Rio

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 4 Jahre
Vertrieb
THQ Entertainment GmbH
Erscheinungsjahr
2011.04
Systeme
Playstation 3, Xbox 360, Wii, Nintendo DS
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Wenig abwechslungsreiche & schlichte Minispielsammlung für jüngere Spieler
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
THQ wirft mit „Rio“ die inzwischen obligatorische Konsolenadaption des gleichnamigen Animationsfilmes auf den Markt. Anders als etliche andere ähnlich geartete Adaptionen, wie etwa „Toy Story 3“ oder „Ice Age 3“, präsentiert sich das Spiel jedoch nahezu losgelöst vom Filmgeschehen. „Rio“ stellt vielmehr eine Party- bzw. Minispielsammlung im Stile von „Mario Party“ dar.
Dennoch hat sich der ‚Story-Modus‘ ansatzweise dem Filmgeschehen gewidmet. Der letzte lebende Spix-Ara-Papagei Blu wird auf seiner Reise nach Rio de Janeiro von ‚Tierliebhabern‘ entführt. Nun beginnt ein Abenteuer quer durch den Regenwald, indem Blu das Fliegen erlernt und einige neue Freunde kennenlernt. Was auf den ersten Blick wie eine zusammenhängende Geschichte erscheint, stellt sich auf den zweiten Blick jedoch lediglich als nettes Feature dar. Letztlich wird einem die Geschichte in diesem Modus in kleinen Häppchen per Originalsequenzen aus dem Film präsentiert. Daraus muss man sich nahezu eigenständig eine nachvollziehbare Handlung zusammenbasteln. Leider erweist es sich dadurch als schwierig einen greifbaren Zusammenhang zwischen den Minispielen und der ‚Geschichte‘ herzustellen. Das eigentliche Spiel, egal in welchem Modus, hat sich lediglich Anleihen aus dem Film genommen. So finden die Minispiele zum Teil an Originalschauplätzen statt und das Geschehen wird man von der bekannten Musik begleitet.
Im Grunde ist es nahezu gleich, für welchen Spielmodus man sich nach Einlegen der Spieledisc entscheidet. ‚Story‘, ‚Party‘, ‚Karnevalrad‘, ‚Garland Gala‘ oder ‚Karnevalstanz‘ bieten letztlich nur diverse, größtenteils zu vernachlässigende Variationen der einzelnen Minispiele. Natürlich ändern sich jedoch in gewisser Weise die Rahmenbedingungen des Spiels. So setzt sich der Geschichtsmodus aus mehreren Leveln zusammen, welche jeweils drei Minispiele parat halten. Hat man ein Level geschafft, kommt ein Filmausschnitt und man erhält Punkte. Im Partymodus hingegen kann man die Anzahl der Spiele und vor allem das Spiel eigenständig bestimmen. Beim ‚Karnevalstanz‘ gewinnt wiederum derjenige, der zuerst 5 Minispiele gewinnt. Im Modus ‚Karnevalsrad‘ gilt es an einem Rad zu drehen, dadurch wird das zu spielende Minispiel festgelegt und die Anzahl der Punkte für einen Sieg. Bei der ‚Garland Gala‘ erwarten einen zwischen den Minispielen Quizfragen rund um den ursprünglichen Film, die ohne die dazugehörigen Vorkenntnisse zum zufälligen Rätselraten verfallen.
Die präsentierten 43 Spiele selber unterscheiden sich zumindest etwas spürbarer, wenngleich sich dennoch einige nur marginal unterscheiden. Beim ‚Eishockey‘ beispielsweise muss man als Torhüter aus drei Richtungen kommende Pucks abwehren oder bei der ‚Reise nach Jerusalem‘ so lange die Musik ertönt Früchte sammeln, um dann bei abruptem Musikende seine Tätigkeiten kurzzeitig niederzulegen, da man sonst seine Früchte wieder verliert. Gewinner ist hier natürlich der eifrigste Sammler.
Alle Spiele und alle Modi lassen sich offline, je nach Aufgabenstellung mit bis zu vier Spielern gegeneinander oder im Team angehen.

Pädagogische Beurteilung:
Schnell erlernte, etwas monotone Steuerung
Die Steuerung des Spiels ist kinderleicht, unglaublich schnell erlernt und gelingt dadurch oft intuitiv, denn neben dem linken Analogstick, mit dem man seine Spielfigur bewegt, gilt es wahlweise mit den Tasten A und B bestimmte Aktionen durchzuführen. Jedes einzelne Minispiel wird einem jeweils vor dem Spiel kurz durch eine kleine Anleitung ‚beigebracht‘. Dabei wird sowohl die Steuerung, als auch das dazugehörige Spielprinzip bzw. -ziel kurz und bündig erklärt. Leider kommt man, durch eine nicht vorhandene Sprachausgabe, nicht umhin, sich die Anleitung auch wirklich durchzulesen, da man sonst des Öfteren zumindest im ersten Versuch mehr oder weniger kläglich scheitern wird. Besser bzw. dem augenscheinlichen Zielpublikum angepasster wäre es wohl gewesen die einzelnen Minispiel in Wort und Schrift zu erläutern oder zumindest, wie beim vermeintlichen Vorbild „Mario Party“ eine Art Übungsmodus anzubieten.
So kinderleicht die Steuerung auch ist, so monoton kommt sie auch letztlich daher. „Das ist doch voll einfach, du musst nur das Gleiche wie bei dem anderen Spiel machen.“ - in der Tat sind die Minispiele zwar teilweise das Spielprinzip betreffend unterschiedlich, gesteuert werden sie dennoch alle nahezu identisch.

Technisch solide
Grafisch präsentiert sich „Rio“ in einem zeitweise schrill bunten Gewand. Ähnlich wie die filmische Vorlage sind die Charaktermodelle und die Umgebungsgrafiken angepasst an handelsübliche, vor allem in Minispielsammlungen bewährte, Cartoon-Darstellungen. Im Grunde lässt die grafische Präsentation kaum handfeste Kritik zu, wenngleich sie das Potential der Xbox 360 kaum ausnutzt. Spürbar wird dies vor allem durch die wenigen filmischen Zwischensequenzen aus dem Kinofilm, zeigen diese doch auf beindruckende Art und Weise was eigentlich möglich gewesen wäre.
Musikalisch werden durchaus amüsante Karnevalsklänge, welche größtenteils dem Film entnommen sind, präsentiert. Ein Manko ist dabei jedoch das Fehlen jeglicher Abwechslung, denn „die Lieder sind zwar ganz lustig, aber die klingen doch alle gleich“ und das „nervt irgendwann“. Auch die eingestreuten Kommentare der Spielfiguren sind wenig abwechslungsreich, zeitweise hat man gar Probleme sie überhaupt richtig zu verstehen, so dass man getrost die Lautstärke des Wiedergabemediums auf ein Minimum reduzieren kann. Vermissen wird man dadurch im schlimmsten Falle die recht spärlich eingebauten Soundeffekte, die jedoch ohnehin kaum zur Geltung kommen.

Ein kurzes Vergnügen
„Rio“ hinterließ in unserer Gruppe einen guten ersten und einen enttäuschenden zweiten Eindruck. Zunächst wussten einige Spiele, sowie die Steuerung zu überzeugen. Mit fortgeschrittener Spieldauer machten sich jedoch die Mankos des Spiels bemerkbar.
Mit 43 Spielen hält „Rio“, so sollte man meinen, ein großes Repertoire an Abwechslungsreichtum bereit. Doch, weit gefehlt, den nach einiger Zeit stellt man fest, dass „da ja höchstens fünf oder sechs verschiedene Spiele sind“. Ob man beispielsweise mit Melonen auf Konkurrenten, auf Affen oder in Möwenschnäbel wirft, macht nicht nur steuerungstechnisch keinerlei Unterschied. Zu ähnlich gestaltet sich dabei auch das eigentliche Spielprinzip. Auch die wenig abwechslungsreichen Spielmodi sorgen nur bedingt für langanhaltenden Spielspaß. Generell gibt es bei „Rio“ sozusagen Minispiel-Hausmannskost zu sehen. Ob Rhythmik-Duelle am Controller, Wurf-Spiele oder Lauf- bzw. Ausweichspiele, alles war so oder zumindest in ähnlicher Form bereits bei zig anderen Minispielsammlungen zu bewundern. Natürlich macht das insbesondere mit mehreren Mitspielern eine gewisse Zeit Spaß, jedoch führen ein fehlender Onlinemodus, die angesprochene ‚Monotonie‘ der Spiele und der Musik, sowie das nicht Vorhandensein eines richtigen Spielziels zur Annahme, dass der zweifelsfrei vorhandene Spielspaß von recht kurzer Dauer sein wird. Einziges belebendes Element könnten hier die drei einstellbaren unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade sein, denn stellt man das Spiel auf ‚schwer‘, stellen die Computergegner dann nicht nur für jüngere Spieler eine Herausforderung dar.
Kenner der Vorlage bemängelten zudem, dass der „voll geile Film“ eigentlich keine Rolle spielt. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass das Spiel im Grunde keinen richtigen Bezug zum Film herstellen will. Fraglich bleibt dann jedoch, warum man das Spiel unbedingt mit dem gleichen Namen ausstatten musste, denn letztlich entsteht bereits durch diesen eine gewisse Erwartungshaltung. Der Eindruck, dass hier mit dem vermeintlich ruhmreichen Namen des Films schnelles Geld verdient werden soll, kommt dabei beinahe automatisch.

Fazit:
„Rio“ ist eine Videospieladaption des gleichnamigen Animationsfilmes. Außer dem Namen hat das Spiel jedoch recht wenig gemein mit der Geschichte des Films, vielmehr handelt es sich um eine weitere mehr oder minder gelungene Minispielsammlung. Eine kinderleichte Steuerung, die Anzahl der Minispiele und die technische Präsentation hinterlassen dabei zunächst einen erwartungsfrohen Eindruck, der mit zunehmender Spieldauer jedoch widerlegt wird. Zu monoton, zu ähnlich lassen sich die einzelnen Spiele, welche stets mit einer immer gleich klingenden Musik untermalt werden, dann doch angehen.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass