Need for Speed: The Run

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2011.11
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Nintendo 3DS
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ordentlicher Ableger der beliebten Reihe, der nach dem Durchspielen kaum noch Abwechslung bietet
Gruppenleiter
Niko Boßmann
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Und täglich grüßt das Murmeltier." Dieser Spruch ist wohl zutreffend, will man die Rennspielserie "Need for Speed" beschreiben. Mit dem Titel "The Run" ist mittlerweile auf allen Konsolen zusammengezählt der 19te Teil der Reihe erschienen. Das Grundprinzip ist bei allen Teilen eigentlich immer mehr oder minder das Gleiche: Rennen gewinnen und coole Autos bewundern. Daran ändert sich auch in dem hier bewerteten Titel nichts, auch wenn es durchaus einige kleine Änderungen gibt: die grundlegendste vorweg - das Spiel hat eine Hintergrundgeschichte, die man auch wirklich so nennen kann. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Jack Rourke, der bei den falschen Leuten hohe Schulden hat und begleitet ihn auf seiner Reise quer durch die Vereinigten Staaten, auf die er sich begibt, um seine Schulden zu begleichen. Die Gangster meinen es leider nicht gut mit Jack, der dabei immer wieder unter Beschuss steht. Die verschiedenen Abschnitte des Rennens führen uns dabei durch nordamerikanische Wüstenlandschaften oder Bergregionen, aber auch durch reale und detaillreich nachempfundene Städte wie San Francisco, Las Vegas oder New York.

Pädagogische Beurteilung:
Handlungsschnelligkeit als Grundlage
Wie auch die meisten anderen Rennspiele stellt auch bei "Need for Speed: The Run" die Handlungsschnelligkeit die Grundlage für erfolgreiches Spielen dar. Der Spieler kommt häufig in Situationen, in denen er plötzlich um enge Kurven driften, plötzlich auftauchendem Gegenverkehr ausweichen oder heranrauschenden Gegnern den Weg versperren muss. Die Fähigkeit, schnell und präzise zu reagieren ist also ein absolutes Muss. Natürlich gehört aber auch die richtige Dosierung der Reaktion zum Erfolgsrezept. Reißt der Fahrer zu hart das Lenkrad herum, muss der Rennbolide erst wieder mühsam unter Kontrolle gebracht werden und der Spieler verliert wertvolle Zeit.

Gute Trainingsmöglichkeit für Hand - Auge - Koordination
Der Spieler muss die vielfältigen optischen Reize des Videospiels schnell erfassen, verarbeiten und entsprechend reagieren. Diese Fähigkeit ist nicht nur in Videospielen sehr wichtig, sondern beispielsweise auch im Sport. Verbessert werden kann sie insbesondere, wenn entsprechende Übungen, die diese koordinative Fähigkeit fordern, durchgeführt und wiederholt werden. Natürlich ist es vermessen zu behaupten, dass das Spielen von "Need for Speed: The Run" zu einer Verbesserung der grundsätzlichen sportlichen Fähigkeiten von Kindern führt. Aber es gibt viele Sportarten, in denen ähnliche Abläufe vorkommen: insbesondere in Ballsportarten haben es Kinder mit sich bewegenden Bällen zu tun, die sie zunächst richtig einschätzen und auf die sie anschließend präzise reagieren müssen. Eine grundlegende Ähnlichkeit ist also gegeben.

Mehrspielermodus nur im Netzwerk
Ein absolutes Manko - und das muss man einfach so sagen - ist erneut der fehlende Mehrspielermodus im Spiel, wenn keine Internetverbindung vorhanden ist. Wie bei fast allen Need for Speed Teilen gibt es auch bei "The Run" erneut keinen Multiplayermodus an einer Konsole. Spieler, die sich mit anderen menschlichen Fahrern messen wollen, müssen also auf die Onlineangebote des Spiels zurückgreifen. Dies ist schade, da somit der direkte Umgang mit Mitspielern nicht möglich ist, es sei denn, der Freund bringt seine eigene Konsole und einen weiteren Fernseher zum Spielen mit. Insbesondere Rennspiele sind eigentlich prädestiniert für lustige Stunden gemeinsam mit Freunden. Umso enttäuschender ist es also, dass die Need for Speed Serie scheinbar nicht mehr auf dieses Angebot setzt. Auch die Spieletester in der Spieletester AG zeigten sich enttäuscht. "Ich hätte gerne gezeigt, dass ich der beste Rennfahrer bin. Aber ohne Mehrspielermodus geht das ja nicht wirklich" (Spieletester, 12 Jahre).

Resetfunktion hilft auch fortgeschrittenen Fahrern
Ein Aspekt des Spiels, der einiges an Frust erspart, ist die Resetfunktion. Diese Funktion ermöglicht es dem Fahrer, zum letzten Kontrollpunkt zurückzuspulen. Diese Kontrollpunkte sind in kurzen Abständen im Spiel eingebaut und bieten daher ein gewisses Maß an Sicherheit für den Spieler. Allerdings steht die Resetfunktion dem Spieler nur begrenzt zur Verfügung. Ist das Kontingent aufgebraucht, muss das Rennen erneut gestartet werden. Besonders hilfreich ist die Funktion natürlich bei schweren Fahrfehlern und heftigen Unfällen, die einen positiven Ausgang des Rennens quasi unmöglich machen. Dementsprechend zufrieden waren auch die Spieletester mit dieser Funktion: "Das Spiel ist manchmal schon schwer, da hilft das Reset sehr" (Spieletester, 12 Jahre).

Unrealistische Unfälle
Die Spieler steuern in "Need for Speed: The Run" sündhaft teure und extrem PS-starke Luxusschlitten durch die verschiedenen Level. Solche Autos sieht man im täglichen Verkehr nur äußerst selten und wenn, dann sind sie von ihren Besitzern meist penibel gepflegt und gewartet. Kein Wunder, bedenkt man den hohen Anschaffungspreis und Unterhalt. In dem hier getesteten Videospiel wird hingegen überhaupt nicht zimperlich mit den Wagen umgegangen. Egal ob Konkurrenten gerammt, Bäume gestreift oder Laternenpfähle umgefahren werden, es passieren eine Menge Unfälle. Beeinträchtig werden die Wagen hierdurch kaum, auch wenn sie teilweise nach wenigen Minuten schon schrottreif wirken. Die Unfälle selber sind auch eher ein abgemildertes Bild der Wirklichkeit. Insgesamt wirken die Folge von Crashs, die in der Realität einen Totalschaden zur Folge hätten, ziemlich schwach und der Wagen kann letztlich doch weiterfahren. Eine Sensibilisierung von Kindern für den Straßenverkehr kann man dem Spiel also sicherlich nicht zuschreiben - das ist aber natürlich auch nicht das Konzept und Sinn eines Rennspiels.

Mythos Route 66
Die Vereinigten Staaten sind ein riesigen Land mit einer enormen Landschaftlichen und auch kulturellen Vielfalt. Es gibt zahlreiche weltbekannte Sehenswürdigkeiten, die man direkt mit den USA verbindet. Eine dieser typischen Sehenswürdigkeiten ist keine Sehenswürdigkeit im eigentlichen Sinne: die Route 66. Wenn von der Route 66 die Rede ist, denkt man automatisch an lange Straßen, Wüste und vor allem Freiheit. Zwar fährt man bei "Need for Speed: The Run" nicht die berühmte Strecke ab, aber die Tour quer durch die USA von der West- zur Ostküste soll wohl sehr ähnliche Emotionen beim Spieler hervorrufen. Nicht umsonst wirbt das Spiel auch mit dem Slogan "Das Rennen deines Lebens". Tatsächlich sind der Detailreichtum und die Vielfalt der Strecken wirklich aller Ehren wert. Ob das Spiel aber wirklich ein ähnliches Gefühl von Freiheit hervorruft wie eine reale Fahrt auf der echten Route 66 darf bezweifelt werden. Vielleicht wird aber der ein oder andere den Wunsch verspüren, die Kulissen einmal im Leben real zu erleben.

Ein großes Rennen statt vielen Einzelrennen
Das Videospiel bietet ein neues Konzept hinsichtlich der Rennstruktur. Auch wenn im Grunde mehrere Streckenabschnitte bewältigt werden müssen, steht hinter allem stets der Gedanke, dass man als erster im Ziel in New York ankommen muss. Sukzessive arbeitet sich der Fahrer im Fahrerfeld nach vorne, um letztendlich als Gewinner im Ziel in New York einzufahren. Statt wie bei Rennspielen üblich ist es also nicht das Ziel in den einzelnen Streckenabschnitten erster zu werden, sondern sich möglichst weit im Gesamtklassement nach vorne zu arbeiten.

Durchgehende Geschichte statt bedingungslosem Fahrspaß
Ob man es nun positiv finden mag oder nicht, "Need for Speed: The Run" ist ein Videospiel mit sehr linearem Spielverlauf. Die Spieler haben kaum Möglichkeiten, ein wirklich individuelles Spielerlebnis zu haben. Zwar gibt es wie bei den anderen Teilen der Reihe auch einige Abkürzungen, ansonsten besteht das Spiel aber eigentlich nur aus der starren Abfolge der einzelnen Missionen. Die Geschichte ist dabei relativ fesselnd inszeniert, allerdings ist fraglich, ob sich die Spieler sich motivieren können, die Geschichte noch einmal zu erleben, nachdem der Storymodus einmal beendet wurde.
Die Hintergrundgeschichte eines Kleinkriminellen, der um sein Überleben kämpft, ist ohnehin nicht an Kinder adressiert. Die Geschichte und die dargestellte Gewalt sollte jedoch für 14jährige, die bereits über eine gewisse Medienerfahrung verfügen, keine Gefahr einer Beeinträchtigung darstellen, zu sehr wird das Geschehen durch die klar abgegrenzte Spielwelt mit ihrer Spielvereinbarung (Rennen fahren) gerahmt.

Fazit:
"Need for Speed: The Run" ist ein ordentlicher Ableger der beliebten Videospielreihe. Die Macher setzen auf neue Elemente, die man so in den vorherigen Teilen nicht findet. Allerdings ändert das nichts daran, dass am Ende doch ein relativ typisches Rennspiel herrauskommt. Die schnellen Handlungsabschnitte sorgen bei den Testern teilweise für Überforderung, da kann auch die Resetfunktion keine dauerhafte Abhilfe schaffen. Die Hintergrundgeschichte eines Kleinkriminellen, der um sein Überleben kämpft, ist ohnehin nicht an Kinder adressiert. Aus diesen Gründen ist das Spiel eher für Jugendliche als für Kinder geeignet. Daher die pädagogische Einschätzung ab 14 Jahren.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass