Schlag den Raab

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco
Erscheinungsjahr
2010.09
Systeme
PC, Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Lesekenntnisse erforderlich
Kurzbewertung
Lieblose Umsetzung der erfolgreichen TV-Show mit gravierenden technischen Mängeln
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
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Spielbeschreibung:
Was früher Thomas Gottschalks „Wetten dass…?“ war, ist heute Stefan Raabs „Schlag den Raab“ - zumindest bei den unter 19-Jährigen. Mit Einschaltquoten, die man sonst von Fußballübertragungen kennt, befindet sich PRO7’s Marathonlivesendung derzeit in der Gunst der Zuschauer/innen. Etwa 30% Marktanteil insgesamt und sensationelle 52,2% bei den 14-19Jährigen machen die Spielshow zum TV-Ereignis (Quelle: quotenmeter.de). Man muss wahrlich kein Prophet sein um zu erkennen, dass hier im wahrsten Sinne des Wortes ‚schnelles Geld’ zu verdienen ist. So warf PRO7 zunächst in Zusammenarbeit mit Ravensburger ganz klassisch ein Buch, ein Puzzle, sowie ein Karten- und Brettspiel auf den Markt. Zusammen mit NAMCO BANDAI entwarf man teilweise zeitgleich ein Online- und Handyspiel, um dann im Herbst 2010 mit einer PC- und Konsolenversion der TV-Show die Fans zu beglücken. Im Frühjahr 2011 kam auch schon mit „TV Total Events“ der nächste Konsolenableger der Raab’schen Unterhaltungsformate auf den Markt.

Das (Erfolgs)Prinzip von „Schlag den Raab“ ist simpel. Ein auserwählter Showkandidat fordert Stefan Raab heraus und versucht ihn in bis zu 15 Spielen aus den Bereichen Wissen, Sport, Taktik oder Geschicklichkeit zu schlagen, um den Jackpot von 500.000, 1.000.000 oder mehr Euro abzugreifen. In der Wii-Umsetzung bleibt das Spielprinzip wenig überraschend unverändert. Das Spiel umfasst insgesamt 21 Minispiele, die allesamt aus der gleichnamigen TV-Show entnommen sind. Diese, laut Handbuch "wahnwitzige", Minispielansammlung lässt sich ganz grob in zwei Bereiche aufteilen: Action- und Wissensspiele.

Zweifelsfrei sind dabei die Quizelemente besser umgesetzt worden. Egal, ob man bei „Wo liegt was“ eine gezeigte Flagge geographisch auf einer Weltkarte orten muss oder bei „Was ist das“ in klassischer Manier erraten muss, was genau hinter einem zunächst verpixelten Bild steckt, ein gewisses ‚Quizfieber’ scheint garantiert. Simple (Kinder)Spiele, bei denen man rechnen („Kopfrechnen“), einfach zählen („Buchstaben zählen“) oder sein Allgemeinwissen („Blamieren oder Kassieren“) unter Beweis stellen muss, hinterlassen einen durchaus runden ersten Eindruck.

Der Action-Teil von „Schlag den Raab“ ist hingegen weitaus weniger gelungen, da man sich mit unglaublich unpräzise zu steuernden Minispielen ärgern muss, wie man sie auf der Wii schon in X-facher Ausführung bei zig anderen Titeln gesehen hat. Dies ist natürlich auch der TV-Vorlage zu verdanken, welche nun mal auf teils sagenhaft simple, wie sinnfreie Aufgaben setzt. Nichtsdestotrotz hätte den Spielen etwas mehr Substanz in Form von Variantenreichtum und besserer Steuerungsmechanik sicherlich kaum geschadet. Es spielt steuerungstechnisch kaum eine Rolle, ob man nun die mäßige und schnöde Minigolf-Variante, das nur bedingt kurzweilige „Curling“ oder Karten- und Würfelspiele („Black Jack“, „Würfeln“) zockt. Man muss lediglich den Wii-Remotecontroller ein wenig schütteln, neigen oder schwingen und darauf hoffen, dass die eigene Aktion auch eine entsprechende Reaktion auf dem Bildschirm hervorruft. Spiele wie „Pömpel-Schleudern“ oder „Kuhmelken“ machen zwar trotzdem, bereits aufgrund ihres unfassbar bescheuerten Spielprinzips, durchaus eine zeitlang Spaß, aber ohne wirkliche Kontrolle über das Spiel wirken auch diese recht schnell zusammengeschustert. Eine Minute lang ohne Koordination hin und her zu schaukeln, wie es bei „Kuhmelken“ fast schon vorausgesetzt wird, ist auf Dauer dann doch zu lahm. Etwas spektakulärere Elemente der TV-Show, wie etwa Mountainbiking, Kartfahren oder Jet-Ski wurden einfach weggelassen. Einerseits schade, andererseits jedoch, betrachtet man die teils mangelhafte Steuerung vielleicht auch besser so.

