Watch Dogs

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2014.05
Systeme
PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, Wii U
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Open World Spiel mit aktuellem Hacker- & Überwachungsszenario
Redaktion
Alexander Hundenborn
Spieleratgeber NRW
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Spielbeschreibung:
Handlung
Der Spieler schlüpft in die Rolle von Aiden Pearce. Aiden ist ein polizeilich gesuchter Hacker, der mit seinem Smartphone Zugriff auf das CtOS (Central Operating System) hat und das er sich für seine Zwecke zu Nutze macht. Er hackt Überwachungskameras und Schaltsysteme, ändert den Verkehr oder sammelt Informationen mittels seines Smartphones. Aiden Pearce verfolgt in Watch Dogs das Ziel, den Tod seiner Nichte Lena zu rächen, die bei einem feindlichen Versuch Aiden zur Strecke zu bringen, in einem Autounfall ums Leben kam. Hierzu versucht er die Drahtzieher des Anschlags ausfindig zu machen und seine Familie zu schützen. Zur Seite stehen Aiden auf seinem Rachefeldzug und Aufklärungsversuchen die Hackerin Clara und der Söldner Chin, die zeitweise neue Aufgaben stellen und die Handlung vorantreiben.
Watch Dogs bietet jederzeit die Möglichkeit der Haupthandlung zu folgen oder Nebenmissionen und Minispiele auszuprobieren. Die Nebenmissionen reichen von Infiltrationen bis hin zu Hackaufträgen. Die Minispiele bieten eine Vielzahl von spaßigen Abwechslungen. Aiden kann beispielsweise á la Super Mario durch die Stadt laufen und Münzen einsammeln oder zwischen den  Häuserschluchten durch Ringe fliegen. Meist sind diese Minispiele sehr überzogen dargestellt, so dass sie nicht in die eher dunklere Atmosphäre passen, diese aber gekonnt auflockern.

Überwachung
Watch Dogs bietet eine offene Spielwelt in einer an Chicago angelehnten Stadt. Die Stadt wird durch das sogenannte CtOS überwacht, welches von der fiktiven Firma „Blume Corporation“ entwickelt wurde, um digitale und persönliche Daten zu sammeln und Profile über alle Bewohner zu erstellen. Diese reichen von Hobbys und Jahreseinkommen über abgebrochene Therapien bis zu kriminellen Aktivitäten. Das CtOS ermöglicht weiterhin den Zugriff auf Kommunikationsmittel und Verkehrsleitsysteme, wie Ampeln oder Absperrungen. Errichtet wurde das CtOS, um Verbrechen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Pädagogische Beurteilung:
Spielprinzip
Watch Dogs ist ein sogenanntes „Open World“-Spiel. Das bedeutet, dass nahezu die komplette Spielwelt frei begehbar ist. Der Spieler hat die Möglichkeit die gesamte Stadt zu erforschen. Je nach Fortschritt ist jedoch der Zugang zum CtOS noch nicht möglich und muss erst freigeschaltet werden. Watch Dogs wird aus der thirdperson-Sicht gesteuert, so dass ein möglichst freier Blick über die Spielwelt erreicht werden kann, aber noch genug Nähe zur Hauptperson besteht. Durch die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten muss nicht immer Gewalt zur Lösung der Aufträge angewendet werden, jedoch ist dies möglich. Die Darstellung der Gewalt ist bei nötiger Anwendung sehr explizit, so dass auch eine Alterseinstufung ab 18 Jahren gerechtfertigt ist.

Sound
Die Geräuschkulisse bei Watch Dogs ist sehr gelungen. Aiden Pearce wird von einem bekannten Synchronsprecher gesprochen und auch die Vertonung der Dialoge der Passanten ist ansprechend umgesetzt. Die Soundeffekte der Fortbewegungsmittel klingen glaubhaft, so dass eine kohärente Atmosphäre zwischen Bild und Ton erschaffen wird. Musikalische Untermalungen von schnellen Verfolgungsjagden und spannenden Zwischensequenzen unterstreichen die düstere Atmosphäre von Watch Dogs.

Darstellung
Watch Dogs hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Von der Ankündigung bis zu Veröffentlichung wurden unterschiedliche optische Zustände des Spiels präsentiert. Die anfängliche, sehr realistische Grafik ließ hohe Erwartungen an das Spiel aufkommen, diese wurden jedoch bei der Veröffentlichung enttäuscht. Jedoch ist die Enttäuschung der Spieler auf hohem Niveau, da Watch Dogs durchaus ein ansprechend gestaltetes Spiel ist. Die Figuren sind realistisch dargestellt, so dass auch Mimik und Gestik glaubwürdig wirken. Passanten bewegen sich nachvollziehbar und wenig wiederholend, so dass eine lebendige Stadt suggeriert wird. Vehikel bewegen sich je nach Größe und Geschwindigkeit realitätsnah und ein dynamischer Wetterwechsel unterstreichen die Vitalität der Spielwelt. Zusammengefasst wird eine optisch ansprechende und immersive Spielwelt geschaffen, die zu Entdeckungstouren in einem dystopischen Setting einladen.

Gesellschaftliche Anknüpfungspunkte
Nicht nur Firmen wie Google oder Facebook sammeln Daten, sondern auch staatliche Geheimdienste. Ubisoft zeichnet in Watch Dogs eine dystopische Welt der totalen Kontrolle eines Unternehmens über persönliche Daten. Eine Vision einer „Was-wäre-wenn“-Situation wird deutlich und bietet Boden für viele Diskussionen. Die Nutzung von persönlichen Daten zu kommerziellen Zwecken ist längst Realität, doch treibt Watch Dogs diese Situation auf die Spitze, indem der Spieler Zugriff auf die vollkommen vernetzte Stadt erhält. Diese Situation lädt dazu ein, entweder Gespräche über die dargestellte Überwachung und Vernetzung sowie die daraus resultierenden Folgen zu führen oder weitergehende Informationen über historische Vergleiche wie die Stasi oder aktuelle Diskussionen, wie die NSA und BND Kooperationen, einzuholen. Watch Dogs greift viele Themen auf, beleuchtet jedoch durch wenig Tiefe die diskutablen Bereiche nur wenig.

Multiplayer
Zu einem modernen Spiel gehört meist ein Online-Multiplayermodus. Watch Dogs liefert zwei Arten des Mehrspielerspiels. Zum einen werden klassische Multiplayermodi, wie Capture the Flag oder Dominiation auf das Hackersetting übertragen und zum anderen wird die Möglichkeit eines derzeit innovativen Second-Screen-Erlebnisses integriert. Das bedeutet, dass nicht nur auf Konsolen oder dem PC online gegeneinander gespielt werden, sondern auch ein Tablet in das Onlinespiel mit eingebunden werden kann. Somit muss der Spieler, der mit dem Tablet spielt, nicht im heimischen Wohnzimmer sein, sondern kann potenziell von jedem Ort aus eine Multiplayerpartie starten. In Watch Dogs klinkt sich der Tablet-Spieler in das Spiel eines Konsolen- oder PC-Spielers ein und übernimmt die Rolle der Polizei. Die Stadt wird aus der Vogelperspektive angezeigt, sodass der Tablet-Spieler einen guten Überblick hat. Es gilt den Konsolenspieler am Erreichen von Wegpunkten zu hindern. Dazu können Streifenwagen gerufen, Ampeln geschaltet oder Poller ausgefahren werden. Diese Möglichkeiten entsprechen den Hacks aus dem Singleplayer-Spiel. Im Tablet-Multiplayermodus können über erfolgreiche Spiele Levelaufstiege und Punkte gesammelt werden, um mächtigere Polizeieinheiten zu rufen, um den Konsolenspieler zu stoppen.

Fazit:
Watch Dogs bedient aktuelle Themen und greift diese als Videospiel auf. Verbunden mit innovativen Mehrspielerideen und einer freien Spielwelt wird ein spannendes Spiel geboten. Inhaltliche Schwächen werden von abwechslungsreichen Minispielen und Nebenmissionen aufgelockert. Durch die jedoch expliziten Gewaltdarstellungen und für Kinder und Jugendlichen untauglichen Profile erwachsener Spielfiguren ist Watch Dogs gerechtfertigt ab 18 Jahren freigegeben. Dennoch bieten sich für erwachsene Spieler Anknüpfungspunkte an aktuelle Diskussion rund um die Themen Datenschutz, Big Data und Überwachung.