South Park: Der Stab der Wahrheit

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2014.03
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
South Park im Rollenspielgewand mit den bekannten Fäkalwitzen & viel schwarzem Humor
Redaktion, Gruppenleiterin
Linda Scholz
Spieleratgeber-NRW, OT St. Anna Ehrenfeld
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5Screenshot 6Screenshot 7

Spielbeschreibung:
Wer die Serie South Park kennt, der weiß, was ihn erwartet. Bereits seit der ersten Staffel im Jahr 1997 (beziehungsweise 1999 in Deutschland) nehmen die Macher Trey Parker und Matt Stone alles aufs Korn, das in der kulturellen Gesellschaft einen gewissen Stellenwert besitzt. Dabei geht die Serie wahrlich nicht sehr zimperlich oder feinfühlig mit recht brisanten Themen um wie Waffengewalt in Amerika, Homosexualität, Nationalsozialismus, Pornografie, Sodomie, Pädophilie, Datenmissbrauch, soziale Netzwerke, Vergewaltigung, Rassismus, Drogenkonsum, Armut, Gewalt gegen Frauen, Kinder oder Tiere und so weiter. Die Liste kann beliebig erweitert werden, denn in South Park gibt es nichts, was es nicht gibt. Hierbei werden die Themen weder schön geredet, noch propagiert oder verharmlost, sondern möglichst überspitzt und übertrieben dargestellt, um wirklich weit unter die Gürtellinie zu gehen. Übertreibungen sind ein Stilmittel, um gewisse Themen möglichst überzogen und humoristisch zu vermitteln. In Filmen werden diese in Parodien  besonders gerne genutzt – ein Beispiel sind die Monty Python Filme. Schwierig wird es hier erst, wenn wirklich prägnante Themen wie Sklaverei, sexueller Missbrauch, Glaubenskrieg oder der Nationalsozialismus zur Sprache kommen. South Park tut genau dies und zwar so überzogen und um Fäkalhumor erweitert, dass die Serie derart polarisiert, dass sie bereits mehrfach in der Medienlandschaft diskutiert wurde. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Protagonisten der Serie allesamt Kinder sind, die in ihrer kindlichen Welt die Probleme der Erwachsenen thematisieren.
Dieses Spiel zur Serie setzt da an, wo ein Dreiteiler der 17ten Staffel aufhört. Der Spieler steuert einen neuen Jungen in der namensgebenden Kleinstadt und lernt nach und nach die verschiedenen Bewohner kennen, die bereits in der Serie vorkommen. In Rollenspielmanier muss das neue Kind versuchen, den Stab der Wahrheit zurückzuerobern, wird dabei von Aliens entführt, von der Regierung verfolgt und muss sich letztlich gegen Nazi-Zombies erwehren.

Pädagogische Beurteilung:
Cartoon-Look im Rollenspielgewand
Die komplette optische Darstellung ist an die einfache Legetrick-Stop-Motion-Technik der Fernsehserie angelehnt. Obwohl die Grafik im Vergleich mit anderen Serien oder Videospielen eher veraltet wirkt, wird gerade dadurch der eigene Charakter und Charme der Serie deutlich. Den größten Teil des Spiels bestimmt jedoch der Rollenspiel-Flair. Der Spieler kann sich direkt zu Beginn seinen eigenen Charakter gestalten und mit diesem fortan die Stadt erkunden. Nach und nach lernt der Spieler die anderen Charaktere wie Cartman, Butters oder Kenny kennen und versucht gegen die rivalisierenden Elfen, angeführt von Kyle und Stan, den Stab der Wahrheit zurückzuerobern. Die Kinder spielen nämlich ein Live-Rollenspiel und kämpfen um die Vorherrschaft in South Park. Damit sich der Neue der drohenden Gefahr stellen kann, muss der Spieler erst einmal eine Klasse auswählen. Zur Verfügung stehen hierbei Dieb, Zauberer, Krieger und Jude. Nach und nach erhält der Spieler, von allen anderen nur „Saftstack“ genannt, neue Fähigkeiten, Ausrüstungsgegenstände und Levelaufstiege, durch die er stärker wird und neue Möglichkeiten im Spiel bekommt. Das Hauptaugenmerk auf den spielerischen Elementen liegt hierbei deutlich dem Rollenspiel-Genre zugrunde.

Der Kampf um die Macht
Zwar beginnt "South Park: Der Stab der Wahrheit" als einfache Kinderspielerei um einen Stock, doch mit der Zeit geschehen seltsame Dinge in der Kleinstadt. Bereits am ersten Abend wird der Spieler von einem Raumschiff entführt. Anschließend stürzt dieses ab und verseucht die Stadt mit einem grünen Schleim. Sobald Lebewesen mit diesem in Berührung kommen, verwandeln sie sich in Nazi-Zombies. Auch wenn die Sprachausgabe des Spiels komplett in Englisch mit deutschem Untertitel gehalten ist, sprechen die Nazi-Zombies - egal ob Mann, Frau, Kind, Kuh, Ratte, Hund oder Fötus - deutsche Parolen. Diese Feinde werden in Rollenspielmanier in rundenbasierten Kämpfen besiegt. Je nach Level und Charakterklasse stehen „Saftsack“ und seinem individuellen Begleiter verschiedene Fähigkeiten zur Verfügung. So ist Kenny die Heilerin und der Zauberer Cartman kann seine Furz-Granate auf die Gegner loslassen. Allgemein muss der Spieler verschiedene Aktionen auswählen und diese per schnellem, wiederholtem oder zeitgenauem Drücken oder Drehen des Analogsticks zielgenau ausführen. Allerdings bieten die Kämpfe sehr wenig Abwechslung und werden daher schnell langweilig.

Der Haken mit dem Kreuz
Verfassungswidrige Symbole dürfen in Deutschland und Österreich nicht in Computerspielen vorkommen (siehe auch Beurteilung zu Saboteur). Sie dürfen lediglich gezeigt werden, wenn sie zur Förderung von Kunst und Wissenschaft oder der politischen Aufklärung dienen - Filme und TV-Serien sind von einer Zensur daher oftmals nicht betroffen. Videospielen wurde aber noch kein offizieller künstlerischer Charakter zugewiesen, weshalb Hakenkreuze und andere Symbole in im deutschsprachigen Raum streng zensiert werden (vgl. „Hakenkreuze in Games: "Spiele sind keine Filme" - Interview mit der Obersten Landesjugendbehörde“ auf pcgames.de). "South Park: Der Stab der Wahrheit" war hiervon betroffen und so musste Ubisoft die erste Spielelieferung komplett zurückfordern, da ein Symbol übersehen wurde (Quelle: derstandard.at). Mittlerweile sind alle Hakenkreuze durch schwarze Balken ersetzt.
Doch ebenso schwer hatten es einige andere Szenen im Spiel, die für gewisse Länder zensiert wurden. „Es gibt tatsächlich 5 Versionen. Nord/Südamerika, Europa, Deutschland, Australien und Russland. Nur die Nord/Südamerikanische Version ist komplett unzensiert auf jeder Plattform.“ (vgl. areagames.de) Betroffen sind Szenen, in denen eine Spielfigur mit einer Analsonde untersucht wird und Szenen, in denen eine Abtreibung vorgenommen wird. Diese Szenen sind in Europa durch einen Ladebildschirm überblendet, in dem der Spieler als Text lesen kann, was in der Szene passiert. Betroffen sind hierbei die Konsolen-Versionen, weshalb diese die abweichende USK-Freigabe „ab 16 Jahren“ haben, während die PC-Version „keine Jugendfreigabe“ bekommen hat. Die Serie hat seit jeher eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren.

Die Komik des Tabubruchs
Es stellt sich letztlich die Frage, warum Kindern und Jugendlichen South Park gefällt und welche Faszination dem zugrunde liegt. Fragt man Kinder und Jugendliche nach den Gründen, warum sie Computerspiele spielen, taucht immer wieder das Argument auf, dass sie in Spielen Dinge machen können, die sie in der Realität nicht können. Gerade deshalb sind, meist von den Erwachsenen aufgelegte, Tabubrüche besonders spannend für Heranwachsende. Durch die kindliche Umgebung der Hauptcharaktere können sich die Spieler mit deren Lebenswelt identifizieren und gleichzeitig erleben sie mit den South Park Kindern Situationen, die abseits ihres bekannten Alltags liegen. Gerade dadurch brechen Cartman oder Kenny aus ihrer Rolle als Kinder aus, was die Fans der Serie gerne beobachten, da sie dies in ihrer eigenen Welt nicht können oder wollen. Durch diese virtuellen Probehandlungen können Grenzüberschreitungen digital stattfinden erlebbar gemacht werden, die faszinieren, da sie in der Alltagswelt undenkbar wären und nicht mit der eigenen Gesinnung übereinstimmen müssen.

Soziales Netzwerk aufbauen
Im Pausenmenü hat der Spieler ein kleines soziales Netzwerk, durch das er seine Freunde und Aufgaben ansehen kann. Der Spieler kann sich so gut wie mit jedem Wesen in South Park anfreunden, was durch eine Freundschaftsanfrage im virtuellen sozialen Netzwerk angezeigt wird. Zusätzlich posten diese Freunde ab und an in Facebook-Manier auf die Pinnwand, wenn sie beispielsweise neue Aufgaben haben. Weiterhin lassen sich die Karte von South Park und die offenen Aufgaben ansehen. Die Kleinstadt hat nämlich Rollenspiel-typisch einiges an versteckten Nebenmissionen und geheimen Fundstücken zu bieten. Zusätzlich kann der Spieler seine Figur jederzeit mit neu gefundenen Ausrüstungsgegenständen und Accessoires optisch verändern beziehungsweise verbessern und so ständig individuell anpassen. Allerdings ist das Spiel, sofern man nicht darauf aus ist alle Trophäen und sammelbaren Objekte zu erlangen, relativ schnell vorbei.

Fazit:
"South Park: Der Stab der Wahrheit" beinhaltet denselben schwarzen Humor und die gleichen Fäkalwitze wie die Serie. Selbst die Figuren und die Anspielungen werden den Fans bereits aus der Serie bekannt sein. Das Spiel bietet neben dem Kampfsystem also nicht wirklich viel Neues, vielmehr ein buntes Potpourri aus über 15 Jahren South Park. Die Serie möchte hierbei gesellschaftskritische Themen polarisierend ansprechen und anstatt den mahnenden Zeigefinger zu erheben stößt sie lieber mit einem Hammer auf die offene Wunde. Auf jeden Fall bedarf es einiger emotionaler und sozialer Reife, um die vielen Anspielungen richtig einordnen zu können. Die Serie South Park ist per App oder im Internet jederzeit kostenlos anzusehen und wird von vielen Kindern und Jugendlichen geschaut. Interessierte Eltern haben also ebenfalls die Möglichkeit sich jederzeit ein eigenes Bild zu machen und zu entscheiden, ob  die Serie beziehungsweise das Spiel für ihr Kind bedenkenlos konsumierbar ist.