Of Orcs And Men

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
FOCUS Home Interactive
Erscheinungsjahr
2012.10
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Interessante, aber nicht überzeugend umgesetzte Geschichte
Gruppenleiter
Niko Boßmann
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen erfreut sich das Fantasy-Genre großer Beliebtheit, schließlich finden sie hier reizvolle Anregungen für ihre eigene Fantasie. Kein Wunder also, dass Fantasy-Geschichten in den letzten Jahren immer mehr Zugang zu Büchern, Filmen und auch Videospielen finden und einen mittlerweile einen gewissen Marktanteil ausmachen. Als Mutter vieler neuer Fantasyerzählungen kann sicherlich Tolkiens Werk „Der Herr der Ringe" angesehen werden. In diesem Epos kämpfen unter anderem Menschen, Zauberer, Zwerge und Elben gegen die Orks des bösen Herrschers. Diese verschiedenen Bevölkerungsgruppen finden sich daher in vielen anderen Werken wieder.

Anders sieht es im Fall von „Of Orcs And Men" aus Grundsätzlich treten die aus verschiedenen Erzählungen bekannten Gruppen auch in dem Spiel auf, die Rollenverteilung ist aber eine vollständig andere. Zwar würde man auch diesen grünen Riesen eher nicht nachts in einer schlecht beleuchteten Seitenstraße begegnen wollen, aber die Bösewichte sind ausnahmsweise mal die Menschen. In einem verheerenden Krieg hat der menschliche Imperator Damokles viele Orks und Goblins weit zurückgedrängt, konnte sie aber nicht entscheidend besiegen. Jedoch sind viele der kräftigen Orks zur Sklaverei verdammt, während die kleinen und schmächtigen Goblins geradezu ausgerottet wurden. Für die verbliebenen „Grünhäute" gibt es aber noch eine letzte Chance, den Frieden zwischen den Völkern wieder herzustellen: der Imperator, der für all das Übel verantwortlich ist, muss besiegt werden. Als ob diese Mission nicht schon schwer genug wäre, muss sie auch noch schnell ausgeführt werden, denn der Imperator trifft sich schon bald mit den Elfen und den Zwergen, um einen Pakt gegen die Orks und Goblins zu schmieden und deren Untergang damit zu besiegeln. In dieser Ausgangslage schlüpft der Spieler in die Rolle des Elite-Orks Arkail, der sich aufmacht, um die riskante Mission auszuführen. Schnell findet er Unterstützung im – ebenfalls steuerbaren – Goblin Styx. Während sich Arkail vornehmlich durch seine körperliche Stärke auszeichnet, setzt Styx mehr auf Raffinesse und Tarnung.

Pädagogische Beurteilung:
Die Welt einmal anders retten
Der Spieler muss hier für das Volk eintreten, dass in vielen anderen Spielen der Grund allen Übels ist. Dies kann unter Umständen eine lehrreiche Lektion sein, wenn sich Kinder und Jugendliche wirklich mit dem Spiel auseinandersetzen und nicht nur konsumieren. So kann nämlich die Erfahrung gemacht werden, dass eine Medaille immer zwei Seiten hat und auch in unserer Welt Kriege nicht immer nur einen Schuldigen haben, wie oft suggeriert wird.

Entscheidungsfreiheit
In Gesprächen hat der Spieler meist mehrere Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, die ein wenig den weiteren Spielverlauf bestimmen. Je nachdem, welche Aussage der Spieler seine Figur treffen lässt, verändert sich die Reaktion des Gegenübers. So findet der Spieler schneller Verbündete, macht sich aber auch leichter Feinde. Ebenso hat der Spieler Entscheidungsfreiheit bei der Entwicklung seiner Figur. Allerdings sind die Möglichkeiten, den Charakter individuell zu gestalten, im Vergleich zu vielen anderen Rollenspielen erheblich reduziert. Dadurch fehlt dem Spiel ein wenig der rollenspieltypische Charme.

Steuerung der ungleichen Zwei
Die Steuerung ist grundsätzlich einsteigerfreundlich. Die Handlungen können intuitiv ausgeführt werden und benötigen keine längeren Trainingssequenzen. Großes Manko – so empfanden es zumindest die Spieler in der Spieletester-AG - ist die Steuerung des Orks und des Goblins im Kampfmodus. Wird der Spieler angegriffen öffnet er ein Menü, in dem sich verschiedene Angriffs- und Verteidigungsbewegungen finden. Diese kann er auswählen und nacheinander ausführen lassen. Während das Menü geöffnet ist, verlangsamt sich das Kampfgeschehen erheblich, so dass der Spieler genügend Zeit für eine passende und richtige Auswahl hat. Allerdings wird hierdurch auch der Spielfluss unterbrochen, was für Irritationen geführt hat: „Ich finde das ist keine gute Sache. Ich fände es besser, wenn man Tastenkombinationen ausführen könnte. So muss ich ja eigentlich gar nichts machen" (Tester, 12 Jahre). In der Tat ist die taktische Komponente (d.h. die Auswahl der Bewegung) das entscheidende Moment.

Liebevoll gestaltete Grafik - detaillierte Figuren und aufwendig inszenierte Landschaften
Die grafische Darstellung der Charaktere und Landschaften ist den Machern insgesamt gut gelungen. Da die sonst typischen Rollenspielelemente in „Of Orcs And Men" nicht so ausgeprägt sind, ist dieser Aspekt sehr wichtig, um trotzdem in die Geschichte eintauchen zu können. Arkail und Styx sind sehr detailliert dargestellt, auch in den Landschaften finden sich zahlreiche Kleinigkeiten. Zusammen mit dem insgesamt überzeugenden Ton bietet das Visuelle also eine sehr atmosphärische Geschichte, die durchaus Faszinationspotential hat.

Gelungener Humor durch die beiden Protagonisten
Der Aspekt des Humors ist in dem Spiel wichtig, um sich besser mit den beiden Protagonisten identifizieren zu können und gegen den verachtenswerten Imperator antreten zu können. Arkail und Styx könnten wohl kaum verschiedener sein und das spiegelt sich auch in der Interaktion zwischen den beiden wieder. Nicht selten fallen spöttische Sprüche, die für den Spieler durchaus humoristischen Charakter haben. „Ich finde Styx und Arkail gut, weil die sehr lustig sind" (Tester, 12 Jahre).

Fehlender Mehrspielermodus – warum?
Ein erhebliches Versäumnis muss man den Entwicklern vorwerfen: der fehlende Mehrspielermodus. Die Geschichte der beiden Grünhäute, die zusammen auszogen, um das Ende ihrer Völker zu verhindern, ist geradezu prädestiniert für einen Mehrspielermodus. Warum dieser also vollständig außen vor geblieben ist, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Vor allem die doch sehr langweiligen Kampfsequenzen wären mit einem Mitspieler wahrscheinlich noch ein wenig interessanter gewesen, hätte man die Angriffe koordinieren können. So aber fehlt dieser Aspekt vollkommen, obwohl er einen Mehrwert für das Spiel bedeutet hätte, so die Tester.

Düsterer Spielhintergrund, brutale Handlungen
Das Töten stellt einen wesentlichen Aspekt des Spiels dar, ganze Scharen von Gegnern werden nicht gerade sanft ausradiert. Auch die Tatsache, dass das Spiel vor dem Hintergrund von Unterdrückung spielt, setzt ein Reflexionsvermögen voraus, das 12jährige allerdings in der Regel haben. Die Jugendlichen in der Testergruppe erkannten die ironische Brechung und empfanden den Rollentausch durch deutliche Ironie, Comic-Grafik und witzige Sprüche nicht bedrohlich oder gar verängstigend.

Fazit:
„Of Orcs And Men" ist ein eher untypisches Rollenspiel. Zum einen gibt es relativ wenige Möglichkeiten, die Spielcharaktere individuell zu gestalten. Zum anderen schlüpft der Spieler in die Rolle der – sonst eher als böse konnotierten Orks und Goblins – die in diesem Spiel aber von den Menschen unterdrückt werden. Hierdurch können Kinder unter Umständen die Erfahrung machen, dass auch Kriege immer von verschiedenen Seiten betrachtet werden müssen, unreflektiertes Konsumieren konfrontiert das Kind hingegen hauptsächlich mit comichaft dargestellter Gewalt. Allerdings kann das Spiel, wenn die Jugendlichen Spaß an Fantasy-Geschichten unter anderen Vorzeichen haben, durchaus Faszinationspotential bieten.

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Spieletester
Ü12 Porz
Köln
Bewertung Spielspass