Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco Games
Erscheinungsjahr
2013.02
Systeme
Playstation 3
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Spielbarer, fantasiereicher Animationsfilm
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Wenn zwei bekannte Produzententeams gemeinsam ein Spiel entwickeln, dann werden die Kenner aus unserer Spieletestergruppe neugierig. Im Falle von diesem 3D-Rollenspiel handelt es sich um das japanische Disney-Pendant „Studio Ghibli", die sich bislang ausschließlich Anime-Filmen wie „Prinzessin Mononoke" (Video auf Youtube) oder „Chihiros Reise ins Zauberland" widmeten. Und zum anderen „Level 5" - die Macher von „Professor Layton" (Test von Professor Layton).
Die märchengleiche Geschichte handelt von Verlust, Heldentum, Erwachsenwerden, Mut, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Hauptperson Oliver ist ein ganz normaler, abenteuerlustiger Junge, der in einer idyllischen Kleinstadt lebt. Zu Beginn stirbt seine Mutter an einem Herzleiden und er fühlt sich schuldig. Als eine Träne der Trauer auf Olivers Stofftier kullert, erwacht dieses zum Leben, stellt sich als Feenfürst Tröpfchen vor und bittet den Jungen um Hilfe. Seine Heimat „Ni no Kuni" (übersetzt: andere Welt), wurde von einem bösen Djinn unterjocht. Hier hat jedes Lebewesen einen Seelenverwandten – auch seine Mutter. Hilfsbereit und getrieben von der Hoffnung, die geliebte Mutter wieder zum Leben erwecken zu können, macht sich Oliver auf eine fantasievolle Reise in die abenteuerliche Fantasywelt. Dort wollen die beiden nicht nur den fiesen Djinn besiegen, sondern auch den Fluch der Weißen Königin brechen, der immer mehr Bewohner des fantastischen Königreichs in willenlose Schatten ihrer Selbst verwandelt. Fortan werden zahlreiche Gespräche geführt, Rätsel gelöst, Höhlen, Wälder, Städte und Wüsten erkundet. Und vor allem gekämpft und gezaubert.

Pädagogische Beurteilung:
„Ein spielbarer Anime-Film"
Dieses Zitat eines jugendlichen Spieletesters beschreibt am besten, um was es sich bei diesem 3D-Rollenspiel handelt. Ni no Kuni lädt durch einen langsamen und bedächtigen Erzählstil ein, die farbenfrohe und detailreiche Welt zu erkunden. Saftig grüne Wiesen, goldgelbe Wüstengebiete, belebte Städtchen, herbstlich-bunte Waldgebiete mit Wasserfällen – diese Abwechslung faszinierte die Tester. Die Bewohner beider Welten sind ebenfalls ansprechend animiert und wirken nicht wie reine Statisten. Mal handelt es sich um Menschen, mal um Katzenwesen, mal sind sie witzig, mal ernst oder traurig.
Die Musik, komponiert von einem bekannten Orchester, wirkte auf die Jugendlichen wie der Soundtrack zu einem Film. Die Melodien seien einprägsam und verstärken das jeweilige emotionale Geschehen auf dem Bildschirm auf gelungene Weise – so ihr Urteil. Bei der Vertonung der Dialoge sahen die Jugendlichen allerdings auch Schwächen. Diese erfolgt ausschließlich in Zwischensequenzen. Ansonsten gilt es die Handlung in Textfeldern nachzuvollziehen, was eine gewisse Lesebereitschaft und Geduld voraussetzt. Gerade weil „Nin no Kuni" ansonsten wie ein spielbarer Animationsfilm wirkt, der Emotionen in großem Stil thematisiert, konnten die Jugendlichen diesen antiquierten Erzählstil nicht nachvollziehen. „Da geht einiges an Atmosphäre flöten".

Das Abenteuer der großen Gefühle
Die Handlung wird in anime-typischen Zwischensequenzen erzählt. Nicht selten wird hier versucht, durch eine emotionale Erzählweise auf die Tränendrüse des Spielers zu drücken. Trotz gefahrvoller Themen wie die Schreckensherrschaft, böse Mächten, und Tod, verbleibt die Geschichte überwiegend in der kindlich-naiven Lebenswelt eines ganz normalen Jungen und wirkt nur selten bedrohlich oder martialisch. Fans von westlichen Rollenspielen war dies stellenweise zu kitschig, während Liebhaber der japanischen Kultur voll auf ihre Kosten kamen.
Schaut man sich die Themen der Geschichte genauer an, so finden sich hier viele reale Problemstellungen, Träume und Sorgen wieder, mit denen sich Jugendliche auch im Alltag auseinandersetzen. Sich als ganz normaler Junge seinen Ängsten stellen und Verantwortung übernehmen zu müssen, ein fantastisches Abenteuer zu erleben, stets mächtiger zu werden und schließlich die ganze Welt vor dem Bösen zu bewahren – dies fanden die Jungs und Mädels aus der Spieletestergruppe ausnahmslos spannend.

Aller Anfang ist leicht
Das Spiel präsentiert sich besonders einsteigerfreundlich. Jede neue Handlungsmöglichkeit wird von dem sarkastischen Helfer Tröpfchen kleinschrittig und ausführlich erklärt und kann unter Anleitung erprobt werden. Informationen zu Steuerung, Zaubern, Bösewichten, Gegenständen und Spielwelt können im Menü nachvollzogen werden. Auch die Kämpfe sind anfänglich selbsterklärend und selbst Genre-Neulinge scheiterten fast nie. Falls doch, konnten sie sich durch virtuelle Währung wieder in die Spielwelt „zurückkaufen", den Schwierigkeitsgrad verringern oder einen Speicherstand laden.
Des einen Freud, des anderen Leid: Genre-Profis waren durch diese Gefahrlosigkeit in den ersten Stunden sichtlich unterfordert. Gerade weil sich die Spielmechanik nicht sonderlich von anderen japanischen Rollenspielen unterscheidet. Sie wurden erst neugieriger, als neue und einzigartige Elemente hinzukamen, sich die Fantasiewelt weiter entfaltete und das Spiel zunehmend komplexer wurde. So schaffen die Entwickler letztendlich den schwierigen Spagat: Das Spiel war nicht zu kindisch für Ältere und nicht zu fordernd für Jüngere.

Vom Säbelrasseln und Feuerbälle werfen
Während seiner Abenteuer begegnet Oliver zahlreichen Widersachern. Diese Fabelwesen sind comichaft, überwiegend knuddelig, wenig bedrohlich dargestellt und konnten von den 12-jährigen im Spieletest problemlos als fiktiv eingeordnet werden. Während des Kampfes gegen diese Schlangen, fliegenden Lampenschirme, Ballons, Stofftiere & Co. kann sich Oliver frei im Kampf-Areal bewegen, angreifen, Zauber wirken und Gegenstände nutzen. Der Einsatz von Fähigkeiten kostet allerdings Zeit, weshalb er vorausschauend und taktisch klug geplant werden sollte. Genretypisch gibt es auch mächtige und bedrohliche Endgegner, bei denen der Spieler den Gegner beobachten, die Schwachstelle herausfinden und eine passende Taktik entwickeln muss, um erfolgreich zu sein.
Auf sich allein gestellt ist Oliver dabei nicht: Schon bald gesellen sich Begleiter, die ihm Schlag- und tatkräftig beiseite stehen und ebenfalls vom Spieler kontrolliert werden können. Diese füllen bestimmte Rollen, wie Kämpfer oder Heiler aus. Als störend wurde die künstliche Intelligenz der automatisch gesteuerten Figuren beschrieben: „Die machen größtenteils nur Quatsch, wenn man ihnen keine Befehle erteilt". Dass sich die Kampfsituationen oft unübersichtlich und hektisch gestalten, wurde ebenfalls kritisiert.

„Manchmal wie Pokemon"
Im Handlungsverlauf gilt es niedliche Wesen, so genannte „Vertraute" zu sammeln und zu trainieren. Jeder Begleiter führt 3 von ihnen mit und setzt sie im Kampf ein. Der Spieler kann „Leckerlis" an die drolligen Hosentaschen-Viecher verfüttern und so eine Verwandlung zu einer mächtigeren Kreatur herbeiführen. Weiterhin lassen sich in einem magischen Kessel eigene Gegenstände oder Heilmittel herstellen. Bei der Entwicklung von Rezepten wird die Experimentierfreudigkeit des Spielers gefordert.

Die Faszination der Macht
Genretypisch gibt es für Erfolge Erfahrungspunkte, mit denen wiederum neue Fähigkeiten oder Zauber trainiert werden können. Die Spielfigur durch neue Kleidung und Fähigkeiten auszugestalten und hierdurch mit Leichtigkeit vormals übermächtige Bösewichte zu besiegen, machte dieses Abenteuer für die Jugendlichen reizvoll und spannend. Sehr zu ihrer Freude konnten sie irgendwann sogar das Meer befahren und auf einem Drachen fliegend die Spielwelt erkunden.

Für Abwechslung ist gesorgt
Abseits der Haupthandlung gibt es auch noch einiges zu erleben. Neben Rätseln, Monsterjagden sowie Hol- und Bring-Diensten verdingt sich Oliver als „Stimmungsaufheller". Durch den namensgebenden Fluch der weißen Königin leiden viele Bewohner der Parallelwelt unter gebrochenem Herzen. Ihnen fehlen wichtige Charaktereigenschaften wie z.B. Enthusiasmus oder Mut. Diesen Missstand kann Oliver beheben, indem er das jeweils fehlende Attribut bei jemandem abzwackt, der es im Überfluss besitzt. Auch hierbei kommen wieder die handlungsleitenden Themen wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe zum Ausdruck.

Fazit:
Das emotionale, ansprechend bunte und detailreich gestaltete 3D-Rollenspiel im japanischen Anime-Stil erzählt eine abenteuerliche und fantasiereiche Geschichte von einem normalen Jungen, der schließlich die Welt rettet. Thematisiert werden Verlust, Hoffnung, Heldentum, Erwachsenwerden, Freundschaft Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Genretypisch gilt es Gespräche zu führen, Rätsel zu lösen, Höhlen, Wälder, Städte und Wüsten zu erkunden und Kämpfe zu bestreiten. Durch das deutliche Fantasy-Setting und der fiktiven Figuren wirkte das Spiel auf 12-jährige nicht bedrohlich und konnte als Fiktion eingeordnet werden.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass