Die Montagsmaler und andere Malspiele

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Tivola Publishing GmbH
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Hinweis(e)
Lesekenntnisse erforderlich!
Kurzbewertung
Einfallslose, plumpe sowie technisch mangelhafte Umsetzung des Unterhaltungsklassikers
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
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Spielbeschreibung:
Wer kennt sie nicht – „die Montagsmaler“. Auch wenn die letzte Ausstrahlung der Mal- und Rateshow in ihrer ursprünglichen Form nunmehr über 15 Jahre zurückliegt (1996), hat das öffentlich-rechtliche Sendeformat 22 Jahre lange die (west-)deutschen Wohnzimmer erreicht. Egal ob mit Frank Elstner, Reinhard Mey oder Sigi Harreis - die Sendung prägte die TV-Landschaft über zwei Jahrzehnte hinweg, so dass heute sogar die Kinder der ehemalig meist jugendlichen bzw. kindlichen Zuschauer das Format kennen und schätzen. Anscheinend Grund genug für die angeblich „pädagogisch anspruchsvolle“ (vgl. tivola.de) Tivola Publishing GmbH mit „Die Montagsmaler und andere Malspiele“ eine entsprechende Umsetzung für die Wii auf den Markt zu werfen.
Das Montagsmaler-Prinzip ist wohl deshalb so erfolgreich, weil es so schlicht ist. Es treten zwei Teams gegeneinander an. Ähnlich wie bei Gesellschaftsspielen wie „Tabu“ oder „Activity“ zieht jeweils ein Teammitglied ein Kärtchen auf dem sich ein bestimmter Begriff befindet. Diesen Begriff muss er nun auf den Malbildschirm zeichnen, so dass ihn die anderen Teammitglieder erraten sollen. Ist der richtige Begriff gefunden, kommt der Nächste an den Malbildschirm. Malen und raten muss dabei fix vonstatten gehen, denn eine Runde ist nach einer vorgegebenen Zeit beendet. Gewinner ist dasjenige Team, welches am Ende die meisten Begriffe erraten hat.
„Die Montagsmaler und andere Malspiele“ greift dieses Prinzip im Grunde 1:1 auf. Dem Spiel liegen sogar eigens angefertigte Begriffskarten bei. Einzige richtige Änderung stellt lediglich der ‚Austausch’ des Malbildschirms dar – dessen Eigenheiten werden durch einen Fernseher/Beamer und die Wii-Fernbedienung ersetzt. Wie der Name des Spiels jedoch bereits verrät, schien den Entwicklern eine bloße Umsetzung der „Montagsmaler“ wohl zu einfach.
Die „anderen Malspiele“ bei Tivolas Spieleumsetzung haben in Wirklichkeit nur mehr oder weniger wenig etwas mit Malen zu tun. Einzig beim „Malen“ geht es wirklich ums Malen. Hier kann man ‚Mandalas’ und ‚Collagen’ nachmalen oder im ‚Malkasten’ drauf los malen. Bei „Montagsstempler“ spielt man im Grunde „Montagsmaler“ mit identischen Regeln, nur malt man nicht, sondern ‚stempelt’. Bei „Graffiti“ muss man ein vorher dargestelltes, meist mehrfarbiges Graffiti mittels Farben und Schablonen nachsprühen.
Das ebenso wie „die Montagsmaler“ erfolgreiche Prinzip von „Malen nach Zahlen“ findet sich auf der ‚Spielesammlung’ ebenfalls in zwei Varianten wieder. Variante 1 ist schlicht „Malen nach Zahlen“: auf dem Bildschirm angezeigte Zahlen müssen in der richtigen Reihenfolge verbunden werden. Variante 2 verbindet dieses Prinzip mit „Memory“. Nur der Startpunkt ist dauerhaft zu sehen, die restlichen Zahlen werden nur kurz angezeigt, so dass nahezu frei die zuvor gezeigte Zahlenreihenfolge nachzeichnen muss. Überraschenderweise findet sich auch eine Variante eines weiteren Medienklassikers auf der Disc wieder: „der heiße Draht“. Beim „heißen Pinsel“ muss man mit einem Pinsel einen bestimmten Weg entlang ohne dabei mit dem Wegrand in Kontakt zu kommen.
Beim „Sternsammler“ muss man nur durch die Bewegung Sterne einsammeln. Bei „Mischen Impossible“ muss man einen vorher präsentierten Farbton durch mischen der Primärfarben nachproduzieren. Beim „Farbenfangen“ handelt es sich um eine weitere Variante von „Moorhuhn“. Es gilt mit der jeweils gleichen Farbe aufsteigende bzw. schwebende farbige Ballons abzuschießen. Beim „Kleisterkreis“ muss man im Grund das Gleiche mit Mauersteinen machen und beim „Firlefanz“ mit geometrischen Körpern. Nur dass beim letzteren nachgefärbt werden muss, man sieht beispielsweise einen an den Seiten verschiedenen eingefärbten Quader und muss diesen dann exakt wiederherstellen.
Nahezu alle Spiele kann man mit ein bis vier Spielern einzeln oder im Team spielen. Ausnahmen stellen die „Montagsmaler“ und das „Malen“ selbst dar (nur einzeln bespielbar) und die „Sternsammler“, sowie der „Kleisterkreis“ (bis zu zwei Personen). Ein Online-Modus oder ein Wettbewerbsmodus existiert nicht.

Pädagogische Beurteilung:
‚Montagsrater’
So einfach sich das Spielprinzip auch darstellt, so schwierig scheint dessen Umsetzung zu sein. Eine ansatzweise präzise Steuerung mit der Wii-Fernbedienung, sprich das Malen und Zeichnen mit dieser, hat im Hause Tivola, so scheint es jedenfalls, kaum bis wenig Beachtung gefunden. Es dürfte sich ohnehin schwer darstellen, einen geraden Strich mit der Wii-Fernbedienung in die Luft zu zeichnen. Wenn dieser mit Abstrichen gerade Strich, dann auf dem Bildschirm auch noch Ähnlichkeiten mit den ersten Zeichnungen eines Kleinkindes aufweist, ist eine wirklich gekonnte Zeichnung beispielsweise einer Leiter zunächst höchstens zufällig möglich und das Erraten dieser Leiter mutiert zum reinen Glücksspiel. Diese unpräzise Eigenheit ‚unseres’ Stiftes bzw. Pinsels könnte man unter Umständen gerade noch verkraften, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Steuerung manchmal entweder komplett ausfällt oder dermaßen verzögert dargestellt wird, dass man am Ende ein Dutzend Mal ein und denselben Strich gemacht hat. Nicht selten wurde in unserer Testergruppe zunächst eifrig Kritik geübt - „Hey, mach das mal mit Gefühl!“ - um dann am eigenen Leib zu erfahren, dass man mit Gefühl so weit nicht kommt.

Schlichte Grafik und teils nerviges Gedudel
„Die Musik nervt, kann man die abstellen?“, „Das ist ja nicht mal die Originalmusik!“ - in der Tat haben sich die Programmierer mit den musikalischen Tönen in ein leicht befremdliches Terrain begeben. Monotones Elektrogedudel mag bei manch einem Spiel bereits etwas befremdlich erscheinen, wenn man jedoch im Grunde außer dieser Monotonie nichts anderes hört, hat man dann doch recht schnell das Bedürfnis den Ton auf ein Minimum zu reduzieren. Bereits einfache Klatscheffekte bei richtig geratenen Begriffen oder zum Beispiel Sprühgeräusche beim „Graffiti“ hätten dem Ganzen durchaus etwas mehr Charme verleihen können.
Grafisch ist „Die Montagsmaler und andere Malspiele“ kaum zu bewerten, da es unglaublich schlicht ist. Das Darstellen von Zahlen oder einer weißen Fläche mit hinzukommenden schwarzen Elementen erscheint heutzutage, auch für die Wii, so schwer nicht. Die eindimensionalen grafischen Highlights in Form eines Himmels, meist eckigen Gegenständen, ‚Straßen’ oder Luftballons kommen aber auch auf den zweiten Blick arg lieblos daher.

„…da braucht man keine Wii!“
Auch wenn „Die Montagsmaler…“ mit mehreren Spielern durchaus ein klein wenig Charme versprüht, hält das Spiel keinen allzu langen Spielspaß bereit. Zu plump ist dann doch die Umsetzung der erfolgreichen Fernsehshow. Auch die „…anderen Malspiele“ entpuppen sich als Abklatsch von Minispielen, die man in gleicher oder ähnlicher Form bereits tausend Mal meist besser umgesetzt gesehen hat. Wieso man z.B. „Malen nach Zahlen“, statt mit Blatt und Papier ausgerüstet, nun auf der Konsole ‚spielen’ soll, bleibt wohl ein unlösbares Geheimnis der Spieleentwickler. Den ‚heißen Draht’ mit der Wii nachzuspielen mag zwar auf den ersten Blick als gelungene Idee wirken, funktioniert dann aber doch nur bei entsprechender technischer Umsetzung.
Böse Zungen könnten die Behauptung in den Raum stellen, dass hier auf Kosten verantwortungsbewusster Eltern und deren Kinder Geld verdient werden soll. Man produziert im Schnellwaschgang ein wenig durchdachtes Konsolenspiel mit Elementen aus der Kindheit der Eltern, verziert das Ganze mit dem Prädikat „kreativitätsfördernd“ und den Schlagwörtermix „künstlerische Entfaltung“ (vgl. Herstellerbeschreibung) und hofft dann auf klingelnde Kassen.

Fazit:
„Das kann man doch fast alles an der Tafel malen, da braucht man keine Wii!“ - so nett die Idee auch ist, einen Konsolenableger von den „Montagsmalern“ zu produzieren, so unnötig ist sie letztlich auch. Zu ungenau, zu unausgegoren kommen die Spiele auf dieser vermeintlich pädagogisch wertvollen Spieledisc daher.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass