Mystery Case Files - Der Fall Malgrave

Genre
Denken / Geschick
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2011.09
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Hinweis(e)
Englischkenntnisse von Vorteil
Kurzbewertung
Wenig abwechslungsreiches, jedoch atmosphärisch dichtes Wimmelbildspiel
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Sukzessive hat sich die „Mystery Case Files“-Reihe seit etwas über sechs Jahren eine eigene, nicht zu vernachlässigende Fanbasis geschaffen. Die ersten Ableger erschienen noch ausschließlich für den PC. Nun wirft Nintendo in Zusammenarbeit mit den Entwicklern aus dem Hause Big Fish Games, zwei Jahre nach einer recht erfolgreichen Nintendo DS - Adaption, mit dem „Fall Malgrave“ einen Ableger für die Wii auf den Markt.

Die Insel Malgrave war mit seinen heilenden Quellen vor geraumer Zeit ein Touristenmagnet. Mittlerweile zeugen lediglich verlassene, etwas heruntergekommene Läden und Häuser vom einstigen Inselparadies. Der gleichnamige Besitzer der Insel, Professor Winston Malgrave, ist auf der Suche nach einem bestimmten Inselstaub. Dieser Staub ist die wichtigste Zutat für seinen eigens kreierten Heiltrank, mit dem er seine innig geliebte Frau Sarah retten will. In seiner Not wendet sich Professor Malgrave an die „Mystery Case Files“-Detektei, ihn bei der Suche nach dem pinkfarbenen Staub zu unterstützen. Was genau seine Sarah eigentlich hat, was es genau mit diesem mysteriösen Staub auf sich hat und warum die Insel ‚leergefegt‘ ist, wird im Verlauf des Spiels mit der einen oder anderen überraschenden Wendung aufgeklärt.

Als Spieler schlüpft man nun also in die Rolle des namenlosen Detektivs und bewegt beziehungsweise klickt sich von ‚Indiz zu Indiz‘. Mal gilt es im Stile von klassischen Wimmelbildern zehn, teilweise extrem gut versteckte Gegenstände zu finden, mal gilt es logisch erschließbare Rätsel zu lösen. Hat man in einem Wimmelbild die entsprechenden Gegenstände gefunden, kann man eines davon in seiner Tasche mitnehmen. Die Auswahl des mitzunehmenden Gegenstandes erscheint dabei zunächst willkürlich. Jedes Einzelne wird jedoch für ein erfolgreiches Vorankommen mal früher, mal später benötigt. So stuft man beispielsweise eine Gartenharke zunächst als nutzlos ein, um dann später festzustellen, dass sie als Hebelersatz benötigt wird. Belohnt wird man nach erfolgreich gemeisterten Stationen meist mit Staub. Diesen Staub lässt man mit einem eigens dafür gebauten Apparat, welcher augenscheinlich eine Art Nachbildung der Wii-Remote darstellt, Winston Malgrave zukommen. Der Professor ist während des Spiels auch die einzige Kontaktperson, die sich mal zwischendurch und immer nach dem ‚Staubfang‘ meldet und nützliche Tipps und auch Hintergrundinformationen zur Insel preisgibt.

„Mystery Case Files - Der Fall Malgrave” bietet jeweils offline, neben dem ‚Abenteuermodus‘, einen mit bis zu vier Spielern wählbaren Mehrspielermodus. Bereits während des Abenteuers kann man sich für die jeweiligen Wimmelbilder von bis zu drei zusätzlichen Spielern Hilfe holen. Im Mehrspielerbereich tritt man hingegen mit bis zu vier Spielern gegeneinander an. Im ‚Klassikmodus‘ gilt es hier in einer bestimmten Zeit möglichst viele Gegenstände eines Wimmelbildes zu finden und auch der Modus ‚Heiße Kartoffel‘ arbeitet mit einem gewissen Zeitdruck. Hat man im Gewimmel einen Gegenstand gefunden, reicht man eine Art Bombe an den nächsten Spieler weiter. Je länger das Spiel dauert, desto höher ist dabei die Explosionsgefahr.

Pädagogische Beurteilung:
Point & Click
Die Steuerung von „Mystery Case Files - Der Fall Malgrave” ist schnell erlernt und „voll einfach“. Benötigt wird lediglich ein Wii-Remotecontroller, mit dem man auf den Bildschirm zeigt und durch Klicken diverser Tasten einige überschaubare Aktionen durchführt. So ist das Markieren bzw. das Anklicken der gesuchten Gegenstände bei den Wimmelbildern im Grunde die Hauptbeschäftigung während des Spiels. An und für sich wird hier der Versuch unternommen die allseits bekannte Point & Click Steuerung via Computermaus auf den Konsolensektor zu übertragen. Besonders durchdacht scheint dieser Versuch jedoch nicht zu sein. Der Remotecontroller ist nun mal, v.a. in Sachen Bewegungsgenauigkeit, keine Maus. „Hey, ich klick da doch drauf! Warum nimmt der das nicht an?“- es ist wirklich immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die bewegungssensitiven Steuerungsmöglichkeiten der Wii umgesetzt werden. Dabei ist „Der Fall Malgrave“ hinsichtlich seiner Steuerungswünsche nicht besonders anspruchsvoll, weder werden wilde Tastenkombinationen erwartet, noch auch nur ansatzweise schnelle Bewegungen. Einzig eine gewisse Grundpräzision sollte für ein möglichst störungsfreies Spielvergnügen geboten sein. Inwiefern diese Anforderung mittels herkömmlichem Remotecontroller erreicht werden kann, erscheint ohnehin fragwürdig und warf bei den Testern die Frage auf, warum die Entwickler nicht auf die ausgereiftere Motionplus-Steuerung gesetzt haben. Natürlich ist „Mystery Case Files“ dennoch spielbar, man muss sich jedoch des Öfteren darauf einstellen, dass man insbesondere beim Hauptmotiv des Spiels, den Wimmelbildern, in die Irre geführt wird. So hat man zwar das eine oder andere Mal den richtigen Gegenstand erspäht, geht jedoch nach mehreren Markierungsversuchen davon aus, dass man vielleicht doch daneben liegt. Spieler mit einer eher niedrigen Frustrationstoleranz verloren dadurch recht schnell die Geduld klickten „einfach wild drauf los“.

„Da hat man ja voll Angst“
Grafisch ist das Treiben auf der im Grunde stets nebligen Insel Malgrave aus herkömmlichen Blickwinkeln nur schwer zu bewerten, hat man es doch meist, wie bei Spielen ähnlicher Machart üblich, mit eher statischen Bildern zu tun. Diese sind zwar detailliert dargestellt, fordern jedoch selbst die Wii kaum heraus. Letztlich ist die grafische Darstellung laut Tester jedoch absolut zweckmäßig und trägt ihren Beitrag zur äußerst gelungenen Atmosphäre bei. Die Geräuschkulisse schafft für diese wiederum die richtige Basis. Eine teilweise sehr düstere, an Filmmusik von Psychothrillern erinnernde, musikalische Untermalung sorgt für eine stets dichte und mystisch anmutende Geräuschkulisse. Hier und da knarzende Ladenschilder, ein leise vernehmbares Pfeifen des Windes und eine ansonsten sehr ruhige Inselatmosphäre halten den Spannungsbogen auf einem durchaus spürbaren Level. In unserer Testergruppe zumindest folgte man dem eigentlich wenig abwechslungsreichen Treiben auf dem Bildschirm wie gebannt und hatte manchmal „voll Schiß“. Einziges hörbares Manko ist die nur mit deutschen Untertiteln verfolgbare englische Sprachausgabe. Um die Geschichte des Spiels auch nur ansatzweise nachzuvollziehen, sind dadurch Lesekenntnisse unabdingbar. Diese Tatsache im Zusammenspiel mit der düsteren Atmosphäre sorgte in unserer Testergruppe letztlich dafür, dass Spiel ab acht Jahren als ‚spielbar‘ anzusehen.

„Yeah, wir können wieder suchen“ vs. „Nein, wir suchen schon wieder“
Der erste Gehversuch der „Mystery Case Files“-Reihe auf der Wii hinterließ beim Test gemischte Gefühle. Positiv angenommen wurde generell die erzeugte, durchaus spannende Atmosphäre und zumindest anfangs das Hauptmotiv des Spiels, sprich die Wimmelbilder. Die stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Tücken hinsichtlich der Steuerungsgenauigkeit, sowie das wenig abwechslungsreiche Spielprinzip hingegen sorgten für einigen Unmut. Festhalten muss man, dass „Der Fall Malgrave“ einige sehr gute Ansätze zeigt und die Hoffnung weckt, dass vielleicht auch in nicht allzu ferner Zukunft ein Point & Click-Adventure à la "Professor Layton" (Test von Professor Layton) für die Wii erscheint. Leider kommt das Spiel jedoch über diese Ansätze nicht heraus. Natürlich machen die Wimmelbilder, vor allem in der Gruppe, zunächst unglaublichen Spaß. Wenn sich jedoch das gesamte Spielprinzip im Grunde darauf beschränkt, wird aus Kurzweil recht schnell Langeweile. Die zwischendurch gebotenen Puzzle- bzw. Logikrätsel gehen im ‚Wimmelwahn‘ dann auch leider recht schnell unter, so dass der Eindruck entsteht, dass man sich die Rahmenhandlung um die Suchaktionen samt Rätsel auch einfach hätte sparen können. Lässt man sich dennoch auf das Spielprinzip ein, wird man sich letztlich am alles andere als üppig ausgefallenen Spieleumfang reiben. Selbst Einsteiger werden wohl für alle Aufgaben kaum mehr als fünf bis sechs Stunden benötigen. Die Frage, ob man das Spiel vielleicht ein zweites Mal durchforsten würde, erscheint bei den genannten Kritikpunkten und den in unserer Testergruppen bereits nach gut einer Stunde getätigten Äußerungen - „Oh, nein, nicht schon wieder!“ - eher unwahrscheinlich.

Fazit:
„Mystery Case Files - Der Fall Malgrave” ist ein düsteres, atmosphärisches dichtes Point & Click-Adventure, welches nur bedingt in Schwung kommt. Die Fokussierung des Spiels auf Suchaktionen im Wimmelbild-Stil sorgt nur für kurz anhaltenden Spielspaß, der zudem durch teilweise schlampige Bewegungserfassung ohnehin eingeschränkt ist. Selbst wenn einen das wenig abwechslungsreiche Spielprinzip in den Bann ziehen sollte, sind dem Spielspaß durch einen eher mager ausgefallenen Spieleumfang Grenzen gesetzt.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass