Far Cry 3

Genre
Shooter
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2013.04
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Überlebenskampf auf der Tropeninsel
Redaktion
Alexander Hundenborn
Spieleratgeber NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Ubisofts dritter Ableger der berühmten Shooter-Reihe Far Cry spielt, wie schon der erste Teil, auf einer malerischen Insel. Umsäumt von hellblauem Wasser und unter Palmen erlebt der Spieler die Geschichte von Jason, einem verwöhnten Mittzwanziger, der mit seinen Freunden einen Abenteuerurlaub auf den Rook-Islands veranstalten will. Doch er hat die Rechnung ohne die Inselbewohner gemacht, die von dem vermeintlich verrückten Vaas angeführt werden. Dieser nimmt Gestrandete gefangen, um von deren Angehörigen Lösegeld zu erpressen. Ist dies nicht der Fall, entledigt sich Vaas den Gefangenen. Als Jason und seine Freunde blind einen Fallschirmsprung über den Rook-Islands wagen, stranden auch sie dort und werden von Vaas gefangengenommen. Beim anschließenden Fluchtversuch wird Jasons Bruder getötet, während Jason nur noch die Flucht in den Dschungel bleibt. Von Vaas´ Männern, Hunden und einem Hubschrauber gejagt, stürzt Jason von einer wackeligen Hängebrücke in einen Fluss und die Welt wird schwarz. Mit diesem furiosen Auftakt führt "Far Cry 3" den Spieler in das tropische Flair ein. Im Folgenden trifft Jason die Widerstandsgruppe Rakyat, unter der Leitung von Vaas´ Schwester Citra. Hinter dem verrückten Vaas verbirgt sich ein gefährlicher Menschenhändlerring, den der Spieler im Verlauf des Spiels zerschlagen muss. Dabei behilflich ist ein verdeckter Ermittler der CIA, der Jason um Hilfe bittet und im Gegenzug wichtige Informationen besorgen kann.

Pädagogische Beurteilung:
Schnell erlernbare Steuerung
"Far Cry 3" ist ein genretypischer Shooter mit eingängiger Spielmechanik und einem leicht erlernbaren Einstieg. Der Spieler steuert den Protagonisten Jason aus der Ego-Perspektive durch die Spielwelt, wodurch ein hoher Identifikationsgrad entstehen kann. Bei der Erledigung von Aufgaben können unterschiedliche Wege gewählt werden. Jason kann sich an Gegnern schleichend vorbeibewegen, die Umwelt nutzen, indem er wilde Tiere auf Gegner hetzt, oder sich den Weg in Shooter-Manier freischießen. Auch die Menüführungen sind sehr eingängig und wirken nicht verwirrend. Ebenso wie in anderen Shootern ist es möglich Fahrzeuge zu benutzen. Hierbei ist die Steuerung schwammig und ungenau, beeinflusst das Spielgefühl jedoch nicht negativ. Die Herausforderung mit einem Quad durch den Dschungel zu fahren ohne Unfälle, Überschläge oder Abstürze zu verursachen, bereitete der Testergruppe Freude und führte zu einigen ungewollten Neustarts der Aufgaben.

Freies Erkunden der Flora und Fauna
In "Far Cry 3" hat der Spieler die Möglichkeit ein riesiges Spielgebiet zu erkunden. Durch die offene Spielwelt bieten sich dem Spieler viele Entdeckungs- und Erkundungsmöglichkeiten. Man ist nicht gezwungen Aufgaben in einer bestimmten Reihenfolge zu erledigen, sondern kann sich zunächst damit beschäftigen, die gesamte Karte aufzudecken, dadurch Waffen freizuschalten und seine Ausrüstung aufzubessern. Die offene Spielwelt bietet zudem versteckte Geheimnisse, Ruinen und Artefakte, die entdeckt werden wollen. Der Spieler bekommt die Freiheit zu tun und zu lassen, was er in der Spielwelt möchte. Dabei sitzt ihm jedoch das Bewusstsein der drohenden Gefahr durch Vaas ebenso ständig im Nacken wie die vielen Gefahren, die die Rook Islands bereithalten. Denn nicht nur Vaas´ patrouillierende Truppen, sondern auch Tiger, Leoparden, Schlangen, Komodowarane und wilde Eber werden in "Far Cry 3" zur existenziellen Bedrohung für Jason. Das Spiel nutzt hierbei ebenso wie sein Vorgänger (Beurteilung zu Far Cry 2) die Dunia-Engine; Jedoch in überarbeiteter Version. Somit sind außer Kontrolle geratene Feuer eine sich noch immer ausbreitende Bedrohung für Gegner wie auch für Jason. Die Atmosphäre einer tropischen Insel wird durch dichte Busch- und Baumumgebungen von weißen Stränden, blauem Meer und steinigen Bergen unterbrochen. Durch die vegetativen Veränderungen der Regionen, beispielsweise das unterschiedliche Vorkommen von Tieren oder Pflanzen, entsteht ein abgerundetes stimmiges Bild der Umgebung.

Jagen, Sammeln und Herstellen
Durch das Einsammeln von Pflanzen und die Herstellung von Heilmitteln kann der Spieler einigen Gefahren entgegenwirken. Mit bestimmten Pflanzen können Duftstoffe gefertigt werden, die wilde Tiere abwehren. Ebenso kann der Spieler erlegte Tiere für die Erweiterung seiner Ausrüstung verwenden. Das ausgereifte Herstellungssystem erfordert zwar eine gewisse Einarbeitungszeit, wertet das Spiel allerdings im Endeffekt auf. Fähigkeiten und Ausrüstung können je nach Belieben und Investitionsbereitschaft verbessert und optimiert werden, wodurch sich neue spielerische Möglichkeiten eröffnen.
Somit bietet "Far Cry 3" anteilig Rollenspielelemente, da neben diesem Craftingsystem (Handwerkliche Herstellung durch gefundene Gegenstände) auch verschiedene Fähigkeiten über Erfahrungspunkte freigeschaltet werden können, die sich durch “wachsende” Tattoos auf Jasons Armen zeigen. Die Vergabe von Talentpunkten ist hierbei mit kleinen Erläuterungen gut nachvollziehbar. Das Herstellen von nützlichen Gegenständen geht durch find- und erlernbare Rezepte für den Spieler einfach von der Hand.

Gemeinsam oder Gegeneinander
"Far Cry 3" bietet neben den Singleplayer-Missionen sowohl einen kooperativen Modus, wie auch einen reinen Multiplayer-Modus. Beim kooperativen Modus können bis zu vier Spieler eine eigenständige Storyline erleben. Die Handlung ist hierbei in Ansätzen an den Singleplayer-Modus angelehnt. Die Inseln sind dieselben und auch die Gegner sehen gleich aus, allerdings ist das Ziel der vier Hauptcharaktere im Koop-Modus eine anderes. Es gilt den verschwundenen Kapitän des gekenterten Schiffes zu finden, das die Vier auf die Rook Islands verfrachtet hat. Im Multiplayer-Modus befindet man sich im gleichen Inselszenario wie im Koop- und Singleplay-Modus und es gibt die typischen Shooter-Modi, wie beispielsweise Team-Deathmatch, Eroberung und Zerstörung. Hierbei erhält der Spieler Punkte für Abschüsse, Assists (Unterstützung bei einem Abschuss) und rächende Abschüsse, welche für Drohnen und Ähnliches eingetauscht werden können. Bekannt sind diese Mechanismen aus anderen First-Person-Shootern wie beispielsweise der Call of Duty-Reihe (Beurteilung zu Call of Duty: Black Ops II). Hierbei ist die einzig nennenswerte Neuerung, dass durch sogenannte Kampfschreie Mitspieler in der Nähe eine Aufwertung ihrer maximalen Lebenspunkte, der Lebensgeneration und der Nachladegeschwindigkeit erhalten. Dadurch werden dem kampfschreienden Spieler zusätzliche Punkte für die Unterstützungsleistung gewährt.

Blutige Take Downs
Die Darstellungen der Charaktere sind im Plattform-Vergleich auf dem PC zwar um ein Vielfaches detailreicher, Animationen von Menschen und Tieren wirken aber allgemein flüssig und somit glaubwürdig. Gerade daher spielt die Darstellung von Gewalt eine tragende Rolle. Durch die freischaltbaren Fähigkeiten werden sogenannte “Take Downs” (zu deutsch “Zerleger”) möglich, durch die der Spieler Gegner in blutigen Animationen ausschalten kann. Dabei werden Messer in die Kehlen der Gegner gestochen oder über größere Entfernung in den Kopf geworfen. Die Menschen sind detailreich animiert, als solche deutlich zu erkennen, wodurch die Gewalt und Brutalität klar ersichtlich wird. Diese Momente fielen bei der Testung besonders auf. Weiterhin ist das Häuten von Tieren wiederum mit einer blutigen Animation ausgeschmückt. Das Messer wird mit großer Wucht in das schon tote Tier getrieben, gefolgt von einer blutigen Fontäne und dem Einstecken des begehrten, blutigen Fells in die Beutetasche. Diese blutigen, kurzen Animationsszenen fielen anfangs besonders auf, sind jedoch als Notwendigkeit innerhalb des Spielgeschehens im Kampf um das Überleben gegen Vaas und die Natur wahrgenommen worden.

Fazit:
Der Urlaubstrip auf der Tropeninsel ist für Jason Brody zum Horrortrip geworden; für den Spieler ergibt sich jedoch eine offene Spielwelt eingreifender Vegetation, ein verrückter Antagonist und eine verzweigte Story. Durch die szenische Gestaltung der Spielwelt, die glaubwürdigen Charaktere und den Aufbau der Geschichte bildet "Far Cry 3" ein gelungenes Spiel auf Höhe seiner Zeit ab. Auch der Einstieg in das Spiel ist leicht erlernbar. "Far Cry 3" macht nicht alles neu, setzt es aber gut um. Die gewalthaltigen Elemente dienen der Spielatmosphäre und nicht als Schockmomente um des Blutes Willen. Somit ist die USK-Freigabe ab 18 Jahren gerechtfertigt.