Carnival in Aktion!

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
2KPlay
Erscheinungsjahr
2011.04
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Etwas zu kurzweiliger Spielspaß in technisch zweckmäßigem Gewand
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
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Spielbeschreibung:
2Ks „Carnival in Aktion!" transportiert eine Wunschvorstellung vieler Kinder ins Eigenheim. Die eigens für Microsofts Kinect entwickelte Version der Minispielsammlung, greift ein bewährtes Themenfeld auf. Videospielesammlungen, in denen man verschiedenste Jahrmarkt-Aktivitäten, in den eigenen vier Wänden nachspielen kann, gibt es seit über 30 Jahren. Zu nennen ist dabei beispielsweise die 1982 erschienene Umsetzung des ursprünglichen Arcade-Games „Carnival" (Video auf Youtube).
Die Neuauflage kann im, zugegeben dezent unfairen, direkten Vergleich, dennoch punkten. So verpassen die technischen Gegebenheiten der XBox360 sowie des Kinectsensors der ‚Heimkirmes' zumindest einen Hauch von Realismus. Ist die Spieledisc eingelegt und der Körper durch die Kinectkamera obligatorisch gescannt, begrüßt uns, der aus dem Wii-Vorgänger (Website von Carnival) bereits bekannte, immer fröhliche Jahrmarktsinhaber Mr. Barker, natürlich nicht ohne sein „zuckersüßes, aber auch ein wenig nerviges" Äffchen. Nach diesem kurzen Intro, gilt es sich für eines der gebotenen 20 Minispiele, wie etwa Ringwerfen, Hau den Lukas oder Achterbahn, zu entscheiden. Nahezu sämtliche, nur offline, teilweise mit bis zu vier Spielern, spielbare, Attraktionen sind so oder so ähnlich auch auf einem ‚echten' Jahrmarkt anzutreffen. „Carnival" fühlt sich gewissermaßen tatsächlich ein wenig an wie ein Jahrmarktsbesuch -hat man den Platz des bunten Treibens betreten, will man erst einmal alle Attraktionen möglichst schnell und sofort ausprobieren

Pädagogische Beurteilung:
Kindsgerechter Jahrmarktseinstieg
„Carnival in Aktion!" lässt den Spieler dank seiner Kinectsteuerung im wahrsten Sinne des Wortes in Aktion treten. Von der Menüführung bis hin zum eigentlichen Spiel gilt es Körpereinsatz zu zeigen. Überraschenderweise gelingt dies, insbesondere im Vergleich zu ähnlich gearteten Kinecttiteln, erstaunlich gut. Die etwas ausgereifter wirkende Bewegungserfassung macht sich bereits im Menü bemerkbar. Statt, wie bei Kinectspielen üblich, irgendwann frustriert wild herumzufuchteln, um endlich die gewünschte Einstellung vorzunehmen, reicht es hier, den Arm ruhig auf das entsprechende Feld zu bewegen, kurz darauf zu verharren, um es so recht problemlos auszuwählen. Auch die Spielerneuerfassung via Kinect bzw. ein schneller Spielerwechsel stellt kein allzu großes Hindernis dar. Und dennoch orientiert sich das Spiel hier und da am Prinzip Zufall. So gut und exakt die Steuerungserfassung meist vonstattengeht, so verzögert und dadurch ungenau ist sie zum Teil. Ein Manko, dass glücklicherweise meist nicht besonders schwer ins Gewicht fällt, da die meisten Spiele mit keinerlei bzw. minimalem Zeitdruck daherkommen. So spürt man beispielsweise beim Hammerschwingen, Bälle oder Ringe werfen, keine merkliche Verzögerung bei der Erfassung dieser Bewegungen. Beim Münzen einsammeln während einer rasanten Achterbahnfahrt hingegen, stößt die Bewegungserfassung an ihre Grenzen. Durch heben des rechten oder linken Armes, lässt man seinen Avatar analog eine Art Köcher hochheben, der dazu dient Münzen einzusammeln. Prinzipiell werden auch diese Bewegungen gut erfasst, jedoch, bedingt durch die Geschwindigkeit der Fahrt, gerät die Erfassung des Öfteren ins Stocken, so dass man die Münzen teilweise, wenn auch nur knapp, verfehlt. Auch im Mehrspielermodus waren ähnlich geartete Mankos der Steuerungserfassung beobachtbar. Abgesehen davon, gelingt der Einstieg in den Jahrmarkt kinderleicht und spielerisch intuitiv. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Spiele nicht nur erfahrenen Kirmesbesuchern von klein auf bekannt und bedürfen keiner langen Erklärung. Eine kurze Texteinblendung vor jeder Attraktion erläutert zudem kurz den Ablauf und die vom Spiel erforderlichen Bewegungen. Erste Lesekenntnisse stellen sich deshalb durchaus als vorteilhaft heraus.

Jahrmarktsstimmung, inklusive Höhen und Tiefen
Bereits die Begrüßung durch Mr. Barker mitsamt seinem krakeelenden Äffchen erinnert tatsächlich an einen echten Jahrmarktsbesuch - ‚Stimmungsschwankungen' inklusive. Die quietschbunte und zweckmäßige grafische Aufmachung im Comic-Look kommt mit kaum bis spärlichem Detailreichtum aus. Dennoch vermittelt die Präsentation im Verbund mit einer beständigen Hintergrundgeräuschkulisse, die sich aus jahrmarktstypischem Gepiepe, Gekreische und musikalischem Dauergedudel zusammensetzt, durchaus so etwas wie ‚Budenzauber'. Man könnte dieses insgesamt schlichte audiovisuelle Gewand als gelungen bezeichnen, wenn da nicht der Faktor Zeit und damit verbunden der Faktor „nervtötend" ins Spiel kommen würde. Hat man noch zu Anfang seine helle Freude an der Aufmachung, geht einem insbesondere das Dauergedudel sowie die schlechten Witze und langweiligen Sprüche des sich fortwährend wiederholenden Moderators Mr. Barker „gehörig auf die Nerven". Im Grunde könnte man fast schon die Behauptung in den Raum stellen, dass die Entwickler die Stimmung auf einer Kirmes zu 100% eingefangen haben, ob das jedoch auch zu 100% ihr Ziel war, darf bezweifelt werden.

Kurzweilig!
„Carnival in Aktion!" konnte beim Test ebenfalls nur auf den ersten Blick überzeugen. Nahezu alle Spiele übten auf die Tester eine ungemeine Strahlkraft aus, die sich vor der Faszination für die echten ‚Kirmesgames' nicht verstecken musste. So stark dieses anfängliche ‚Feuer' auch war, so stark ließ es auch nach. Das, mit der Zeit nervige audiovisuelle Gewand, war dabei ein eher kleineres Manko. Schwerer ins Gewicht fielen dagegen der Schwierigkeitsgrad, der mit 20 Attraktionen eher begrenzte Spieleumfang und der arg lieblose Mehrspielermodus. Meist machte sich bereits beim zweiten oder dritten Anlauf eines Minispiels ein spürbares Gefühl der Langeweile breit. Abgesehen vom, auch Laien, wenig forderndem Spielprinzip, war dabei das Fehlen der Möglichkeit des ‚sich Messens' eine schier unüberwindbare Hürde. Durch einen mangelnden Online-Modus, muss als langzeitmotivierendes Element der eigene Antrieb ‚sich selbst zu schlagen' herhalten. Das dieser wirklich ausreicht, wurde wohl auch von den Entwicklern bezweifelt, so dass zumindest ein Mehrspielermodus geboten ist, der wiederum für mehr Frustration denn Spielspaß sorgte. Das Versprechen mit bis zu vier Spielern entpuppt sich, wie so oft bei Kinect, als Trugschluss, da letztlich maximal zwei Spieler gleichzeitig vor den Sensor treten können. Zudem sind nicht alle Spiele mit mehr als einem Spieler spielbar und die Steuerungserfassung mehrerer Spieler wirkt zeitweise verzögert und ungenau. „Carnival" ist auch in puncto Spielspaß bzw. Motivation mit einem echten Kirmesaufenthalt vergleichbar, einen Abend oder einen Nachmittag lang ist ein kurzweiliger, „mordsmäßiger" Spaß garantiert, der dann allerdings meist doch nicht allzu lange anhält.

Fazit:
Zusammen mit einer eher dürftigen Spieleauswahl, einem allzu einfachen Schwierigkeitsgrad und einem schmucklosen Mehrspielermodus, fängt „Carnival in Aktion!" mit seinem eher biederen, leicht aufdringlichen audiovisuellen Gewand die Stimmung bei einem Jahrmarktsbesuch ‚gekonnt' ein. Dies gelingt unter Umständen zu gut, denn auch der Mangel an Langzeitmotivation eines ‚echten' Jahrmarkt-Spieles und die latent nervige Atmosphäre, wird nahezu 1:1 virtuell abgebildet. Kurzweiliger Spielspaß ist dabei garantiert, der jedoch auch bei hartgesottensten ‚Kirmesfans' schon nach wenigen Runden der Langeweile Platz machen dürfte. Wer haut schon tagein, tagaus den Lukas oder dreht fortwährend am Glücksrad?

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Ü8 Franz-Vaahsen-Schule Düsseldorf
Bewertung Spielspass