Resident Evil 6

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Capcom
Erscheinungsjahr
2012.10
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Actionspektakel voller Explosionen, Untoter und bizarrer Monster
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
In "Resident Evil 6" schickt der Hersteller Capcom Videospieler ein weiteres Mal in ein enorm populäres Spieluniversum, das seit dem Erstlingswerk 1997 zahlreiche Ableger und Kinofilme hervorgebracht hat. War die Serie früher stets ein Aushängeschild des Horrorgenres, entfernten sich "Resident Evil 4" (Link zur Beurteilung) und 5 (Link zur Beurteilung) zunehmend mehr von den Wurzeln der Marke, worauf Fans der alten Stunde zum Teil mit gemischten Gefühlen reagierten. Stattdessen wurde zunehmend mehr auf Action-Szenen gesetzt - Ein Ansatz, der in "Resident Evil 6" nun auf die Spitze getrieben wird.
Inhaltlich geht es ein weiteres Mal um einen Virus, den eine Gruppe von Bio-Terroristen nutzt, um Menschen in untote Bestien zu verwandeln. Viele globale Metropolen wurden bereits vom C-Virus erfasst, der dabei ist, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen. Dies zu verhindern liegt nun an den sieben spielbaren Charakteren, die nach einer Möglichkeit suchen, den tückischen Virus auszuschalten. Dabei schießt sich der Spieler oftmals durch gigantische Gegnermassen. Neben zombieähnlichen Untoten trifft er dabei auch auf eine Vielzahl bizarrer Monster, die oftmals über einen enormen Ekelfaktor verfügen.
Unter den Figuren entdecken "Resident Evil"-Veteranen bekannte Seriengesichter, die sich in vier unterschiedlichen Kampagnen durch extrem lineare Schauplätze in den USA, China und Osteuropa kämpfen müssen. Scheint es zunächst so, dass die einzelnen Kampagnen inhaltlich nicht näher in Verbindung stehen, werden sie letztlich zusammengeführt und münden in einem gemeinsamen Finale.

Pädagogische Beurteilung:
Action, Schießereien und Explosionen
Ohne inhaltliche Einleitung beginnt das Spiel in einer apokalyptisch anmutenden Metropole der USA, während sich der Protagonist Agent Leon Kennedy in einem permanenten Action-Feuerwerk wiederfindet. Aus der Über-die-Schulter-Perspektive muss sich der Weg durch Horden von Untoten freigeschossen werden, während in der näheren Umgebung eine Explosion die nächste jagt. Immer wieder wird dabei in bestimmten Actionszenen auf sogenannte Quick-Time Events zurückgegriffen. Diese laufen wie eine interaktive Filmsequenz ab und bieten keine Handlungskontrolle über das Geschehen. So gilt es, die auf dem Bildschirm angezeigten Knöpfe unter enormen Zeitdruck auf dem Controller zu betätigen. Letztlich laufen diese Szenarien dadurch immer gleich ab und können nicht variiert werden. Reagiert der Spieler jedoch nicht schnell genug, verliert die Spielfigur ihr Leben. Daraufhin muss dieselbe Szene so lange wiederholt werden, bis die Sequenz erfolgreich gemeistert wurde. Unglücklicherweise sind viele dieser Quick-Time-Passagen dermaßen hektisch und ungenau geraten, dass manch ungeübter Spieler wohl schnell an seiner Frustrationsgrenze angekommen sein sollte.

Nur wenig Verschnaufpausen
Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus von "Resident Evil 6" eindeutig auf bleihaltigen Actionszenen. Größtenteils ist der Spieler damit beschäftigt, sich Schussgefechte mit scheinbar endlosen Gegnerwellen zu liefern. Auch andere Spielbestandteile, in denen zum Beispiel ein Kampfjet gesteuert oder diverse Fahrzeuge gefahren werden müssen, dienen fast immer dazu, den Spieler zum Teil eines interaktiven Actionfilms zu machen. Unterbrochen werden diese Elemente nur selten durch Schleichpassagen, in denen es darum geht, nicht vom Gegner entdeckt zu werden. Die Leon-Kennedy-Kampagne verfügt darüber hinaus über einige Durchschnaufpassagen samt simplen Rätseleinlagen.

Orientierungslos und hektisch
Der starke Fokus auf Actionelemente birgt zudem eine Neuerung, die für möglichst reibungslose Feuergefechte sorgen soll. Erstmals ist es dem Spieler nun möglich zu laufen, während er Gegner anvisiert. Dies schraubt das Spieltempo im Vergleich zu den Vorgängern noch einmal deutlich nach oben. Leider geht dieser Umstand nicht selten mit Orientierungslosigkeit und Hektik einher.
Gerade in Szenen, in denen es die Protagonisten mit mehreren Gegnern zu tun haben, sorgen unglückliche Kameraschwenks regelmäßig dafür, dass die Spieler kurzzeitig den Überblick verlieren. Auch auf die Möglichkeit das Spiel zu pausieren, um in Ruhe die Waffen zu wechseln, wurde anders als in den Vorgängern verzichtet. Stattdessen ist der Spieler gezwungen, während des Spiels Waffen per Controller-Tasten durchzuschalten, was wiederum zu regelrechten Hektik-Exzessen führt. Auch das neue Spielelement, die Spielfigur in Deckung gehen zu lassen und aus selbiger auf Gegner zu schießen, fällt auffallend kompliziert aus. Das neu modifizierte Nahkampfsystem sorgt hingegen immer wieder für Adrenalinschübe. Sobald ein Gegner den Spielfiguren zu nahe kommt, hält sich der Spieler diesen durch rasches Drücken eines eingeblendeten Knopfs vom Leib. So lässt sich beispielsweise per Knopfdruck dem Gegner in höchster Not ein Messer in den Kopf rammen.

Rückendeckung
Letztlich entfaltet "Resident Evil 6" jedoch erst im Zusammenspiel mit einem weiteren menschlichen Mitspieler seinen größten Reiz. So lässt sich ein Großteil des Spiels von zwei Spielern gleichzeitig bestreiten. Dies kann entweder via Online-Funktion oder „live“ mit einem zweiten Spieler erfolgen, der mit einem zweiten Controller eine zusätzliche Figur steuert. Spielen zwei Spieler an einem Bildschirm, wird dieser in zwei Hälften geteilt. Multiplayer-Fans finden darüber hinaus diverse Zusatzmodi, in denen sie beispielsweise selbst in die Haut eines Untoten schlüpfen können oder innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Gegner töten müssen.

Filmreife Inszenierung
Optisch beeindruckt der neuste Serienableger besonders durch seine filmreifen Zwischensequenzen. Diese sind enorm aufwändig gestaltet und glänzen immer wieder durch ihre spektakuläre Inszenierung. Ebenfalls große Sorgfalt wurde bei den Charaktermodellen und Animationen betrieben, die der inhaltlich völlig überzogenen Seifenoper zumindest einen Hauch von Realismus verleihen. Die grafische Qualität der Spielumgebungen schwankt hingegen regelmäßig. So vermischen sich matschige Texturen, die aktuellen Grafik-Highlights um Jahre hinterherhinken, mit beeindruckend detailliert gestalteten Umgebungen. Musikalisch wird auf eine energische Dauerbeschallung gesetzt, die direkt aus einem Hollywood-Blockbuster stammen könnte.

Exzessiv und übertrieben
Grundsätzlich überbietet sich dieser Titel permanent mit völlig abstrusen Übertreibungen. Durch die Wand fahrende Panzer, die einen durch das ganze Haus verfolgen oder eine Verfolgungsjagd auf einem Motorrad, bei der der Spieler über Hochhausdächer springen und letztlich auf einen fliegenden Helikopter springen muss, sind keine Seltenheit. Da passt es dann auch ins Bild, dass die Charaktere nicht näher beleuchtet werden und die Motive der Antagonisten banaler nicht sein könnten.
Doch auch in Sachen Gewalt gibt sich "Resident Evil 6" betont exzessiv. Nach einigen Stunden Spielzeit wurden bereits hunderte von Gegnern auf möglichst grausame Weise um die Ecke gebracht. Ob die Feinde hierbei zerhackt, angezündet oder im schlechtesten Fall von einem Fleischwolf zerkleinert werden, die Kamera hält stets voll drauf und zelebriert diese Momente regelrecht.

Fazit:
Grundsätzlich gilt, dass "Resident Evil 6" Gewalt zu einem zentralen Bestandteil des Spiels macht, welcher explizit durch ein Vorankommen im Spiel belohnt wird. In seiner expliziten Darstellung gehört das Spiel schlichtweg nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig sei erwähnt, dass die Gewaltszenen extrem überspitzt in Szene gesetzt sind, sodass es volljährigen Spielern mit genügend Differenzierungsfähigkeit nicht schwer fallen sollte, die übertriebenen Gewalthandlungen einordnen zu können. Aufgrund der vielen spielerischen Wiederholungen und manchen Design-Fehler sollte allerdings hauptsächlich der kooperative Modus mit einem menschlichen Mitspieler den Unterhaltungsfaktor für volljährige Actionfans ausmachen.