Dota 2

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Valve
Erscheinungsjahr
2013.07
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Taktisches Teamplay wird gefordert
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Defense of the Ancients (kurz: Dota) ist ein jugendkulturelles Massenphänomen und wurde ursprünglich als kostenlose Fan-Entwicklung (Mod) des Strategiespiels „Warcraft 3" angeboten (weitere Informationen zur Historie).
Inzwischen gibt es zahlreiche Nachahmer wie z.B. „League of Legends"  mit 80 Millionen Spielern weltweit. Nun ist die langerwartete Fortsetzung erschienen, die nach einer Anmeldung kostenlos heruntergeladen und gespielt werden kann.
Einst wie heute ist das Spielprinzip leicht zu verstehen, jedoch schwer zu meistern: Der Spieler wählt zunächst einen Helden aus, dessen Fähigkeiten die Spielweise und die taktische Ausrichtung bestimmen. Anschließend entscheidet er sich für eine der beiden konkurrierenden Fraktionen (Radiant vs. Dire) und betritt als Teil einer fünfköpfigen Gruppe das Spiel.
Hier blickt er aus der Vogelperspektive auf eine symmetrische und comichaft gestaltete Karte, an deren Enden sich die beiden Hauptgebäufe („Ancients") befinden. Diese sind durch 3 verschiedene Wege („Lanes") miteinander verbunden und werden durch mächtige Verteidigungstürme geschützt. Aus beiden Basen strömen kontinuierlich computergesteuerte Wesen („Creeps") in die Richtung der gegnerischen Befestigungen und greifen nahegelegene Gegner an. Ohne Einwirken des Spielers herrscht ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Ziel ist es nun, die heranströmenden Creeps zu besiegen, die Verteidigungstürme nach und nach zu überwinden und schließlich den gegnerischen Nexus zu zerstören. Spielentscheidend ist die taktische Ausrichtung des Teams.

Pädagogische Beurteilung:
Aller Anfang ist leicht...
Die grundlegenden Regeln und die Bedienung sind simpel und konnten selbst von Anfängern schnell verstanden werden. In einem Tutorial absolvierten die unerfahrenen Tester der Gruppe einige Übungsspiele gegen computergesteuerte Gegner und fanden schnell heraus, dass es auf taktisch kluges und zeitkritisches Agieren ankommt. So können die besonders mächtigen Spezialfähigkeiten erst nach einer bestimmten Pause (Abklingzeit) wieder eingesetzt werden, was den sparsamen und gezielten Einsatz zwingend erforderlich macht. Auch gibt es verzweigte Wege im Wald zu erkunden, wo besonders mächtige Gegner lauern.

..und dann kommt die Frustration
Hoch motiviert begaben sie sich dann in ein Gefecht mit realen Mitspielern. Und hier erlebten selbst Kenner des Vorgängers ihr blaues Wunder. Denn wie kein anderes Spiel fordert "Dota 2" ein hohes Maß an Spielverständnis, Kenntnisse über das jeweilige Spielgebiet, den gewählten Helden sowie dessen Fähigkeiten und Ausrüstung und letztlich eine Menge taktische Raffinesse. Dies sei laut Tester nur durch stundenlange Übung und ausgiebige Internet-Recherche erreichbar. Sich dieser Herausforderung zu stellen und danach merklich besser zu werden mache laut Genre-Profis den Reiz an solchen Spielen aus, dafür muss dann allerdings auch viel freie Zeit investiert werden, oftmals unverständlich für Erwachsene Beobachter.

Ausgestaltung des Helden
Wie in Rollenspielen üblich, verdient der Spieler durch Besiegen von gegnerischen Figuren und Verteidigungsanlagen Erfahrungspunkte und Gold. Ersteres kann in die Verbesserung der Fähigkeiten investiert werden, woraufhin der Held mächtiger wird. In einem Laden („Item Shop") können zudem Rüstungen und Waffen erstanden werden. Diese verbessern verschiedene Attribute, wie z.B. Stärke, Geschwindigkeit und Verteidigung des Helden.
Jede Spielsituation bedarf einer individuellen Helden-Taktik, weshalb die Tester diese Aspekte als eine „Wissenschaft für sich" bezeichneten. Es gibt hierzu unzählige Artikel und Videos im Internet, die vor einer Partie studiert werden müssen, um gegen geübte Gegner überhaupt den Hauch einer Chance haben zu können.

Absprache ist alles.
Das Spielprinzip ist auf Kooperation ausgelegt, was situative Absprachen zwischen den verbündeten Spielern zwingend erforderlich macht.
Sie erfolgen entweder in Textform (Chat) oder als Sprache via Headset. Doch gerade Anfänger fragten sich allzu oft: „Hä? Was will der von mir?" Kein Wunder, gibt es doch für viele Gegenstände, Helden, deren Fähigkeiten sowie Manöver spielinterne Begriffe oder Abkürzungen, die es zu verinnerlichen gilt. Einmal verstanden macht dieses Zusammenwirken einen Großteil der Faszination aus. Vor allem, wenn das schnelle taktische Umdenken gelingt und sich die Spieler untereinander verstehen und fair behandeln.

Verbindlichkeit
Ähnlich wie bei einer Fußballpartie gehen Spieler auch hier eine gewisse Verpflichtung ein. Schließlich opfert jeder Beteiligte seine Zeit, was in der heutigen knapp kalkulierten Freizeit Jugendlicher durchaus als ein hohes Gut anzusehen ist. Deshalb war es für die jugendlichen Tester „Ehrensache", eine begonnene Partie stets verantwortungsbewusst zu Ende zu führen, selbst wenn eine Niederlage drohte. „Man will ja die andern nicht einfach im Regen stehen lassen".
Solche spontanen Unterbrechungen werden auch vom Hersteller drastisch bis hin zu einer Sperre sanktioniert, weshalb sich Spieler vor Beginn überlegen sollten, ob sie die geforderten ca. 30 Minuten störungsfrei aufbringen können. Auch Eltern sollten solche Spielmechaniken bei der Medienerziehung berücksichtigen und sich bei den Jugendlichen über die Zeitbedürfnisse informieren und mit ihnen Regeln vereinbaren.

(Jugend-)kulturelle Bedeutung
1 Millionen US-Dollar als Siegprämie für die Gewinner eines internationalen "Dota 2"-Turnieres machen deutlich, wie sehr Computerspiele mittlerweile ihr gesellschaftliches Nischendasein verlassen haben. Mit Sponsoren, Live-Übertragungen im Fernsehen, nationalen und internationalen Ligen, Teams und Trainern gibt es auch beim eSport Strukturen, die dem herkömmlichen Leistungssport ähnlich sind. Dass Jugendliche hierfür eine Faszination empfinden ist angesichts des komplexen und taktischen Spielgeschehens verständlich. Wie beim Fußball haben sie Idole, die sie für ihr Können bewundern, die sie im Internet verfolgen und mit denen sie sich identifizieren.
Dadurch, dass solche Spiele Thema im Freundeskreis sind, sich durch einen Wettbewerbscharakter und den Vergleich mit anderen kennzeichnen, können Jugendliche durchaus auch mehr spielen als ursprünglich vorgenommen oder vereinbart. Und erfahrungsgemäß fesseln solche Spiele auch über einen längeren Zeitraum. Es bietet sich durchaus an, diesen Trend in der pädagogischen Arbeit aufzugreifen – sei es bei einer LAN-Party oder in Spieletestergruppen. Solche Aktionen können einerseits Gesprächsöffner sein und außerdem Jugendliche anziehen, die durch herkömmliche Angebote nur schwer erreichbar sind.

Wirklich Kostenlos?
Das Spiel kann kostenlos heruntergeladen und gespielt werden. Eltern sollten wissen, dass Spieler dennoch Geld ausgeben können. So kosten optische Verschönerungen wie neue Umhänge, schickere Waffen u.v.m. kleine Beträge. Mit diesem sogenannten Micro-Payment (oder Kleinbetragzahlung) finanziert sich der Spieleanbieter. Neben der Zahlungsmöglichkeit per Kreditkarte können Käufe auch mit kostenpflichtigen Anrufen, per SMS oder Scratch-Karten (z.B. paysafe) durchgeführt werden. Anders als in anderen „Free-to-play"-Spielen entstehen durch diese Sonderzahlen keine unfairen Spielvorteile.

Aggression?
Trotz des kampfbetonten Szenarios konnten medienerfahrene Jugendliche ab 12 Jahren durch die distanzierte Ansicht aus der Vogelperspektive, der comichaften Gestaltung der Figuren und Spielwelt, sowie dem auf Taktik ausgelegte Spielprinzip das Geschehen i.d.R. als Fiktion erkennen. Aggression spielt hier durch einen ganz anderen Aspekt eine Rolle: Besonders in zufällig gebildeten Gruppen mit fremden Mitspielern fiel den Testern der recht rüde Umgangston innerhalb der Spielgemeinschaft auf, der gerade Neulingen bei Fehlern oder Missverständnissen entgegengebracht wurde. Erfolgsorientierte Spieler sehen die Partien weniger als Zeitvertreib an, sondern als Möglichkeit, Ansehen von den anderen Spielern zu bekommen. Die Anonymität im Internet lässt zudem Hemmschwellen sinken. Beschimpfungen gelten allerdings als Regelverstoß und können den Moderatoren gemeldet werden. Bei wiederholten verbalen Attacken kommt es zu Sanktionen.
Der Tipp unserer Tester: Zunächst mit befreundeten und erfahrenen Spielern die Feinheiten trainieren, bevor man sich einer fremden Gruppe anschließt!

Fazit:
Hier treten 5 Spielergruppen gegeneinander an und beweisen taktisches Geschick und schnelle Auffassungsgabe in einem auf Kampf ausgelegten Spielprinzip. Trotz stets gleicher Vorzeichen müssen sich Spieler situativ aufeinander einstellen, gemeinsam Taktiken entwickeln, woraus sich ein abwechslungsreiches und immer wieder spannendes Erlebnis ergibt. Das Spiel ist kostenlos, bietet allerdings auch Möglichkeiten, Echtgeld zu investieren. Auffallend ist auch der oft rüde Umgangston innerhalb der Spielergemeinschaft.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass