Micky Epic

Genre
Jump&Run
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Atmosphärische Welt von Disney und Micky Maus
Gruppenleiter
Niko Boßmann
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Ein Nagetier mit Pinsel, das sich aufmacht, die Welt zu retten und dabei hauptsächlich auf einen Farbpinsel zurückgreift. Allzu spannend klingt das auf dem ersten Blick nicht. Allerdings verbirgt sich viel mehr hinter diesem Satz, als man es anfangs mit leichter Skepsis noch vermuten mag: bei dem Nagetier handelt es sich nämlich um Micky Maus, eine – wenn nicht sogar DIE –Kult-Zeichentrickfigur. Mickey Epic zeigt, dass die Maus mit der roten Hose und den markanten Ohren noch lange keinen – um im Bild zu bleiben – neuen Anstrich benötigt.
Der Spieler macht sich mit ihr auf, die Welt vor dem Einfluss des Bösen zu retten. Was klingt wie eine die Mission eines edlen Retters ist in Wirklichkeit der Versuch, angerichtetes Unheil wieder in Ordnung zu bringen. Schließlich war es Micky selbst, der versehentlich das Böse in Form seines Erzfeindes, dem Schwarzen Phantom, geschaffen hat. Der Plan des Phantoms ist ebenso böse wie effizient: es will Schritt für Schritt die Disney-Landschaft auslöschen und Tristesse verbreiten. Erstes Opfer ist Oswald, gewissermaßen der Vorgänger von Micky. Micky taucht ein in das Wasteland (das man sich als eine Art verkommenes Disneyland vorstellen kann), dem deutlich der Einfluss des Phantoms anzumerken ist, und macht sich mit Farbe und Pinsel an die Arbeit, um das Andenken seiner Disney-Kameraden zu wahren.
Der Spieler hat neben Farbe auch Terpentin dabei. Mit diesen beiden Utensilien lässt sich die Umgebung verändern, indem Brücken angemalt und somit begehbar gemacht oder aber Hindernisse mit Terpentin bespritzt und somit aus dem Weg geräumt werden. Besonders interessant ist aber auch der Einsatz der eben genannten Mittel in den Kampfsituationen mit Comic-Gegnern. Als Alternative zu gefährlichen Nahkampfeinsätzen mit den Fieslingen kann Micky sich seiner Gegner auch aus der Ferne mit dem Pinsel erledigen oder aber zumindest betäuben.
Nett ergänzt wird das Hauptspiel durch kurze Minispiele, die es quasi als Belohnung für abgeschlossene Herausforderungen am Ende einzelner Spielsequenzen gibt. Der Spieler taucht ein in grau-weiß animierte Welten und übernimmt die Kontrolle über einen Disney-Charakter. Diese Sequenzen rufen dem Spieler die Anfänge des Disney-Imperiums zurück ins Gedächtnis und sorgen somit – wie zu Anfang des Spiels angekündigt – dafür, dass lange vergessene Welten gerettet werden. Im konkreten Fall heißt das nicht nur vor der Zerstörung vor dem Schwarzen Phantom sondern auch, in dem sie uns als Spieler wieder nahe gebracht werden. Die Minispiele sind liebevoll animiert und stellen eine sehr atmosphärische Abwechslung dar.

Pädagogische Beurteilung:
Mit dem Namen „Micky Maus“ verbindet man Unbeschwertheit und Leichtigkeit, kindliche Abenteuer und eine Menge bunter Farben. Wer diese Attribute auch beim Kauf von Micky Epic erwartet, der wird ziemlich überrascht werden. Der Spieler taucht ein in eine düstere, triste Welt – ein Wasteland (englisch für Einöde, Brachland). Präsentiert wird eine Micky Maus, die nicht nur die positiven und lustigen Seiten des Lebens verkörpert, sondern auch für Fehler steht – schließlich war es doch Micky, die das Phantom erst erschaffen und somit zur Bedrohung der Disney-Welt beigetragen hat.

Präzise Steuerung
Micky Epic wartet mit einer angenehm präzisen Steuerung auf. Das empfanden auch die Tester unserer Spielegruppe so. Angesprochen auf etwaige Schwierigkeiten beim Erlernen der Steuerung, waren sich alle einig, dass diese erheblich zum Spielspaß beiträgt, weil „sie leicht von der Hand geht“. Das heißt konkret: die Steuerung ist so selbsterklärend (sie wird natürlich trotzdem in einer Einführungssequenz erklärt), dass sie schnell in Fleisch und Blut übergeht.

Ordentliche Kameraführung
In Hinsicht auf die Steuerung des Spielcharakters ist auch immer die Kameraführung von entscheidender Bedeutung. Ungünstige Kameraperspektiven rücken selbst eine simple Steuerung schnell in ein schlechtes Licht, wenn sie die Handlungen verdeckt, dass der Spieler das Gefühl für den Raum, in dem er sich bewegt, verliert. Micky Epic schafft es manchmal nicht, dem Spieler in dieser Hinsicht gute Perspektiven zu gewähren. Vereinzelt gab es Probleme, allerdings trübten diese den Spielspaß bei den Testern kaum.

Ständig neue Aufgaben und Welten halten den Spielspaß aufrecht
Wer in die Rolle von Micky Maus schlüpft, den erwartet kein linear verlaufendes, eintöniges Spiel. Vielmehr schaffen die wechselnden Aufgaben sowie die verschiedenen Kulissen und Gegner reichlich Abwechslung. Auch die eben schon angesprochenen Minispiele sorgen für zusätzliche Ablenkung. Das Spiel ist insgesamt so abwechslungsreich, dass diese enorme Vielfalt einen wesentlichen Teil der Anziehungskraft des Spiels ausmache, so die Tester.

Wahnsinnige Atmosphäre
Ein äußerst gut gelungener Aspekt geht im allgemein positiven Tenor fast unter: sehr gut aufgenommen wurde bei den Testern der Testgruppe vor allem auch die Atmosphäre. „Die Stimmung in dem Spiel ist super. Man hat das Gefühl, selber dabei zu sein. Besonders toll ist, dass die Farben je nach Stimmung angepasst werden. Das Gruselkino war z.B. gruselig grün.“(Tester, 12). Das Spiel setzt auch sonst die Disney-Welt liebevoll im Comic-Stil um, was natürlich auch wesentlich zur gerade erwähnten Atmosphäre beiträgt. Die Charaktere sowie die Umgebungen werden detailliert dargestellt: „Das sieht wirklich super aus.“(Tester, 12). Auch die Hintergrundmusik trägt positiv zum Gesamtbild bei. Den Machern von Micky Epic ist ein atmosphärisch intensives, reizvolles Spiel gelungen.

Verwirrung durch viele Möglichkeiten
Die positiven Seiten des Spiels wurden schon hinlänglich beschrieben, negativ fiel den Testern lediglich auf, dass der Schwierigkeitsgrad bei Aufgaben teilweise doch erheblich variierte. Manche Aufgaben waren im Handumdrehen gelöst, an anderen bissen sich die Tester sprichwörtlich die Zähne aus. „Es gibt Phasen, die sind schwerer als andere. Teilweise weiß man nicht, was man machen muss, teilweise ist es aber auch einfach sehr schwer.“ (Tester, 12) Festzuhalten bleibt aber auch, dass die Speicherpunkte stets fair gewählt sind, so dass kaum Frustration aufkommt, weil man oftmals lange Spielabschnitte ständig wiederholen muss.

Die Moral von der Geschicht´
Im Unterschied zu vielen Comic-Spielen beinhaltet „Micky Epic“ ein ausgeklügeltes Moral-System, je nach Art der Interaktion mit der Spielwelt und den Figuren. Bei den Kämpfen kann er entweder die Kontrahenten betäuben, sogar stellenweise befrieden oder sie zerstören. Je nach Vorgehen sammelt er „gute“ oder „böse“ Moral-Punkte. Auch können die meisten Aufgaben (Quests) auf 2 unterschiedliche Weisen gelöst werden: Der Einsatz von Farbe bei einer Problemlösung macht die Welt bunt und Micky erhält „gute“ Punkte, während das Sprühen des Verdünners die Welt trist erscheinen lässt und auch die Moral der Maus negativ verändert. Ein Beispiel hierzu: Micky wird von einer Figur gebeten, sein Haus zu streichen. Hier kann er dem Wunsch nachkommen oder einen Kran mit Verdünner besprühen, woraufhin eine Kiste herunterfällt und sein Gegenüber tötet.
Abhängig davon, welche Aufgaben er wie löst und auf welche Art er die Gegner besiegt, verändert sich die Spielwelt nachhaltig. Z. B. unterscheitet sich das Verhalten anderer Spielfiguren ihm gegenüber. Je nach eingeschlagenem Weg, fürchten sie sich vor Micky oder jubeln ihm respektvoll zu. So werden problematische Handlungen als solche erkennbar und entsprechend sanktioniert. Die comichafte Gestaltung der Welt unterstreicht hierbei den fiktionalen Charakter deutlich.
Das moralische System fanden die Tester aus 2 Gründen reizvoll:
Zum einen trägt dies zur Langzeitmotivation bei und lädt zum erneuten Spielen unter veränderten Vorzeichen ein, zum anderen war es für die Tester faszinieren, mit sichtbar nachhaltigen Entscheidungen konfrontiert zu werden und sich spielerisch mit moralisch „guten“ und „bösen“ Handlungen auseinandersetzen und darüber diskutieren zu können.

Fazit:
Micky Epic ist ein fantasievoller Jump&Run-Titel. Der Spieler hat die Möglichkeit, in eine wahnsinnig atmosphärische Umwelt einzutauchen und sich zum Disney-Helden aufzuschwingen. Selbst Tester, die anfangs Vorbehalte gegenüber einem Disney-Spiel hatten, waren schnell von dem Spiel gefesselt. Die intuitive Steuerung ermöglichte selbst Anfängern einen unkomplizierten Spaß. Ein besonderer Reiz sind die Minispiele, derer es einige zu bewältigen gibt. Kinder ab 10 Jahren können durchaus viel Spaß mit Micky Maus und seinen Abenteuern haben und trotz moralisch problematischer Handlungen wirken diese dank bekannter, fiktionaler Welt i.d.R. wenig bedrohlich. Viele der Anspielungen auf Medieninhalte können allerdings erst von älteren Spielern ab 12 Jahren verstanden werden.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Porz
Köln
Bewertung Spielspass