Shakes & Fidget: The Game

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Playa Games
Erscheinungsjahr
2009.06
Systeme
PC, Mac, iOS, Android, Linux
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Humorvolles Browsergame, insbesondere für die Fans der Comics
Redaktion
Christina Kurzweil
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Das deutsche Browsergame „Shakes & Fidget“ basiert auf den gleichnamigen Comics von Oskar Pannier und Marvin Clifford. In diesen wird von den jungen Zeichnern das bekannte Spiel „World of Warcraft“ ordentlich aufs Korn genommen. Shakes ist ein Krieger, der nicht unbedingt durch Intelligenz oder Stärke glänzt, sein Partner Fidget präsentiert sich als sarkastischer und nicht sonderlich erfolgreicher Magier. Das dazugehörige Browsergame zeigt sich äußerlich und auch inhaltlich ganz in der Aufmachung der Comics. In dem Spiel geht es darum ein Held zu werden. Indem der Spieler Aufträge von zwielichtigen Gestalten annimmt, Verliese (Dungeons) von schleimigen Monstern säubert, für die Stadtwache arbeitet und gegen Mitspieler antritt verdient er sich Ruhm, Geld und Erfahrungspunkte. Hierdurch steigt die Spielfigur Stufen auf, woraufhin sich ihre Macht individuell verstärkten lässt.
Genretypisch gibt es kein Ziel, nachdem das Spiel ein Ende hat. Theoretisch kann es endlos gespielt werden.

Pädagogische Beurteilung:
Die Qual der Wahl
Zu Beginn des Spiels muss eine Registrierung durch den Spieler erfolgen. Hierzu benötigt er lediglich eine funktionierende E-Mail Adresse und einen Spitznamen (Nickname). Dies funktioniert einfach und problemlos. Nach der Registrierung erhält der Spieler eine E-Mail, die es zu bestätigen gilt. Allerdings ist die Bestätigung der E-Mail Adresse keine Vorraussetzung um mit Shakes & Fidget zu beginnen. Verifiziert der Spieler jedoch die Richtigkeit seiner Daten, erhält er ein Willkommensgeschenk von 15 Pilzen (mehr dazu weiter unten).
Direkt nach der Anmeldung besteht die Möglichkeit, eine Spielfigur (Charakter) zu erstellen. Hierbei hat er die Wahl zwischen 8 Rassen (z. B. Menschen oder Dämonen) und 3 Klassen (Magier, Kundschafter, Krieger) sowie einem entsprechenden Aussehen. Hier kommt bereits der Grundtenor des Browsergames zu Geltung da zum Beispiel dem Volk der Dämonen folgende Eigenschaft zugesprochen wird: „Dämonen haben hübsche Hörner auf dem Kopf und lieben romantische Spaziergänge“. Die einzelnen Rassen und Klassen werden bei Shakes & Fidget karikiert und sehr überspitzt dargestellt, verstärkt durch die comicartige Grafik. Bei dem Äußeren seines Charakters hat der Spieler eine sehr große Auswahl, doch die meisten Charaktere sehen am Ende doch recht lustig aus. Diese Wahlmöglichkeiten helfen dem Spieler, sich mit seiner virtuellen Figur identifizieren zu können.

Der Heldenalltag beginnt…mit der Navigation
Zu Beginn zeigt das Browsergame eine Stadt, in der sich der Heldenalltag abspielt. Über dieses Bild lassen sich die verfügbaren Läden, die Stadtwache und die Auftraggeber der Abenteuer erreichen indem der Spieler auf das Bild klickt. Darüber hinaus hat der Spieler jedoch die Möglichkeit über die gut strukturierte und sehr übersichtliche Navigationsleiste an der Bildschirm-Seite alle verfügbaren Orte zu erreichen. Ein Tutorial gibt es nicht, da das Spiel jedoch sehr intuitiv zu erlernen ist, kommen auch Anfänger schnell zu Spielerfolgen. Der Zweck der einzelnen Orte wird in dem dazugehörigen Menü zudem verständlich erklärt.

Heldenarbeit
Der Hauptteil des Browsergames findet in der ortsansässigen Taverne statt. Dort findet der Held seine etwas zwielichtigen Auftraggeber. Abenteuer können nur angenommen werden, wenn der Charakter über genügend „Abenteuerlust“ verfügt. Diese zeigt sich in einem Balken in der Taverne und hat zu Beginn 100 Punkte, nach mehreren absolvierten Abenteuern nimmt diese Lust ab. Sinkt sie auf 0, dann muss der Spieler für den Rest des Tages ruhen. Die Anzeige füllt sich erst um Mitternacht wieder auf.
Die verschiedenen Aufträge (mit so interessanten Titeln wie „Dings“ oder „Ein Büschel Haare“) nehmen unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Die Abenteuer können von 5 bis zu 20 Minuten dauern, wobei längere Abenteuer mehr Geld und Erfahrungspunkte bringen als kurze. In der Echtzeitkomponente lag für unsere Tester ein großes Defizit des Spiels. Tester 13 Jahre: „Jetzt muss ich 20 Minuten warten? Das ist ja total unnötig!“. In dieser Zeit hat der Spieler zwar die Möglichkeit, sich im Rest des Menüs umzusehen, dies ist jedoch sehr schnell getan und so heißt es warten. Im Verlauf des Spiels kann sich der Spieler ein Reittier mieten (entweder für Geld oder für Pilze) und die Zeit, die das Abenteuer braucht, bis zur Hälfte kürzen. Ist die Abenteuerlust des Helden aufgebraucht, kann er jedoch in der Stadtwache arbeiten gehen, wobei der Spieler nicht eingreifen kann. Auch die (bis zu) 10 Stunden lange Arbeit laufen in Echtzeit ab.

Knete und Erfahrung…ist eines Helden Nahrung
Durch die oben genannten Abenteuer erhält der Spieler Gold und Erfahrung. Beides wird benötigt, um seinen Charakter zu verbessern. Durch die Erfahrung steigt der Spieler Stufen auf, bei runden Stufenaufstiegen bekommt der Held eine mächtige Belohnung und extra Attributspunkte. Die Attribute Stärke, Geschick, Intelligenz, Ausdauer und Glück sind der Klasse des Helden entsprechend zu steigern. Zum Beispiel legt ein Magier mehr Wert auf Intelligenz, um genügend Zaubersprüche zu erlernen, während ein Krieger mehr Stärke benötigt. Diese Attributspunkte müssen mit hart verdientem Gold erkauft werden. Hier ist das System von „Shakes & Fidget“ ausbalanciert, da die Punkte mit der Zeit zwar deutlich teurer werden, der Spieler bei seinen Abenteuern und der Stadtwache mit zunehmender Erfahrung mehr Geld verdient. Den Lohn kann der Spieler auch in den Läden der Stadt ausgeben, um sich Ausrüstung zu kaufen, die sich ebenfalls positiv auf die Attribute auswirken kann.

Ehre, Dungeons und Gilden
Auch der Wettkampf zwischen den Spielern ist bei „Shakes & Fidget“ von Bedeutung. In der Arena können die Spieler gegeneinander antreten und erhalten bei Erfolg Ehre und Gold. Diese Wettkämpfe funktionieren nach einem Zufallsprinzip bei dem errechnet wird, welche Gegner sich ebenbürtig sind und gegeneinander antreten sollen. Darüber hinaus hat der Spieler jedoch auch die Möglichkeit, Gegner aus der Rangliste zu suchen und diese herauszufordern, hierbei gibt es keine Grenzen da jeder Spieler, egal welche Stufe er hat, herausfordern kann. Nach der erworbenen Ehre ergibt sich auch die Stufe des Spielers in der Rangliste.
Ab Stufe 10 erhält der Spieler den Schlüssel zu einem von insgesamt 9 Verliesen (Dungeons). Auch hier gilt es Monster aller coleur zu besiegen. Das Besondere an den Dungeons sind die Ausrüstungsgegenstände, die es zu erkämpfen gilt, da es sich hierbei um sogenannte epische Items handelt, welche besonderen Bonus versprechen. Darüber hinaus erhält der Spieler auch die Möglichkeit eine Gilde zu gründen oder sich einer bereits existierenden Gilde anzuschließen. Die Gilden können untereinander ebenfalls Wettkämpfe führen und erhalten bei Gewinn Ehre welche der Indikator für eine weitere Gildenrangliste ist. Insbesondere der Soziale Faktor des Zusammenschließens, des Gildenchats und des Gruppenwettkampfes war für die Testergruppe von großem Interesse.

Realkosten, Zeitfaktoren und Alter
Das Browsergame „Shakes & Fidget“ bietet dem Spieler die Möglichkeit, Spielfreude zu haben, ohne reales Geld investieren zu müssen. Angenehm ist auch, dass es keine Werbebanner gibt, welche Spieler auf Seiten von Drittanbietern führen. Ausdrücklich erwähnt sei jedoch die Möglichkeit, durch reales Geld Pilze zu erstehen, welche teilweise für den Kauf besonders mächtiger Ausrüstungsgegenstände eingesetzt werden können. Da diese bei den Abenteuern des Charakters auch gefunden werden können, ist die Investition, verglichen mit anderen Genrevertretern, eher uninteressant. Nichtsdestotrotz sollten Erziehungsverantwortliche das Thema „Zusatzkosten“ mit den jungen Spielern thematisieren.
Neben dem optionalen finanziellen Aspekt gibt es auch noch einen zeitlichen Aufwand, welcher aus pädagogischen Gesichtspunkten interessant ist. Wenn der Spieler Wert darauf legt, seine komplette Abenteuerlust (siehe oben) an einem Tag zu nutzen, ergibt sich ein durchschnittlicher Zeitaufwand von 1 ½ Stunden pro Tag. Allerdings gibt es bei Shakes & Fidget nicht den Zwang, sich verteilt über den ganzen Tag wieder und wieder um seinen Charakter kümmern zu müssen, um erfolgreich zu sein. Der Charakter kann zwar in Abwesenheit angegriffen werden, wenn er verliert, entstehen dem Spieler nur geringe Nachteile (Verlust von Ehre und ein wenig Gold). Der Spieler ist also nicht völlig mittellos, wenn er das Spiel für einige Zeit unbeaufsichtigt lässt. Dennoch sollten Erziehungsverantwortliche klare zeitliche Regeln hinsichtlich der Nutzungsdauer und -häufigkeit festlegen.
Bei den Kämpfen sind lediglich die Portraits der eigenen Figur sowie die des jeweiligen Kontrahenten Samt Lebensbalken und anderen Statistiken zu sehen. Diese Darstellung ist eher harmlos und kann bereits von Kindern ab 8 Jahren als Fiktion eingeordnet werden. Anders verhält es sich mit dem Humor (z.B. Pilze als Währung, Anspielungen auf andere Medieninhalte). Hier waren erst Jugendliche ab 12 Jahren in der Lage diesen in seiner Gänze zu verstehen.

Fazit
Das Browsergame Shakes & Fidget bietet dem Spieler Humor und ein gut strukturiertes Spielerlebnis. Besonders das Spiel in Gruppen und der Wettbewerb mit anderen sind für Jugendliche reizvoll. Da die Abenteuer jedoch bis zu zwanzig Minuten Echtzeit beanspruchen, muss der Spieler Geduld mitbringen. Jugendliche ab 12 Jahren, die den Humor (z.B. Pilze als Währung, Anspielungen auf andere Medieninhalte) verstehen und reflektieren können und die notwendige Zeit investieren wollen (und dürfen), können hier ihren Spaß haben.