Tom Clancy's H.A.W.X. 2

Genre
Action-Strategie
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Gut gemachtes Action-Spiel, dass ohne Begeisterung für Flugzeuge schnell langweilig werden kann
Gruppenleiter
Hendrik Schmitz
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung
Flugzeug-Simulatoren als Konsolen- bzw. PC-Spiele haben es nicht leicht. Wie bringt man ein so komplexes und hoch technologisiertes Erlebnis wie das Steuern eines modernen Flugzeugs in einer Form auf den heimischen Bildschirm, dass es Spielern aller Altersklassen Spaß macht? Wie fängt man das einmalige Gefühl des Fliegens ein - seit jeher der große Traum der Menschheit - und transportiert es möglichst wirksam und mitreißend in die Wohnzimmer der Käufer? Seit den ersten Schritten des Genres, dem einfachen Flugsimulator, mussten sich Entwickler diese Fragen immer wieder aufs Neue stellen. Heraus kamen dabei die unterschiedlichsten Ansätze: Vom relativ realitätsfernen, dafür umso spektakuläreren Luftkampf-Szenario, in dem einem die gegnerischen Maschinen nur so um die Ohren fliegen, bis hin zum komplexen Simulator mit einer unübersichtlichen Auswahl an Knöpfen und Schalthebeln spannt sich die Palette, die man heute auf dem Markt findet. Freunde für beide Varianten gibt es allemal – nur sind diese Gruppen im Vergleich zur potentiellen Käuferschaft relativ klein. Die Entwickler von Ubisoft haben sich mit "Tom Clancy's H.A.W.X. 2" vorgenommen, den Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung zu meistern. In der Rolle  eines amerikanischen Piloten begibt sich der Spieler in den Kampf gegen eine international operierende Terroristenvereinigung, deren Ziel es ist, die russische Regierung zu eliminieren. Dabei schrecken die Bösewichte auch vor drastischen Mitteln wie dem Einsatz von Atomwaffen nicht zurück. Ein guter Grund also, die Kerosin-Tanks zu füllen, die Raketen in Bereitschaft zu bringen und sich in die Lüfte zu werfen. Der Kampf um den Frieden auf der Erde hat begonnen.

Pädagogische Beurteilung:
Da fliegen sie wieder!
Terroristen bedrohen den Frieden und die ganze Welt ist Schauplatz der Bedrohung. "Tom Clancy's H.A.W.X. 2" verspricht Action, Abenteuer und spektakuläre Grafik. Der Slogan „Du bist Cole „Arrow" Bowman - Tritt der HAWX-Staffel bei" prangt in Großbuchstaben auf der Rückseite des Spiele-Covers. Dieser heldenhafte Pathos, mit dem der Beruf des Jet-Piloten in Filmen und Spielen besetzt ist, funktioniert bei Titeln wie "Tom Clancy's H.A.W.X. 2" als Haupt-Verkaufs-Argument. Unsere männlichen Spiele-Tester zwischen 12 und 14 Jahren fühlten sich sofort angesprochen und die große Mehrheit gab vor Beginn der Test-Session an, dass sie dieses Spiel ungesehen kaufen würden. Die Vorfreude, die beim Einschieben der Disc vorherrschte, nahm allerdings rapide ab, als unsere Spiele-Tester ins eigentliche Geschehen geworfen wurden. Objektiv gibt es an dem Spiel nicht viel auszusetzen. Die Grafik ist zeitgemäß, die Explosionen und Landschaften spektakulär eingefangen, das Gameplay ist durchdacht und ansprechend umgesetzt, bis zu vier Spieler können die Missionen gemeinsam in Angriff nehmen. Auch die Musik ist stimmungsvoll: von dunklen Chorgesängen bis hin zu reißerischen Rock-Stücken wird die ganze Palette der dramatischen Untermalung ausgenutzt. Die Geschichte um den Kampf gegen die bösen Terroristen ist zwar relativ flach, aber eigentlich nicht weiter wichtig (das simple „Held vs. Bösewichte"-Konzept reicht erfahrungsgemäß aus, wenn der Rest stimmt), da die Missionen sehr abwechslungsreich sind. Vom Versenken von Bohrplattformen bis hin zu Aufklärungsflügen haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen, um der „Kill or be killed - Routine" zu entkommen. Doch trotz all der Bemühungen, das Interesse der Spieler zu halten, kehrte im Testlabor schnell Langeweile ein, die Wii-Controller wurden mit der Zeit bereitwilliger an den nächsten Tester weiter gegeben und die Abschlussnoten drücken eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Test-Spiel aus.

Alles gut - trotzdem schlecht
Durch Nachfrage und Diskussion wurde das Grundproblem von "Tom Clancy's H.A.W.X. 2" für den Gruppen-Leiter ersichtlich. „Du bist Cole "Arrow" Bowman" (Zitat, s.o.) ist eine leere Versprechung, denn man steuert hier keinen coolen, wehrhaften Soldaten, der in seinem heldenhaften Kampf gegen die Terroristen dem Pathos um seine Figur gerecht wird - man steuert „nur“ dessen Flugzeug. Dieser Unterschied, so klein er auch sein mag, gab in unserer Tester-Gruppe den Ausschlag dafür, das Spiel trotz guter formaler Voraussetzungen als „nicht besonders empfehlenswert" einzustufen. Unsere Spiele-Tester sind es aus ihren Lieblingsspielen gewohnt, mitten ins Geschehen geschleudert zu werden. Gerade bei Action-Spielen scheint ein gewisser „Bewunderungsfaktor" gegenüber den Figuren wichtig zu sein. Obwohl noch keiner unserer Tester jemals ein Schwert in der Hand hatte, besonders gut Kung-Fu beherrscht oder in seiner Freizeit Drachen zähmt, ist für sie die emotionale Verbindung zu den Spielfiguren, die diese Dinge tun können, einfacher herzustellen, als zu jemandem wie „Arrow", den man im Grunde nur in den Zwischensequenzen des Spiels in Persona sieht. Dadurch, dass unsere Spiele-Tester „nur" einen Jet und keinen Menschen steuern mussten, wurde ihnen der Verlust eines Lebens oder das Scheitern einer Mission gleichgültig.

Fazit:
Die große Kunst bei der Entwicklung eines Spieles ist es, eine Verbindung zwischen dem Spieler und der von ihm gesteuerten Spielfígur herzustellen. Wenn ein Spieler sich mit dem Helden identifizieren kann, will er auch, dass er (oder sie) das Abenteuer siegreich übersteht. Ein Flugsimulator hat das Problem, dass der Held ein Ding ist – in diesem Fall also ein Flugzeug. "Tom Clancy's H.A.W.X. 2" ist ein Spiel, in dessen Entwicklung eine Menge Gedanken und Recherche eingeflossen sind. Bei unserer Spiele-Tester-Gruppe hatte das Spiel allerdings trotzdem keine Chance. Sollte Ihr Kind eine Affinität zu Spielen dieser Art habe, können unsere Tester das Spiel ohne Bedenken für alle Spieler ab 12 Jahren empfehlen. Bei Spielern, die es gewohnt sind, spannende Geschichten mit interessanten Figuren durchzustehen, besteht das Risiko, dass ein Flugsimulator, so spektakulär er auch sein kann, schnell für Langeweile sorgt.
Dies ist natürlich ein subjektives Urteil und könnte in einer anderen Testergruppe unterschiedlich erlebt werden.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass