Skylanders: Giants

Genre
Action-Adventure
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Activision
Erscheinungsjahr
2012.11
Systeme
Playstation 3, Xbox 360, Wii, Wii U, Nintendo 3DS
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Hohe Nachschaffungskosten
Kurzbewertung
Technisch solides Action-Adventure mit fragwürdigem Gewaltanteil für Grundschulkinder
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
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Spielbeschreibung:
Activision liefert mit "Skylanders Giants" nach nur einem Jahr bereits den Nachfolger des Verkaufsschlagers "Skylanders: Spyro's Adventure". Bereits dieser spielte allein in Europa knapp 100 Millionen Euro ein.
Wie bereits im ersten Teil startet Kaos, der selbsternannte Imperator der Skylands, den Versuch, die Herrschaft über das gesamte Reich an sich zu reißen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist er auf der Suche nach der Eisenfaust - ein 10 000 Jahre altes Relikt des Robotervolkes, welches ihm die Macht über die Roboter und damit über die Skylands bringen soll.
Level für Level gilt es nun in klassischer Manier allein oder im Kooperationsmodus sich als Skylander bzw. Giant diesem Schicksal zu entziehen. Neben kleinen einfachen (Schiebe)Rätseln und diversen genretypischen Sammelaktionen, um den Charakter aufzuwerten, muss man dabei vor allem eines: Kämpfen. Gekämpft wird dabei meist mit durch und durch martialischen Waffen - riesige Schwerter, Bögen, Hämmer, Kanonen, Maschinenpistolen und weniger riesige, aber ebenso effektive Laseraugen oder Feuerdrachen.
Die „Portal of Powers" stellen nicht nur den mutmaßlichen Dreh- und Angelpunkt des Spiels, sondern auch des Verkaufserfolges dar. Ein kleines Podest, welches via USB-Port mit der jeweiligen Konsole verbunden wird, vollführt eine Art Zaubertrick. Alle im Spiel vorkommenden Skylander, derzeit 48 an der Zahl, sind als reele Figuren aus Plastik erwerbbar. Setzt man als Portalmeister nun solch eine Figur auf den Podest, erscheint auf dem Bildschirm eine kleine Animation und man wechselt die entsprechende virtuelle Spielfigur ein. Immerhin wurde hier die Möglichkeit eingeräumt das Portal sowie die Figuren aus Teil Eins zu verwenden. Ohnehin unterscheiden sich die Figuren der einzelnen Teile meist nur marginal, außer dass natürlich die Giants ihrem Namen entsprechend größer und auch teurer sind.
Darüber hinaus dienen die kleinen Figuren als eine Art Speichermedium. Jeder Fortschritt, jede Charakterentwicklung wird auf der entsprechenden Spielfigur abgespeichert und kann somit problemlos mit entsprechendem Portal auch auf Fremdkonsolen weitergespielt werden.

Pädagogische Beurteilung:
Kindgerechter Schwierigkeitsgrad
Bei der Xbox-Version der „Giants" werden die Figuren mittels linkem Analogstick des Controllers gesteuert. Bestimmte Aktionen, wie etwa Schlagen, Schießen, Schieben oder Werfen werden je nach Kontext mit einer bzw. zwei Tasten vollzogen. Tastenkombinationen, so genannte Kombos, sind kaum vorhanden. Einzig bei diversen Endgegnern gilt es bestimmte Tasten hintereinander in der richtigen Reihenfolge zu betätigen. Diese Reihenfolge wird einem jedoch stets visuell angezeigt, so dass sie bestenfalls absolute Laien vor etwaige Herausforderungen stellen sollten. Zwischen den Spielfiguren kann natürlich via Portal jederzeit gewechselt werden. Die Steuerungsmöglichkeiten sind nicht nur schnell erläutert, sie sind auch einfach erlernt. Selbst Kinder, die noch keinerlei Erfahrungen in den ‚Skylands' sammeln konnten - beim Test waren es ganze zwei von elf Kindern (!) - hatten keinerlei Schwierigkeiten das Spiel zu erlernen. Gemeinhin gilt in Action-Adventures, je höher das Level desto höher der Schwierigkeitsgrad. Beim Test wurden über mehrere Wochen mehr als die Hälfte der insgesamt sechszehn Level durchgespielt, ohne auch nur einen Hauch eines erhöhten Schwierigkeitsgrades festzustellen. Selbst die meisten, sich in leicht veränderter Form ständig wiederholenden Rätsel, die den Spieler vor Herausforderungen stellen sollen, waren schnell bewältigt.

Kindgerechte Präsentation
Technisch hervorzuheben ist bei den Skylanders im Grunde nur die neuartige Portaltechnologie. Insbesondere visuell ist das Spiel lediglich solide. Die Skylands sind zwar durchaus fantasievoll, farbenfroh und ohne nennenswerte Designfehler, jedoch reizen sie zu keinem Zeitpunkt die HD-Fähigkeit der getesteten Konsole aus. Scheinbar wollte man angesichts der Multi-Plattformstrategie der Figuren, sprich aufgrund der Möglichkeit seinen Spielstand auf andere Konsolen zu übertragen, grafisch nur das Nötigste in die Wege leiten, um die Zielgruppe zufrieden zu stellen und natürlich um das Spiel bei jeder Konsole annähernd auf gleichem Niveau zu präsentieren.
Weitaus gelungener ist wiederum der Sound des Titels. Eine vollständige deutsche Synchronisation mit teils bekannten Stimmen aus Funk und Fernsehen, nette, wenngleich wenig beeindruckende Soundeffekte und eine meist stimmungsvolle Hintergrundmusik sorgen für reichlich Abwechslung. Einzig der immer gleiche Sample einer Spielfigur bei Einwechslung via Portal, wurde beim Test als „langweilig und öde" empfunden.

Kindgerechtes Spielprinzip?
„Hallo, alle gucken, jetzt wird getötet!" - derartige Äußerungen waren keineswegs ein Einzelfall. Durch die Bank nahmen die Kinder das Spielgeschehen als durchaus brutal wahr. Zwei Kinder gaben sogar an, nach den jeweiligen Testtagen von den Skylands geträumt zu haben - „da war ich voll der Skylander und hab die ganze Zeit einem nach dem anderen getötet!". Ja, es wird nicht auf Menschen oder andere reelle Lebewesen geschossen. Ja, die vermeintlichen Leichen lösen sich in Luft auf. Ja, man bewegt sich als Skylander bzw. Giant in einer frei erfundenen Fantasiewelt. Ja, es gibt auch andere ähnlich geartete Spiele. Ja, der Schwierigkeitsgrad und die Aufmachung sind kindgerecht. ABER: Das gesamte Spielprinzip, selbst die vermeintlich harmlosesten Miniquests in Form von Rätseln, beruhen letztlich auf der Ausübung von Gewalt. Betrachtet man alleine die Plastikfiguren, ohne das Spiel auch nur im Entferntesten zu kennen, wird man selbst mit viel Wohlwollen schnell feststellen, dass diese Gewalt äußerst brachial vollzogen werden soll. „Boah, ist das 'ne Riesenwumme!" - in der Tat sind die Skylander nahezu allesamt mit überdimensionierten Waffen ausgestattet, die man in dieser Form, eigentlich nur in ab 18 Spieletiteln, wie etwa „God of War" (Test: God of War 3) oder „Doom" (Test: Doom 3), antrifft. Auch das durchaus mindestens latent gewaltverherrlichende Spielprinzip, ist eigentlich bei höheren Altersfreigaben anzutreffen. Trotz des Umstandes, dass in unserer Testergruppe (Ü8) sechs von elf mindestens einen Teil der Skylanders ihr Eigen nannten und neun von elf mit dem Spiel bereits in Berührung kamen, war sich die Gruppe einig, dass eine Altersfreigabe ab sechs Jahren keineswegs dem Spielgeschehen entspricht. Ab wie viel Jahren man es wirklich spielen sollte, wurde beim Test kontrovers diskutiert. Vor allem die stolzen Besitzer der Skylander plädierten konsequenterweise dafür, dass man mindestens so alt wie sie, sprich mindestens 8, sein sollte, um das Spiel zu spielen. Andere wiederum plädierten vehement dafür, dass Spiel gar ab 16 freizugeben. Letztlich konnte man sich darauf einigen, dass das Spiel ab etwa zehn Jahren zugänglich gemacht werden sollte.

Kindgerechter Sammelwahn!?
Jeder Skylander ist einem von acht Elementen zugeordnet. Bestimmte Levelabschnitte bedingen spezifische Skylander mit passender Elementzuordnung. Mitgeliefert werden beim Kauf des Spiels allerdings lediglich drei Figuren. Man wird, wenn auch in recht charmanter Art und Weise, vom Spiel regelrecht gezwungen, mindestens fünf weitere Figuren zu kaufen. Bei einem ersten Anschaffungspreis von etwa 70 Euro und weiteren 10-15 Euro pro Figur, können da recht schnell 120 Euro und mehr zusammenkommen. Ist dieser interaktive Sammelwahn dann erst einmal geweckt, steht weiterem Merchandise nichts mehr im Wege: Actionfiguren, Sammelkarten, Mega Blocks - eine Art Lego - Figuren und Puzzle, Portalerweiterungen und vieles andere mehr. Ein wahrer Geldsegen für die Hersteller und ein wahrer Taschengeldfresser für jedes Kind. Die Diskussion innerhalb der Gruppe drehte sich dabei nicht nur um die zuweilen brachiale Gewalt des Spiels, sondern zu großen Teilen auch um den Merchandise rund um das Spiel. „Ich finde das voll doof, dass man auf jeden Fall Figuren kaufen muss. Das ist doch voll die Abzocke!", „Das Spiel ist doch nur ab sechs, weil kein zwölfjähriger die Figuren kaufen würde." - wahrscheinlich würde jedes Elternteil bei solchen Erkenntnissen durch das eigene Kind in Jubelarien ausbrechen. Nichtsdestotrotz „fahren" die Kinder, auch diejenigen mit eben jenen Erkenntnissen, „voll auf die Skylander ab". Ähnlich wie bei den „Pokémon" (Test: Pokémon - Weisse Edition) ist die unbändige Faszination für diese Fantasiewelt für Eltern nur schwer nachvollziehbar, aber sie ist zweifelsfrei vorhanden. Abgesehen von diversen anderen Merchandise-Artikeln rufen vor allem die erwerbbaren Figuren einen regelrechten Sammelwahn hervor. Hat man das Spiel erst mal eingelegt, stellt man zwar recht schnell fest, dass sie eigentlich „nur zum Spielfigur wechseln" da sind, aber im Spiel selbst werden nicht nur bestimmte Figuren bzw. die entsprechenden Elementzuordnungen der einzelnen Charaktere gefordert, sondern es wird in kontinuierlichen Abständen auch im Spiel selber regelrecht Werbung für einzelne Figuren gemacht. Nimmt man dann auch noch den Neidfaktor hinzu, mindestens genauso viele und so tolle, starke Figuren wie andere Kinder zu besitzen, kann man es den Kindern dann nur bedingt vorwerfen, diesem Sammelwahn zu erliegen. Ist man dann endlich im Besitz von mindestens acht Figuren, kommt man kaum dran vorbei, bestimmte Passagen des Spiel erneut zu spielen, um noch ungelöste oder unentdeckte Extras freizuspielen. Einer wochen-, gar monatelangen Spieldauer steht somit nur wenig entgegen.

Fazit:
"Skylanders: Giants" ist ein Action-Adventure, welches nahtlos an das Spielprinzip und den Verkaufserfolg seines Vorgängers anknüpft. Die „Giants" sind audiovisuell auf das Zielpublikum zugeschnitten und bestenfalls als guter Durchschnitt zu betrachten. Auch der wenig fordernde Schwierigkeitsgrad erscheint kindgerecht. Das immer noch neuartige ‚Portal of Power' bietet dabei, vor allem für Kinder, eine durchaus gelungene, wenn auch ausbaufähige Verbindung zwischen der ‚echten' und virtuellen Realität. Insbesondere das latent gewaltverherrlichende Spielprinzip und auch der durch das Spiel hervorgerufene ‚Sammelwahn', lassen eine Alterfreigabe ab sechs Jahren als mindestens fragwürdig erscheinen.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass