MovieStar Planet

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
MovieStar Planet
Erscheinungsjahr
2012.04
Systeme
PC, Mac, iOS, Android
System im Test
Mac
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Klar auf Kinder abzielendes Online-Spiel mit starker sozialer Komponente & fragwürdigen Spielinhalten
Redaktion
Leonard Mühring
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3

Spielbeschreibung:
Reich und berühmt werden, diesen Traum hegen viele junge Mädchen. Der Popstar scheint die herkömmliche Disney-Prinzessin als Traum abgelöst zu haben.
Das Spiel „MovieStar Planet" will dem Spieler die Möglichkeit geben zumindest in der Spielwelt diesem Traum nachzugehen. Das Free-to-Play Browserspiel erfreut sich großer Beliebtheit unter Kindern und Jugendlichen.
Nach der Anmeldung kann der Spieler seinen eigenen Avatar, also sein digitales Pendant, erstellen. Mit diesem Avatar kann man nun in Chat-Räume gehen, um sich mit anderen Spielern auszutauschen. Der Austausch zwischen den Spielern und das Finden von neuen Kontakten soll dabei der Mittelpunkt des Spiels sein. Hierzu können sich die Spieler in verschiedenen virtuellen Räumen treffen und dort miteinander chatten. Durch Spiele, wie zum Beispiel einem Schönheitskontest, sammelt der Spieler Erfahrung und Geld um sich so neue Kleidung zu kaufen und in der Rangliste der besten Stars aufzusteigen.
Die comicartig gehaltene Welt ist optisch dabei besonders auf die Geschmäcker junger Mädchen ausgerichtet. Die farbliche Gestaltung ist dominiert von den Farben Rot, Rosa und Pink. Viele bunte Elemente wechseln sich mit Glitzereffekten ab.

Pädagogische Beurteilung:
Ein soziales Netzwerk für Mädchen
Die Faszination des Spiels liegt ganz klar im sozialen Bereich. Der Spieler kann beispielsweise mit seinem Avatar Freunde in deren virtuellen Wohnungen besuchen.
In jeder Spielsituation kann der Spieler zudem mit anderen Spielern interagieren. Anstößige Wörter werden hierbei von vorne herein geblockt.
Gleichzeitig kann der Spieler in der Welt von MovieStar Planet aber auch kreativ werden. Das Spiel erlaubt es, seinen Avatar mit neuer Kleidung und mit neuen Accessoires auszustatten, seine eigene Wohnung zu verschönern und zu dekorieren, kurze Filme zu drehen oder Artbooks zu erstellen.
Ein wichtiges Merkmal bei dieser kreativen Arbeit ist die Präsentation des Geschaffenen. Freunde sollen diese Inhalte nicht nur sehen, sondern auch bewerten. Ähnlich dem Like-Button auf Facebook, kann der Spieler überall in der Welt von MovieStar Planet einen "Love It"-Button drücken.
Durch dieses Prinzip von „sehen und gesehen werden", zusammen mit der sozialen Interaktion lockt MovieStar Planet den Spieler immer wieder zurück in die Glitzerwelt.
Etwas unangemessen fällt aber auf, dass der Avatar in der so genannten Schönheitsklinik mit neuen Augen-, Nasen- und Mundpartien ausgestattet werden kann. Der Bezug zur Realität ist hierbei stark vorhanden und kann zu einer ablehnenden Beziehung zum eigenen Körper werden. Ebenso kann dadurch vermittelt werden, dass der Wunsch seinem Idealbild von Körper nachzustreben, entgegen jedem gesundheitlichen und medizinischem Verständnis, möglich ist.
Die Grafik ist dabei allerdings eher zweckmäßig.

