Kingdoms of Amalur: Reckoning

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2012.02
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Brutales Rollenspiel mit kreativer Story
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Kingdoms of Amalur: Reckoning" ist ein Rollenspiel, welches den Spieler in die fantastische Welt von Amalur entführt. Amalur ist eine von fremdartigen Wesen bevölkerte Welt, die nicht nur unheimlich viel Abwechslung bietet, sondern auch mit einer kreativen und magischen Geschichte aus der Feder des New-York-Times-Bestsellerautors R. A. Salvatore aufwarten kann. Diese Welt wird seit einem Jahrzehnt von einem Krieg zwischen sterblichen Völkern und den sogenannten Tuatha Deohn, einer Abspaltung der Winterfeien (Feien sind in Amalur ein uraltes elfenähnliches Volk), angeführt von Gadflow beherrscht. Letztere können zwar getötet werden, stehen aber irgendwann wieder auf dem Schlachtfeld, weil sie unsterblich sind. Und so bestimmt es wohl das Schicksal, dass die sterblichen Völker irgendwann ausgerottet werden. Durch ein Experiment namens ‚Quell der Seelen‘ gelingt es, einen Sterblichen wiederzubeleben allerdings mit erschreckenden Nebenwirkungen: In einer Welt, die durch das Schicksal geleitet wird, besitzt jemand fortan kein Schicksal – und kann deshalb die Welt verändern.

Pädagogische Beurteilung:

Von Pascal Fassbinder

Atmosphärische Präsentation
Reckoning besitzt eine comicartige Grafik, welche die Umgebung des Spielers fast immer gut in Szene setzt, ohne dabei ein Technikfeuerwerk abzuliefern. Zusammen mit der häufig ruhig dahinplätschernden Hintergrundmusik gelingt es so, bei einer Wanderschaft durch die Wälder Amalurs den Eindruck einer friedlichen Welt zu erwecken. Sobald man allerdings in einen Kampf verwickelt wird, ist dieser erste Eindruck Geschichte – sofort wird die Umgebung seltsam fokussiert und die Musik wandelt sich, wenn überhaupt noch vorhanden, zum leisen Grollen. Die richtige Stimmung wird so sehr häufig eingefangen und bringt den Spieler dazu, sich tiefer in die Welt hineinzufinden.

Blutiges Zickzack
Der Spieler steuert den Protagonisten mit Tastatur und Maus oder wahlweise mit einem Controller. "Kingdoms of Amalur: Reckoning" hat ein sehr schnelles Kampfsystem und man ist dauernd in Bewegung. Entweder muss der Spieler im Nahkampf mit kleinen Dolchen auf Tuchfühlung gehen und ausweichen sobald die Gegner zum Gegenangriff ansetzen oder auf mittlerer Entfernung mit Chakrams angreifen, der Waffe, die auch schon Xena die Kriegerprinzessin verwendet hat. Im Kampf gegen mehrere Bestien kann es aber vorkommen, dass die Steuerung ungenau wird, da die Geschwindigkeit einfach sehr schnell zunimmt. Im Eifer des Gefechts bemerkt der Spieler das selten, aber es kann störend sein, wenn der Charakter deswegen an der Umgebung hängenbleibt und nicht mehr richtig gesteuert werden kann. Gerade diese Schnelligkeit kann jedoch auch großen Spaß machen, wenn der Spieler beispielsweise durch eine Gruppe von Feinden rauscht und ihnen den Garaus macht. Die Blut- und Gewaltdarstellungen können dabei jedoch manchmal Überhand nehmen. Gerade wenn man im sogenannten Abrechnungsmodus eine Art Spezialattacke verwendet - man wirft z.B. seinen Gegner in einen Speer und erhöht die Erfahrungspunkte durch schnelles Drücken der Knöpfe (Button-Mashing) - spritzt das Blut so richtig.

Webe dein eigenes Schicksal!
Wie man kämpft und welche Waffen und Fähigkeiten man verwendet ist völlig frei wählbar. Der Charakter des Spielers ist schließlich ohne ein Schicksal, kann sich seines also selbst aussuchen. Durch dieses Schicksalssystem ist dem Spieler eine große Freiheit bei der Personalisierung seines Charakters gegeben. Durch das Kämpfen erhält der Spieler Erfahrungspunkte, die irgendwann zum Levelaufstieg führen. Dabei werden zwei Arten von sogenannten Skillpunkten gutgeschrieben. Einmal für Eigenschaften des Charakters, die beispielsweise ermöglichen Geheimtüren zu erkennen oder Schlösser zu knacken, und auch für klassische Fähigkeiten und Zauber, die dem Kampf dienen. Letztere lassen sich frei in drei Kategorien verteilen, nämlich Macht (Krieger), Raffinesse (Schurke) und Zauberkraft (Magier). Was das Spiel jedoch so besonders macht sind die ‚Schicksalskarten‘. Der Spieler kann sich eine aussuchen, die der Verteilung der Skillpunkte entspricht, und erhält Schadensboni oder zusätzliche Fähigkeiten, welche dem eigenen Kampfstil zuträglich sind. Ein Schattenwesen kombiniert so beispielsweise Raffinesse und Zauberkraft und erhält die Fähigkeit durch Teleportation auszuweichen und gleichzeitig die Gegner zu vergiften. Oder der Spieler wird zum Tausendsassa, der alle Arten von Fähigkeiten in sich vereint und vielfältige Schadensboni erhält. Falls der Spieler einmal etwas Anderes ausprobieren möchte, kann er bei einem ‚Schicksalsweber‘ gegen einen gewissen Goldbetrag seine Fähigkeitspunkte zurücksetzen lassen, um sie neu zu verteilen. Man kann also jederzeit sein Spielerlebnis verändern, was einen großen Reiz ausübt.

Geschichte auf Steinen
In Amalur gibt es auch abseits der Hauptstory, an deren Ende man den bösen Gadflow aufhalten soll, jede Menge zu entdecken. Es gibt sehr viele Höhlen und Unterschlüpfe, die man frei erforschen kann, und zahlreiche Nebenquests. Auch gibt es verschiedene Fraktionen wie z.B. das Haus der Balladen, eine Gruppe der gutartigen Sommerfeien, denen sich der Spieler anschließen kann. Auch die Geschichte der Welt wird auf ungewöhnliche Art und Weise erzählt, nämlich nicht nur durch Bücher, sondern auch durch sogenannte Wissenssteine, die in der ganzen Welt verstreut sind. Diese sind immer einem Thema zugeordnet und oft auch auf ein Gebiet begrenzt. Die Geschichte wird hierbei manchmal gesungen, manchmal einfach erzählt und ist nicht immer trockenes, altes Wissen, sondern bietet auch ab und an lustige Anekdoten und Geheimnisse. Ganz nebenbei erhält der Spieler, wenn er alle Steine eines Sets aktiviert hat, gewisse Boni für den Charakter, was die Motivation zum Sammeln beträchtlich erhöht.

Epische Bandbreite
Durch die vielen Möglichkeiten, die durch das Spiel gegeben werden, und die einzigartige Präsentation der Welt und ihrer Hintergründe wird der Spieler recht lange an das Spiel gefesselt. Es kann durchaus sein, dass über 100 Stunden in Amalur verbracht werden, wenn man langsam spielt, ganz Amalur durchstreift und alle Nebenaufgaben bewältigt. Hierbei kann das Spiel alleridngs zu jeder Zeit gespeichert und nicht bestandene Aufgaben können jederzeit wiederholt werden.

Fazit:
"Kingdoms of Amalur: Reckoning" ist ein Rollenspiel, welches in eine liebevoll gestaltete Welt führt. Diese Welt wird jedoch schnell in dunklen Farben gemalt und sehr brutal. Auch wenn das ultimative Spielziel das Besiegen des bösen Eroberers Gadflow ist, gibt es viele Gelegenheiten, bei denen der Spieler selbst zu einem Vernichter der Völker werden kann, ohne dass dies größere Konsequenzen hätte. Alleine deswegen ist das Spiel nichts für Minderjährige und sollte nur von Erwachsenen gespielt werden, die die Gewaltdarstellung auch dementsprechend einordnen und Spielzeiten selbstständig regulieren können.