Michael Jackson - The Experience

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2010.10
Systeme
Playstation 3, Xbox 360, Wii, Playstation Portable, Nintendo DS
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Kurzweiliger, bewegungsintensiver Spielspaß mit bekannten Songs des ‚King of Pop‘ in biederer Optik
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Wir schreiben das Jahr 1990, der ungekrönte ‚King of Pop‘ befindet sich auf seinem Karrierehöhepunkt. Er wiederholte in den Jahren zuvor mit „Bad“ nicht nur den Erfolg seines legendären Albums „Thriller“, sondern übertraf ihn sogar und „Bad“ wurde das zweitbestverkaufte Musikalbum aller Zeiten (vgl. Michael Jackson auf Wikipedia). Zwei Jahre zuvor schuf er sich mit „Moonwalker“ (Moonwalker auf IMDB) sein eigenes, unter seinen Fans als Kult angesehenes, filmisches Denkmal. Grund genug für die damalige Entwicklergilde aus dem Hause U.S. Gold, u.a. mitverantwortlich für die legendären „California Games“ (California Games Video auf Youtube), und Sega dem König mit einem eigenen (Arcade-)Videospiel zu huldigen: „Michael Jackson's Moonwalker“ (Moonwalker Video auf Youtube).
Über zwanzig Jahre scheint sich Geschichte zu wiederholen. 2009 scheidet Michael Jackson unter dramatischen Umständen aus dem Leben. Vergessen sind auf einmal über 15 Jahre ‚Dauerkrise‘ mit vielen negativen Schlagzeilen und ganz wenigen Glanzlichtern. Getreu dem Motto „Der König ist tot – lang lebe der König“ wird die Musik von Michael Jackson posthum über Nacht wieder entdeckt. Kaum eine Stunde vergeht, indem die Massenmedien nicht auf ein Stück seiner Discografie zurückgreifen. Grund genug für Ubisoft nicht ganz zwei Jahre später, dem Sänger mit „Michael Jackson - The Experience“ zu huldigen.
Hat man die vermeintlich ‚monarchische‘ Spieledisc eingelegt, wird recht schnell klar, wie man Michael huldigen sollen. Das Anfangsmenü ist an Übersichtlichkeit kaum zu überbieten. Neben der nicht weiter erwähnenswerten Optionsauswahl, stehen mit ‚Dance‘ und ‚Dance School‘ nur zwei weitere Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. Und wie die Namen bereits verraten, versteckt sich hinter beiden Auswahlmöglichkeiten eine Tanzeinladung. ‚Dance School‘ ist dabei eine Art Training. Michaels ehemaliger Chef-Choreograf Travis Payne begibt sich herab, um uns die ersten ‚Steps‘ und ‚Moves‘ näherzubringen. Zunächst sind dabei nur einige Videos bzw. Übungseinheiten freigeschaltet. Durch Erfolge im Bereich ‚Dance‘ können weitere Einheiten freigeschaltet werden, so dass man sein Können nach und nach perfektionieren soll. Bei ‚Dance‘ hat man dann die Aufgabe, jeweils die einstudierte Choreo Michaels oder die seiner Crew möglichst genau nach zu tanzen. Eine kleine Anzeige, in der die Bewegungen mit dem Controller angezeigt werden, dient währenddessen als Hilfestellung. Beachten sollte man auch den angezeigten Schwierigkeitsgrad, während der Songauswahl, denn es erscheint wenig sinnvoll direkt mit einem schwer nachtanzbaren Song einzusteigen. Insgesamt 26 Songs, u.a. die No.1-Hits „Bad“, „Beat it“, „Billie Jean“, „Black or White”, „Dirty Diana“ und „Thriller“, können alleine oder mit bis zu vier Teilnehmern offline oder online nachgetanzt werden.

Pädagogische Beurteilung:
„Warum macht der seinen Moonwalk?“
Zum Tanzen verlangt „The Experience“ lediglich den Wii-Remotecontroller, der je nach Bedarf rechts oder links geführt werden kann. Die Bewegungserfassung funktioniert dabei erstaunlich gut. Man muss sich schon ordentlich anstrengen, um selbst bei eher niedrigem Schwierigkeitsgrad des ausgewählten Songs, den Bewegungen auf dem Bildschirm zu folgen. Halbgare oder gar lustlose Bewegungen werden durch das Bewertungssystem abgestraft, so dass man für seinen Move keinen oder maximal einen der jeweils fünf zu vergebenden Sterne erhält. Will man die Bewegungen möglichst exakt nachahmen, ist ein Blick auf die Bewegungshilfe unabdinglich. Diese zeigt meist eine Zehntelsekunde vor der jeweiligen Tanzbewegung an, wie der Controller gleich bewegt werden sollte. Hat man die recht reduzierte, aber durchaus anspruchsvolle Steuerung erlernt, kommt man nicht umhin sich Schweißperlen von der Stirn zu wischen, denn ‚Perfektion‘ bedarf einer nicht zu unterschätzenden körperlichen Anstrengung. So weit, so gut, aber Michael tanzt mit seiner Crew nun mal nicht einhändig. Es bedarf schon eines gehörigen Maßes an Selbstdisziplin, auch die geforderten Bewegungen der freien Hand oder der Beine durchzuführen. Notwendig sind diese größtenteils nicht und erfasst werden sie vom Spiel auch nicht. Einzige kleine Ausnahme bildet da die 360°-Drehung um die eigene Achse, die natürlich mit einer Hand nur schwer nachvollziehbar wäre. Es ist fragwürdig, warum man nicht auf die Steuerungsmöglichkeiten eines Wii-Balanceboardes (wie z.B. bei „Wii Fit“) oder eines Bewegungsbandes (wie z.B. bei „EA Sports Active Personal Trainer“) zurückgegriffen hat. Zumindest hätte man wie bereits bei etlichen anderen Wii-Spielen auf eine zusätzliche Bewegungserfassung der freien Hand via Nunchuk setzen können. So wird die eigentlich gut umgesetzte Bewegungserfassung dem Tänzer Michael Jackson kaum gerecht, denn während dieser seinen legendären ‚Moonwalk‘ vollzieht, muss man seitlich stehend „ja nur voll langweilig die Fernbedienung hin- und herschwingen“. Auch die Erkenntnis, dass man „nur, weil man gewonnen hat, nicht besser getanzt hat“, ist eng mit dieser ‚Mut zur Lücke‘-Steuerung verknüpft und schließt im Grunde einen möglichen tänzerischen Fortschritt bei den Spielenden aus.

„Der ist ja voll gesichtslos!“
Was Ubisoft bei der Wii-Umsetzung von „Michael Jackson – The Experience“ grafisch präsentiert, ist mild formuliert ganz biedere Hausmannskost. Mehr oder weniger gesichtslose, unglaublich schlampig animierte Avatare, sind eingebettet in vermeintliche Originalszenarien der jeweiligen Musikvideos, die „aber in echt ganz anders aussehen“. Auch die eigenwillige Lichtumrandung der Spielfiguren ist nur schwer nachvollziehbar, aber vielleicht wollten uns die Entwickler auch nur zeigen, dass „der Michael nach seinen bestimmt über 100 Operationen schon lebend aussah wie ein Zombie“. Hier und da kommt dennoch etwas Stimmung auf, was aber reichlich wenig mit der grafischen Präsentation zu tun hat, als vielmehr mit der musikalischen Vorlage. Alle Songs sind gut abgemischt und klingen zu keinem Zeitpunkt mechanisch. Klar kann man sich generell über die Qualität der Jackson` Songs echauffieren, aber dann greift man wohl eher nicht zu diesem Spiel. Die Auswahl der Songs ist zwar, zieht man den ‚Hit-‚ und Bekanntheitsfaktor mit ein, durchaus schlüssig, fällt mit 26 Stücken im Hinblick auf das riesige Repertoire nicht gerade üppig aus. Gerade eingefleischte Fans hätten sich mit Sicherheit auch über einen nicht ganz so bekannten Track aus Michaels Repertoire gefreut. Unsere Testergruppe konnte die Auswahl dennoch begeistern, da nahezu jeder einzelne Song auswendig mitgesungen wurde.

„Irgendwie lustig“
Ob Michael Jackson seine posthumane Huldigung zu Übungszwecken auch gespielt hätte ist äußerst fraglich. Eine spürbare Verbesserung der eigenen tänzerischen Fähigkeiten, ist aufgrund des lückenhaften Steuerungsansatzes kaum möglich. Das Spiel steht und fällt mit seinen Songs. Da diese lediglich eine Art „Best of Album“ darstellen, hat man sich dann auch recht schnell satt gehört. Unter Umständen werden sich jedoch ‚wahre‘ Fans des ‚King of Pops‘ und besonders disziplinierte und lernwillige Tänzer weder an der Steuerung noch an der recht mageren Trackauswahl stören. Lässt man diese augenscheinlichen Mankos außer Acht und vollzieht einfach unaufgefordert die gezeigte Choreografie in all seinen Facetten, wird man durchaus einige kurzweilige Spielestunden verbringen können. Die durch Erfolge freischaltbaren Trainingsvideos sind zwar nett gemeint, werden jedoch wahrscheinlich auch nur bei ‚Hartgesottenen‘ eine Langzeitmotivation hervorrufen. Dennoch weiß das Spiel ad hoc eine Zeit lang, zumindest mit mehreren Spielern zu begeistern. Selbst als neutraler Beobachter kommt man dabei auf seine Kosten, denn so oft sieht man z.B. „die Jungen auch nicht beim Tanzen einer Choreografie“. Für Einsteiger ab etwa sechs Jahren, die gewisse grundmotorische Fähigkeiten, sowie ein Mindestmaß an Fitness aufweisen, eignet sich das Spiel deshalb definitiv für einige sehr spaßige Spieleabende.

Fazit:
„Michael Jackson - The Experience“ präsentiert sich in einem zwiegespaltenen Gewand. Gut abgemischte Songs und eine gut umgesetzte Bewegungssteuerung via Wii-Remote hinterlassen trotz der arg biederen Grafik einen äußerst positiven ersten Eindruck. Nach einigen Stunden agieren jedoch die recht spärliche Songauswahl, sowie die lückenhafte Steuerung, welche im Grunde lediglich die Bewegungen eines Armes erfasst, als Spaßbremse. Disziplinierte, besonders hartgesottene ‚Tanz- und Michaelfans‘ wird dies zwar mit Sicherheit weniger stören, Laien und Einsteiger werden jedoch wahrscheinlich kaum mehr als einige spaßige und kurzweilige Spielesessions einlegen.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass