Strassen des Glücks

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2011.12
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Kindern nur äußerst bedingt zugängliche Wirtschaftssimulation mit Glücksspielelementen
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
‚Mariopoly‘ - ganz grob und oberflächlich betrachtet, präsentiert sich der neueste Ableger der in Japan durchaus beliebten „Itadaki Street“ -Serie, "Straßen des Glücks", als eine Art „Monopoly“  im Mario-Gewand. Die in Europa bisher gänzlich unbekannte Reihe erblickte pünktlich zum 20. Jubiläum (2011) auch in Deutschland das Licht der Spielewelt. Ein erster Blick auf Cover und Titel,  Softwareschmiede Square Enix (u.a. verantwortlich für die "Final Fantasy"-Reihe ) und der Vertrieb durch Nintendo, lässt Spielerherzen höher schlagen, erwartet man doch eine weitere qualitativ hochwertigere Minispielsammlung à la "Mario Party". Doch weit gefehlt!
Selbst der erste Eindruck eines ‚Mariopoly‘ entpuppt sich als eher unzutreffend. " Straßen des Glücks" ist gewissermaßen eine waschechte Wirtschaftssimulation mit klassischen Glücks- bzw. Brettspielelementen. Das aus Monopoly bekannte Prinzip des Straßen- und Immobilienkaufs wird u.a. durch etwas komplexere Faktoren wie Aktienkurse und persönliche Beförderungen erweitert. Der Start der on- wie offline mit bis zu vier Teilnehmern spielbaren "Straßen des Glücks" gestaltet sich dabei zunächst so simpel wie bekannt. Jeder 'Glücksjäger' hat die Möglichkeit sich für einen der zahlreichen Nintendo- oder "Dragon Quest"-Helden als Spielfigur zu entscheiden. Mit einem bestimmten monetären Grundbudget ausgestattet, gilt es nun sich per Würfelwurf auf dem Spielbrett fortzubewegen. Auf Wunsch kann man  im Verlauf des Spiels die auf den Spielfeldern befindlichen Grundstücke erwerben und dadurch von anderen Mitspielern Miete kassieren. Einige Straßengebiete werden dabei zu einem Bezirk zusammengefasst, was wiederum Auswirkungen auf die Höhe der Miete hat. So weit, so Monopoly. Bereits mit der Möglichkeit beispielsweise Aktienanteile eines florierenden Gebietes zu erwerben und sich somit eine Gewinn- bzw. Umsatzbeteiligung zu sichern, verändert sich das Spielprinzip jedoch grundlegend. Denn selbst ohne eigenen erwähnenswerten Grundbesitz, besteht dadurch die Möglichkeit das Spiel als Gewinner zu verlassen. Sogenannte Fortunakarten, die entfernt an Ereignis- bzw. Gemeinschaftskarten erinnern, können den Spielverlauf ebenfalls auf den Kopf stellen, da sie beispielsweise kurzerhand den Wert der Grundstücke des Rivalen auf Dauer herabstufen. Auch das Vorhandensein weiterer klassischer (Glücks-)Spielelemente in Form von Zusatzfeldern, die beispielsweise mit einer Teleportierfunktion ausgestattet sind, verändert das Spielprinzip immens und stellt einen elementaren Unterschied zum analogen Brettspiel dar. Gespielt wird eine Runde so lange bis einer der Mitspieler eine vorher vereinbarte Gewinnsumme angehäuft hat. Je nach Spielmodi, etwa ‚Tour‘ oder ‚freies Spiel‘, ist diese Summe festgelegt oder frei bestimmbar und auch der Schwierigkeitsgrad unterscheidet sich dabei je nach Modi spürbar.

Pädagogische Beurteilung:
Steuerung? Kinderleicht!
Zur Steuerung von "Straßen des Glücks" gibt es wahrlich nicht besonders viel zu berichten. Wie es sich für ein virtuelles Brettspiel eigentlich gehört, bietet der ‚Glücksrausch‘ nur rudimentärste Steuerungsoptionen. Ein Knopf um zu würfeln und bestimmte Aktionen, etwa einen Aktien-Ankauf oder Verkauf, zu bestätigen, das Steuerkreuz für Richtungsangaben auf dem Spielbrett oder dem Auswahlbildschirm - fertig. Das klingt einfach und kinderleicht - ist es auch. „Das kann ja sogar meine kleine Schwester und die is vier!“ - auch wenn fortgeschrittene Lesekenntnisse für den Verlauf des Spiels immanent wichtig erscheinen, stimmt es in der Tat, dass selbst Kleinkinder mit der Ein-Knopf-Steuerung prinzipiell klar kommen sollten.

Kindgerechtes Wii-Gewand!
Der Kampf um wirtschaftliche Überlegenheit präsentiert sich in einem Wii-typischen, bunten und „putzigen“ audiovisuellen Gewand. Das Spiel orientiert  sich dabei in jeder Hinsicht an altbekannten und bewährten Settings aus dem Nintendo-Universum, so kann man beispielsweise ein Level aus "Yoshi`s Island" oder eine "Mario Kart"-Strecke als Spielbrett auswählen. Jedes Spielbrett ist dabei zwar im Grunde in 2D, doch eine spürbare grafische Tiefe verleiht dem Spiel einen Hauch von 3D.  Die Animationen zwischen den einzelnen Runden und während des Spiels sind liebevoll gestaltet und präsentieren sich stets quietschbunt in hellen Farben. Die auswählbaren Spielfiguren, die natürlich ebenfalls allesamt aus dem reichen Nintendo-Repertoire stammen, wecken Erinnerungen und sorgen für ein angenehmes Bekanntheitsgefühl. Neben Originalgeräuschen der einzelnen Spielfiguren ist ein nintendotypischer, elektronisch angehauchter, durchaus angenehmer Soundtrack zu hören. Interessanterweise löste dieser immens hohe Bekanntheitsgrad der audiovisuellen Präsentation innerhalb der Gruppe einen gewissen Unmut aus. Dabei wurde moniert, dass zwar alles irgendwie „schon gut“ aussieht, aber „voll nicht neu“ ist und vor allem „schon tausend Mal so oder sogar besser da war“.  Zudem sorgte die gravierende Diskrepanz zwischen Gehörtem bzw. Gesehenem und Spielgeschehen für reichlich Kopfschütteln.

Kindgerechtes Spielprinzip?
Kopfschütteln wird der Wortwahl der Tester hinsichtlich des eigentlichen Spielprinzips nur bedingt gerecht. Selten begann ein Test derart verheißend und endete mit einem derart desaströsen und harten Urteil. Ein kurzer Blick auf Cover und Disc des Spiels - Urteil: Spielspaß garantiert. Spieledisc eingelegt, Menü aufgerufen - Check: Spielspaß garantiert. Audiovisuelle Präsentation - „Yeah, voll Nintendostyle!“ Erste Runde gespielt - „das ist ja echt voll wie Mario Party!“ Zweite Runde gespielt - „nee, das is eher wie Monopoly!“ Dritte Runde gespielt - „ähm, passiert da auch mal was?“ Etwa 30 Minuten später - „können wir bitte, bitte ein anderes Spiel spielen?“ Selten wurde ein Testtitel derart abgestraft. "Straßen des Glücks" gehört definitiv nicht ins Kinderzimmer. Betrachtet man die Steuerung und die Präsentation des Spiels ist man beinahe geneigt der USK-Empfehlung ab 0 Jahren zu folgen. Zieht man die Tatsache, dass das Spiel nur mit guten bis sehr guten Lesekenntnissen richtig spielbar wird, in Betracht, kommt man automatisch auf eine Einstufung ab etwa 8 Jahren. Das Spielgeschehen wiederum, rund um Immobilien-An- und Verkauf, Aktien- und Devisenverlauf, ohne etwaige Geschicklichkeitsübungen in Form von noch so simplen und kurzen Minispielen, mit überaus langwierigem Rundenverlauf, ließ die Gruppe zaudern; „Werde ich wirklich irgendwann so alt, dass ich das toll finde?“, „Das Spiel sollte ab 60 sein!“ Festhalten muss man, dass das Spielprinzip an sich die Tester zu keinem Zeitpunkt reizte und teilweise wohl durchaus überforderte. Was genau eigentlich Sinn bzw. Ziel des Spiels ist, wurde den Kindern kaum bis gar nicht klar. Schwer zu sagen, ab wann wirtschaftliches Basiswissen zum Repertoire eines Heranwachsenden zählt. Fest steht jedenfalls, dass man das Spiel in jedem Fall mit einer gehörigen Portion Geduld angehen muss. Geduld, um die Texteinblendungen zu lesen und vor allem zu verstehen. Geduld, auch mal eine Spielrunde ohne den Ansatz von ‚Action‘ zu überstehen. Geduld, die beim Test bereits nach etwa 30 Minuten komplett aufgebraucht war. Eigentlich, so muss man festhalten, ist das überaus harte Urteil der Tester kein Beinbruch - "Straßen des Glücks" scheint schlicht nichts für Kinder unter 12 Jahren zu sein. Ein Blick zurück aufs Cover jedoch hinterlässt zumindest ein Fragezeichen. Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass die Anleihen aus bekannten Spielewelten Nintendos ein plumpes Werkzeug zum Antreiben der Verkaufszahlen darstellen. Es drängt sich auch die Frage auf, welches Zielpublikum Nintendo eigentlich mit dem Titel erreichen will.

Fazit:
Präsentiert in einem bunten Nintendostil entpuppt sich "Straßen des Glücks" als eher ungewöhnlich für Nintendo. Abgesehen von der Aufmachung hat der Titel nichts mit Wii-typischen, eher kindlichen Spielewelten gemein und erinnert vielmehr an ein Gemisch aus "Monopoly" (Link zur Beurteilung) und "Planspiel Börse" einer bekannten deutschen Bank.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass