Arcania: Gothic 4

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
JoWooD
Erscheinungsjahr
2010.10
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Raues Fantasyspiel mit technischen & erzählerischen Schwächen
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das Rollenspiel Arcania – Gothic 4 ist schon der vierte Teil, der sehr bekannten Fantasy-Spielereihe. Das Spiel ist im vierten Quartal 2010 für den PC erschienen und kam außerdem noch für die Playstation 3 und die Xbox 360 auf dem Markt. Zudem ist inzwischen auch das Addon Arcania - Fall of Setarrif erschienen, auf das hier aber nicht näher eingegangen wird.
Das Spiel beginnt mit einer Videosequenz, in der die Hintergrundgeschichte erzählt wird. Dabei werden auch einige Charaktere der Vorgänger von Gothic 4 erwähnt, z.B. der bisherige namenlose Held der Gothicreihe. Dieser ist nun König und nennt sich Rhoban III. Er möchte das zerfallene Reich vereinen, um den Frieden im Land dauerhaft zu sichern. Aber bevor er sein Ziel erreicht, wird sein Geist durch dunkle Mächte vergiftet. Krieg wird zu seinem Machtinstrument und macht auch vor der südlichen Insel Feshyr keinen Halt mehr. Von dieser Insel stammt der neue mutige Held, der sich erneut mit dem Bösen messen muss. Er kehrt gerade in sein brennendes Heimatdorf zurück. Die Angreifer sind aber bereits verschwunden. Um sein Dorf und die Ermordeten zu rächen, begibt er sich auf die Suche nach den Schuldigen. Dabei stößt er auf mehr böse Mächte als er sich anfangs vorstellen konnte.

Pädagogische Beurteilung:

Von Moritz Kaufmann - "Check the Game" Jugendhilfswerk Freiburg e.V.

Nach der Videosequenz geht es direkt mit einem anfängerfreundlichen Spieleinstieg, der allerdings ohne Hintergrundgeschichte stattfindet. Man beginnt plötzlich mit seinem Helden ohne irgendwelche Informationen in einer Höhle, läuft kurz durch einen Tunnel und stößt schon auf die ersten Gegnerscharen. Dabei wird kurz und knapp durch Texteinblendungen auf dem Bildschirm die Steuerung erklärt, die am Anfang für unerfahrene Rollenspieler durchaus schwierig sein kann, aber im Laufe der Zeit weniger Probleme bereiten sollte. Weiterhin werden nach und nach andere Spielelemente erklärt, so dass der Spieler genügend Eingewöhnungszeit hat, bevor es mit den richtigen Spielinhalten losgeht. Der Held, seine Fähigkeiten und das Inventar werden wie üblich bei der PC-Version mit Maus und Tastatur gesteuert und können bei Bedarf teilweise unter den Optionen verändert werden.

So kreativarm der Einstieg ins Spiel auch gestaltet ist, umso erfreulicher ist die Darstellung der Welt in Gothic 4, die auch bei unseren Testern gut ankam. Die Grafik war beim Erscheinungsdatum 2010 schon ein Blickfang und braucht sich auch ein Jahr später nicht vor anderen Spielen zu verstecken. Allerdings bietet das einen gewissen Makel, denn mit einem nicht ganz neuen Rechner lässt sich das Spiel entweder gar nicht oder nur mit Rucklern spielen. Daher sollten die empfohlenden Hardwareanforderungen vor einem möglichen Spielkauf auf jeden Fall beachtet werden. Empfehlenswert ist auch der Performancepatch für Gothic 4, der das ganze Spiel flüssiger macht und Ruckler beseitigt, die in der ersten Version noch überall auftraten. Außerdem können viele Details in den Optionen verändert werden, damit das Spiel auf älteren Rechnern noch flüssiger läuft.

Grafisch ist Arcania Gothic 4 also insgesamt ein wahrer Hingucker. Die Fantasywelt wurde sehr gut umgesetzt und vermittelt in Verbindung mit wirklich tollen Sounds eine perfekte Atmosphäre. Grafik und Sound sind eindeutig zwei große Pluspunkte für dieses Spiel und wurden daher von unseren Testern als sehr gut bewertet.

Typisch für ein Rollenspiel sind natürlich auch verschiedene Quests. Neben der Hauptquest, die der Spieler erfüllen muss, um bis an das Ende des Spiels zu gelangen, gibt es auch diverse Nebenquests, die freiwillig gelöst werden können. Die Hauptquest verläuft sehr linear, d.h. dem Spieler bleiben nicht viele Wahlmöglichkeiten offen. Ein individuell gewählter Weg durch die Welt ist somit nicht möglich, obwohl die schön gestaltete Welt dazu anregt. Dennoch ist die Hauptquest insgesamt abwechslungsreich aufgebaut und vermindert so den Eindruck eines zwanghaften Spielablaufes. Hingegen sind die Nebenquests oftmals kreativlos gestaltet, so dass das Lösen dieser sehr mühselig und eintönig sein kann. Meistens taucht das aus anderen Rollenspielen bekannte Schema "gehe von A nach B und besiege C, um D zu holen" auf.

Wie die meisten Rollenspiele verfügt auch Arcania Gothic 4 über keinen Mehrspielermodus. Somit ist es nur alleine spielbar und verliert nach dem Durchspielen deutlich an Reiz. Auch die Möglichkeit, ständig abspeichern zu können, bringt den Spieler in keinen zeitlichen Zwang. Das Spiel ist also durchaus für Gelegenheitsspieler geeignet.

Fazit:
Das Fazit von unseren beiden Testern fällt gemischt aus. Auf der einen Seite waren sie fasziniert von der wirklich schönen Atmosphäre im Spiel, was für Rollenspiele besonders wichtig ist. Auch der Spieleinstieg wurde positiv erwähnt, weil dort alle nötigen Spielelemente kurz und simpel erklärt werden.
Andererseits blieb trotz dieser positiven Aspekte der Spielspaß beim Test deutlich auf der Strecke. Das Spiel wurde schon nach wenigen Stunden eintönig, weil (Neben-)Quests und Handlung nicht wirklich überzeugen konnten. Wer aber hauptsächlich der Hauptquest folgt oder nicht viel Abwechslung in einem Spiel braucht, kann sich vor allem wegen der tollen Atmosphäre auf dieses Spiel einlassen. Viele kleine Details machen das Spiel für all diejenigen spielenswert, die mehr Wert auf grafische und auditive Aspekte legen als auf Story und Abwechslung.

Insgesamt geht die Alterseinstufung der USK ab 12 Jahren für Arcania Gothic 4 vollkommen in Ordnung. Inhalte sind für 12-Jährige angemessen dargestellt. Einzig die Steuerung könnte im Spiel anfangs zu Schwierigkeiten führen, was sich aber während des Spielverlaufs schnell ändert und zudem auch als Lernmöglichkeit und Herausforderung wahrgenommen werden kann.

> weiter zum Podcast der Jugendredaktion über Arcania Gothic: 4 <