Drei verschiedene Spielmodi hat „Schlag den Raab“ anzubieten. Im „Show-Modus“ spielt man im Grunde mit einem Kandidaten die TV-Show möglichst realitätsnah nach. Dieser Modus kann entweder alleine gegen den Computer oder zu zweit gegeneinander gespielt werden. Im Einzelspieler hat man zusätzlich die Option insgesamt drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade einzustellen. Ein Spiel kann sich dabei leicht auf 60 Minuten erstrecken, wobei nach den jeweiligen Minispielen eine Speicherungsoption gegeben ist. Im „Party-Modus“ lassen sich mit bis zu vier Spielern die einzelnen Games in einem vorher festgelegten Rahmen (3, 5, oder 7 Runden) gegeneinander spielen. In der „Minispiel-Arena“ wiederum kann man einzelne Minispiele zwanglos zocken. Das in den verschiedenen Modi erspielte Geld soll man dann im „Bonusmenü“ für eine begrenzte Anzahl an Zusatzinhalten ausgeben. So kann man sage und schreibe ein ganzes Minispiel für den „Party-Modus“ freischalten und zwei zusätzliche Charaktere ergattern.

Pädagogische Beurteilung:
Spielerischer Einstieg
Einen Pluspunkt aller Spielmöglichkeiten stellt zumindest für den Einstieg in das Spiel die Möglichkeit dar, alle Spiele vorher jeweils in einem Probespiel anzutesten. Zudem wird einem die Steuerung im Spielmenü via Text und Grafik näher gebracht. Dies ist zwar schön und macht den Einstieg in die Steuerung kinderleicht und für jedermann zugänglich, ändert aber nichts an den Schwächen dieser. Zu den bereits erwähnten Tücken im Actionbereich, gesellen sich verblüffenderweise auch zeitweise immense Ungenauigkeiten beim Rätselraten. So muss man beispielsweise beim oben beschriebenen „Wo liegt was“ mit einer Stecknadel auf der Weltkarte die gezeigte Flagge geographisch verorten. Man sollte meinen, dass dies problemlos umsetzbar ist. Leider ist jedoch die ‚Stecknadel’ im Verhältnis zur Karte so dermaßen dick, dass genaue Angaben in den Bereich des Unmöglichen gleiten, denn einzelne Pixel schwellen mal eben zu mehreren hundert Kilometern Unterschied an. Auch wenn derartige Amateurfehler in den unendlichen Weiten der Minispielsammlungen für die Wii allzu häufig aufkommen, drängt sich einem schon die Frage auf, ob bei solch einem einfachen Spielprinzip nicht eine etwas präzisere Steuerung möglich gewesen wäre.

Gekünstelte Show-Atmosphäre
Die bekannten Gesichter und Stimmen, sowie die Musiktitel der Original-TV-Show dürfen bei einem Lizenzprodukt wie „Schlag den Raab“ natürlich nicht fehlen. Moderiert wird das Spiel bzw. die Show dabei von Matthias Opdenhövel und Quizmaster Elton. Dies gelingt allerdings mehr schlecht als recht, so dass sich in unserer Testergruppe schnell die Erkenntnis breit machte, dass „der Kommentar die ganze Zeit Fehler macht“. So gewinnt man mal mit dem im Spiel arg wortkargen Stefan Raab oder gegen diesen, ohne dass Herr Opdenhövel Notiz davon nimmt. Meist im absolut falschen Augenblick, lobt er Stefan oder den Herausforderer für seine Fertigkeiten. Die Unausgereiftheit des Kommentators wird auch noch unterstützt durch unendlich öde und sich ständig wiederholende Äußerungen. Grafisch fühlt man sich zeitweise in das Jahr 1996 versetzt, denn was „Schlag den Raab“ da anbietet sieht zum Teil nicht wirklich besser aus als die ersten Spiele für das Nintendo64, wenngleich sie etwas flüssiger daherkommen. Natürlich erkennt man die Showbühne aus der TV-Vorlage wieder, aber Details sind nicht existent. Das ‚Publikum’, wenn man es in dem Fall überhaupt so nennen darf, besteht aus einer Aneinanderreihung von dunklen Silhouetten, welche ab und an mal hin und her wabbern. Alles ist sehr kantig und würfelartig. Die Charaktere selbst können zwar sprechen oder jubeln, bewegen ihren Mund dabei jedoch nicht. Zumindest die Grafiken, die zum Beispiel den Punktestand anzeigen sind sehr ordentlich geworden, sind sie doch 1:1 von der TV-Vorlage entnommen. Anscheinend wollte man hier möglichst schnell ein Spiel auf den Markt werfen, anders ist diese mangelhafte Grafik kaum zu erklären, denn am Umfang von „Schlag den Raab“ kann es definitiv nicht liegen. Bei den nächsten Auflagen, die sicherlich alle paar Monate folgen werden, sollten die Entwickler sich unter Umständen etwas mehr Mühe geben, wollen sie nicht den Herren Raab weiterhin „als Freak“ darstellen mit „voll dem großen Kopf“.

Kurzweiliger Spielspaß
Nahezu alle Minispiele und im Besonderen die im Quizbereich machen trotz der mäßigen und lieblosen Umsetzung wirklich Spaß, zumindest am Anfang. Bei Quiz- und Ratespielen kann man im Grunde auch nicht so dermaßen viel falsch machen, aber selbst die vermeintlichen Actionspiele machen allein durch ihre teils grotesken Ideen anfänglich Spaß. Nicht nur Kinder werden, man höre und staune, auch durchaus das eine oder andere aus den Quizspielen in ihren Wissensfundus integrieren können. So weiß man in unserer Testergruppe nun ganz genau, dass „der Eifelturm höher ist als der Big Ben“. Wer eine Party oder einen Kindergeburtstag für etwa 8-12jährige geben will und wer ein waschechter Fan der TV-Show ist mit „Schlag den Raab“ sicherlich nicht falsch beraten. Wer allerdings auch mal alleine spielt und etwas mehr von einem Spiel erwartet als hin und eher nicht wieder ein oder zwei Stündchen Spielspaß kann das Portemonnaie getrost in der Tasche lassen. Eine Langzeitmotivation ist schlicht nicht gegeben. Angeblich hält Raab 2.000 Fragen auf der Spieledisc bereit, die sich jedoch während unseres Tests bereits mehrfach wiederholten. „Das sind doch immer die gleichen Fragen“ oder das Spiel hat ein Problem mit seinem Kurzzeitgedächtnis, da es sich anscheinend nicht merkt, was alles schon dran war. Von den Spielen im Action-Bereich hat man ohnehin nach ein- oder zweimaligem Zocken genug, da sie sich einfach zu stark ähneln und außer ein paar witzigen Ideen keinerlei Innovation zu bieten haben. Und das Bonusmenü, welches wahrscheinlich als motivierendes Element angedacht war, ist vom Umfang her so dermaßen mickrig, dass nur die Spieleentwickler das Geheimnis lüften können, warum sie beispielsweise nicht wenigstens einen Editor zum Erstellen eigener Charaktere einbauen konnten.

Fazit:
Die Wii-Version von „Schlag den Raab“ schafft es anfänglich durch Musiktitel, Charaktere und Spiele aus der Original-TV-Vorlage eine gewisse Showatmosphäre zu erzeugen. Die meisten Minispiele machen beim ersten Spiel durchaus Spaß. Leider ist dieser jedoch allzu kurz. Zu groß sind die technischen Mängel. Mangelhafte Grafik- und Soundeelemente, sowie ein in allen Bereichen, von der Steuerungserfassung bis hin zu den eigentlichen Spielen, verbesserungswürdiges Gameplay verführen einen nur bedingt zu längerem Spiel. Trotz dieser augenscheinlichen technischen Defizite, kann „Schlag den Raab“ jedoch abendfüllend sein, zumindest für Erstspieler.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass