El Shaddai: Ascension of the Metatron

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Konami
Erscheinungsjahr
2011.09
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Hypnotisches Action-Jump & Run für Experimentierfreudige
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Mit „Okami“ [LINK zu Okami] erschien 2006 ein vielgelobtes Spiel - ein Kritikerliebling. Komplett im Stil japanischer Tuschezeichnungen gehalten, nahm man darin im Kampf gegen den Dämon Orochi die Rolle eines Sonnengottes in Wolfsform an.
„El Shaddai“ – das neue Spiel des kreativen Kopfs hinter „Okami“ – lässt den Spieler nun in die Rolle Enochs schlüpfen, seines Zeichens Abgesandter Gottes, welcher gefallene Engel gefangen nehmen soll, bevor diese eine zerstörerische Sintflut hervorrufen können. Mit dem Ziel diese Abtrünnigen zu finden, reist Enoch in der Third-Person-Perspektive durch Zeit und Raum, durch 2D- und durch 3D-Welten. Das ist mal Jump & Run, mal Hack & Slay. Komplett gegnerfreie, meditative Hüpfpassagen reihen sich an harsche Konfrontationen mit einer Schar an Fabelwesen, Geistern und Dämonen.

Pädagogische Beurteilung:
Die 36 Kammern des Enoch
„El Shaddai“ wirft den Spieler direkt zu Beginn ohne jegliche Erklärung in einen Bosskampf, der nicht zu gewinnen ist. Nur um ihm eine Lektion zu erteilen. Gleich darauf befindet er sich wieder im Hauptmenü und erst jetzt ist das Spiel wirklich zu starten. Im Test war den Spielern teils nicht klar, was da gerade auf dem Bildschirm passierte: „El Shaddai“ beschreitet auch weiterhin in mancher Hinsicht eher unkonventionelle Wege.
Über die ein Tutorial ersetzenden Einblendungen erfährt der Spieler dann doch noch, wie er sich durch die Welt bewegen kann. Sein Alter-Ego Enoch lernt nach und nach zahlreiche neue Fähigkeiten und Waffenstile, die ihm im Kampf behilflich sind. Der Einstieg ist einfach. Bereits mit simplen Kombinationen der vier Controllerbuttons lassen sich erste Erfolgserlebnisse erzielen, im weiteren Verlauf steigt der Anspruch der Kämpfe stetig an und macht Fingerfertigkeit und Taktik erforderlich. Fortgeschrittene Spieler können sich also des Mottos „Einfach zu lernen, schwierig zu meistern“ erfreuen. Weniger versierte Spieler lässt „El Shaddai“ dann mitunter frustriert zurück, zumal ein nachträgliches Herabsetzen des Schwierigkeitsgrades nicht möglich ist. Immerhin gibt es zahlreiche und fair verteilte Speicherpunkte.
Allgemein sind die gänzlich unblutigen Kämpfe aber eher simpel und vorhersehbar gehalten. Im Vergleich zu bekannten Serien wie „God of War“ [LINK zu God of War] oder „Devil May Cry“ wirken Sie anspruchslos und zu statisch und ziehen letztlich auch das Spieltempo in Mitleidenschaft.
Neben den Gefechten stellen die meist in 2D gehaltenen Jump & Run-Passagen die andere Hälfte „El Shaddais“ dar. Wie schon bei den Kämpfen ist auch hier eine simple Spielmechanik zu beobachten. Komplexe Kletterpassagen und millimetergenaue Plattformhüpfereien bleiben meist außen vor.
Die eigentliche Stärke und Motivationsquelle „El Shaddais“ liegt also weniger in der Spielmechanik als in der Präsentation. Aber eins nach dem anderen.

Bibelstunde
Wenn es eben nicht die Spielmechanik ist, bleibt ja auch noch zum Beispiel die Geschichte als motivationsförderndes Element. Sehr frei angelehnt an die Schriftrollen vom Toten Meer und das äthiopische Henochbuch erzählt „El Shaddai“ aber eine Geschichte nicht gerade biblischen Ausmaßes. Diese wird in den ersten paar Minuten während des Intros komplett erzählt, das Ziel wird gesetzt und der Spieler auf Reise geschickt. Die Story bleibt nur Zierde. Sie unterstreicht den Charakter und die Atmosphäre des Spiels, kann jedoch nur gering zur Motivation beitragen und wurde von den Testern eher belächelt. Und lernen wird man aus all der Geschichtsverrenkung freilich nichts; „El Shaddai“ hegt den Bildungsanspruch eines Privatsenders gegen Mittag. Wiewohl: Niveauvoller unterhalten – und vor allem stylischer - wird man sicherlich bei Ersterem.

Itten, Goethe, El Shaddai
(alternativ: Das kleine Einmaleins der Farbenlehre)

Denn der eigentliche Reiz „El Shaddais“ liegt klar in der Präsentation. Und wer lernen will, der findet hier seinen Meister in Sachen Form- und Farbgebung. Es überschüttet den Spieler geradezu mit herausragenden visuellen Eindrücken, ohne aber wie manch anderes japanische Spiel zur Reizüberflutung zu neigen. Mal durchstreift man eine weiche Aquarelllandschaft, mal einen abstrakten Cyberspace. Hier die klaren Kanten und Kontraste des Bauhausstils, da ein psychedelisch waberndes, amorphes Etwas. Vergleichen lässt sich der grafische Stil höchstens mit dem einer Kreuzung aus bereits erwähnten „Okami“ und dem Cyberspace-Rail-Shooter „Rez“.
Die Choreographie Enochs und seiner Widersacher fügt sich wunderbar in das Gesamtbild ein. Je nach Waffentyp tänzelt der Protagonist filigran über den Boden und durch die Luft oder stampft mit schwerem Schild ausgestattet wie ein Berserker durch die Gegnerreihen. Das Zusehen allein würde eigentlich schon reichen.
Stimmig untermalt wird die Optik durch einen ihr ebenbürtigen Soundtrack, der sakrale Choräle, Ambient und Techno zu einem harmonischen Ganzen vereint.
Optik und Akustik waren für die Tester demnach auch eindeutig die großen Pluspunkte und konnten die oben angeführten Kritikpunkte nahezu vergessen machen. Auch hier gibt es jedoch Schattenseiten. „El Shaddai“ erkauft sich die hübsche Grafik in den 3D-Welten durch eine feste Kameraeinstellung. So geht mitunter die Übersicht verloren und die Steuerung der Spielfigur wird erschwert.

Fazit:
„El Shaddai“ polarisiert. Bildgewaltig und atmosphärisch, aber auch repetitiv und sperrig und spielmechanisch anspruchslos. Wie auch „Okami“ oder „Shadow of the Colossus“ – zwei Brüder im Geiste – versprüht es reichlich Charme, bricht aber auch zum Unwohl so manchen Spielers mit einigen Konventionen, vor allem hinsichtlich Bildsprache, Story und Spieltempo. Zwar zielt „El Shaddai“ eher auf erwachsene Spieler ab, das fantasievolle Spektakel kann aber durchaus auch jüngere Spieler ab 12 Jahren für sich gewinnen. Dann aber besser in Begleitung Älterer, denn die optischen Reize könnten die Jüngeren auch überfordern. Aber egal welchen Alters man ist: „El Shaddai“ polarisiert.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass