Kinectimals

Genre
Simulation
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 4 Jahre
Vertrieb
Microsoft
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Hinweis(e)
Kinect Sensor erforderlich
Kurzbewertung
Aufwändig in Szene gesetzte Minispielsammlung für ein jüngeres Zielpublikum
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Microsoft wandelt mit "Kinectimals" in Zusammenarbeit mit David Braban aus der britischen Softwareschmiede Frontier auf eher ungewohnten Wegen. David Braban eroberte einst 1984 mit seinem kultverdächtigen Science-Fiction-Videospiel „Elite“ die Herzen meist erwachsener Gamer und auch Microsoft sprach mit seiner Xbox-360 bislang meist eher ältere Spieler an. Es ist daher durchaus erstaunlich, dass eine Kooperation beider Firmen ein komplett anders ausgerichtetes Spiel hervorbringt. "Kinectimals" wollte zum Release von Microsofts Kinect ganz bewusst ein eher junges Zielpublikum erreichen und augenscheinlich zum Großangriff auf Nintendogs aus dem Hause Nintendo aufrufen. 
"Kinectimals" spielt auf der fiktiven Insel Lemuria. Einst hatte sich hier ein berüchtigter Piratenkapitän auf Schatzsuche begeben, da er jedoch nur einen Teil der Schatzkarte sein Eigen nannte, wurde der Schatz Lemurias nie geborgen. Doch dem Kapitän gefiel Lemuria. Er entschloss sich zu bleiben und suchte sich Freunde unter den Bewohnern der Insel. Eines Tages verschwand er plötzlich und tauchte nie wieder auf. Es lag nun zunächst an seinem Freund Hummel, einer fliegenden Kreuzung zwischen Katze und Libelle, auf die ‚Kinder der Insel‘ Acht zu geben. Gemeinsam mit Hummel, der den Spieler nach der Ankunft auf Lemuria, in einem netten, aber etwas arg lang geratenen Intro, begrüßt, gilt es nun den legendären Schatz mit Hilfe eines der Raubkatzenbabys zu bergen.

Zu Beginn des Spiels gilt es, sich seine eigene Wildkatze auszusuchen. Hat man sein Kätzchen durch erste Streicheleinheiten, welche mit wohlklingendem Schnurren begleitet werden, kennengelernt, kann man ihm via Sprachsteuerung der Kinectkamera einen Namen geben und das vermeintliche Abenteuer beginnen. Dieses lässt sich dabei leider nur offline als Einzelspieler bewältigen.

Pädagogische Beurteilung:
‚Des Minispiels neue Kleider‘
Wie und vor allem wieso man auf Lemuria gelandet ist, wird nicht weiter erklärt. Auch die im Intro ausschweifend erzählte Hintergrundgeschichte rund um den Schatz auf der Insel, spielt letztlich eine eher marginale Rolle. Beides ist letztlich auch nicht weiter von Belang für den Verlauf des Spiels. Ärgerlich ist es jedoch, dass auch die Sprachsteuerung später nicht genutzt wird.
Was einen dann bei "Kinectimals" wirklich erwartet, wird erst nach einer etwas längeren Spielphase deutlich. Durch das Intro wird man scheinbar auf ein kindgerechtes Action-Adventure à la „Kung Fu Panda“ (Test von Kung Fu Panda) eingestimmt. Die Szenen im ‚Freundeskreis‘ und die ersten Spielminuten mit seinem persönlichen Kätzchen, welchen man zunächst lediglich füttern, streicheln oder bürsten kann, rufen wiederum Erinnerungen an Tiersimulationen à la Nintendogs oder EyePet (Test von EyePet) hervor. Nach gut 15 bis 20-minütiger Spielphase entpuppt sich "Kinectimals" jedoch ‚lediglich‘ als aufwändig aufgemachte und hübsch präsentierte Minispielsammlung mit Elementen aus Tiersimulationen.

„Das ist ja für Babys!“
In der Tat gestaltet sich die erste Interaktion mit den Tieren intuitiv und man muss vor allem als realer Haustierbesitzer nicht lange überlegen, wie man sein Kätzchen bei Laune hält. Durch einfachste Handbewegungen wird das Tier gestreichelt, gebürstet oder gefüttert. Auch Tricks kann man den Tieren beibringen. Für diese muss man sich allerdings deutlich mehr bewegen, da man dem Tier alle Tricks vor der Kamera zeigen muss. Soll das Tier z.B. hüpfen, so muss man es auch selber auch tun oder soll es sich tot stellen, muss man sich selbst auf den Boden legen. Nach diesen ersten, wirklich kurzweiligen direkten Interaktionen mit unserem persönlichen Baby, kommen auch schon die ersten Minispiele. Jedes Minispiel bzw. das dazugehörige Inventar lernt man zunächst mit dem Baby gemeinsam kennen. So begreift es spielerisch, wie man apportiert oder bewegten Objekten nachjagt. Ganz nebenbei löst man dann seine ersten Aufgaben, wie etwa eine bestimmte Anzahl an Tricks hintereinander auszuführen, verschiedene Ziele mit einem Ball umzuwerfen oder mit einem ferngesteuerten Auto Ballons zu zerstören. Hat man ein Minispiel richtig kennengelernt, geht es in eine Art Wettbewerb, in welchem man seine Fertigkeiten beispielsweise bei einem Rennen unter Beweis stellen muss. Durch erfolgreiches Abschließen der Ziele erreicht man neue Landabstriche der Insel und schaltet dadurch wiederum neue Minispiele frei. Die Bewegungserfassung durch Kinect funktioniert dabei nahezu bei allen Minispielen erstaunlich genau, so dass auch einige trotzdem auftretende Ungenauigkeiten kaum ins Gewicht fallen. Es ist dennoch schade, dass man nur bedingt die exakte Richtung beispielsweise eines Wurfes bestimmen kann. Ein gravierenderes Manko der Steuerung stellen jedoch trotzdem eher die wenig abwechslungsreichen Bewegungsabläufe dar. Im Grunde, sieht man von den direkten Interaktionen mit den Kätzchen ab, geht es um die drei schnell erlernten Standardbewegungen Werfen, ‚Kicken‘ und Lenken. "Kinectimals" macht dabei weder einen großen Unterschied, ob man nun einen Ball oder eine Scheibe wirft, noch geht das Spiel auf etwaige spezielle Eigenarten der Tiere ein, so dass es keinerlei Unterschied macht für welches Tier man sich entscheidet.

„Boah, sind die süüüß!“
Es dürfte selbst dem härtesten Zeitgenossen schwerfallen, beim ersten Anblick von "Kinectimals" nicht die Attribute „süß, putzig oder goldig“ zu verwenden. Die kleinen Raubkatzen sind audiovisuell wirklich äußerst gelungen und auch recht realitätsgetreu umgesetzt. Selbst kleinste Bewegungen im Fell können bei genauerer Betrachtung erkannt werden und erinnern in ihrem liebevollen Detailreichtum an Sulley, dem Helden des Animationsfilmes „Monster AG“. Überhaupt präsentiert sich "Kinectimals" in einem ansehnlich bunten Gewand. Die Hintergründe und die Spielobjekte sind zwar in etwas zu kräftigen und satten Farben dargestellt, entsprechen jedoch genau dadurch letztlich den gängigen Sehgewohnheiten des angestrebten Zielpublikums. Die eingängige musikalische Untermalung des Menüs, wie auch zum Teil des Spiels sorgt ebenfalls für ein audiovisuelles ‚Kinderparadies‘. Auch die Spieleffekte, wie natürlich das ungemein angenehme Schnurren der zufriedenen Kätzchen oder beispielsweise die Motorgeräusche der ferngesteuerten Autos sind äußerst gelungen, v.a. weil sie zu keinem Zeitpunkt aufdringlich sind. Weniger gelungen bzw. „nervig“ ist hingegen unser Helferlein Hummel. Klar, auch der sieht recht putzig aus und ist sehr detailliert animiert, aber bereits seine Stimme „gleicht einem ständigen Genöle“, v.a. weil er auf die Spieletester so dermaßen ‚freundlich belehrend‘ wirkte, dass sie einfach keinerlei Verlangen verspürten, seinen Tipps folgen zu wollen. Zudem empfanden sie seine Auftritte meist als viel zu lang, so dass man sich die berechtigte Frage stellt, „ob die von der Xbox uns zu Pausen zwingen wollen“.

Treffer beim Zielpublikum, Verwirrung bei etwas älteren Testern
"Kinectimals" wurde bewusst in zwei unterschiedlichen Gruppen, Ü12 und Ü8, getestet. Wenig überraschend kam das Spiel auch sehr unterschiedlich an. Die etwas älteren Jugendlichen rieben sich am unglaublich leichten Schwierigkeitsgrad und wollten den Test schnellstmöglich hinter sich bringen. In der zweiten Gruppe wurde der niederschwellige Zugang hingegen begeistert aufgenommen, wobei auch hier sich nach mehrstündiger Testphase die Erkenntnis breit machte, dass sich „Spielchen ja voll gleichen“. Bei beiden Gruppen darf daher durchaus bezweifelt werden, dass das Spielprinzip von "Kinectimals" für eine langanhaltende Motivation wirklich ausreicht, aber zumindest bei den jüngeren Testern war man sich sicher, dass "Kinectimals" „in jedes Kinderzimmer gehört“.
Die unglaublich putzige Optik wurde in den Gruppen ebenfalls unterschiedlich angenommen. Von „voll das Babyspiel“ bis hin zu „das ist so wunderschön“ war im Grunde die gesamte Bandbreite möglicher Reaktionen dabei. Man konnte interessanterweise in beiden Gruppen feststellen, dass "Kinectimals" richtiggehend um Akzeptanz ringen musste. So kamen die pubertierenden Jugendlichen mit dem durch das Spiel hervorgeholten ‚Kind in ihnen‘ zunächst nicht wirklich zurecht, gilt es doch sich in seinem ‚Revier‘ zu behaupten und dazu gehört es augenscheinlich nicht „so ein Baby da großzuziehen“. So hatten die zuschauenden Tester für den jeweiligen Spieler nur Hohn und Spott übrig, während sie sich dann aber selber beim Spielen nahezu komplett wandeln konnten und das Spiel mit einer Mischung aus kindlicher Begeisterung und pubertierendem ‚Erwachsensein‘ angingen. In der jüngeren Testergruppe hingegen sorgte vor allem das Intro für Trübsal und als sich dann das Spiel auch noch im ‚Freundeskreis‘ zunächst noch weniger actionreich präsentierte, war die Lust am Testen am Nullpunkt angekommen. Erst die ersten Minispiele konnten die Begeisterung wieder entfachen. In beiden Gruppen wollten die Kinder testen, ob man das Kätzchen einfach mal treten, schlagen oder abwerfen kann. In der allzu harmonischen Welt von Lemuria gibt es dafür allerdings keinen Platz, so dass die natürlich trotzdem durchgeführte Bewegung keinerlei Resonanz auf dem Bildschirm hervorrief. Natürlich klingt es zunächst etwas befremdlich, wenn Kinder das zuckersüße Tierchen erst mal malträtieren wollen, aber letztlich ist dieser Wunsch nur ein weiteres ‚Grenzen austesten‘, ein ganz ‚normaler‘ Entwicklungsbaustein auf dem Weg zu sich selbst. Es wäre an dieser Stelle wirklich schön gewesen, wenn den Kindern und Jugendlichen diese Grenze nicht nur durch Ignoranz aufgezeigt werden könnte.

Fazit:
"Kinectimals" ist eine aufwendige Minispielsammlung in gelungener und äußerst süßer Optik. Vor allem aufgrund des unglaublich niederschwelligen Schwierigkeitsgrads ist es durchaus bereits für ganz junge Spieler ab etwa drei Jahren zugänglich. Etwas ältere Kinder ab etwa zehn Jahren oder gar Erwachsene werden sich wahrscheinlich an eben dieser, im Grunde nicht vorhandener, Herausforderung reiben. Jüngere Spieler hingegen wird’s freuen. Ob das Spiel allerdings selbst bei diesem augenscheinlichen Zielpublikum für mehr als zwei, drei vergnügliche Spielenachmittage Motivation bietet, darf bezweifelt werden. Letztlich ähneln sich die Minispiele dann doch zu sehr und sind nur bedingt abwechslungsreich.

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Ü8 Astrid-Lindgren-Schule Düsseldorf
Bewertung Spielspass