Ein VIP unter Moviestars
Die erwachsenenähnlichen Körperformen und kindlichen Gesichter wirken abstrakt und befremdlich, treffen aber den Nerv der Kinder, die ihren Vorbildern aus Hollywood nacheifern wollen.
Das Bild der Charaktere ist, gerade bei weiblichen Avataren, sehr stark sexualisiert. Neben den unnatürlichen Proportionen, mit extrem langen Beinen, einem sehr mageren Körper samt viel zu großem Kopf mit Kulleraugen, fällt besonders der Kleidungsstil auf. Hosen sind grundsätzlich hauteng, Röcke knapp und nicht wenige der Outfits zeigen den Avatar bauchfrei. Da alle Avatare im Spiel allerdings als Stars und damit als Vorbilder präsentiert werden und die Zielgruppe der Entwickler bei Kindern von acht bis fünfzehn Jahren liegt, ist das transportierte Frauenbild kritisch zu sehen.
Wie bei allen Free-to-Play Titeln ermöglicht auch MovieStar Planet das Zukaufen von Inhalten. Ärgerlich in diesem Spiel ist aber, dass der Spieler nur als Bezahlkunde alle Inhalte des Spiels nutzen kann. Man muss Inhaber eines so genannten "VIP"-Passes sein, der immerhin 55€ im Jahr kostet. Gerade dadurch entsteht im Spiel eine 2-Klassen-Gesellschaft, da Inhaber des VIP-Passes sich klar von den anderen Spielern durch exklusive Kleidung abheben können. Neben dem VIP-Pass enthält das Paket allerdings auch einige Diamanten und eine große Menge StarCoins.
StarCoins lassen sich allerdings auch durch das Bestreiten von Spielen verdienen. Verwenden kann man sie, indem man neue Kleidung, Accessoires etc. kauft.
Diamanten dienen im Endeffekt dem gleichen Zweck, aber einige besonders glitzernden Sachen lassen sich nur mit Diamanten kaufen.
Einzelne Diamanten lassen sich allerdings nicht kaufen. Es muss immer ein Paket samt VIP-Pass und StarCoins erworben werden. Das günstigste Paket kostet 3,99€ und bietet neben einem einwöchigen VIP-Zugang 1000 StarCoins und ganze 7 Diamanten.

Kaufen mit verschiedenen Bezahloptionen.
Bezahlen kann man im Spiel über mehrere Wege. Neben den üblichen Kreditkarten und einem Paypal-Account akzeptiert der Hersteller auch Paysafe-Karten.
Die ersten beiden Zahlungsmethoden erfordern in jedem Fall die elterliche Hilfe, da Kinder und Jugendliche in der Regel weder Kreditkarte, noch PayPal-Account besitzen.
Die Paysafe-Karten können die Jugendlichen hingegen in jedem Elektronikmarkt und auch schon vielen Tankstellen erstehen. Das Prinzip ähnelt den Prepaid-Karten bei Handys. Der Spieler geht in den Laden und kann sich ein Guthaben zwischen 5€ und 100€ kaufen. Per Code lässt sich dieses Guthaben dann bei Onlineeinkäufen einlösen. Mit diesem System können Kinder frühzeitig den Umgang mit ihrem Taschengeld lernen und können so, anders als bei der Zahlung per Kreditkarte, ein Gefühl für ihre Ausgaben entwickeln.
Anders als bei anderen Spielen dieser Art bieten die Entwickler auch eine spezielle Seite für Eltern an, die hilfreiche Informationen für Eltern bereithält, um Kindern zeigen zu können, wie man sich sicher in dem Spiel bewegt. Leider verpasst es der Hersteller aber das Bezahlsystem auf dieser Seite anzusprechen.

Fazit:
MovieStar Planet definiert seine Zielgruppe sehr klar. Kinder und Jugendliche, vornehmlich Mädchen, im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren, sollen sich in der Welt der Stars zu Hause fühlen. Gerade die Möglichkeit halbwegs sicher zu chatten ist ein Vorteil des Spiels. Die Vielfalt der kreativen Möglichkeiten sticht dabei besonders positiv hervor. Leider leistet sich das Spiel auch einige Dinge, die in einem Spiel für Kinder eher unangemessen sind. Gerade die Schönheitsklinik und die sexualisierte Darstellung der Avatare ist bedenklich.
Kinder unter 12 Jahren könnten Probleme haben mit einer derartigen Oberflächlichkeit umzugehen.
Eltern sollten sich aber in jedem Fall an die Ratschläge auf der Elternseite halten und zusätzlich mit ihren Kindern die Möglichkeiten des Bezahlsystems durchgehen.