Harveys neue Augen

Genre
Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Daedalic Entertainment
Erscheinungsjahr
2011.08
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Klassisches Point & Click-Adventure mit viel schwarzem Humor
Redaktion, Gruppenleiterin
Linda Scholz
Spieleratgeber-NRW, OT St. Anna Ehrenfeld
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Spielbeschreibung:
Bereits mit dem Adventure Edna bricht aus (Beurteilung zu Edna bricht aus) gewann der deutsche Spieleentwickler Daedalic Entertainment mehrere Preise. "Harveys neue Augen" ist die Fortsetzung und wartet mit bekannten Steuerelementen, Charakteren und Orten des Vorgängers auf.
Hauptfigur ist die kleine Lilli, die in einer Klosterschule lebt und nicht spricht, da sie sehr schüchtern ist. Ihre einzige Freundin ist Edna, während sie von den anderen Mitschülern und den Lehrern schikaniert wird. Oberin Ignatz, die Lilli immer wieder zu Strafarbeiten verdonnert, verständigt Dr. Marcel, um die ihrer Meinung nach aufmüpfige Lilli zu therapieren. Zwar kann Edna aus dem Kloster fliehen, Lilli wird jedoch von der Oberin und dem Doktor gefangen und hypnotisiert. Hierfür verwendet Dr. Marcel Ednas Stofftierhasen Harvey, dem er neue rot leuchtende Augen eingesetzt hat. Aufgrund der Hypnose kann Lilli fortan auferlegte Verbote nicht umgehen, was die Suche nach Edna deutlich erschwert. Gespielt wird in Point & Click Manier durch Anklicken, Kombinieren und Interagieren mit der Spielwelt, den Charakteren und verschiedenen Objekten.

Pädagogische Beurteilung:
Zensurgnome zur Entschärfung
Nachdem das Spiel anfangs sehr harmlos daherkommt, fragten sich die Tester, weshalb das Spiel von der USK ab 12 Jahren freigegeben wurde. Doch bereits nach einiger Spielzeit klärte sich diese Frage. Nachdem Lilli erfährt, dass Dr. Marcel auf dem Weg ins Kloster ist, wird sie von Edna gebeten, alle Hinweise zu verstecken, die verraten, dass Edna im Kloster war. Für dieses Unterfangen muss Lilli nicht nur mit den Objekten interagieren, sondern auch mit den anderen Mitschülern sprechen, diese um Hilfe bitten und ihnen Gefallen tun. Letztendlich läuft es jedoch immer darauf hinaus, dass die Mitschüler sterben. Entweder durch einen - von Lilli unbeabsichtigt verursachten – Unfall oder durch Selbstmord. Lilli bekommt hiervon allerdings meist nichts mit. So entfernt sie beispielsweise ein Stück Holz aus einem Baum, an dem eine Mitschülerin schaukelt. Sobald man diesen Ort das nächste Mal betritt ist der Baum umgekippt und die Mitschülerin verschwunden. In diesen Situationen tauchen jedoch die sogenannten Zensurgnome auf, die das eigentlich Geschehene lila bunt überpinseln. Hinzu kommt die sarkastische Erzählstimme, die verkündet, dass dort die kleinen, lustigen Gnome sind, die Lilli ab und an sieht. Sowohl Lilli wie auch die anderen Spielcharaktere scheinen von den tödlichen Unfällen nichts mitzubekommen und auch der Erzähler synchronisiert weiter mit einer scheinbar amüsanten Gelassenheit. Nachdem die Tester diese Wendungen nicht erwartet hatten, reagierten sie leicht irritiert: „Ist die jetzt gestorben?“ (Tester 12 Jahre). „Das kriegt da anscheinend keiner mit, dass das immer weniger werden“ (Tester 13 Jahre). Hierbei sei jedoch angemerkt, dass das Spiel an keiner Stelle gewalthaltige Inhalte zeigt und die Darstellungen denen eines Cartoons entsprechen.

Für Rätselfreunde
Doch dadurch hat es nicht nur die Spielgeschichte in sich sondern auch die Rätsel verlangen einiges von den Spielern ab. Oftmals musste gemeinsam geknobelt werden und die Tester probierten verschiedene mögliche Lösungswege aus, um letztlich die richtige Kombination oder Interaktion zu finden. Zwar sind die meisten Lösungen sehr skurril, ergeben aber innerhalb der Spielwelt Sinn und lassen sich meistens logisch herleiten. Ab und an gibt es auch kleine Minispiele, die von dem Spieler einiges an Logik und taktischem Denken fordern. Insgesamt kam der Schwierigkeitsgrad bei den Testern gut an, da die Rätsel zwar viel Knobelei fordern, aber nicht zwingend eine Lösungshilfe voraussetzen: „Für manche Rätsel braucht man länger, aber man fühlt sich besser, wenn man ohne Lösung drauf kommt“ (Tester 14 Jahre).

Das ist verboten!
Den größten Teil des Spiels machen jedoch die Verbote aus, die Lilli von Dr. Marcel unter Hypnose auferlegt wurden. Der sprechende Stofftierhase Harvey betritt immer die Umgebung, sobald Lilli versucht, eines der Verbote zu umgehen. Daher ist es schwer Rätsel zu lösen, da Lilli beispielsweise nicht mit Feuer „spielen“ darf, keine scharfen Gegenstände berühren soll und auch gefährliche Orte meiden muss. Diese Verbote sind hierbei klassische Regeln, die Kindern auferlegt werden, die jedoch in der Adventure-Welt ein Weiterkommen unmöglich machen. Es gilt also diese Verbote zu umgehen und hierzu muss der Spieler mit Lilli in die Trance-Welt und sich Harvey stellen, der immer wieder verschiedene Personifizierungen dieser Verbote annimmt. In diesen Abschnitten gilt es, das Verbot als absurd darzustellen, damit dieses fortan aufgehoben wird. So muss Lilli beispielsweise Harvey – in der Form eines Schneemanns – davon überzeugen mit Feuer „spielen“ zu können, da sie ihm einen brennenden Hut abnehmen soll. In einer weiteren Episode ist Harvey ein riesiger Drache und Lilli kann ihm den schmerzenden Stachel nur herausziehen, sobald er ihr erlaubt, scharfe Gegenstände zu berühren. Hat Lilli die Verbote aufgehoben, kann sie diese in der realen Welt auch umgehen, allerdings müssen diese vorher ausgewählt werden.  Erst gegen Ende können alle Verbote gleichzeitig umgangen werden, sobald Harvey von seinen bösen roten Augen befreit wurde und Lilli ihm die alten Augen angenäht hat.

Fazit:
Da man keine Vorkenntnisse des Vorgängers benötigt kommen bei "Harveys neue Augen" nicht nur Fans von Edna bricht aus auf ihre Kosten. Der Schwierigkeitsgrad lädt zwar an vielen Stellen zum längeren Knobeln und Ausprobieren ein, aber gerade Jugendliche, die Spaß am Rätsel lösen haben, sollte das weniger abschrecken. Für ungeduldige Spieler kann es hingegen oftmals zu Frustmomenten kommen und die Tester waren sich oftmals uneinig, ob sie eine Lösungshilfe einsehen wollen, um das Spiel nicht frustriert in die Ecke zu legen. Doch gerade zu mehreren Personen bietet sich das Adventure an, da die Geschichte, die bissigen Kommentare des Erzählers, die lustigen Charaktere und auch der schwarze Humor auch zum bloßen Zusehen einladen. Auch der Comic-Grafikstil und die musikalische Untermalung runden die Atmosphäre des Spiels ab. Zwar sind die dramatischen Unfälle, die Zensurgnome, die vielen Tode und die Thematik Verbote der Erwachsenen zu umgehen unkonventionell, aber „das sollte man alles mit Humor nehmen und nicht so ernst sehen“ (Tester 14 Jahre).

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Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass