewichte – Einer für Alle....
Natürlich wird, neben der schönen Geschichte von „Tales of Vesperia“ auch das Schwert nicht ungenutzt gelassen. An Monstern und anderen Gegnern fehlt es dem Spieler, sehr zu Freude der Jungs in der Testergruppe, wirklich nicht, und die Umsetzung ist nicht nur schön anzusehen, sondern kann auch recht komplex und anspruchsvoll werden. Hier kommt die kindliche Grafik der Jugend-Freigabe ab zwölf Jahren entgegen. Man sieht kein Blut und die Kreaturen, mit denen man sich befasst, sind reine Traumgestalten.
Die Kämpfe in „Tales of Vesperia“ finden ausnahmslos in Echtzeit statt. Man steuert seine Helden in einer Art kreisrunden Arena, in der man sich frei bewegt. Man kann Gegner frontal oder von hinten angreifen, kann sich zurückhalten um Zauber und Heiltränke zu wirken oder, wenn man es sich anders überlegt hat, den Fluchtmodus einschalten.
Jeder der Protagonisten (man wählt aus den sieben Mitstreitern immer vier aus, die die Kämpfe bestreiten) ist einzeln steuerbar. So bleibt Estelle, die Heilerin der Gruppe, besser im Hintergrund, während Yuri, Flynn und Karol sich mit gezückten Waffen dem Gegner widmen. Wem die individuelle Steuerung zu kompliziert ist, stellt auf Auto-Modus und der „Computer“ übernimmt die Gruppe, man bleibt Beobachter.
Insgesamt haben sich die Entwickler von „Namco Bandai“ einiges einfallen lassen, um den Spielspaß über die ganze Zeit des Spiels aufrecht zu erhalten. Es war unseren Testern jederzeit möglich, die Gruppe genau so aufeinander abzustimmen, wie es ihnen vorschwebte, man konnte sogar verschiedene „Stile“ im Umgang mit Gegnern erkennen.
Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich stetig, aber nicht übermäßig. Gelegentliches „Leveln“, also das systematische Besiegen kleiner Gegner, um die Erfahrungswerte der Gruppe gezielt in die Höhe zu treiben, ist aber auch hier vor besonders schweren Gegnern zu empfehlen.
Das schöne am Kampfsystem von „Tales of Vesperia“ ist, dass man es sich im Grunde aussuchen kann, wie weit man sich in die Wissenschaft des „Charakter-Schmiedens“ hinein fuchst. Je differenzierter man seine Figuren steuert, desto effektiver ist die Auswirkung auf die Gegner. So kommt jemand, der die Stärken und Schwächen seiner Gruppe genau kennt und auszunutzen weiß, schneller zum erhofften Sieg, dies ist aber kein Muss. In unserer Testphase ist kein Gegner aufgetaucht, den man nicht auch mit (mehr oder weniger stumpfen) „Draufschlagen“ besiegen konnte. So konnten auch die etwas ungeduldigeren Spiele-Tester sämtliche „großen“ Gegner besiegen, wenn sie auch manchmal ein paar Versuche mehr gebraucht haben als die Tester, die sich eingehend mit Zaubern, Tränken und Ausrüstungsgegenständen befasst haben.

Fazit:
Am Ende unserer „Tales of Vesperia“-Session waren auch die schärfsten Kritiker überzeugt: Dieses Spiel, mit seiner fantasievollen Geschichte und seiner tollen Umsetzung, sollte nicht in den Regalen der Kaufhäuser verwaisen. Dieses Spiel gehört in die Wohnzimmer, in die Konsolen und auf die Bildschirme.
Es ist schön zu sehen, wie sich Qualität durchsetzt. Und als einer der anfangs schärfsten Kritiker etwas kleinlaut zum Gruppenleiter kam und fragte, ob er sich „Tales of Vesperia“ für eine Woche ausleihen könne, war klar, dass dieses Spiel trotz „Kindergrafik“ und „total langen Texten, die man lesen muss“ überzeugt hat.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass